Schaumwein und Süßwein. Ein Schrebergartenklassenkampf

Jetzt ist es sich gerade noch ausgegangen. Ab sofort sind zusätzlich zu vier österreichischen Schaumweinen im Sortiment vom Rudl fünf französische, vier nach der „méthode traditionelle“ und ein „pétillant naturel“ teilweise wieder, teilweise erstmals verfügbar.

Und das ist alles andere als selbstverständlich. Der administrative Aufwand, den österreichische Behörden betreiben, um eine Symbolsteuer zu verwalten, ist wirklich kein Lercherl. Und den Rudl würde interessieren, ob dieser Aufwand irgendwo in der Kosten-Nutzen-Rechnung dieser Schaumweinsteuer verbucht ist.

Verstehen Sie den Rudl nicht falsch. Er ist keiner, der sich bei jeder Gelegenheit ob der hohen Steuer- und Abgabenquote echauffiert, aber für alles und jedes um eine öffentliche Förderung die Hand aufhält. Wer ein funktionierendes Gemeinwesen haben will, darf sich nicht vor dem Steuerzahlen drücken. Aber Steuern kommen halt schon per definitionem nur dann ihrer job description nach, wenn sie tatsächlich etwas steuern. Was das im Fall der Schaumweinsteuer sein soll, ist dem Rudl völlig unklar. Einen Verdacht hat er aber schon. Und den wird er Ihnen auch nicht vorenthalten. Klar ist, dass bürokratische Hürden die Großen weniger treffen. Ein Formular für sechstausend Flaschen Schaumwein auszufüllen ist rationeller, als eines für sechzig Flaschen auszufüllen. Manchmal beschleicht den Rudl der Verdacht, dass die Administration den Weinhandel gerne in den Händen von ganz wenigen, vielleicht in den Händen von einem wüsste. Da beklagt man kitschig sentimental und öffentlichkeitswirksam das Greißlersterben, das Absterben der Infrastruktur in den Dörfern, Kleinstädten und Einkaufsstraßen, jammert, dass die Stadtzentren zu Touristenkulissen verkommen, k(l)otzt aber munter Gewerbegebiete, Umfahrungsstraßenkreisverkehre und als Bahnhöfe kaschierte Einkaufszentren, selbstverständlich alles mit Parkflächen und Tiefgaragen, in die Landschaft. Alles im Namen von Strukturförderung und Arbeitsplatzschaffung. Welcher Einzelhändler mietet sich dort ein?

Und als Ablenkung von dieser Uniformisierung des Handels im Besonderen und des Lebens im Allgemeinen führt man einen Disney-Klassenkampf gegen Schaumwein und glaubt, damit den dings den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Ist tatsächlich irgendjemand ernsthaft davon ausgegangen, dass das nicht in die Hose geht?

 

Schaumwein und Süßwein

 

Vergangene Woche inclusive den Goldenen Sonntag hat Monsieur Rudolf den relativ teuren und billigen Weinen in Weiß, Rosé, Orange und Rot gewidmet.

Da gebietet es ihm in den letzten paar Tagen vor Weihnachten quasi die Selbstverpflichtung zur Ausgewogenheit, noch die übergangenen Kategorien Schaumwein und Wein mit Restsüße zu würdigen. Freilich werden auch Stillweine kredenzt, der Bräustübl Weihnachtsbock und das Märzen sowieso.

 

 

  • Giac‘ Bulles 2015, Vin pétillant naturel, Vignerons Giachino, Chapareillan, Vin de France mousseux (3/5)

„Boisson tendrement enivrante“ – illuminierendes Getränk – steht im Untertitel der Flasche. 9 % Alkohol. Alkohollastige Weine bringt die Rebsorte Jacquère sowieso nicht zusammen. Der ist aber auch für eine Jacquère ziemlich am unteren Alkohollimit.

 

  • Don Giachino, Méthode traditionelle, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Savoie mousseux (3/5)

Champagnermethode, aber auch Jacquère. Satte 12 Percent.

 

  • Perles d’Aimavigne Brut, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Savoie (3/5)

Altesse, Chardonnay, Jacquère und kimmeridgekalkige Kargheit.

 

  • Les Perles du Mont Blanc Brut, Méthode traditionelle, Dominique Belluard, Ayse, AOP Savoie (4/6)

Wenn Sie so wollen, der kleine Bruder vom Mont Blanc. Wie aus dem Gesicht geschnitten.

 

  • Trockenbeerenauslese „Schrammel“ 2012, Josef Lentsch, Dankbarkeit (6/-)

 

  • Marestel 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Savoie (4/6)

 

 

  • Savoie Blanc 2015, Prieuré Saint Christophe, AOP Savoie (4,50/7)

Der Biodynamiedoyen unter den savoyardischen Weinbauern, Mitbegründer der Renaissance des Appellations und Initiator der Rekultivierung des Weinberges von Cevins, wo heute Brice Omonts Weine von der Domaine des Ardoisières wachsen, Michel Grisard hat jetzt das gemacht, was viele gar nicht mehr für möglich gehalten hätten. Er ist in Pension gegangen.

Dass er seine Weingärten den Giachinos übergeben hat, war auch nicht die blödeste seiner Ideen. Die machen dort jetzt einen Weißwein, der stilistisch überhaupt nicht denen von Grisard entspricht, den der Rudl aber grandios findet. Reinsortige Altesse.

 

Diese sieben Weine, aber nicht aussschließlich diese sieben gibt es glasweise

 

am Mittwoch, den 21. Dezember und am Freitag, den 23. Dezember

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Neuigkeiten aus dem Flaschensortiment

 

Folgende Weine sind ab sofort und endlich verfügbar:

 

Jacques Maillet:

Jacquère 2015 (16 Euro)

Un P’tit Canon 2015 (18)

Roussette de Savoie 2015 (Altesse) (25)

Gamay 2015 (16)

Mondeuse 2015 (28)

… der letzte Jahrgang von Monsieur Jacques

 

Domaine Giachino:

Monfarina 2015 (12 Euro)

Apremont 2015 (13,50)

Marius et Simone 2015 (18)

Mondeuse 2015 (15)

Persan 2015 (18)

Giac‘ Bulles 2015 (Pétillant naturel) (16)

Don Giachino (Méthode traditionelle) (16)

Prieuré Saint-Christophe Blanc 2015 (28)

 

Dominique Belluard:

Les Alpes 2015 (24 Euro)

Le Feu 2015 (32)

Les Perles du Mont Blanc Brut (17,50)

Mont Blanc Brut zéro (28)

 

Gilles Berlioz

Chignin Bergeron „Les Filles“ 2015 (28 Euro)

Chignin Bergeron „Les Fripons“ 2015 (28)

Altesse „El Hem“ 2015 (26)

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man endlich den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Menschen aus dem Vernichtungslager in Auschwitz, zum europäischen Identitätsfeiertag erklären soll.

 

Herr Rudolf bedankt sich recht sakrisch und wünscht frohe Weihnachten, sowie einen guten Rutsch!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

9 + 13 =