Rot. Kein Beitrag zur Präsidentschaftskandidatensuche

Schaut man sich ältere Bilder oder Filme an – zumal nicht österreichische -, dann wird einem ziemlich schnell klar: Unter Wein versteht zumindest die bildende Kunst vor allem Rotwein. Abwegig ist das nicht. Weißwein lässt sich im Bild nicht so leicht darstellen wie Rotwein. Dass Caviste Rudolf Polifka in seinem Geschäft viel mehr Weißwein als Rotwein stehen hat, ist freilich kein Protest gegen die Diskriminierung von Weißwein im stehenden und laufenden Bild, sondern seinem Geschmack geschuldet, was wiederum nicht heißt, dass der Rudl nicht weiß, dass es ziemlich aufregende Weine aus dunklen Trauben gibt. Aus Tannat zum Beispiel. Dazu schon sehr bald mehr.

Fremde Rote für die kalten Tage

Auf alle Fälle wird es jetzt, wo man wirklich von so etwas wie einer kalten Jahreszeit sprechen kann, höchste Zeit für Rotwein. Darum diese Woche auf nach Savoyen und in den Jura. Und auf in Weingärten, die es in dieser Form bei uns nicht gibt. Denn es wachsen dort rosarote bis fast schwarze Weintrauben, die in Österreich so gut wie nicht oder gar nicht wachsen.

Mondeuse 2013, Jacques Maillet, Serrières-en Chautagne, AOC Vin de Savoie

Die Rebstöcke für seine Mondeuse hat Jacques Maillet in Motz stehen. So ein Ortsname erheitert ein Gemüt wie den Rudl ja schon per se. Die Lage heißt „Cellier des Pauvres“. Etliche Stöcke dort sind über 110 Jahre alt.

Argile rouge 2009, Domaine des Ardoisières, Vin des Allobroges, Saint Pierre de Soucy

Der Rudl hat über Brice Omont ja schon das eine oder andere geschrieben. Über den Oenopionier aus der Champage, der mittlerweile auch schon wieder vor fast zwanzig Jahren mit Renaissance-Gründer Michel Grisard einen aufgelassenen Weinberg im Tal der Isère rekultiviert hat. Aber Herr Rudolf hat von der Domaine des Ardoisières noch nie einen Roten ausgeschenkt. Den Améthyste 2013 hat er seit September im Sortiment. Der besteht aus 60 % Persan, sowie 40 % Mondeuse und ist viel zu jung. Auf den Argile rouge 2009, 80 % Gamax und 20 % Persan, ist Monsieur Omont vermutlich gar nicht so stolz. Seiner Meinung nach sind seine Roten, anders als die Weißen, erst ab dem Jahrgang 2012 konkurrenzfähig. Aber das macht nichts.

Gamay 2011, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie

Lehm- und Kalkböden am Fuß den Mont Granier und ein Ausbau auf der Feinhefe bis zur Füllung kitzeln Aromen nach dunklen Beeren hervor und begünstigen die Gesellschaft von Gegrilltem und in Brioche Eingebackenem.

Poulsard 2012, Jacques Puffeney, AOC Arbois

Abgesehen von der Tatsache, dass es so einen hellen Rotwein, wie ihn die Poulsard-Traube hervorbringt, in Österreich nicht gibt, faszinieren Rudolf Polifka an dieser Rebsorte vor allem linguistische Aspekte. Der Poulsard wird auf gar nicht so wenigen Speise- und Weinkarten in Arbois auch Ploussard genannt. Die Sprachwissenschaft nennt so etwas Metathese. Dabei wechseln zwei Laute in einem Wort ihren Platz miteinander. Das englische Hors und das deutsche Ross wären ein Beispiel dafür, auch die umgangssprachliche Wepsn und die standardsprachliche Wespe. Dass dieses Lautwandelphänomen keine germanische Erfindung ist, zeigen das griechische krokodilos und das lateinische corcodilus. Die Idee dahinter ist, die Aussprache zu erleichtern, wobei man jetzt natürlich darüber streiten könnte, ob Wörter eine Idee haben. Das müssen Sie Platon oder eine genderbauftragte Sektionschefin fragen. Und ob jetzt Poulsard oder Ploussard leichter auszusprechen ist, weiß der Rudl auch nicht. Vielleicht kann Ihnen das ein Franzose oder ein Arboiser sagen.
Rebsortencharakteristisch könnte man Poulsard als hardcore-autochthone Rebsorte bezeichnen. Der Jura als Weinbauregion weist etwa zweitausend Hektar Weingärten auf, ein bissl mehr als die halbe Südoststeiermark. Und der Poulsard hat es nicht einmal in jeden Winkel des Jura geschafft. Eigentlich gehört er nur in den nördlichen Jura. Drum wird er auch Plant d’Arbois genannt. In den Schalen müssen die Farbpigmente nicht um ihren Platz raufen. Darum ähnelt der Wein oft einem Rosé, reift aber bis zu zehn Jahren.
Jacques Puffeney ist nicht nur der beeindruckendste Weinbaumeister, den der Rudl bis jetzt getroffen hat, sondern seit der Lese 2014 auch Pensionist. Wer noch irgendwo Weine von ihm findet, sollte im Zweifelsfall lieber temporär trockenes Brot essen oder es Rudolf Polifka melden.

Château de Canterrane 1977, AOC Côtes du Roussillon

Im Departement Pyrénées Orientales profitieren die Weine vom mediterranen Klima und wachsen meistens auf Schiefer- oder Mergelböden. Hauptrebsorten sind Carignan, Grenache Noir, Syrah und Mouvèdre.

Gabarinza 1997, Gernot und Heike Heinrich, Gols, Neusiedlersee

So lange ist es ungefähr her, dass der Rudl privat Rotwein gekauft hat.
Roter Terrassenschotter, Sand und Lehm. Zweigelt, Blaufränkisch und Merlot.
Aber wem sagt der Rudl das?

Roter Veltliner Reisenthal 2013, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal

Kein Rotwein

Gewürztraminer 2013, Roland Minkowitsch, Mannersdorf an der March, Weinviertel

Auch Roter Traminer genannt. Trotzdem kein Rotwein.
Gabarinza 1997, Gernot und Heike Heinrich, Gols, Neusiedlersee
Mondeuse 2013, Jacques Maillet, Serrières-en Chautagne, AOC Vin de Savoie
Argile rouge 2009, Domaine des Ardoisières, Vin des Allobroges, Saint Pierre de Soucy
Gamay 2011, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie
Poulsard 2012, Jacques Puffeney, AOC Arbois
Château de Canterrane 1977, AOC Côtes du Roussillon
Roter Veltliner Reisenthal 2013, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal
Gewürztraminer 2013, Roland Minkowitsch, Mannersdorf an der March, Weinviertel
Nicht ausschließlich diese acht Weine

am Donnerstag, den 14. Jänner und am Freitag, den 15. Jänner
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort sind Crémant de Herrenhof, der Schaumwein nach der Méthode Traditionelle und der Buchertberg on the Skins, ein maischevergorener gemischter Satz, vom Herrenhof Lamprecht verfügbar.

Herr Rudolf sieht Rot, trinkt Weiß und grüßt alle Menschen und Farben, die guten Willens sind!

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