Rebsorten Savoyens und ein bissl Hochsavoyens

Dem Rudl seine Studien- und Dienstreise hat ihn dieses Jahr auch zu außersavoyardischen Appellationen geführt, nach Saint Joseph an die nördliche Rhône, ja bis nach Hermitage hinauf, nach Condrieu und auch in den Elsass. Seither ist der Rudl noch überzeugter. Von den Weinen Savoyens.

So ähnlich wie vor ein paar Jahren in Chassagne hat den Monsieur Rudolf auch an der nördlichen Rhône und im Elsass der Verdacht beschlichen, dass der nicht gerade kolossale Bekanntheitsgrad savoyardischer Weine auf deren Menge, aber ganz sicher nicht auf deren Qualität zurückzuführen ist. Das trifft auf die Duchschnittsweine, noch viel mehr auf die besonders guten Weine und am allermeisten sicher auf die besonders guten biologischen und biodynamischen Weine zu.

Und wenn dann bei der Beschreibung von so einem Hermitage Blanc „quasi-absence d’acidité“ steht, was so viel heißt wie, dass der Wein mit nahezu keiner Säure antanzt, dann weiß der Rudl nicht, warum das so ist. Dass ein Wein ohne Säure, mit viel Holz und noch mehr Alkohol ein besonders grandioses Getränk sein soll, das mag sich ihm halt nicht und nicht erschließen.

Erschlossen hat sich dem Rudl einiges bei Jean-Luis Masson und dem mittlerweile auch schon wieder emeritierten Buben von Monsieur Charles, aber nicht dem Ritter aus Stockerau, sondern dem Weinbaumeister Trosset aus Arbin im Combe de Savoie. Und vor einem Glas Zweitausendsiebener Le Feu von Belluard oder einer Flasche Monfarina von Giachino verlässt den Rudl dann der allerletzte Zweifel bezüglich dessen, was er an einem Wein schätzt. Ein Batzen Alkohol ist es auf alle Fälle genauso wenig wie penetrante Röstaromen oder Säure auf der Flucht.

Der Beginn des neuen Semesters steht bei Caviste Rudolf Polifka im Zeichen der französischen Alpen, zuerst einmal der Rebsorten Savoyens, dann kommt das Reindorfgassenfest, wo es nur flaschenweise Wein zu ertstehen geben wird und danach geht es aller Voraussicht nach grundlegend geologisch weiter.

Chasselas

Clos de Pont 2012, Samuel Delalex, Marin, AOP Vin de Savoie

Gringet

Les Perles du Mont Blamnc, Dominique Belluard, Ayse

Molette

Molette 2013, Domaine de Vens-le-Haut, Seyssel, AOC Seyssel

Molette gibt es, soweit der Rudl weiß, ausschließlich in Seyssel, einer Ortsappellation, die von der Rhône auf zwei Departements, Ain und Savoie aufgespalten wird und ähnlich wie die andere Ortsappellation der Region Crépy schon ein Zeitl hinter ihren Möglichkeiten bleibt. Die frühere Biochemieprofessor an der Universität Genf, Georges Siegenthaler, hat dort ein biologisches Weingut gegründet und baut im Unterschied zu vielen anderen Kollegen, die Molette im Schaumwein mit Altesse koalieren lassen, reinsortig als Stillwein aus. Bei der Rebsorte handelt es sich um eine Kreuzung aus no-na Heunisch und Gringet.

Mondeuse Blanche

Nahezu nicht mehr existent. Dupasquier haben sie neu ausgepflanzt und füllen sie reinsortig ab, Michel Grisard und Brice Omont davor schon, dort ist sie aber zehnpercentiger Bestandteil des Schiste.

Mavoisie

Epizentrum des Anbaus von Malvasier, den sie in Frankreich auf „Malvoisie“ eingefranzösischt und bei uns früher gelegentlich „Malväsa“ genannt haben, wird Savoyen aller Voraussicht nach nicht mehr. Da müssen Sie schon zum Professor Čotar nach Komen fahren. Aber Schiste von Brice Omont besteht aus einem Fünftel Malvoisie. Viel mehr scheint es in Savoyen davon nicht zu geben.

Schiste 2014, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges – dem Rudl seiner Meinung nach zumindest in den ersten zehn Jahren der vielleicht sogar spektakulärere kleine Bruder vom Quartz

Jacquère

Dazu gibt es zwei Namen: Giachino und Masson. Zum zweiten bald schon ausführlicher.

Apremont 2015, David und Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie

Altesse

Altesse 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie

Chardonnay

Chardonnay 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie

Roussanne

In Savoyen heißen sie die Chignin-Bergeron, weil die Guten von ihr an eine bestimmte Marillensorte erinnern, aber ziemlich sicher nicht an Mariandl.

Ob sie ursprünglich an der nördlichen Rhône daheim gewesen und von dort in den Combe de Savoie hinüber geraten ist oder umgekehrt, ist Gegenstand von Diskussionen. Wo sie lebendiger gemeistert wird, können Sie irgendwann auch einmal beim Rudl studieren.

Sehr geringe Erträge und eine prekär späte Reife dürften ein Grund für das Schrumpfen der sowieso homöopathischen Dimensionen mit Roussanne bestockter Rebfläche in Savoyen sein. Die relativ hohen Preise des Chignin-Bergeron könnten auch eine Rolle spielen. Monsieur Rudolfs Erklärung ist, dass die zweitausend Hektar kleine Weinbauregion Savoyen mit Jacquère und Altesse zwei ausgesprochen kompetente Rebsorten hat und andere Rebsorten dort nicht gerade dringend abgehen.

Die Kalkkieselböden bei Chignin scheinen es der Roussanne trotzdem angetan zu haben. Kleine, zylindrische Trauben, kurzer Stiel, kugelförmige Beeren und ein goldgelber Teint mit rostbraunen Einsprengseln. Zucker vermag sie viel einzulagern, entsprechend solide können die Alkoholwerte der aus ihr gekelterten Weine ausfallen. Haselnuss- und Weißdornaromen sind nicht ungewöhnlich. Eine lange Lagerfähigkeit angeblich auch, vermutlich aber nur, wenn die Säure passt.

Chignin-Bergeron „Les Filles“, Domaine Partagé (Gilles Berlioz), AOP Vin de Savoie

Pinot Gris

nicht als Wein für Appellation zugelassen, aber trotzdem

Pinot Gris 2015, Les Vignes de Paradis (Dominique Lucas), Vin de France

Aligoté

Auf den hat der Rudl jetzt glatt vergessen. Oft stolpert man in Savoyen nicht über ihn. Trotzdem bittet Monsieur Rudolf um ein mildes Urteil.

Es gäbe dann noch Sauvignon Blanc bei Dominique Lucas am Genfer See. Dem verweigert die gestrenge französische Weinadministration aber die Regionsbezeichnung. Rein erkenntnistheoretisch ist sich der Rudl natürlich darüber im Klaren, dass es sich bei den Rebsorten der zur Kredenzung zu bringenden Weine nicht um die Rebsorten der Weinbauregion Savoyen, sondern um die dem Rudl bekannten Rebsorten dieser Region handelt. Aber Monsieur Rudolf fügt nicht ganz unbescheiden hinzu, dass er weinmäßig in Savoyen und Hochsavoyen schon das eine oder andere Interessante erkundet hat, was bei einer zweitausend Hektar Rebfläche umfassenden Region freilich auch wieder ein bissl einfacher ist als das etwa bei den 121.000 Hektar in Bordeaux durchzuführen wäre.

Gamay

Gamay 2015, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie

Pinot Noir

Pinot Noir 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie

Mondeuse

Da hat Maître d’École Rudolf jetzt einmal vor, die Mutter Syrah mit der Tochter Mondeuse ein bissl systematischer zu vergleichen.

Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie

Persan

Den gibt es auch fast nicht mehr. Bei den Giachinos gibt es ihn schon noch und in Cevins wächst er auch und dominiert den Améthyste zu sechzig Prozent.

Persan 2015, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie

  • Clos de Pont 2012, Samuel Delalex, Marin, AOP Vin de Savoie (2,50/4)
  • Les Perles du Mont Blanc, Dominique Belluard, Ayse, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Molette 2013, Domaine de Vens-le-Haut, Seyssel, AOC Seyssel (3/5)
  • Schiste 2014, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (6,50/11)
  • Apremont 2015, David und Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Altesse 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)
  • Chardonnay 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (2,50/4)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“, Domaine Partagé (Gilles Berlioz), AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Pinot Gris 2015, Les Vignes de Paradis (Dominique Lucas), Vin de France (5/8)
  • Gamay 2015, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Pinot Noir 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)
  • Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Persan 2015, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

am Mittwoch, den 6. September und am Freitag, den 8. September

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau vor allem auf den 13. September

La Cuvée de Papy – der kleine von Bernard Faurie

Herr Rudolf grüßt Forscherinnen, Forscher und die Forschung „als solches“!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

16 + 19 =