Pinot Noir, das Alpenvorland und überehrgeizige Eltern

Vor wenigen Wochen war hier vom Traminer und vom Savagnin die Rede. Der gilt neben Lambrusco, Arvine und Nebbiolo als eine der vier Rebsorten, die am nächsten mit der Wildrebe aus dem Wald, der vitis labrusca verwandt sind. Zur nächsten Kategorie, deren Vertreter eine Stufe weiter weg, aber immer noch ziemlich urig sind, zählt man den Pinot Noir und auch den Cabernet Franc. Ihre Eltern sind unbekannt und etliche heute relevante Rebsorten stammen von ihnen ab, vom Cabernet Franc der Cabernet Sauvignon und der Merlot, vom Pinot Noir viele andere: Chardonnay, Aligoté, Melon de Bourgogne und Gamay. Übrigens sind die alle – so unterschiedlich sie sind, manche weiß und manche rot – Kreuzungen von Pinot Noir und Weißem Heunisch (französich Gouais, was aber auch nicht sehr viel aufregender klingt). Letzterer stammt ziemlich sicher aus dem Gebiet des ehemaligen Yugoslawien, hat es bis jetzt aber nicht geschafft, besonders spektakulär in Erscheinung zu treten. Man könnte ihn quasi als die Traubifizierung einer unter Menscheneltern verbreiteten Sehnsucht betrachten: Es soll ja Eltern geben, an denen das Auffälligste ihre Unauffälligkeit ist, die von ihren Kindern aber verlangen, Weltcupsieger im Eisstockschießen, Springreiten oder wenigstens Physiknobelpreisträgerin zu werden. Der Weiße Heunisch hat das geschafft. Als Papa vom Chardonnay ist er wahrscheinlich der Vater der teuersten Weißweine der Welt und als Papa vom Riesling (vermutlich gekreuzt mit einer Traminervariante) Vater von ein paar der angesagtesten Weißweine momentan.

Zurück zum Pinot Noir: Dem wird eine Schwäche für kühlere Gegenden nachgesagt, weshalb manche als Folge der Klimaerwärmung eine Zukunft des Pinot Noirs in Skandinavien und England sehen. Allerdings kann sich so ein Rebstock ja nicht aussuchen, wo er gepflanzt wird, in weiterer Folge ist er auch nicht dislocierungsfähig. Irgendwie schade, dass die Evolution Autos mit und Weinreben ohne Radln ausgestattet hat. Man stelle sich den umgekehrten Fall vor. Also wenn die Evolution weiß, was sie tut, dann sollte sie über diese unglückliche Verteilung der Räder vielleicht noch einmal ein, zwei Nächte schlafen, im Sinne der Oenologie und im Sinne des Klimaschutzes. Auch wenn ÖAMTC und ARBÖ dann protestieren.

Herr Rudolf wird diese Woche auf alle Fälle dem Pinot Noir (auch Blauer Burgunder) widmen. Aus Burgund wird dabei keiner sein. Von dort gibt es übrigens momentan im Pub Klemo in der Margaretenstraße welche glasweise (AOC Nuits-Saint-Georges). Das La Cave am Bacherplatz im Fünften offeriert eine größere Auswahl an ziemlich guten im Flascherl und wegen der allerbesten wenden Sie sich an das Auktionshaus Ihres Vertrauens. Monsieur Polifka wird versuchen, role models von Pinot Noirs, die höher und kühler hinaus wollen, glasweise anzubieten, darunter sicher jenen vom Herrenhof Lamprecht aus dem oststeirischen Alpenvorland und den von Karl Schnabel, hoch droben in Kitzeck. Und was weiß man: Vielleicht wachsen dem Pinot dann – wenn schon nicht Radln, so doch zumindest ganz kleine Steigeisen …

Das Ganze, aber nicht ausschließlich das,

Mittwoch, den 20. November und

Freitag, den 22. November, jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der „Weinhandlung Rudolf Polifka“, Reindorfgasse 22

 

Mit einem hochalpinen „Auffi muaß i!“ grüßt Rudolf der Bergfex.

 

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