Pinot Gris, Grauer Mönch, Ruländer, Malvoisie, Oststeirischer Traminer, Sivi Pinot, … und ein Jugendradiomacher der alten Schule

Teilen

Vor einigen Wochen hat sich Monsieur Rudolf erlaubt, mit Ihnen ein paar Überlegungen zum Kulturpessimismus zu teilen. So nennt man das heute, obwohl das ein Unfug ist. Teilen im klassischen Sinn steht heute eher nicht so hoch im Kurs. Die Ausgaben für Entwicklungshilfe sind seit Jahren lächerlich niedrig und sinken. Vielleicht ist ein Grund dafür, dass viele glauben, sie würden genug teilen, wenn sie ihrer Eierspeis‘ fotografieren und anschließend an irgendein Milchbubennetzwerk schicken.

Beim Teilen im klassischen Sinn gibt es eine Seite, die gibt, und eine, die nimmt. Der gebende Teil kennt den nehmenden entweder, oder er weiß wenigstens, warum der nehmende Teil nehmen soll. Beim digitalisierten Teilen kann man schwer sagen, ob der ganze Haufen, der dort geteilt wird, von irgendjemandem aufgenommen wird. No ja, der Milchbube vom Netzwerk nimmt die Daten sicher an, quasi als Wiederverkäufer, und macht damit einen Batzen Knödel. Aber an den denkt der eierspeisfotografierende Datengeber in der Regel nicht, zumindest schickt er seine Daten dem Milchbuben nicht bewusst.

Teilen ist nicht Entsorgen

Da könnte man ja gleich jede Form der Entsorgung als Akt des Teilens verkaufen. Aber letzten Endes geht es wahrscheinlich oft genau darum. Lukas Resetarits hat in den Achtziger Jahren von einer „Demokratisierung der Entsorgung“ gesprochen. Gemeint hat er das Geschäftsmodell, den allergiftigsten Dreck, der sich jeder Entschärfung und Wiederverwertung entzieht, in Würfel zu pressen, damit er in weiterer Folge von der Allgemeinheit ins Häusel gehängt und dort entsorgt wird. Boulevardmedien und die steuerscheuen Datenbettlerbanden haben dieses Geschäftsmodell weiter entwickelt, den giftigsten Dreck komprimiert und flächendeckend verteilt. Weil zur Durchfütterung dieser Teilerei auch gar nicht so wenig Steuergeld in Form von öffentlichen und halböffentlichen Inseraten verteilt und ein Großteil des verteilten Unrats hintennach auch noch auf Kosten aller Fahrgäste entsorgt wird, kann sich niemand dieser Form der Umverteilung entziehen.

So manches Erzeugnis der Nahrungsmittelindustrie dürfte auch in dieser Tradition stehen. Vielleicht wird das Zeug deshalb so häufig fotografiert und geteilt.

Da lobt sich der Rudl die Primzahlen. Die entziehen sich weitestgehend der Teilerei. Ein Lichtblick. Aber was sind die Primzahlen im Vergleich zu zweihundertachtzig Zeichen des US-Mörtels?

Kulturpessimismus, schar wieda!

Über vieles kann und sollte man vermutlich viel mehr streiten, vielleicht sogar über die Frage, ob diese Welt besser oder schlechter wird. Schulmeister Rudolf vertritt dabei die Auffassung, dass man allfällige negative Prognosen nicht unbedingt vor Heranwachsenden ausbreiten soll. Dieser Tätigkeit gehen tageintagaus sowieso schon pressegeförderte Edelfedern in den kleinformatigen Wiener Redaktionen nach, gar nicht zu schreiben von den mitteilsamen Schnatterinnen und Zwitscherern. Soweit sich der Rudl erinnern kann, ist die Jugend sowieso alles andere als eine unbeschwerte Zeit. Da sollen sich pubertierende Damen und Herren wenigstens nicht auch noch über Pensionsversicherungen und die Entwicklungen am Arbeitsmarkt den Kopf zerbrechen müssen.

Der Rudl liest gerade ein Buch, ein überaus erfreuliches Buch, ein Buch eines der verbleibenden Intellektuellen in diesem Land: „Zur frohen Zukunft. Werkstattgespräche mit Adolf Holl“ aus der Reihe „Auswege“. Gescheiter als alles, was jemals virtuell gezwitschert worden ist und werden wird.

Justament

Ein Radiosender war einmal ein Jugendradiosender. Anders. Aufmüpfig. Rotzig. Nicht eingelbildet. Nicht besserwisserisch. Mit dem Anspruch, etwas zu verändern, zum Menschlicheren, nicht zum Geschäftstüchtigeren.

Der Trainer hat dort gearbeitet. Dieter Dorner hat die Morgensendung moderiert. Wenn man sich als Jugendlicher das angehört hat, vielleicht laut, hat es vorkommen können, dass die Eltern auf Ö1 umgeschalten haben. Und eigentlich hat man das ja gewollt, als Jugendlicher.

Heute hören die älteren Leute diesen Sender, Fünfzig ist das neue Fünfzehn. Jemand wie Dieter Dorner moderiert dort nicht mehr. Jemand wie der Trainer ist auch nicht mehr dort. Musicbox gibt es auch keine mehr. Dafür unzählige Klone des ehemaligen Jugendsenders, allerdings Klone des Jugendsenders in seiner heutigen Form. Blöde Geschichte.

Hoffentlich schaltet die Generation des Fils einmal rechtzeitig auf Ö1 um.

Vorläufig muss sich der Rudl noch von Fünfzehnjährigen fragen lassen, warum er Gabalier, Helene Fischer und Last Christmas nicht gerne hört. So weit, so guat, wie eine vom Rudl hochgeschätzte Musikkapelle singt.

Dieter Dorner. Die Stimme in der Früh

Am Beginn der Folge „Lauter Zores“ aus der Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ absolviert Edmund Sackbauer die Morgentoilette. Im Hintergrund fragt Dieter Dorner im Ö3 Wecker, wer da an Faust gedacht habe.

Im Jahr, als England zum ersten und letzten Mal Fußballweltmeister geworden ist, hat Dieter Dorner als Radiosprecher bei Radio Graz begonnen, später den „Ö3 Wecker“ und andere Sendungen des Jugendsenders moderiert. 1975 hat man ihn mit dem Aufbau des Konsumentenmagazins „Help“ beauftragt. Er war Hauptabteilungsleiter für Unterhaltung und Ö3 Programmleiter. Etliche Jahre vor dem EU-Beitritt Österreichs wird Dieter Dorner Leiter der Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger Unterhaltungssender in der Europäischen Rundfunkunion.

Später hat er auf Ö1 das Sonntagsevangelium gelesen.

Dieter Dorner. Der Biowinzer

Das Wohnhaus der Familie Dorner ist eines der geschmackvollsten in Mureck. Die Weingartenhütte hat die Adresse Novi Vrh 4. Dazwischen rinnt der größte Fluss des Lungaus, als Staatsgrenze. Von 1918 bis 1989 konnten dort Menschen wie die Familie Dorner das erfahren, was heute wieder immer mehr verhaltensoriginelle Staatsmänner als probaten Ersatz für Mut und Visionen in der Politik propagieren, Grenzerfahrungen. Grenzerfahrungen, die die Konflikte nicht weniger und Gehässigkeiten und Angst auf beiden Seiten noch nie kleiner gemacht haben.

Nachdem dann in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges auch noch die Murecker Brücke zerstört worden war, durfte die Mutter von Dieter Dorner mit dem Radl einen Umweg von vierzig Kilometern über Bad Radkersburg strampeln.

1953 regelte dann das Gleichenberger Abkommen wenigstens, dass Betriebsmittel und Ernte mit Grenzübertrittsscheinen zollfrei über die Grenze gebracht werden durften.

Dieter Dorner hat schon sehr früh im Weingarten mitgearbeitet. Und er hat sich schon früh mit spirituellen Grundlagen des Lebens beschäftigt. Dabei hat auch das Verhältnis des Menschen zur Natur eine Rolle gespielt. Die zunehmende Intensivierung und Industrialisierung in der Landwirtschaft hat er vor anderen als Holzweg erkannt und ab 1976 biologisch gearbeitet. Von anfänglichen Misserfolgen hat er sich nicht den Mut nehmen lassen. Zu groß war seine Gewissheit, dass es auch anders gehen muss. Damit ist Dieter Dorner ein Pionier des steirischen Bioweinbaus, am Bild vor seinem Weingartenhaus:

papa-türBild: Familie Dorner

 

Heute führt Jakob Dorner das Weingut, unterstützt von seinem Bruder Elias und der Mutter Helene, einer praktischen Ärztin, Parallelen zu einem anderen Pionier des biologischen Weinbaus. Kurzatmigen Trends verweigert man sich, dem familiären und kulturellen Erbe bleibt man treu. Das Resultat sind klassisch schöne Bioweine.

Stolz

Stolz zu sein, scheint heute ein vorrangiges Bildungsziel zu sein, genauer ausgedrückt: die Kompetenz, so zu tun, als ob man stolz wäre.

Dem Rudl seine wichtigsten Bildungsziele sind fast gerade das Gegenteil: mutig sein; richtig verstanden demütig sein; staunen; zuhören, anstatt in der selbst verbreiteten heißen Luft die Erfüllung zu finden.

Aber ein bissl ist der Rudl schon stolz auf sich, weil er sich schon zu Beginn der Neunziger Jahre und damit zwanzig Jahre vor dem Hippwerden von Biowein für diese Art von Landwirtschaft begeistert hat. Er hat sich seinerzeit vom Ernte-Verband drei Heftl mit Mitgliedsbetrieben schicken lassen, eines mit Biobetrieben aus dem Burgenland, eines mit denen aus Niederösterreich und eines mit den steirischen.

Die Biobauern, neben denen Wein gestanden ist, hat er sich dann angestrichen und in der Folge aufgesucht. Paul Unger in Neckenmarkt, Rudolf Beilschmidt in Rust, Weinsteindl in Purbach, Seidl im Spitzer Graben, Religionslehrerkollege Binder in Platt, Friedrich Kuczera, den Nikolaihof, Paradeiser am Wagram, Hans Zillinger sen. und auch Herrn Dorner in Mureck. Und ein paar andere. In der Steiermark war diesbezüglich damals besonders wenig los, zumindest wenn es nach dem Heftl vom Ernteverband gegangen ist.

Ein Wein eines dieser Pioniere steht diese Woche im Zentrum der Aufmerksamkeit beim Rudl, der Ruländer von Jakob Dorner.

Freilich wächst Ruländer nicht nur in Novi Vrh.

Pinot Grigio 42°S 2016, Tasmania, Frogmor Creek Wines

Der Rudl bedankt sich ganz besonders bei seiner Schwägerin und seinem Schwager. Die sind mit dem Aeroplan nach Tasmanien hinüber geflogen und haben ihm von dort drüben eine Flasche Wein mitgenommen. Danke!

Tasmanien ist nicht das einzige Internationale, was Monsieur Rudolf diese Woche aufzutischen vermag. Wenn man von Deutsch Haseldorf in Richtung Osten schaut, sieht man zwei Kirchen. Und zwischen diesen beiden Kirchen gibt es ein junges Weingut, das ungewöhnliche Weine macht. Der Grauburgunder gärt auf der Maische.

Sivi Pinot 2015, Gĵerkeś, Prekmurje

Pinot Gris Bollenberg 2014, Valentin Zusslin, Alsace

Biodynamischer Pinot Gris von einem ton- und kalkhältigen Terroir mit besonders hohem Eisenanteil. Aufgrund seiner Artenvielfalt interessiert der Bollenberg bei Rouffach Wein- und Photographierfreundinnen und -freunde gleichermaßen.

Etwas weiter südlich, am Südufer des Genfer Sees wächst Chasselas, fast ausschließlich, fast.

 

Pinot Gris 2015, Les Vignes de Paradis, Vin de France

 

Pinot Gris Reserve 2015, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedlersee

steht mitten in der Riede Hallebühl, die auch nicht an Eisenmangel leidet. Die Reserve sollte jetzt am Beginn ihrer Trinkreife stehen. In Weißweinhinsicht wahrsscheinlich das Aushängeschild des Weingutes, zumindest wenn es nach dem Rudl geht. Großes Holz.

Pinot Gris Reserve 2015, Kracher, Illmitz, Neusiedlersee

Quasi zum Vergleich aus der, respektive mit der Nachbarschaft

Grauburgunder „H“ 2015, Alice und Roland Tauss, Leutschach, Steirerland

kein Wochenthema ohne Opok, maischevergoren

Ruländer 2015, Andert, Pomhogn

Und dann heißt Pinot Gris natürlich Josef Lentsch. Noch einmal a blede Gschicht, wie der Kurtl sagen würde: Der Wirt und Winzer vom Rudl seinem Vertrauen hat es in den letzten Jahren nicht immer nur mit idealen Witterungsbedingungen zu tun gehabt. Darum gibt es momentan keinen trockenen Pinot Gris. Der Rudl hat zwar ein paar reifere, aber die hebt er für eine Vertikale auf, für dann, wenn es wieder einen trockenen Pinot Gris von Josef Lentsch gibt. Vom lieblichen Zweitausendneuner hat der Rudl noch zwei Flascherl. Davon schenkt er diese Woche eines aus.

Pinot Gris Spätlese 2009, Josef Lentsch, Dankbarkeit

  • Ruländer 2011, Weingut Dorner, Mureck, Steiermark (3/5)
  • Ruländer 2013, Weingut Dorner, Mureck, Steiermark (3/5)
  • Ruländer 2014, Weingut Dorner, Mureck, Steiermark (3/5)
  • Ruländer 2015, Weingut Dorner, Mureck, Steiermark (2,50/4)
  • Ruländer Wiesenbach 2015, Weingut Dorner, Mureck, Steiermark (3/5)
  • Pinot Gris Reserve 2015, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedlersee (4/6)
  • Pinot Gris Reserve 2015, Kracher, Illmitz, Neusiedlersee (3/5)
  • Pinot Gris 2015, Les Vignes de Paradis, Vin de France (4,50/7)
  • Sivi Pinot 2015, Gjerkes, Prekmurje (3/5)
  • Pinot Grigio 42°S 2016, Tasmania, Frogmor Creek Wines (4/6)
  • Grauburgunder „H“, Alice und Roland Tauss, Leutschach, Steirerland (5/8)
  • Pinot Gris Bollenberg 2014, Valentin Zusslin, Alsace (5/8)
  • Ruländer 2015, Andert, Pomhogn (4/6)
  • Pinot Gris Spätlese 2009, Dankbarkeit (3/5)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

am Mittwoch, den 18. April und am Freitag, den 20. April

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Herr Rudolf grüßt Oid & Grau, gerade so wie der Ausgewogenheit verpflichtet Jung & Grün!

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