Ein fast neues Weingut im Sortiment vom Rudl. Les Vignes de Paradis, Haute-Savoie

Die Königin von England und der DAC

1957 ist die Frau Königin Elisabeth von England nach Frankreich gefahren. Vielleicht ist sie auch geflogen. Das hat hat Geologe André Combaz in sein Buch über die savoyardischen Weine, das anlässlich der Olympiade 1992 in Albertville veröffentlicht worden ist, nicht genau hinein geschrieben.

Aber er hat hinein geschrieben, dass der englischen Königin seinerzeit Saiblingsfilet kredenzt worden ist, dazu ein Crépy 1948. Dem hatte ein Veuve Cliquot 1934 das Terrain bereitet, ein Cheval Blanc 1924 durfte den Crépy dann ablösen. Der Crépy soll in dieser illustren Gesellschaft ganz passabel dagestanden sein.

Crépy

Crépy ist neben Seyssel eine von insgesamt nur zwei Ortsappellationen in der Weinbauregion Savoyen. Die Gründe – weniger die für das Nur, sondern eher die für das Überhaupt – haben sich dem Rudl bis jetzt nicht erschlossen und könnten in der Vergangenheit liegen. Aktuelle Forschungen des Rudls in Seyssel haben ihn diesbezüglich keinem Verständnis näher gebracht.

Was Crépy, eine Ortsappellation ausschließlich für Chasselas, am Südufer des Genfer Sees, zu einer solchen prädestiniert, das ist dem Rudl noch viel mehr ein Mysterium geblieben.

Dominique Lucas wohnt mitten in der Appellation Crépy und kommt aus einer Winzerdynastie. Aus der Appellation ist er ausgestiegen, aus der Winzerdynastie nicht. Siebeneinhalb Hektar bewirtschaftet er im Departement Haute-Savoie. Chasselas, der Kern seines Weingutes, ist dort immer schon gewachsen und darf in und um vier Gemeinden sogar Cru-Status für sich beanspruchen. Marin, Ripaille, Marignan und Crépy. Welche Schlussfolgerungen Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, aus derlei Formalismen ziehen, überlässt Monsieur Rudolf Ihnen, zumindest fast. Den Hinweis, dass jetzt auch die Steiermark deaceisiert ist und sich damit in Österreich des Rudls Wissens lediglich die Wachau und die Weinbauregion Bergland der kontrolliert österreichischen Districtifizierung verweigern, müssen Sie ihm in diesem Zusammenhang gestatten.

Dominique Lucas hat der Ausstieg aus der Appellation nicht nur erlaubt, in Hochsavoyen Sauvignon Blanc, Pinot Gris, Altesse, Chenin Blanc sowie Chardonnay auszupflanzen und aus den geerneteten Trauben auch Wein zu keltern, sondern vor allem seinen Weinen aus der Chasselas-Rebe einen ziemlich besonderen Charakter eingetragen. Dass so etwas möglich ist, möchte man vielleicht gar nicht vermuten, wenn man in der einen oder anderen Orts- oder Gebietsvinothek rund um den Genfer See Chasselas verkostet. Dominique Lucas hat dem Rudl einmal geklagt, dass da mehr oder weniger alles verwüstet wird, geschmacklich und ökologisch. Dabei hat er über den ganzen See und damit auf nichts Geringeres als das Kernland von Chasselas gedeutet. Marie-Thérèse Chappaz sei die einzige, die seine Philosophie teile. Der ihr Weingut ist ein Hauseck weiter, im Wallis. Ganz so streng sieht es der Rudl nicht. Er hat schon den einen oder anderen ansprechenden Chasselas getrunken, drüben in der Schweiz wie herüben in Frankreich. Viele sind das aber nicht gewesen.

Les Vignes de Paradis. Dominique Lucas

Monsieur Lucas bewirtschaftet abgesehen von seinen Weingärten in Hochsavoyen auch zweieinhalb Hektar in Pommard. Darauf sollte man ihn nach den letzten Jahrgängen aber vielleicht nicht unbedingt ansprechen, zumindest wenn man auf eine passable Laune seinerseits angewiesen ist.

Theoretisch erntet Dominique Lucas in Pommard auf zweieinhalb Hektar Pinot Noir und Aligoté von über hundert Jahre alten Rebstöcken, dazu Chardonnay. Auch dieser Weingarten wird von Monsieur Lucas biodynamisch bewirtschaftet, inclusive Pferd. Paradoxerweise setzen ihm in Pommard Spätfrost und Hagel in den letzten Jahren noch mehr zu als in Hoch-Savoyen.

Der Sand von Chamonix

Die Böden bestehen fast ausschließlich aus dem, was über die letzten paar Millionen Jahre aus dem Chablais Gebirge herausgespült worden ist.

Wer heraus findet, welcher Wein nicht in den Rahmen passt, darf jemanden seiner oder ihrer Wahl auf ein Achtel invitieren. Das hat der Rudl vom Herrn Kurt.

  • Quintessence de Chasselas 2016, Dominique Lucas, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Un Matin face au Lac 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Marignan 1515 2016, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Sauvignon Blanc 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Pinot Gris 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Son Altesse 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (6/9)
  • Chardonnay Khéops 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (6,50/10)
  • Blaufränkisch 2015, Weinsteindl, Purbach, Neusiedlersee Hügelland (2,50/4)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 2. April und am Donnerstag, den 4. April

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf 9. und 11. April

Sauvignon Blanc. What else?

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt gut & edel!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Riesling mit dem Fußabdruck der Kalkalpen. Johannisberg-Vertikale vom Geyerhof, Zehetnerin-Vertikalulum vom Mantlerhof, Kollegen, kein Pirat, aber Bärlauchbutterbrot

A guade Reklam

 

Wenn es für den Rudl ein Gegenstück zum Neuburger gibt, dann kann es nur Riesling sein: weltweit verbreitet und vielleicht die Weißweinrebsorte mit der besten Nachrede. Gesagt und geschrieben ist über Riesling ziemlich alles. Ziemlich. Darum erlaubt sich der Rudl einen Ausflug in die Sprache.

Im fünfzehnten Jahrhundert taucht am Mittelrhein ein „Rußling“ auf. Ein in derartiger Tiefe artikulierter Laut wie das u ist nicht die phonifizierte Stabilität. Dass es aber nicht zu einem mit deutlich weniger Aufwand zu artikulierenden sogenannten Schwalaut ə wird, sondern quasi in die Gegenrichtung ausbuhrt, vermag das Lautwandelphänomen der totalen, regressiven Fernassimilation zu erklären. Dabei übt das i in der zweiten Rieslingsilbe eine derartige Faszination auf den Vokal der ersten Silbe aus, dass ersteres von letzterem imitiert wird.

Regressiv ist die Lautangleichung, weil nicht das i zu einem u wird, sondern das i auf das u zurück wirkt. Fern ist die Assimilation, weil zwischen den beiden aufeinader wirkenden Lauten andere Laute stehen und total ist sie, weil das u nicht irgendwo auf halbem Weg zum i, etwa beim erwähnten Schwalaut stehen bleibt, sondern sich zu hundert Percent an das i anpasst.

Zur Bedeutung des Terminus Riesling gibt es etliche Arbeitshypothesen:

Das dunkel gefärbte Rebholz könnte dem Rußling seinen Namen eingetragen haben. Dass die „reißende“ Säure namensgebend aktiv geworden ist, hält Sprachmeister Rudolf Polifka für etwas an den Haaren herbeigezogen. Und dass seine Neigung zum Verrieseln derartig in den Vordergrund tritt, dass eine Rebsorte namentlich damit identifiziert wird, könnte, wenn Sie den Rudl fragen, eher dem Verrieseln den Namen vom Riesling gegeben haben als umgekehrt. Dann bleibt noch die rissige Rebsholzrinde. Gefühlsmäßig erscheint das dem Rudl am plausibelsten. Begründen kann er das freilich nicht.

Dass viele Ortsbezeichnungen zu Synonymen für den Riesling geworden sind, etwa Johannisberger, aber nicht das kremstalerische, deutet darauf hin, dass diese Rebsorte auch schon seinerzeit keinen ganz unguten Ruf gehabt hat. Bouvier, Blauburger oder Portugieser scheinen da vergleichsweise weniger gerne vereinnahmt worden zu sein.

Das Griss um den Riesling dürfte also eher keine ganz kurzfristige Modeerscheinung sein.

 

Johannisberg

 

Die Lage Johannisberg ist eine warme, südlich ausgerichtete Kessellage am rechten Kremstaler Donauufer. Den Untergrund bildet eine fünfzehn Millionen Jahre alte Konglomeratsplatte aus größeren und kleineren Steinderln, die eine Vorgängerin der Traisen aus den Kalkalpen an die Donau gespült hat.

 

Geschmack

 

Grüngelb. Honig, Pfirsich und Säure, aber in allen drei Fällen ohne Megaphon.

 

Höchste Eisenbahn für einen Exkurs: Megaphon

 

Das Megaphon ist, wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenolege, so wollen, das Problem, das der Rudl mit dieser Rebsorte hat. Der Riesling ist einmal dem Rudl seine Lieblingsrebsorte gewesen, etwa zwei Jahrzehnte, bevor bevor Altesse und Petit Manseng das gewesen sind.

Heute schmeckt Caviste Rudolf dreimal hin, bevor er einen Riesling ersteht. Zu ausgeprägt sind ihm in sehr vielen Fällen die für Riesling vermutlich signifikanten Aromen. Und die oft beschworene Mineralität entzieht sich noch öfter dem Rudl seiner Wahrnehmung.

 

  • Riesling Johannisberg 2018, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal, rive droite (4/6)
  • Riesling Johannisberg 2016, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal, rive droite (4/6)

Zu warm und zu trocken im Winter. Früher Austrieb und dann der Spätfrost Ende April. Verhältnismäßig viel Niederschlag bis zur letzten Augustwoche. Erst dann kommt das Wetter zur Raison.

  • Riesling Johannisberg 2007, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal, rive droite (6/9)
  • Riesling Johannisberg 2001, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal, rive droite (6,50/10) (ohne Kosten im Voraus)
  • Riesling Zehetnerin 2017, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal. rive gauche (2,50/4)
  • Riesling Zehetnerin 1997, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal. rive gauche (5/8)
  • Riesling de vite 2016, Weingut Roland Minkowitsch, Mannersdorf an der March, Südliches Weinviertel (3/5)

Der Rudl hat vor zwanzig Jahren einmal zur Frau Minkowitsch gesagt, dass ihm der Riesling de vite, der damals noch Jähe Lissen geheißen hat, besser schmeckt als ein berühmter Vertreter derselben Rebsorte von diesem Bergrücken der Singenden. Das hat die Frau Minkowitsch damals nicht ganz ernst genommen. Aber der Rudl hat das seinerzeit ernst gemeint und daran hat sich bis heute nichts geändert.

  • Rheinriesling 2009, Karl Schnabel, Gleinstätten, Sausal, Südsteiermark (6/9)

Letzte Flasche vom ersten Besuch des Rudls beim Herrn Karl.

  • Riesling 2006, Mehofer, Neudegg, Wagram (5/8)

Lange Zeit ist das Weingut Mehofer links von der Donau dem Rudl so etwas wie das Pendant zum Geyerhof rechts von der Donau gewesen. Der Rudl ist auch oft genug in diese Richtung gefahren, um bei beiden Weingütern Wein zu kaufen. Irgendwann hat der Rudl den Zugang zu den Weinen vom Wagram verloren.

  • Riesling 1976, Klinglhuber, Langenlois, Kamptal (3/5)

In den Neunziger Jahren neu verkorkt. Das kann den Wein gerettet haben.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

 

diese Woche am Dienstag, den 26. März und am Donnerstag, den 28. März

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Neues

Frisches 1-i-Ei wieder verfügbar

 

Und außerdem

 

hat der Rudl gestern in der südoststeirischen Murau Bärlauch gesammelt. Wenn der bis Dienstag oder gar Donnerstag hält, dann stellt Ihnen der Rudl diese Woche quasi auf Haus eine Butter oder einen Topfen und Brot von der ältesten Bäckerei Salzburgs hin, und eben den Bärlauch. Sie können sich dann ein Bärlauchbrot machen. Wer halt möchte.

 

Vorschau auf 2. und 4. April

Les Vignes de Paradis. Monsieur Chasselas Dominique Lucas

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

 

Herr Rudolf grüßt, ohne zu grieseln!

 

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Neiche Schoin von der Burg gegen die ewig gestrige Rindslederhose des Neoliberalismus. Und auch über den Unterschied zwischen vorbei und danaben

Lieber vorbei als daneben

Das Gebot der Ausgewogenheit gebietet dem Rudl, nach Oid & grau vom Ruländer diese Woche die neiche Schoin des Neuburgers gegen den institutionenzerstörenden und demokratiederegulierenden Effizienzfetischismus des Neoliberalismus in Position zu bringen.

Anders als es heute land- vor allem aber stadtläufig ganz gerne gesehen wird, hält Rudolf Polifka den Neoliberalismus nämlich nicht für eine Opposition zum Rechtspopulismus, sondern viel mehr für zumindest eine von dessen Ursachen.

Geistesgiganten

Als kolossale Erfolge kann man sie nicht bezeichnen, die zwei Versuche, die Caviste Rudolf im Laufe seiner siebenjährigen Betriebsgeschichte unternommen hat, um auf die Vorzüge der Rebsorte Neuburger aufmerksam zu machen, zumindest nicht als kolossale Erfolge in betriebswirtschaftlichem Sinn. Manch eine Ministerin würde vielleicht konstatieren, dass der Rudl „am Markt vorbei“ kredenze. „Na so was!“, wäre der Rudl geneigt zu erwidern. Der Herr Rudolf mag Menschen und Personen. Auf den Markt pfeift er.

Aber das hat eh keine Ministerin gesagt. Eine soll gesagt haben, dass die Gymnasien „oft am Markt vorbei“ produzierten. Kann sich die österreichische Schule ein größeres Kompliment wünschen?

Und ganz im Sinne seines selbst erteilten Bildungsauftrages kredenzt Monsieur Rudolf diese Woche bereits zum dritten Mal seit 2012 Neuburger am Markt vorbei.

Neuburger

Es gibt Rebsorten, die assoziiert der Rudl miteinander. Und er weiß nicht warum. Grauburgunder, Neuburger und Roter Veltliner sind solche Rebsorten. An und für sich haben die nicht wahnsinnig viel miteinander gemeinsam. Neuburger ist ein Fils vom Roten Veltliner und über den Heunisch sind sie weitschichtig miteinander verwandt. Aber welche Rebsorten sind das nicht?

Gemeinsam haben die drei Rebsorten, dass Herr Rudolf sie sehr schätzt. Er ist drauf gekommen, dass sich in seinem privaten Keller mehr Neuburger als Chardonnay befindet.

Ursprung

Es ist gut möglich, dass der Neuburger aus dem Spitzer Graben stammt. Karge und trockene Böden werden ihm als Vorliebe ganz gerne nachgesagt, rebstockmäßig. Weinmäßig könnte man ihn an den nussige Aromen erkennen. Den Konjunktiv zwei verwendet der Rudl hier einerseits, weil das mit den Aromen im Wein seines Erachtens oft eine etwas fragwürdige Angelegenheit ist, andererseits weil es kaum noch Neuburger gibt und die nussigen Aromen sich auch erst einstellen, wenn der Wein ein bissl reifer ist, was auch viel zu selten vorkommt.

Neuburger gilt als qualitativ hochwertige Rebsorte. Trotzdem wächst immer weniger davon in den österreichischen Weingärten. Das hat mit der Anfälligkeit des Neuburgers für Kurztriebigkeit zu tun. Möglicherweise aber auch ein bissl damit, dass dort, wo Neuburger wächst, der Grüne Veltliner auch wächst, rebstockmäßig, aber weinmäßig oft lauter schmeckt.

Der Legende nach hat Kristof Ferstl, ein Vorfahre von Margid Mantler, gemeinsam mit Franz Marchherndl in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bei Oberarnsdorf am rechten Wachauer Donauufer ein Rebbündel Neuburger aus der Donau gefischt und eingesetzt.

Ganz unwahrscheinlich ist diese Geschichte mit dem Rebbündel gar nicht. Neuburger wächst nämlich stark. Deshalb soll man solche Rebbündel zur Sicherung von Schiffslasten verwendet haben. Und dabei kann eines ins Wasser gefallen sein.

Der Wein von diesen Reben habe schnell Anklang und darum an das andere Donauufer nach Spitz gefunden. Dort sei der Neuburger am Burgberg, der auch Tausendeimerberg geheißen wird, ausgepflanzt und Burgrebe, später der Neue von der Burg genannt worden.

Roter Veltliner und Sylvaner sind die Eltern des Neuburgers.

Die Traube ist klein bis mittelgroß, dichtbeerig, zylindrisch; mit gelbgrünen, punktierten, dickschaligen und fleischigen Beeren.

Der Ertrag ist durchschnittlich und unregelmäßig, auch kein direktes Atout gegenüber dem Grünen Veltliner.

Wenn es um glamouröse und prestigeträchtige Rebsorten geht, dann kommt der Neuburger wahrscheinlich nicht unter die ersten Fünf. Insofern könnte man ihn getränkemäßig fast als Gegenstück zum Energydrinkdoserl des neoliberalen Dauersprechsprudels in der gediegen legèren Schoin sehen.

Neuburger ist, wie erwähnt, keine Rebsorte, deren Anbaufläche wächst.

Zwischen 1999 und 2009 ist die Anbaufläche um über vierzig Percent zurück gegangen, ein Trend, der sich seither nicht umgekehrt hat. Etwa fünfhundert Hektar sind in Österreich noch mit Neuburger bestockt. Abgesehen davon gibt es ein bissl Neuburger in Tschechien, Rumänien und der Slowakei.

In Österreich spielt er in der Thermenregion, im nördlichen Burgenland und in der Wachau wenigstens eine untergeordnete Rolle, abgesehen davon fast keine.

Herr Rudolf kennt zudem kein Weingut, auf dessen Weinkarte ein Neuburger den teuersten Wein geben darf.

Denkmal

1935 hat man dem Neuburger in Arnsdorf am rechten Wachauer Donauufer ein Denkmal gesetzt. Unter dem Denkmal hat man dreihundert Flaschen Neuburger aus den besten Lagen gesammelt, um die Entwicklung der Weine zu beobachten. Die Nationalsozialisten haben im Einundvierziger Jahr das Denkmal gesprengt und fast alles ausgetrunken. Erst 1983 ist ein neues Denkmal eingeweiht und 1999 durch ein neues ersetzt worden

  • Neuburger 2015, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (2,50/4)
  • Neuburger 2014, Nikolaihof, Mautern, Wachau (4/6)
  • Neuburger Hommage 2017, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (3/5)
  • Neuburger Hommage 2013, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4/6)
  • Neuburger Hommage 2008, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4,50/7)
  • Neuburger Waldacker 2015, Schönberger, Mörbisch, Neusiedlersee Hügelland (4/6)
  • Neuburger (nv), Raubal, Gumpoldskirchen (kostenlos)
  • Neuburger 2013, Andert, Pamhagen, Neusiedler See (4/6)
  • Neuburger 2013, Weingut Graf, Kleinhöflein, Retzer Land (3/5)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 19. März und am Donnerstag, den 21. März

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf 26. und 28. März

ziemlich sicher etwas mit Riesling

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt am Markt vorbei!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

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Oid & grau gegen die heilige Rindslederhose des Neoliberalismus. Pinot Gris Vertikale Josef Lentsch Dankbarkeit und Fastenbier

Tugenden, heilige Kühe und die Deregulierung

Dass der Rudl einen Hang zu Unzeitgemäßem hat, wird Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, nicht verborgen geblieben sein.

So schätzt Herr Rudolf etwa Tugenden. Und die scheinen heute an sich nicht besonders angesagt zu sein. Wahrscheinlich schwingen zu sehr moralische Ansprüche mit. Kompetenzen etwa stehen da heute vergleichsweise viel höher im Kurs, oder auch Werte. Bei denen kann sich wenigstens jeder aussuchen, ob er darunter grenzenlose Freiheit für die sogenannten Produkte der Finanzindustrie, eine Lederhose oder beides zusammen versteht, zumindest wenn der Wertbegriff vorher ausreichend banalisiert, der Willkürlichkeit preisgegeben und also wertbefreit worden ist. Hundert Percent wertneutral, darauf legt der Neoliberalismus bekanntlich besonders großen Wert, gerade bei den Werten.

Tugend dagegen, das klingt immer ein bissl nach Verbindlichkeit, Pflicht und Verantwortung. Und derlei sind dem Neoliberalismus wahrscheinlich Pfaffenwerk, fast gerade so wie manch Klerikalisten der Sex ein Teufelswerk ist. Dem Rudl gehen sie beide ganz ordentlich auf den Zeiger, der Klerikalismus und der Neoliberalismus. Dabei ist es gar nicht einmal so, dass Monsieur Rudolf dem neoliberalen Ansinnen, heiligen Kühen den Kampf anzusagen, nicht etwas abgewinnen könnte. Nur halt ganz bestimmt nicht, um dann diesen Kampf oder die Deregulierung als solche zur heiligen Kuh zu erklären.

Eine fast hysterische Aversion dürfte der Neoliberalismus gegenüber den Tugenden Demut und Dankbarkeit haben. Da marschiert er drüber, der Neoliberalismus, forschen Schrittes, mit geistigen Springerstiefeln oder wenigstens mit polierten Milano-Böcken.

Demut und Dankbarkeit

Es auszuhalten, dass man nicht jederzeit über alles und jedes nach Belieben verfügen kann, beziehungsweise auch auf das eine oder andere angewiesen sein zu können, das gefällt dem Rudl ausgesprochen gut und das versteht er unter Demut. Rein gar nix hat das mit einem Missverständnis von Demut als Lethargie, Unterwürfigkeit und Rückgratlosigkeit zu tun.

Mehr oder weniger dasselbe scheint für die Dankbarkeit zu gelten. Das neoanbiedermeierliche, von unten nach oben Bittedankesagen ist zwar möglicherweise gerade wieder einmal im Vormarsch. Aber es hat etwas Berechnendes, Gutsherrenhofhaftes und Klerikales an sich.

Pinot Gris, Josef Lentsch, Dankbarkeit

Es ist ja nicht so, dass der Rudl nicht schon das eine oder andere über Pinot Gris, alias Grauburgunder, Ruländer, Grauen Mönch, Malvoisie oder oststeirischen Traminer geschrieben hätte.

Es ist auch nicht so, dass der Rudl nicht schon das eine oder andere über Josef Lentsch geschrieben hätte.

Und es ist auch nicht so, dass der Rudl nicht schon das eine oder andere über die Dankbarkeit geschrieben hätte.

Viel mehr als alle Schreiberei ist es dem Rudl ein Anliegen, festzustellen, wie froh er ist, dass es die Dankbarkeit gibt, froh und dankbar!

Froh über und dankbar für einen Wirt, Winzer, Kurtologen und vor allem Mensch wie Josef Lentsch.

Prolog

  • Ruländer 2014, Weingut Dieter Dorner, Mureck, Steirerland (3/5)
  • Pinot Gris 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Pinot Gris Bollenberg 2015, Domaine Valentin Zusslin, Orschwihr, AOP Vin d’Alsace (5/8)

1. Akt

  • Pinot Gris 2017, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (4/6)

2. Akt

  • Pinot Gris 2012, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (4,50/7)

3. Akt

  • Pinot Gris 2010, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (5/8)

4. Akt

  • Ruländer 1989, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (6/9) – der erste Barrique-Versuch von Monsieur Lentsch, wenn es der Rudl richtig verstanden hat

Epilog

  • Pinot Gris Spätlese 2009, lieblich, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (3/5)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 12. März und am Donnerstag, den 14. März

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf 19. und 21. März

Im Sinne der Ausgewogenheit: Neich! Dem Rudl sein Zugeständnis an Neues. Neuburger gegen die heiligen Rindslederhosen des Neoliberalismus

Neuigkeiten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort sind von der Dankbarkeit

  • Sandperle 2017
  • Muskat3 2017
  • Pinot Gris 2017
  • Dankbarkeit Rot 2014
  • Pinot Noir 2013 und
  • Rosé Frizzante 2017 ohne Dosage
  • Welschriesling Auslese 2017

sowie vom Geyerhof

  • Grüner Veltliner Stockwerk 2018 und
  • Riesling Johannisberg 2018
  • und noch ein bissl mehr Grüner Veltliner Steinleithn 2016

verfügbar.

Außerdem gibt es ab sofort das Bräustübl Fastenbier, der Rudl nennt es „das beste Bier der Welt“, um 4,50 Euro für die Konsumation vor Ort und um 2,50 Euro zum Mitnachhausenehmen.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt (in) Dankbarkeit!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Weine zum internationalen Frauentag. „Les Filles“ Vertikale, Gilles Berlioz

Seinerzeit

Der Rudl Fils hat in den späten Achtziger und frühen Neunziger Jahren mit dem Forschen begonnen. Dafür dass er das dürfen hat, ist der Rudl ausgesprochen dankbar. Darüber dass er das in den späten Achtziger und frühen Neunziger Jahren dürfen hat, ist er froh. Das absichtslose Forschen, einfach nur aus Interesse und nicht einmal mit irgendwelchen ECTS-Punkterln belohnt, scheint heute nicht mehr ganz zeitgemäß zu sein. Ein akademischer Eid, der theoretisch zur Verantwortung gegenüber der gesamten Gesellschaft verpflichtet und praktisch aber möglicherweise damals schon oft nur herunter geplappert worden ist, noch viel weniger.

Aber wozu braucht man eine Gesellschaft, wenn man mit Kunden auch auskommt? Wozu braucht man eine freie öffentliche Auseinandersetzung, wenn man die Wiener Edelfedern und gratis WLAN hat? Und wozu braucht man soziale Gerechtigkeit, wenn man mit Häusldaten einen Batzen Marie machen kann?

Gerechtere Gesellschaft

Die hat viele Facetten. Fraglos ist die Gesellschaft, in der der Rudl zu leben das Glück hat, gerechter als viele andere Gesellschaften an anderen Orten und solche zu anderen Zeiten. Aber direkt wenig zu tun ist auch hier und heute nicht. Aus dem ideologischen Zugang, eine ideale Gesellschaft herbeiführen zu können, ist der Rudl ein bissl herausgewachsen. Eine Vergerechterung ist ihm aber nach wie vor ein Anliegen. Und denen, die an sozialen und humanistischen Errungenschaften herum schnippseln oder Gerechtigkeit als solche banalisieren, wird der Rudl Prügel vor die Füße schmeißen oder das Reimlexikon verstecken.

Geschlechtergerechtigkeit

Ein Aspekt des Ringens um mehr Gerechtigkeit ist jener der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Da hat sich seit den späten Achtziger- und frühen Neunziger Jahren etliches verbessert. Aber direkt viele Bürgermeisterinnen und Volksschullehrer gibt es immer noch nicht. Dann ist da noch die Sache mit der gleichen Marie für die gleiche Hackn. Und auf den Aufschrei der kritischen Öffentlichkeit, weil das der Befehle harrende Haushaltsmittel zur Befreiung des Menschen aus seiner Restmündigkeit ausgerechnet Alexa heißen muss, wartet der Rudl auch noch. Aber für die Digistalisierung herrschen bekanntlich eigene Gesetze, nämlich das des Datendschungels, zumindest solange es „ja so praktisch“ ist.

Gilles Berlioz. Domaine Partagé. Wiederholung

Vor ziemlich genau drei Jahren haben Christine und Gilles Berlioz ihr Weingut umgetauft. Domaine Partagé. Direkt abwegig ist dieser Name nicht. 1990 hatten sie mit achtzig Ar begonnen. Bis heute haben sie die Fläche auf sechs Hektar ausgeweitet und biologisch umgestellt. Heute befinden sich vier Hektar im Ertrag. Fünfunddreißig Hektoliter am Hektar ist der Durchschnittsertrag. Gilles Berlioz ist vorher Arbeiter in der Landwirtschaft gewesen. Wirken tut er eher wie ein leidenschaftlicher Gärtner. Im Keller filtriert er selten, schwefelt kaum.

Gefragt nach dem Entscheidenden beim Weinmachen nennt Gilles Berlioz, sich immer wieder in Frage zu stellen und sich mit den richtigen Menschen zu umgeben. Der Rudl möchte dringend hinzufügen, dass das auch in anderen Berufen und Lebensbereichen nicht die allerblödesten Rezepte sind, und auch beim Forschen.

Chignin

liegt am Südwesthang im Combe de Savoie, das ist das Tal der Isère nach Albertville hinein. Direkt gegenüber von Chignin liegt Apremont. Und zwischen diesen beiden Weinorten besteht eine historische Rivalität. Die ist in früheren Zeiten nicht immer nur charmant ausgetragen worden. Dass die konventionell arbeitenden Winzer in Savoyen mehr gegeneinander als miteinander arbeiten, führen viele auch auf diesen Kelch zurück.

Die Rebstöcke in Chignin stehen auf Geröllhängen aus Jurakalk und Mergel. Sie schauen hinunter auf den „Boulevard des Alpes“. Dort fahren und vor allem stauen im Winter die Kraxen in die Skigebiete hinauf, im Sommer auf Turin hinunter. Gilles Berlioz ist in Chignin daheim.

Roussanne

ist auch in Chignin daheim, so daheim, dass sie in Savoyen Chignin-Bergeron genannt wird. Vom Prestige gehören diese Weine ziemlich sicher zu den renommiertesten in Savoyen, von den Preisen her auch. Dem Rudl seiner Meinung nach werden viele davon überbewertet. Ihre manchmal geringe Säure ist ihm in Verbindung mit für savoyardische Verhältnisse hohen Alkoholwerten ein bissl zu südlich. Ursprünglich herkommen tut Roussanne angeblich aus Tain l’Hermitage, wobei das mit den Ursprüngen dem Rudl seines Erachtens auch überbewertet wird. Einerseits findet es Herr Rudolf hoch interessant, nach Ursprüngen zu fragen. Andererseits geht ihm das dogmatische oder neurotische Getue um die Wurzeln, das jede noch so dezente Kritik oder jeden Vorschlag eines Äutzerls an Veränderung zum Verrat oder zur Verletzung der Ehre aufbläst, ganz außerordentlich auf den Zeiger. So oder so dürfte es die Roussanne schon ziemlich bald einmal von der Rhône nach Savoyen verschlagen haben, allerdings ausschließlich in die Gegend um Chignin. Zumindest ist sie in Savoyen aussschließlich dort appellationstauglich.

Geringe Erträge, relativ späte Reife, kleine, zylindrische Trauben, Beeren mit goldgelbem Taint und rostbraunen Einsprengseln. Haselnuss- und aubépinearomen sind nicht ungewöhnlich.

Sofern die Säure passt, und bei Gilles Berlioz passt sie, kann man Chignin-Bergerons gut aufheben.

Les Filles

Seit dem Jahrgang 2007 widmet Gilles Berlioz den Damen in seinem und um seinen Betrieb den besten Wein des Hauses und nennt ihn „Les Filles“. Das Etikett ziert seither auf jedem Jahrgang eine andere künstlerische Darstellung von Frauen, stets geschmackvoll, niemals plump, das gerade Gegenteil vom vielleicht lautesten und aufdringlichsten Weinetikett, das der Rudl kennt. Caviste Rudolf hat ja schon einmal darauf hingewiesen, dass sich ihm bei Ansicht der Rückseite eines Menschen auf einem Weinetikett die Frage aufdrängt, wovor die betreffende Person flüchtet.

Die Bilder auf den Etiketten von Gilles Berlioz sind frei von Effekthascherei. Trotzdem ist Weinmeister Berlioz immer wieder mit der Frage nach Unausgewogenheit seiner Weinbezeichnung konfrontiert worden. Darum hat er irgendwann einen anderen Chignin-Bergeron „Les Fripons“, auf gut Deutsch „Die Spitzbuben“ genannt. Da sich ein Spitzbube in mehr als nur biologischer Hinsicht

Ganz egalitär ist das dann aber auch wieder nicht gewesen, weil „Spitzbuben“ in der einen oder anderen Komponente seiner Bedeutung über eine schlichte Geschlechtsbezeichnung hinaus geht. Darum gibt es jetzt bei Gilles Berlioz auch noch einen Chignin-Bergeron „Les Friponnes“, die Spitzmadl oder Spitzbübinnen, wenn Sie so wollen.

  • Chignin-Bergeron „Les Friponnes“ 2016, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (5/8)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2017, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2016, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2015, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2011, Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (6,50/10)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2008, Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (6,50/10)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine, sondern auch billigere gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 5. März und am Donnerstag, den 7. März

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 12. und 14. März:

Pinot Gris Vertikale von Josef Lentsch, Dankbarkeit

Alles Gute Josef Bauer zum 99. Geburtstag!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Altesse Vertikale Giachino. Immer noch ein bissl neue Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag von 16 bis 22 Uhr

Die Öffnungszeiten des Herrn Rudolf scheinen sich äußerster Beliebtheit zu erfreuen, vor allem bei manchen Betreibern anderer Weinlokalitäten. Herr Rudolf hat trotzdem keine andere Wahl, als an ihnen festzuhalten.

Altesse als solche

Über Wesen und Herkunft dieser Rebsorte, deren Übersetzung ins Deutsche dezent aus der Zeit zu sein scheint und eine weibliche Hoheit bezeichnet, hat der Rudl schon das eine oder andere geschrieben. Dass reinsortige Vertreterinnen dieser Rebsorte wie Quartz oder Marestel zu den allerliebsten Weinen von Caviste Rudolf überhaupt gehören, detto. Und dass gelungene Exemplare dieser Rebsorte ganz formidabel reifen, auch.

Altesse von Giachino im Speziellen

Gletschermoränen als Boden, Quitte, Annanas und Mandel als Geschmack, eine erstaunlich Bandbreite an Papperln, mit denen es diese Altesse aufnehmen kann, von Kuchen bis Meeresviecher, da frischer als manch andere Altesse, soweit der Stil des Hauses. Oder anders ausgedrückt: vermutlich die jacquèreartigste Altesse, aber ohne das leiseste Gramm Sorbinsäure vlg. E 200. Fünfzehn Milligramm freier Schwefel pro Liter. Das ist nichts, wenn Sie den Rudl fragen.

Der Rudl assoziiert mit Giachino immer auch Jacques Maillet

Fünf bis zehn Jahre lautet der Konservierungsrahmen. An dem dürfte der Zehner schon kratzen, wenn’s wahr ist. An dessen Beschaffung hat der Rudl noch ziemlich präzise Erinnerungen. Im Elfer Jahr ist das gewesen. Die oenologische Geduld der Begleitung vom Rudl war nach fast drei Wochen in Frankreich eher schon epuisiert. Der Rudl wiederum wollte unbedingt Jacques Maillet und die Giachino Brüder besuchen. Von beiden Weingütern hatte er bis dahin lediglich gelesen und nie etwas getrunken. Darum hat er sich alleine auf den Weg nach Chapareillan gemacht. Nur ist er damals von dort nach mehrmaligem Läuten an der Klingel und Hinterlassen einer Botschaft auf dem Anrufbeantworter unverrichteter Dinge weg gefahren. Weil der Rudl hartnäckig ist, hat er nach dem ersten vergeblichen Anläuten eine Runde um die Ortschaft gedreht, auch um sich ein Bild von der Lage zu machen. Allein, auch eine halbe Stunde später hat bei den Giachinos niemand aufgemacht. Die Tageszeit ist schon mehr als fortgeschritten gewesen. Trotzdem hat Jacques Maillet eine telefonische Anfrage, ob ein Weinkauf noch möglich sei, mit Ja quittiert. Monsieur Rudolf hat sich auf den Weg nach Motz gemacht, nicht ohne von Jacques noch über die richtige Abzweigung in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Der Rudl ist trotzdem nicht in der Lage gewesen, den späten Termin einzuhalten. Es ist das damals eine der wenigen Fahrten des Rudls mit einem Navigationsgerät gewesen. Wenn Sie den Rudl fragen, rät Ihnen der, mit Navigationsgerät nur zu fahren, wenn Sie sehr viel Zeit haben oder den Weg auch im Schlaf finden täterten, zumindest wenn es um Überlandfahrten geht. Im gegenständlichen Fall hat das praktische Orientierungshilfsmittel die grenzgeniale Idee gehabt, den Rudl via einspuriger Bergstraße über die Chambotte von Aix-les-Bains nach Motz zu Jacques Maillet zu leiten. Das hat auch nicht dazu beigetragen, dass Herr Rudolf zum vereinbarten Zeitpunkt bei Monsieur Jacques aufgekreuzt ist. Der Rudl befindet sich in einem Alter, in dem er ungern Dinge verschiebt. Auch ist er nicht mehr in der Lage, Verspätungen mit dem Ausmaß an Stoizität zu begegnen, wie er das vor fünfundzwanzig Jahren gewesen ist. Entsprechend unangenehm ist es ihm in der Folge gewesen, bei Jacques Maillet aus dem motorisierten Kübel zu steigen.

Vorurteile

Rudolf der Fils ist im sogenannten Florenz des Nordens aufgewachsen. Dort hat Italienisches als lebensfroh, weltoffen und sympathisch gegolten, wohingegen man mehr oder weniger unisono die Auffassung vertreten hat, in Frankreich sei man hochnäsig, unilingual und nationalistisch.

Das hat der Rudl schon vor vierzig Jahren für einen Topfen gehalten. Dass man sich in Frankreich auf Englisch nicht verständigen kann, mag vor dreißig Jahren gestimmt haben. In Italien scheint das gelegentlich heute noch vorzukommen.

Der Weinbauer Jacques Maillet hat seinerzeit auf alle Fälle von einer Schelte in Anbetracht der Retardierung Abstand genommen, sondern hat den Rudl mit einer seltenen Mischung aus Herzlichkeit und Geradlinigkeit begrüßt. Auf Englisch. Gespickt mit ein paar Brocken Deutsch. Und dann hat Herr Jacques dem Rudl geduldig alle seine Weine erklärt, teilweise mit Demonstration der Auswirkung unterschiedlicher Belüftungsintensitäten auf den Geschmack der Weine. Wie lange der erste Besuch des Rudls bei Jacques Maillet gedauert hat, das entzieht sich der genauen Erinnerung von Herrn Rudolf, nicht aber der Umstand, dass der Rudl etliche Male versucht hat, den Besuch aufgrund der vorgerückten Stunde zu beenden.

Beim Zahlen hat Monsieur Rudolf dann etwas beiläufig erwähnt, dass er zuvor schon vergeblich probiert hatte, bei Giachino Wein zu kaufen. Darauf erwidert ihm Monsieur Jacques, dass man fast alle Weine der Gebrüder Giachino auch bei ihm kaufen könne, weil er im Rahmen von Vins des Copains etliche Weine der savoyardischen Biowinzervereinigung Petavins anbiete. Drüber hinaus arbeite er mit den Giachinos sowieso eng zusammen. So erfolge die Vinifizierung seiner Trauben im Keller von David und Fred Giachino. Aus diesem Besuch bei Jacques Maillet resultiert die hoheitliche Zweitausendzehnerin, die Caviste Rudolf diese Woche glasweise offeriert. Es ist dem Rudl seine letzte Flasche.

Und was die Weine des Herrn Jacques betrifft, so finden Sie in ganz Frankreich ziemlich sicher keine Vinothek, in der Sie noch so viele davon kaufen können wie beim Rudl. Zumindest ergibt sich bei eine Recherche auf wine-searcher dieses Bild.

  • Roussette de Savoie 2017, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Roussette de Savoie 2016, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Eine Piratin aus dem Jahr 2015 (5/8)
  • Roussette de Savoie 2014, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Roussette de Savoie 2011, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (5/8)
  • Roussette de Savoie 2010, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 26. Februar und am Donnerstag, den 28. Februar

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt hartnäckig!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Riesling Kellerberg Vertikale Bioweingut Schmidl, Dürnstein

Vertikal v horizontal

Es gibt ein paar Wortpaare, da muss der Rudl regelmäßig nachdenken, bevor er sie korrekt verwenden kann. „Konkav“ und „konvex“, zum Beispiel, „leihen“ und „borgen“ sowieso, wobei diese zwei konversen Verben heute weitgehend synonym verwendet zu werden scheinen. Manchmal muss der Rudl, auf die Schnelle vor die Frage gestellt, sogar über „horizontal“ und „vertikal“ kurz nachdenken.

Möglicherweise hat das mit Weinvertikalen zu tun. Auf seiner geistigen Netzhaut bildet sich die Zeitachse einer Weinvertikale immer waagrecht, nie senkrecht ab. Wenn das geistige Auge den Gesetzen der Optik folgt, handelt es sich um eine spiegelverkehrte Abbildung, aber eben horizontal.

Dürnsteiner Kellerberg

Verwitterter Gneis und eine der bekanntesten Rieden in der Wachau. So viele Weinbauern sind es aber gar nicht, die am Dürnsteiner Kellerberg einen Weingarten haben. Genaugenommen vinifizieren nur ganz wenige Weinbauern, die am Dürnsteiner Kellerberg einen Weingarten haben, ihren Wein selber. Die meisten liefern ihre Trauben an die ortsansässige Winzergenossenschaft. Und Weinbäuerin gibt es des Rudls Wissens sowieso nur eine, die Weintrauben vom Dürnsteiner Kellerberg selber vinifiziert. Das ist die Frau Harm. Früher hat sie Schmidl geheißen. So heißt jetzt noch das Weingut.

Weine – zu aufgelegt für den internationalen Frauentag

Caviste Rudolf hat die Idee gehabt, die Riesling Kellerberg Vertikale vom Weingut Schmidl in der Woche vom internationalen Frauentag zu kredenzen. Da würde sie ganz gut hinpassen. Denn die Art und Weine, wie Frau Harm das elterliche Weingut übernommen hat und führt, nötigt dem Rudl einen Batzen Respekt ab.

Es ist jetzt nicht so, dass der Rudl keinen Wert auf eine korrekte und vor allem treffsichere Ausdrucksweise legen würde. Nur, die Art und Weise, wie die Debatte um das Binnen-I und die Töchter geführt wird, scheint ihm doch in erster Linie den dings zu nützen.

Töchter

Dass jemand das elterliche Weingut übernimmt, ist nicht selbstverständlich. Dass eine Frau das macht, auch nicht gerade. Und dass eine Frau, die mit einem Mann aus einer Weinbauernfamilie verheiratet ist, das elterliche Weingut übernimmt und dann nicht dem Mann aus der Weinbauernfamilie die Führung des Weingutes überlässt, sondern selber oben steht und die Verantwortung übernimmt, ist noch weniger selbstverständlich. Dass eine Frau das mit vier Kindern macht, erscheint dem Rudl als noch außerordentlicher. Dass sie das elterliche Weingut dann auch biologisch umgestellt hat, ist vergleichsweise vielleicht fast schon nachvollziehbar.

Lebendigkeit im Weingarten ist Theresia Harm an sich ein Anliegen, dass diese Lebendigkeit die Charakteristika der Lagen deutlicher im Wein zum Ausdruck bringt, ihr aber auch nicht unwesentlich. Im Keller ungeschönt und spontan vergoren.

2018

Es ist dieses Phänomen, im Februar 2019 ziemlich präzise zu wissen, was jemand am soundsovielten Februar 1976 gesagt hat, aber sich im Supermarkt seines Misstrauens beim besten Willen nicht mehr erinnern zu können, warum man ihn angesteuert hat. Herr Rudolf gibt zu, an diese Kombination aus distanter Hypermenz und Kurzzeitdemenz zu leiden. Ein paar Sachen gibt es freilich, die sind so ausgeprägt, dass man sie nicht vergisst. Die Affenhitze im vergangenen Sommer zum Beispiel. Daran kann sich jeder erinnern. Die meisten Weinbauern haben zu einem rekordzeitigen Termin mit der Lese begonnen, nicht nur beim Bouvier. Caviste Rudolf ist besonders neugierig auf die Weine der Weinbauregion Bergland aus 2018. An und für sich erscheint dem Rudl der Februar nach der Lese nicht als der geeignete Zeitpunkt, um sich ein Bild von einem Wein zu machen. Vielleicht ist das heuer eine Spur leichter möglich, weil die Weine aufgrund der frühen Lese im Vorjahr um ein kleines Zeitl mehr gehabt haben.

2016

Einer von bislang drei nicht sauheißen Jahrgänge in der laufenden Dekade.

2008

Ein anderer Lieblingsjahrgang vom Rudl, von der österreichischen Fußballnationalmannschaft eher genauso wenig wie 2016.

2007

Ein bissl blöd kommt sich der Rudl schon vor, wenn er hier andauernd über das Wetter schreibt. Aber nach seinem Verständnis von Wein ist das Klima halt nicht ganz unwesentlich für den Geschmack von dem, was Jahre später dann einmal aus dem Flascherl rinnt. Ein anderer wichtiger Faktor ist der Boden. Der ist im Vergleich zum Wetter verhältnismäßig konstant und vom Homo sapiens sapiens weniger leicht zu beeinflussen. Der Rudl möchte freilich nicht ausschließen, dass irgendwo in einem Labor längst daran gearbeitet wird, den unzeitgemäßen Boden zu modernisieren und zu flexibilisieren. Höchste Zeit für einen Boden 4.0 oder so. 2007 ist auf alle Fälle heiß gewesen.

2006

Noch heißer als 2007, vor allem der Herbst. Spektakuläres Ende einer Fußballerkarriere.

  • Riesling Federspiel Kellerberg 2018, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (3/5)
  • Riesling Smaragd Achleiten 2016, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (5/8)
  • Riesling Smaragd Kellerberg 2008, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (6/9)
  • Riesling Smaragd Küß den Pfennig 2007, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (6/9)
  • Riesling Samragd Küß den Pfennig 2006, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (6/9)
  • Und sollte der Rudl den schon heftigst gesuchten Zweitausendeinser noch finden, dann gibt es auch den glasweise.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 19. Februar und am Donnerstag, den 21. Februar

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Neues aus dem Sortiment

Ab sofort sind Mangalitzawürstel wieder und Mangalitzaspeck verfügbar. Noch mehr freut sich der Rudl, neben zwei Federspielen aus dem Weingut Schmidl das erste anerkannte Bioweingut Österreichs und mit diesem einen neuen ältesten Wein in seinem Sortiment begrüßen zu dürfen.

  • Welschriesling 2017, Weingut Weinsteindl, Purbach, Neusiedlersee Hügelland (8 1/2 Euro)
  • Blaufränkisch 2015, Weingut Weinsteindl, Purbach, Neusiedlersee Hügelland (10 Euro)
  • Welschriesling Trockenbeerenauslese 1979 (0,375 Liter, Bocksbeutelflasche), Weingut Weinsteindl, Purbach, Neusiedlersee Hügelland (32 Euro)

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt vertikal und horizontal!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Biopioniere im Weinbau, energieferienbedingt viel Text, immer noch neue Öffnungszeiten am Dienstag und am Donnerstag von 16 bis 22 Uhr und auch noch drei Vins Jaunes

Der Rudl hat nie behauptet, keine schwache Seite für einen Kalauer zu haben. Da legt sich ein Lehrveranstaltungsthema „Biopioniere“ mehr oder weniger quasi von selber auf.

Dazu kommt eine beim Rudl sich im Alter offenbar nicht unbedingt abmildernde Skepsis gegenüber Modewellen.

Grunsätzliche Klarstellungen zu Semesterbeginn

Klarstellung eins

Rudolf Polifka schreibt keinen Blog. Er kennt nicht einmal die Kriterien der Textsorte Blog. Und er weiß auch nicht, woher das Wort kommt. Vermutlich irgendwie von logos, aber vielleicht halt b-, quasi ein Logos der zweiten Wahl.

Der Rudl schreibt gerne etwas und jemandem, vielleicht gerade weil er in seiner Kindheit und Jugend nicht gerne etwas geschrieben hat. Der Rudl interessiert sich für Wein. Und der Rudl verbreitet gerne Ideen, von denen er glaubt, dass sie gut sind. Aus.

Klarstellung zwei

Rudolf Polifka, da Bua, ist selbstverständlich kein Influencer, in seiner Weinhandlung nicht und in der Schule noch viel weniger. Darum beschreibt er lieber als er empfiehlt. Und er freut sich, wenn er etwas dazu beitragen kann, dass eine oder einer eine verantwortungsbewusste, eigenständige Entscheidung trifft, gegebenenfalls selbst dann, wenn dem Rudl die betreffende Entscheidung gar nicht einmal so gut gefällt. Auf die Gefahr hin unbescheiden zu sein, sieht sich der Rudl da, jetzt nur was die Vorgangsweise betrifft, in der Tradition eines gewissen Bauarbeiters aus Nazareth. Der hat auch niemandem eine Entscheidung abgenommen, lieber Gleichnisse erzählt. Gerne würde der Rudl so geniale Gleichnisse erfinden können, aber das spielt es halt nicht. Darum beschreibt er lieber und schwadroniert ein bissl.

In die Zeit im Bild zwei wird es der Rudl so nicht schaffen. Dazu muss man schon eine Influencerin sein. Vor ein paar Tagen ist dort eine geschäftstüchtige Japanerin vorgestellt worden. Die hat die orientierungslosen Menschen endlich darüber aufklärt, wie man seinen Kasten ausmistet und ein T-Shirt zusammenlegt, wenn man heute angesagt sein will. Einen Patzen Gerstel wird sie damit auch verdient haben. Genauso wie der Konzern, bei dem die Leute dann die neue Fetzen kaufen. Ein Win-win-Situation, wie man sagt, nur halt nicht für die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Fetzenfabrik. Aber man kann schließlich nicht an alles denken, wenn man angesagt influencen will.

Angesagte Aufklärer

Ansagen sind bekanntlich Diktate, nicht nur in der Schule. Und bei Diktat kann man an den Dictatus Papae von Gregor VII. denken. Das ist ganz bequem so. Da kann man sich in historisch ausgepolsterter Empörung suhlen und muss nicht überlegen, ob man nicht heute da oder dort ein bisserl am Gängelband von irgendwelchen Ansagerinnen oder Ansagern hängt. Mit Mündigkeit, Eigenverantwortung und Aufrichtigkeit scheinen diese ansagenden Influencerinnen und Influencer nicht viel anfangen zu können. Aber aus Mündigkeit, Eigenverantwortung und Aufrichtigkeit lässt sich vermutlich auch schwer ein Geschäftsmodell basteln.

Da schicken sie lieber hasspredigende Pseudosäkularisierer über die Lande, um den Menschen gebetsmühlenartig vorzuleiern, dass immer noch irgendein alter Mann oder eine obskure Verschwörung im Vatikan die Menschen an der Befreiung aus ihrer Unmündigkeit hindere. Und dann influencen sie weiter, streng säkularisiert, und lassen sich dafür bezahlen.

So unangesagt kann der Rudl gar nicht sein, dass er das unkommentiert lassen könnte. Da geht Monsieur Rudolf lieber einen Schritt weiter und bekennt sich zu seinem altmodischen Konzept der Weinhandlung als moralischer Anstalt, retrostes achtzehntes Jahrhundert.

Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, jetzt einwenden, dass das en bissl selbstgerecht ist, dann kann es schon sein, dass sie Recht haben.

Klarstellung drei

Manche natürlichen Lebensmittel sind teurer als im Plastik erstickte und mit dem Chemiekasten geschmacklich zur Unkenntlichkeit gebrachte.

Sehr oft liegt der Unterschied aber im Aufwand der Beschaffung. Und da kann man, auch ohne ein Mathematikgenie zu sein, ganz leicht ausrechnen, dass der Kaffee, wenn man ihn aus Wassonstkapseln trinkt, doppelt so viel kostet, wie ein wirklich sauguter aus fairem Handel. An dieser Stelle kommt dann ganz gerne das Argument von Raum und Zeit. Jetzt ist der Rudl natürlich im Hauptberuf Angehöriger einer Berufsgruppe, deren Wochenarbeitspensum bis Dienstag Abend erledigt sein sollte, und er übt diesen Beruf in der Stadt aus, in der immer weniger Erwachsene in der Früh aufstehen. Vielleicht stehen auch nur die falschen auf, aber das lässt Monsieur Rudolf einmal dahingestellt. Subjektiv fühlt sich der Rudl weder der Gruppe der Unterbeschäftigten, noch jener der Superreichen zugehörig, ja nicht einmal zur Gruppe derjenigen, die mit der Karre einkaufen fahren, gehört er. Sehr wohl hält sich Herr Rudolf für einen, der danach trachtet, den kategorischen Imperativ von diesem gewissen Kant zum Kriterium seines Handelns zu machen und das auch anderen Menschen gerne nahe legt. Für ihn ist es plausibel, dass die Welt ein bissl besser ist, wenn jeder so lebt, dass es sich gut ausgeht, wenn alle so leben, dass man also nicht im Wissen um die Probleme auf der Welt aus Frust gleich ganz auf alles pfeift, nur weil sich das Paradies auf dieser Welt nicht vor der nächsten Werbepause umsetzen lässt. In der nächsten Werbepause erfährt man dann, dass das individuelle Paradies – und nur um das geht es in der Werbepause, denn wenn jeder für sich selber sorgt, ist für alle gesorgt – schon geht.

Der Rudl hält diesem Vollholler den etwas sperrigen Terminus „eschatologische Differenz“ entgegen; sich einzusetzen für eine gerechtere Welt; es auszuhalten, dass die totale Gerechtigkeit in der Immanenz nicht so einfach umzusetzen ist; sich von Letzterem aber auch nicht entmutigen zu lassen und darauf zu hoffen, dass diese Welt nicht das letzte Wort ist, ohne diese Hoffnung als Vertröstung zu missbrauchen sich im diesseitigen Bestreben um das Gute bremsen zu lassen.

Bioweinbaupioniere

An wen sollte man in diesem Zusammenhang eher denken als an die Biowinzer, die zu einer Zeit biologisch gearbeitet haben, als das nicht nur weder angesagt gewesen, sondern ein willkommenes Motiv für Geringschätzung und Witze gewesen ist.

Die Domaine Pierre Frick

ist schon 1970 biologisch konvertiert. Direkt typisch ist das nicht für den Elsass, aber weniger atypisch als es das für Bordeaux wäre.

Typisch für den Elsass ist die geologische Vielfalt, mit der es Jean-Pierre Frick, Femme et Fils zu tun haben. Demeterzertifiziert seit 1986. Das erspart Ihnen und dem Rudl jetzt etliche Zeilen und dem Wein mehr oder weniger alle Erungenschaften der modernen Oenologie. Alte Eichenfässer erspart sie ihm nicht. Es geht um den Boden und den Jahrgang. Davon hängt auch ab, ob ganz minimal oder gar nicht geschwefelt wird.

Jean-Pierre Frick hat beobachtet, dass seine Weintrauben viel resistenter gegenüber Fäulnis und Würmern sind. Auch den Boden bringen sie klarer zum Ausdruck.

Für Frick endet Biodynamie nicht am Zaun seines Weingartens und bei der Kellertür. Darum wird er auch nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die konventionelle Landwirtschaft durch ihren unverschämten Einsatz an Wasser, Energie und anderen Ressourcen zu einer Spaltung der Welt führt. Der Rudl ergänzt ganz gerne, dass das auch für jene Modernisierungsgewinnler, die Wochenendstädteflüge zum Preis von einer Wurstsemmel und alle zwei Jahre ein neues mobiles Endgerät für Grundrechte halten, gilt. Rudolf Polifka findet die Hinweise auf den Tschickpackerln in Ordnung, erlaubt sich aber, darauf hinzuweisen, dass Zigaretten in allererste Linie den Konsumenten und die Konsumentin selber schädigen. Könnte man auf mobilen Endgeräten, Flugtickets und Tankstellenrechnungen nicht auch groß und deutlich anmerken, in welcher Form und in welchem Ausmaß Menschen in afrikanischen Edelmetallminen, von der Klimatkatastrophe ruinierten Gegenden oder in vielen erdölexportierenden Ländern Leid zugefügt wird?

Zurück in den Elsass

Jean-Pierre Frick hält nichts von schnellem Wachstum. Darum kommt ihm auch nicht zu viel Kompost in den Weingarten. Den Rebschnitt beschränkt er auf ein Minimum. Vor der Blüte Knospen zu schneiden hält er für eine „Häresie“.

Die Lese erfolgt in etlichen Durchgängen von Mitte September bis Mitte Oktober, manchmal auch später. Ganztraubenpressung. Spontangärung ist für Jean-Pierre Frick eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem macht er nicht in erster Linie Reinzuchthefen, sondern unreife Trauben, einen Mangel an Hygiene und die Ungeduld in Form des Jungweinkultes für die Mittelmäßigkeit vieler Weine verantwortlich. Diese Mängel hält Monsieur Frick für die Ursachen der sich immer mehr auch an den Genen der Hefen vergreifenden Hexenmeisterinnen und Hexenmeister in den Laboren.

Auch wird bei der Gärerei im Keller von Frick nicht gehudelt. Eine Wandlung braucht Zeit. Was aus Menschen wird, die im Kindergarten schon Kurse machen, anstatt zu spielen und in der Pubertät Slim Fit Wursthäute oder Kostüme tragen, das setzt der Rudl als bekannt voraus.

Jean-Pierre Frick amüsiert sich auch über die gegenwärtig stattfindende Hundertachtziggradchristler der Weinbehörden in Sachen Filtration. Die längste Zeit hat man die Spitzenweine zu einer Filtration im Dezember nach der Lese gezwungen. Jetzt weht der Wind aus der anderen Richtung und Bâtonnage bis in den Frühling ist angesagt. Frick pfeift auf beides, erlaubt den Weinen fünf bis neun Monate Ruhe in alten Dreitausendlitereichenfässern, ohne Bâtonnage. Er hält das für den Schlüssel zum Terroir Alsace. Die Fässer sind größtenteils hundert Jahre alt. Für Frick sind sie die pflanzliche Haut seiner Weine. Zwei Stunden vor der Füllung wird mit Zelluloseschichten dezent filtriert und aus.

Barriques können ihm gerade so wie Inoxtanks gestohlen bleiben.

Viele halten Pierre Frick quasi für den Herrn Ohneschwefel. Und auf seiner Karte finden sich seit 1999 jeden Jahrgang zwei oder drei ungeschwefelte Weine. Trotzdem weist Frick darauf hin, dass Schwefel keine Wunder wirkt, aber seit dem Mittelalter im Weinkeller verwendet wird, um frühzeitige Reifung zu verhindern und den Wein vor allzu gravierenden Temperaturstürzen oder -steigungen zu schützen. Daran ist auch nichts auszusetzen, solange mit dem Schwefel nicht geurasst wird.

Inspiriert von der Champagne verschließt Jean-Pierre Frick seine Flascherl mit einer Inox-Chromkapsel, auch die Grand Crus. Der Rudl kennt sonst keinen namhaften Weinbaumeister, der das macht.

  • Riesling Grand Cru Steinert 2012, Domaine Pierre Frick, Pfaffenheim, Alsace

Nicolas Joly. La Coulée de Serrant

Weniger als andere Mittel und andere Maßnahmen interessiert sich Nicolas Joly für ein anderes Denken, vor allem was die Ursachen des Lebens betrifft. Das macht ihn für vielen Naturwissenschaftlern suspekt.

Es interessiert ihn auch nicht, Wein zu machen, der dem Mister X oder der Madame Y gefällt. Nicolas Joly interessiert sich für das Leben, auch im Wein, und für Originalität. In den Dreißiger Jahren ist in einem Geniestreich das Konzept der Appellation entstanden. In einer ganz präzisen Gegend soll aus einem bestimmten Jahrgang aus bestimmten Trauben ein unverwechselbarer Geschmack der Konsumentin und dem Konsumenten garantiert werden. Siebzig Jahre später meint Nicolas Joly, davon nicht mehr sehr viel erkennen zu können. Das führt er auf das Wirken der Agrarberater in den Fünfziger und Siebziger Jahren zurück. Die haben Arbeitserleichterung via Chemiekasten propagiert. Dabei ist die Originalität des Geschmacks verloren gegangen. Aber wie es gar nicht so selten der Fall zu sein scheint, haben sich die Verursacher des Problems bald lautstark als Lösung desselben aufgespielt, mit mehr als dreihundert Aromaheferln in ihren Koffern.

Das ist Nicolas Joly ein ausreichendes Motiv zur Gründung der Renaissance des Appellations gewesen. Der Geyerhof aus dem Kremstal ist Mitglied, Michel Grisard aus Savoyen ein Mitbegründer. Dazu später mehr.

  • Coulée de Serrant 2008, Coulée de Serrant (Nicolas Joly), AOC Coulée de Serrant, Loire

Michel Grisard

Über den hat der Rudl im Zusammenhang mit der Domaine des Ardoisières geschrieben. Letztere gäbe es ohne Michel Grisard nicht. Der ist Anfang der Neunziger Jahre schon kein Jungwinzer mehr gewesen, hat aber trotzdem die Initiative ergriffen und den aufgelassenen Weinberg von Cevins zuerst terrassiert, dann rekultiviert. Kulturwein der Weltklasse! Brice Omont, damals noch kein Jungwinzer, ist auch dabei gewesen und hat das Weingut dann an die Spitze geführt.

Es ist die Domaine des Ardoisières aber nicht das erste Weingut gewesen, das Michel Grisard quasi aus dem Nichts in die Höhe gebracht hat.

1978 übernimmt er das, was heute Domaine Prieuré Saint Christophe heißt und seit dem Jahrgang 2015 von den Giachinos bewirtschaftet wird. Vier Jahre später, es ist das Jahr, in dem Didier Dagueneau seinen ersten Jahrgang keltert, verlässt Michel Grisard dann ganz das Weingut von seinem Vater und seinem Bruder, um sich ausschließlich auf seine inzwischen reaktivierte Prieuré Saint Christophe zu konzentrieren, mit dem Anspruch, dort den Nachweis zu erbringen, dass die Rebsorte Mondeuse zu einem großen Wein fähig ist. Dass dieser Anspruch heute nicht mehr so verrückt klingt wie vor fünfunddreißig Jahren, dafür ist Michel Grisard nicht ganz unwesentlich verantwortlich. Damals hat man Mondeuse lieber ausgerissen als ausgepflanzt.

Ein bissl Altesse hat er auch gemacht. Der hat immer wieder die Grenzen dessen, was man als typisch für die Appellation Vin de Savoie Controllée erachtet hat, gesprengt und ist von Michel Grisard dann als Altesse de refus etikettiert worden.

 

  • Prieuré Saint Christophe Blanc 2016 (Domaine Giachino) AOP Roussette de Savoie (6/9)

Dominique Belluard. Terroir du Mont Blanc. Eine Wiederholung

 

1988 hat er den Betrieb übernommen. Seine Ausbildung dürfte eher nicht das, was man heute wenig treffsicher als „kompetenzorientiert“ bezeichnet, gewesen sein. Darum hat sich Dominique Belluard nicht gleich einmal das Maul darüber zerrissen, was er alles darauf hat, sondern sich demütig ein paar Fragen gestellt. Das gefällt Fils Rudolf ausgesprochen gut. Denn er ist ein Kind der Achtziger Jahre, damals als bio und öko noch zusammen gehört haben.

 

  • Mondeuse 2016, Dominique Belluard, Ayze, AOP Vin de Savoie, Haute Savoie

Österreichs erstes anerkanntes Bioweingut. Weingut Weinsteindl, Purbach, Neusidlersee Hügelland

Es wird im Frühjahr 1992 gewesen sein. Und es wird in Sankt Veit an der Glan gewesen sein. Da hat der Rudl im Schaufenster von einem Bioladen eine deutlich als Biowein erkennbar gemachte Flasche vom Weingut Weinsteindl in Purbach gesehen. Das Geschäft ist zu diesem Zeitpunkt geschlossen gewesen. Gemerkt hat sich der Rudl Bub das mit dem Biowein aber schon. Sein Interesse für Landwirtschaft ist damals gerade im Entstehen gewesen, obwohl er Zeit seines damaligen Lebens in einem Ort gelebt hatte, in dem es außer Landwirtschaft so gut wie nichts gegeben hat. Es war die Zeit, in der Österreich darüber diskutiert hat, ob es der EG beitreten solle. Rudolf Fils war ein glühender Gegner so eines Beitritts, den er damals „Anschluss“ genannt hat.

Zuerst einmal hat Herr Rudolf auf Distanz zur Bundesrepublik Deutschland Wert gelegt. Diesbezüglich stellt sich dem Rudl die Situation heute doch deutlich anders dar, zumal sich das Deutschland von Kohl und Strauß in der Wahrnehmung vom Rudl der postkreiskyanischen Republik Österreich diametral entgegengesetzt entwickelt hat.

Zweitens sind dem Rudl damals die EG-Subventionen für landwirtschaftliche Massenproduktion und vor allem für den Export derselben via Straße säuerlichst aufgestoßen und tun das jetzt noch, wobei man sicher unterschiedlicher Meinung sein kann, was damals in Verhandlungen möglich gewesen wäre. Dass vor allem Deutschland und Italien großes Interesse an einem EG-Mitglied Österreich gehabt haben, scheint hierzulande heute noch ganz gerne weniger beachtet zu werden als Bedenken seitens Frankreich.

Drittens hat es dem Rudl damals bei der Vorstellung, Bürger eines politischen Gebildes zu sein, dessen Gesetze nicht von einer unmittelbar von ihm gewählten Legislative ausgehen, die republikanischen Zehennägel eingerollt. Und auf die Gefahr hin, jetzt als rechthaberisch dazustehen, fühlt sich der Rudl in dieser Skepsis aber schon so etwas von bestätigt. Würden die für Europa relevanten Gesetze von einem kompetenten Europäischen Parlament gemacht, dann wäre der Schaden, den verhaltensauffällige Zeitgenossen aus England, Oberkärnten oder dem „ehemaligen Osten“ (© Lukas Resetarits) anrichten können, nicht halb so groß.

Der Rudl hat seinerzeit sogar eine Podiumsdiskussion mit dem damaligen Landeshauptmann von Salzburg, Hans Katschthaler organisisert. Teil der Veranstaltung war ein Buffet von Biobauern, die gegen die Pyhrnautobahn Widerstand geleistet haben. Die Gespräche mit diesen Bauern sind dem Rudl Fils vor allem als wohltuender Kontrast zum geistigen Klima in seinem Heimatdorf in Erinnerung.

Die Familie Steindl hat auf alle Fälle schon 1980 umgestellt. Damit ist es laut ihrer Homepage das allererste anerkannte Bioweingut Österreichs gewesen, fast gemeinsam mit Rudolf Beilschmidt aus Rust, dessen Weine Caviste Rudolf die Ehre gehabt hat, in seinem Sortiment zu führen, als es das Weingut noch gegeben hat. Das bedeutet freilich nicht, dass nicht andere Weinbäuerinnen und Weinbauern vielleicht sogar schon vorher biologisch gewirtschaftet haben.

Das Weingut Weinsteindl gibt es zum Glück noch. Sechs Hektar, klare Handschrift, klare Frucht, ohne Schnickschnack, weder aus dem Gummibärensackerl, noch aus dem Nagellackentfernerflascherl.

  • Welschriesling 2016, Weinsteindl, Purbach, Neusidelersee Hügelland

Religionslehrer Erwin Binder, Platt

  • Grüner Veltliner Landwein 1993, Platt, Westliches Weinviertel

Weingut Dieter Dorner, Mureck. Auch eine Wiederholung

 

Das Wohnhaus der Familie Dorner ist eines der geschmackvollsten in Mureck. Die Weingartenhütte hat die Adresse Novi Vrh 4. Dazwischen rinnt der größte Fluss des Lungaus, als Staatsgrenze. Von 1918 bis 1989 konnten dort Menschen wie die Familie Dorner das erfahren, was heute wieder immer mehr verhaltensoriginelle Staatsmänner als probaten Ersatz für Mut und Visionen in der Politik propagieren, Grenzerfahrungen. Grenzerfahrungen, die die Konflikte nicht weniger und Gehässigkeiten und Angst auf beiden Seiten noch nie kleiner gemacht haben.

Nachdem dann in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges auch noch die Murecker Brücke zerstört worden war, durfte die Mutter von Dieter Dorner mit dem Radl einen Umweg von vierzig Kilometern über Bad Radkersburg strampeln.

1953 regelte dann das Gleichenberger Abkommen wenigstens, dass Betriebsmittel und Ernte mit Grenzübertrittsscheinen zollfrei über die Grenze gebracht werden durften.

Dieter Dorner hat schon sehr früh im Weingarten mitgearbeitet. Und er hat sich schon früh mit spirituellen Grundlagen des Lebens beschäftigt. Dabei hat auch das Verhältnis des Menschen zur Natur eine Rolle gespielt. Die zunehmende Intensivierung und Industrialisierung in der Landwirtschaft hat er vor anderen als Holzweg erkannt und ab 1976 biologisch gearbeitet. Von anfänglichen Misserfolgen hat er sich nicht den Mut nehmen lassen. Zu groß war seine Gewissheit, dass es auch anders gehen muss. Damit ist Dieter Dorner ein Pionier des steirischen Bioweinbaus, am Bild vor seinem Weingartenhaus:

Heute führt Jakob Dorner das Weingut, unterstützt von seinem Bruder Elias und der Mutter Helene, einer praktischen Ärztin, Parallelen zu einem anderen Pionier des biologischen Weinbaus. Kurzatmigen Trends verweigert man sich, dem familiären und kulturellen Erbe bleibt man treu. Das Resultat sind klassisch schöne Bioweine.

  • Blauer Burgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck, respektive Novi Vrh

Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen

Dem Rudl seine ganz persönliche Wiederentdeckung des Jahres 2014. Low-Tech Zierfandler aus dem großen Holzfass, so steht es auf der Homepage von Freidrich Kuczersa und so schmeckt er auch, niedrig im Alkohol, elegant in der Aromatik und – das ist gerade Gegenstand der Rudl’schen Forschung – vermutlich auch ziemlich langlebig, weil lebendig. Mineralisch und bekömmlich im wirklichen Sinn der beiden Wörter. Seit sozusagen allerweil schon biologisch und gewachsen auf dem Kreidekalk der Ausläufer des Wiener Waldes.

  • Zierfandler 2016, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion

 

 

Weingut Geyerhof, Oberfucha, Kremtal. Trotzdem keine reine Wiederholung

Usprünglich hat man am Geyerhof nicht nur Landwirtschaft betrieben, sondern auch Ziegel produziert. Maria Theresia muss von diesen Ziegeln etwas gehalten haben, sonst hätte sie nicht erlaubt, dass sie auf der Donau verschifft werden. 1988, als Ilse Maier das Weingut Geyerhof biologisch umgestellt hat, ist die Ziegelfabrik schon stillgelegt gewesen. Ihr Sohn Josef Maier hat den Betrieb jetzt wieder um Vieh- und Bienenzucht erweitert. Wer weiß, wie die nächste Generation am Geyerhof über Ziegelfabrikation denkt?

Lage Steinleithn

Steinleithn ist karg, nach Osten ausgerichtet und besteht aus den fast genauso kargen Resten des geologischen Schulwissens vom Rudl: Feldspat, Quarz und Glimmer – geschiefert. Fette Weine wachsen auf anderen Böden.

Keller

Der Wein wird Ende Oktober gelesen, Ganztraubenpressung, natürliche Vorklärung, langsame Vergärung im Stahltank, auf der Hefe bis Ende Juli und Füllung Ende August. Der Wein ist steinig, elegant, schmeckt nach Äpfeln, Birnen und vor allem nach den Wiesenkräutern.

  • Grüner Veltliner Steinleithn 2016, Kremstal

 

Nikolaihof, Mautern

Erstens hat der Rudl jetzt eh schon viel geschrieben und zweitens ist es auch gar nicht notwendig, über den Nikolaihof viel zu schreiben.

  • Grüner Veltliner Federspielt Im Weingebirge 2010, Nikolaihof, Mautern, Wachau
  • Welschriesling 2016, Weinsteindl, Purbach, Neusidelersee Hügelland (2/3)
  • Zierfandler 2016, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion (2/3)
  • Grüner Veltliner Landwein 1993, Platt, Westliches Weinviertel (leider mit einem Presskork verschlossen, darum das Gegenteil vom Preis der Erzeugnisse der Wiener Edelfedern: gratis, aber nicht umsonst)
  • Grüner Veltliner Steinleithn 2016, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltliner Federspiel Im Weingebirge 2010, Nikolaihof, Mautern, Wachau (4/6)
  • Riesling Grand Cru Steinert 2012, Domaine Pierre Frick, Pfaffenheim, Alsace (4,50/7)
  • Prieuré Saint Christophe Blanc 2016 (Domaine Giachino) AOP Roussette de Savoie (6/9)
  • Coulée de Serrant 2008, Coulée de Serrant (Nicolas Joly), AOC Coulée de Serrant, Loire (12/18, ohne Probieren en avance)
  • Blauer Burgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck, respektive Novi Vrh (3/5)
  • Mondeuse 2016, Dominique Belluard, Ayze, AOP Vin de Savoie, Haute Savoie (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine, sondern auch noch ein paar Vins Jaunes gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 12. Februar und am Donnerstag, den 14. Februar

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt ohne Influenz!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Wiener Energieferien (1. Februar bis 11. Februar) geschlossen … und was de wüde Hilde will respektive nicht will

Linguistisch betrachtet

 

handelt es sich bei den Energieferien um ein Kompositum, ein zusammengesetztes Wort aus Energie und Ferien. Letztere sind einmal geschäftsfreie Zeiten zum Zwecke religiöser Handlungen gewesen. Dass da einiges durcheinander gerät, wenn das Geschäftemachen zu einer religiösen Handlung wird, das kann man sich denken.

 

Volkswirtschaftlich betrachtet

 

ist die Einführung der Energieferien eine Maßnahme gegen die Ölpreiskrise 1973 und 1974 gewesen. Aber unter der kann man sich heute auch nur sehr schwer etwas vorstellen. An die Endverbraucher ist der reale Ölpreis damals schon nicht weitergegeben worden, zumindest nicht in vollem Umfang und nicht an der Zapfsäule, sondern über den Steuerumweg. Heute ist der Benzinpreis nicht zu hoch, sondern viel zu niedrig und politische Entscheidungsträger zerbrechen sich den Kopf darüber, welche Maßnahmen zum Klimaschutz sie der Bevölkerung leisten wollen und welche zu teuer seien, ob man gegebenenfalls vielleicht doch auch bei Rot ein bissl über eine Kreuzung oder auf der Autobahn über 140 fahren dürfen soll.

Dem Rudl sein Lieblingskanzler Bruno Kreisky hat vor fünfundvierzig Jahren während der Ölpreiskrise vorgeschlagen, man möge sich nicht elektrisch, sondern nass rasieren. Und für kurze Zeit hat man sogar von fast jedem Kraxenbesitzer verlangt, einen Tag in der Woche auf seine private motorisierte Grundversorgung zu verzichten. Worauf der Herr Kurt das eigenartige Verhältnis vor allem vieler männlicher Zeitgenossen zu ihrem stinkenden Fortbewegungsmittel zurückführt, das setzt der Polifka-Rudl eigentlich voraus. Sie können es im Intro von Wos wü de wüde Hilde? auf dem Tonträger Saft & Kraft nachhören.

Heute würde auf alle Fälle ziemlich sicher eher über irgendeine Routenschließung palavert, als von den Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern ein Minimum an Bequemlichkeitsverzicht zu verlangen.

Herr Rudolf nützt in diesem Zusammenhang die Gelegenheit der Bundesregierung auszurichten, dass er schon seit fast dreißig Jahren auf die Schließung der Katschbergroute zwischen Sankt Michael im Lungau und dem Maltatal wartet. Auch die Route zwischen Simmering und Favoriten über Gudrun- und Geiselbergstraße hält er für schließungswürdig. Und ob die Aufhebung der Demarkationslinie in Enns wirklich der Weisheit letzter Schluss gewesen ist, darüber kann man auch diskutieren. Schließlich darf es keine Tabus geben, wenn es um Ablenkungsmanöver oder den Schrebergarten geht.

 

Betriebswirtschaftlich betrachtet

 

handelt es sich beim Rudl seinen Energieferien auch um eine Gelegenheit, endlich wieder ein paar österreichische Weine, die seit längerer Zeit nicht verfügbar sind, zu beschaffen, zum Beispiel jene von Monsieur Weber vom Eisenberg, die seit empörenden drei Jahren, der Welschriesling noch viel länger, „aus“ sind.

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 12. und 14. Februar

 

ziemlich sicher die Biopioniere im Weinbau

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass in Sachen gesamteuropäischer Feiertag der Menschenwürde am 27. Jänner, dem Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, viel zu wenig weiter geht.

 

Herr Rudolf wünscht Ihnen viel verbrennungsmotorfreie und der wüden Hilde nicht gefällige Energie, ob Sie Ferien haben oder nicht!

 

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

GEÄNDERTE ÖFFNUNGSZEITEN und 4ème Percée du Vin Jaune à Reindorf

Aus schulorganisatorischen oder ideologischen Gründen, so genau weiß das der Rudl selber nicht, sieht er sich jedenfalls gezwungen, die Öffnungszeiten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils auf

Dienstag und Donnerstag, jeweils von 16 bis 22 Uhr

zu ändern.

Vin Jaune. Eine kurze Wiederholung am Stundenanfang

Reinsortiger Savagnin, viel Mergel, ziemlich reif gelesen, trotzdem nicht platt. Gepresst, vergoren, nicht zu früh geklärt, malolaktischer Säureabbau, sechs Jahre und etwa drei Monate im alten kleinen Fass ohne Nachfüllen des verdunsteten Schwundes von etwa einem Drittel des Fasses.

Percée du Vin Jaune

Wie in den vergangenen Jahren lässt es sich der Rudl nicht nehmen, diesen wichtigen Feiertag im Jura, an dem der gelbe Zweitausendzwölfer unter seiner Hefeflorschicht hervor darf und das Licht der Öffentlichkeit erblickt, zu würdigen.

Jetzt ist Vin Jaune natürlich ein treffliches Motiv, um über das Warten nachzudenken. Nur hat Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, der Rudl damit im Vorfeld des letzten Advents ausführlich konfrontiert.

Darum gestattet er sich an dieser Stelle lieber ein paar Worte zu einer beeindruckenden Winzerpersönlichkeit, die einmal im Jahr besuchen zu dürfen, Monsieur Rudolf als ganz großes Privileg betrachtet.

Investiturstreit zwischen Marquis und Papst

Nach dem Rentenantritt von Jacques Puffeney ist es zwischen ihm und dem renommierten Marquis d’Angerville aus Burgund, der das Weingut von Puffeney übernommen hat, zu einer gröberen Meinungsverschiedenheit über die Arbeit im Keller gekommen. Nicht dass der Rudl in so einem Fall Bedenkzeit brauchen würde, um sich darüber im Klaren zu sein, auf wessen Seite er steht. Wenn auf dieser Welt einer unfehlbar ist, dann Jacques Puffeney, der Papst von Arbois, gerade weil er sein oenologisches Handeln immer wieder in Frage stellt. Und ein Glasl Savagnin vom Marquis hat für den Rudl den Streit zwischen weltlicher Macht aus Burgund und geistlicher Macht aus dem Jura eindeutig entschieden.

Menschen und Weine

Dass man vom Wein und nicht durch den Einfluss von Wein viel über Menschen lernen kann, das glaubt der Rudl schon länger.

Wenn der Rudl zu einem Wein keinen Zugang findet, trachtet er danach, diesen Umstand nicht gleich in ein Werturteil über den Wein zu übersetzen. Es kann ja auch am Rudl liegen. Bei Menschen und sogar Schulklassen soll das auch vorkommen.

Aber wiederum

scheint dem Herrn Rudolf eine solide Menschenkenntnis schon auch ein bissl eine Basis für das eine oder andere oenologische Urteil zu sein.

Aber wiederum

muss sich der Rudl bei so einer Äußerung doppelt überwinden. Ersten hält er Menschenkenntnis für etwas äußerst Problematisches, zumindest Illusorisches, weil sie die Begegnung mit Menschen auf gar keinen Fall lebendiger macht. Diesbezüglich hält es der Rudl eher mit dem Orient, wo man mit der Bildermacherei viel vorsichtiger gewesen ist als im seinerzeit ziemlich kollektiv analphabetischen und bildungsfernen Westen.

Zum anderen betrachtet der Herr Rudolf den Beurteilungszwang als etwas leicht Lächerliches.

Aber wiederum à propos Bewertungen

Das Ergebnis des Concours um den besten Wein der Weinbauregion Savoie:

Wein Bewertung
Apremont 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie 14,1
Un Matin face au Lac 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute Savoie, IGP Vin des Allobroges 14,25
Apremont „La Centennaire“ 2016, Jean-Claude Masson et Fils, Apremont, AOP Vin de Savoie 15,83
Chignin Bergeron „Les Filles“ 2017, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie 16,08
Marignan 1515 2016, Les Vignes de Paradis, Haute Savoie, IGP Vin des Allobroges 16,2
La Belle Romaine 2013, Château de Merande, Arbin, AOP Vin de Savoie 16,5
Solar 2016, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges 16,6
Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Motz, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie 17
Marestel 2011, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie 17,17
Le Feu 2016, Domainique Belluard, Ayze, AOP Vin de Savoie 17,5
Schiste 2016, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges 18,17
Mondeuse Confidentiel 2015, Les Fils de Charles Trosset, Arbin, AOP Vin de Savoie 18,17

Beurteilt nach der Leistungsbeurteilungsverordnung vom 9.1.2019 (RGBl. §57)

0 – 11: durchschnittlicher Wein, sei es aus Mangel an Konzentration, Reife oder Gleichgewicht

11,5 bis 13: korrekter Wein ohne besonders hervorstechende ungute Eigenschaft. Und da erlaubt sich Herr Rudolf anzumerken, dass demnach seines Geschmacks etliche Weine, die heute auf der Naturweinschiene daher kommen und aber wirklich gelungene Bioweine in Misskredit bringen, keine 11,5 bekommen.

13,5 bis 15: guter Wein. Spaßbremse Rudl wird sich dafür hüten, in diesem Zusammenhang die Wendung „der Spaß macht“ zu verwenden. Gediegene Vinifizierung, passable Korrelation zwischen Herkunft und Rebsorte. Ansprechender Jahrgang

15,5 bis 17: großer Wein. Genau genommen auch kein Terminus aus dem aktiven Weinsprachschatz vom Rudl. Ideales Zusammenspiel von Boden, Rebsorte, Vinifizierung, Jahrgang und Weinbaumeister

17,5 bis 19,5: außerordentliche Weinpersönlichkeit. Elegant. Differenziert. Kraft im qualitativen, nicht im quantitativen Sinn.

20: Ein Wein, der singt wie der Herr Kurt beim Wirt und Winzer des Vertrauens vom Rudl. Ein Wein, der der Zeit ihre Grenzen aufzeigt.

Jacques Puffeney. Le pâpe d’Arbois

1962 hat Jacques Puffeney noch bei seinen Eltern gewohnt und seinen ersten Jahrgang gekeltert. 2014 ist er nach zweinundfünfzig weiteren in die Rente gegangen.

Ganz aufgehört hat er nicht. Zum einen reposieren die Vin Jaune Jahrgänge 2012, 2013 und 2014 noch in den Fässern, zum anderen hat er sich einen kleinen Hausweingarten behalten.

Wie viele andere Weinbauern in und außerhalb von Frankreich in den Sechziger Jahren hat Puffeney damals eine gemischte Landwirtschaft übernommen. Das ist seinerzeit die Agrarphilosophie gewesen. Heute würde man es Diversifizierung nennen. Sehr begeistert ist der Rudl mit diesem Begriff, der seine etymologischen Wurzeln in der militärischen Sprache hat, nicht. Zu sehr stellt er dem Rudl das Gegeneinander (dis-) und Aufeinanderlos (versus) in den Vordergrund und scheint ihm daher auch als Terminus zur Bezeichnung des konstruktiven Miteinanders von unterschiedlichen Kulturen und Religionen keine ganz glückliche Wahl zu sein. In der Betriebswirtschaft kommt er auch vor, fällt dort aber vielleicht neben der Unzahl anderer militärischer Vokabel nicht so auf.

So oder so, Jacques Puffeneys Einwände dürften weniger linguistischer Natur als agrarischer gewesen sein. Die Rindviecher und Körndln haben ihn nicht so interessiert wie der Wein. 1962 hat Puffeney mit bescheidenen Mitteln begonnen. Viel wird da auch in Arbois nicht da gewesen sein. Seine grundsätzliche Methode, Wein zu machen, hat er seither kaum verändert und darauf geachtet, wenig Chemie und mehr Fragen einzusetzen. Puffeney begibt sich aber nicht der Möglichkeit, auch chemisch zu intervenieren, wenn es wirklich gar nicht anders geht.

Auf jede Ideologisierung von Prinzipien oder Methoden verzichtet er. Dass ihm für den Vin Jaune zeit seines Lebens keine Reinzuchthefen ins Haus gekommen sind, ist für Puffeney weder Mode noch Weltanschauung, sondern selbstverständich.

Ähnlich der anderen Gallionsfigur von Arbois, Pierre Overnoy, mag Jacques Puffeney nicht den Anschein eines akademischen Oenologen erwecken. Trotzdem gibt es nicht schnell einen reflektierteren Weinbauern als die beiden.

  • Vin Jaune 2007, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures (12/18)
  • Vin Jaune 2011, Cave de la Reine Jeanne, AOC Arbois (6,50/10)
  • Château-Chalon 2008, Domaine de la Pinte, AOC Château-Chalon, Jura (9/14)
  • Vin Jaune 2009, Domaine Pignier AOC Côtes du Jura (9/14)

Fast schon traditionell fehlt an dieser Stelle ein Exemplar der vierten vinjaunefähigen Appellation „L’Étoile“. Monsieur Rudolf gelobt diesbezüglich Besserung. Probiert hätte er es auch für dieses Jahr, nur hat er in ganz Arbois keinen Vin Jaune aus L’Étoile bekommen, im Fachhandel nicht und in Supermärkten auch nicht. Anstelle eines L’Étoile öffnet der Rudl einen oxidativen Wein mit wirtschaftspolitischer Geschichte.

  • Sherry Fino (nv) Sandemann (tba)

Können Sie sich noch erinnern? Dem Rudl ist es, wie wenn es gestern gewesen wäre. Überschlagsmäßig nachgerechnet muss es im Dreiundneunziger- oder Vierundneunzigerjahr gewesen sein. Da ist dem Rudl seine Lieblingssupermarktkette, der Konsum, ruiniert.

Der Restbestand von Konsum, Coop und KGM ist dann auf alle Fälle abverkauft worden. Zuerst hat der Rudl eine Beteiligung an diesem Abverkauf als geschmacklose Leichenflederei betrachtet. Dann ist er aber doch schwach geworden und hat sich ein paar Flaschen Sherry sowie zwei oder drei Bordeaux gekauft. In eine von diesen Sherryflaschen wird er diese Woche hinein schauen.

  • Zierfandler 2017, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Südbahn (2/3)

Bergwein des Gumpoldskirchner Jungwinzers, der nicht aus dem System der Appellation, sondern aus dem der Prüfnummern ausgestiegen ist und dessen Etikett am meisten an das von Jacques Puffeney erinnert.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 29. Jänner und am Donnerstag, den 31. Jänner

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Das Ein-€i-Ei

Der Pawlow’sche Hund wird Ihnen auf Vin Jaune vermutlich Comté und Coq au Vin Jaune mit Morcheln als Weinbegleitung bellen.

Vielleicht musiziert der gelbe Wein aber auch ganz gerne mit einem weichen Ei vom Ursteirerhof. Der Rudl delegiert dabei alle Entscheidungen beim Zubereiten an Sie, übernimmt dabei null Verantwortung, führt die Zubereitung aber selber durch.

Energieferien

In den Wiener Energieferien bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschlossen.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka diese Woche noch mehr der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf hat die Ehre!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57