Neiche Schoin von der Burg gegen die ewig gestrige Rindslederhose des Neoliberalismus. Und auch über den Unterschied zwischen vorbei und danaben

Lieber vorbei als daneben

Das Gebot der Ausgewogenheit gebietet dem Rudl, nach Oid & grau vom Ruländer diese Woche die neiche Schoin des Neuburgers gegen den institutionenzerstörenden und demokratiederegulierenden Effizienzfetischismus des Neoliberalismus in Position zu bringen.

Anders als es heute land- vor allem aber stadtläufig ganz gerne gesehen wird, hält Rudolf Polifka den Neoliberalismus nämlich nicht für eine Opposition zum Rechtspopulismus, sondern viel mehr für zumindest eine von dessen Ursachen.

Geistesgiganten

Als kolossale Erfolge kann man sie nicht bezeichnen, die zwei Versuche, die Caviste Rudolf im Laufe seiner siebenjährigen Betriebsgeschichte unternommen hat, um auf die Vorzüge der Rebsorte Neuburger aufmerksam zu machen, zumindest nicht als kolossale Erfolge in betriebswirtschaftlichem Sinn. Manch eine Ministerin würde vielleicht konstatieren, dass der Rudl „am Markt vorbei“ kredenze. „Na so was!“, wäre der Rudl geneigt zu erwidern. Der Herr Rudolf mag Menschen und Personen. Auf den Markt pfeift er.

Aber das hat eh keine Ministerin gesagt. Eine soll gesagt haben, dass die Gymnasien „oft am Markt vorbei“ produzierten. Kann sich die österreichische Schule ein größeres Kompliment wünschen?

Und ganz im Sinne seines selbst erteilten Bildungsauftrages kredenzt Monsieur Rudolf diese Woche bereits zum dritten Mal seit 2012 Neuburger am Markt vorbei.

Neuburger

Es gibt Rebsorten, die assoziiert der Rudl miteinander. Und er weiß nicht warum. Grauburgunder, Neuburger und Roter Veltliner sind solche Rebsorten. An und für sich haben die nicht wahnsinnig viel miteinander gemeinsam. Neuburger ist ein Fils vom Roten Veltliner und über den Heunisch sind sie weitschichtig miteinander verwandt. Aber welche Rebsorten sind das nicht?

Gemeinsam haben die drei Rebsorten, dass Herr Rudolf sie sehr schätzt. Er ist drauf gekommen, dass sich in seinem privaten Keller mehr Neuburger als Chardonnay befindet.

Ursprung

Es ist gut möglich, dass der Neuburger aus dem Spitzer Graben stammt. Karge und trockene Böden werden ihm als Vorliebe ganz gerne nachgesagt, rebstockmäßig. Weinmäßig könnte man ihn an den nussige Aromen erkennen. Den Konjunktiv zwei verwendet der Rudl hier einerseits, weil das mit den Aromen im Wein seines Erachtens oft eine etwas fragwürdige Angelegenheit ist, andererseits weil es kaum noch Neuburger gibt und die nussigen Aromen sich auch erst einstellen, wenn der Wein ein bissl reifer ist, was auch viel zu selten vorkommt.

Neuburger gilt als qualitativ hochwertige Rebsorte. Trotzdem wächst immer weniger davon in den österreichischen Weingärten. Das hat mit der Anfälligkeit des Neuburgers für Kurztriebigkeit zu tun. Möglicherweise aber auch ein bissl damit, dass dort, wo Neuburger wächst, der Grüne Veltliner auch wächst, rebstockmäßig, aber weinmäßig oft lauter schmeckt.

Der Legende nach hat Kristof Ferstl, ein Vorfahre von Margid Mantler, gemeinsam mit Franz Marchherndl in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts bei Oberarnsdorf am rechten Wachauer Donauufer ein Rebbündel Neuburger aus der Donau gefischt und eingesetzt.

Ganz unwahrscheinlich ist diese Geschichte mit dem Rebbündel gar nicht. Neuburger wächst nämlich stark. Deshalb soll man solche Rebbündel zur Sicherung von Schiffslasten verwendet haben. Und dabei kann eines ins Wasser gefallen sein.

Der Wein von diesen Reben habe schnell Anklang und darum an das andere Donauufer nach Spitz gefunden. Dort sei der Neuburger am Burgberg, der auch Tausendeimerberg geheißen wird, ausgepflanzt und Burgrebe, später der Neue von der Burg genannt worden.

Roter Veltliner und Sylvaner sind die Eltern des Neuburgers.

Die Traube ist klein bis mittelgroß, dichtbeerig, zylindrisch; mit gelbgrünen, punktierten, dickschaligen und fleischigen Beeren.

Der Ertrag ist durchschnittlich und unregelmäßig, auch kein direktes Atout gegenüber dem Grünen Veltliner.

Wenn es um glamouröse und prestigeträchtige Rebsorten geht, dann kommt der Neuburger wahrscheinlich nicht unter die ersten Fünf. Insofern könnte man ihn getränkemäßig fast als Gegenstück zum Energydrinkdoserl des neoliberalen Dauersprechsprudels in der gediegen legèren Schoin sehen.

Neuburger ist, wie erwähnt, keine Rebsorte, deren Anbaufläche wächst.

Zwischen 1999 und 2009 ist die Anbaufläche um über vierzig Percent zurück gegangen, ein Trend, der sich seither nicht umgekehrt hat. Etwa fünfhundert Hektar sind in Österreich noch mit Neuburger bestockt. Abgesehen davon gibt es ein bissl Neuburger in Tschechien, Rumänien und der Slowakei.

In Österreich spielt er in der Thermenregion, im nördlichen Burgenland und in der Wachau wenigstens eine untergeordnete Rolle, abgesehen davon fast keine.

Herr Rudolf kennt zudem kein Weingut, auf dessen Weinkarte ein Neuburger den teuersten Wein geben darf.

Denkmal

1935 hat man dem Neuburger in Arnsdorf am rechten Wachauer Donauufer ein Denkmal gesetzt. Unter dem Denkmal hat man dreihundert Flaschen Neuburger aus den besten Lagen gesammelt, um die Entwicklung der Weine zu beobachten. Die Nationalsozialisten haben im Einundvierziger Jahr das Denkmal gesprengt und fast alles ausgetrunken. Erst 1983 ist ein neues Denkmal eingeweiht und 1999 durch ein neues ersetzt worden

  • Neuburger 2015, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (2,50/4)
  • Neuburger 2014, Nikolaihof, Mautern, Wachau (4/6)
  • Neuburger Hommage 2017, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (3/5)
  • Neuburger Hommage 2013, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4/6)
  • Neuburger Hommage 2008, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4,50/7)
  • Neuburger Waldacker 2015, Schönberger, Mörbisch, Neusiedlersee Hügelland (4/6)
  • Neuburger (nv), Raubal, Gumpoldskirchen (kostenlos)
  • Neuburger 2013, Andert, Pamhagen, Neusiedler See (4/6)
  • Neuburger 2013, Weingut Graf, Kleinhöflein, Retzer Land (3/5)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 19. März und am Donnerstag, den 21. März

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf 26. und 28. März

ziemlich sicher etwas mit Riesling

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt am Markt vorbei!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

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