Monsieur Uibel gegen Chablis, Chassagne-Montrachet und Meursault

Standpunkte

So viel gibt es gar nicht, was dem Rudl wirklich auf die Nerven geht, zumindest solange er halbwegs ausgeschlafen ist. Aber die Arbeitshypothese, dass österreichische Weine „mindestens so gut wie“ und „viel billiger als“ französische seien, die enerviert ihn zugegebenermaßen schon ein bissl.
Vielleicht kann man über Geschmack wirklich streiten, über Klischées auf jeden Fall. Und der Standort bestimmt sicher auch den Standpunkt, der im Fall von Caviste Rodolphe halt ein francophiler, um nicht zu schreiben ein montagnarder ist. Weil wir gerade dabei sind: Sollte jemand das rezipieren, der in der Bildungspolitik oder wo anders etwas zu sagen hat, oder jemand, der jemanden kennt, der dort etwas zu sagen hat, oder jemand … Unter „Standpunkt“ versteht Rudolf Polifka etwas, über das man zumindest eine halbe Stunde oder so nachgedacht hat und an das man sich danach zumindest noch eine halbe Stunde oder auch eine Spur länger erinnern kann, auch wenn dann irgendein Würschtel wahrscheinlich schon den nächsten Trend durchs Dorf getrieben haben wird.

Tradition

Zurück nach Frankreich. In Anbetracht der Weinbautradition, auf die dieses Land blickt und in Anbetracht des Stellenwerts, den der Wein in Frankreich immer noch genießt, ist es vielleicht gar nicht so verwunderlich, dass manche französischen Weine ausgesprochen gut schmecken, dem Rudl auf alle Fälle. Der findet es auch nicht weiß Gott wie erstaunlich, dass viele englische Fußballmannschaften tendenziell besser kicken als indische oder katarische. Und es gibt ausgesprochen gute französische Weine – Punkt

Leistung

Genau! Das ist doch noch etwas, das den Blutdruck vom Rudl um das eine oder andere Bar steigen lässt. Er hat den Eindruck, dass Leistung heute nicht unbedingt ganz hoch im Kurs steht. Abgesehen von Wahlkampfslogans gilt man da schnell einmal als ziemlich alt, wenn man davon spricht. Namhafte Berater etwa können sich manchmal an Leistungen gar nicht mehr erinnern. So genieren sie sich dafür. Smartes, gewinnendes Auftreten. Antworten grundsätzlich ausschließlich auf Fragen, die nicht gestellt worden sind. Und ein Dauergrinsen, das das schonendste zu sich genommene Menü die Richtung wechseln lässt. Das sind die Bausteine für Erfolg. Und das scheinen auch die zentralen Bildungsziele zu sein.
Dass man dann ausgerechnet vom Wein eine Leistung verlangt, … da tut sich der Herr Rudolf wirklich schwer. Was für eine Art von Leistung kann ein Wein erbringen? Aus der Perspektive eines Weins formuliert: Wo war meine Leistung?

Preis

Über eines braucht man auf alle Fälle nicht zu streiten: Wenn man Frankreich nicht auf die namhaften Weingüter in Bordeaux und Burgund reduziert, dann kosten französische Weine tendenziell weniger als österreichische, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass der französische Weinmarkt nicht von einem Zeitgeisttandler dominiert wird. Ganz sicher auch damit, dass auf französischen Weinbauflächen mehr genießbare und auch nicht ganz so genießbare Massenweine wachsen, als jemand trinken möchte.

Vergleiche

Oft machen einen gerade Dinge fuchtig, gegen die man selber nicht gefeit ist. Unterbewusst oder bewusst. Und da hat sich der Rudl unlängst zur Bemerkung hinreißen lassen, dass der Chardonnay von Leo Uibel einer der allerbesten in Österreich ist. Ob das stimmt oder nicht, werden Sie hier nicht erfahren. Wenn Sie das wissen wollen, dann müssen Sie es selber ausprobieren. Sicher nicht die blödeste Idee, mit dem lebenslangen Lernen Ernst zu machen. Und Chardonnays, die etwas auf sich halten, respektive solche, die wollen, dass man etwas von ihnen hält, werden im Fachhandel ja in ausreichender Zahl angeboten. Wenn Sie den Chardonnay von Monsieur Uibel beim oben erwähnten Tandler nicht kriegen, dann können Sie ja beim Rudl vorbeischauen.

The World in Weinland is too small.

Innerösterreichische Vergleiche sind nett. Aber Österreich ist halt nicht mehr so groß. Diese Erleuchtung ist seinerzeit schon einem Geistesriesen aus Vorarlberg zuteil geworden. Monsieur Rudolf lässt daher Leo Uibels Chardonnay 2011 gegen die burgundische Dreifaltigkeit antreten: Meursault, Chassagne und Chablis. Jeder Ausgang möglich.

Chassagne-Montrachet – Ton und Kalk
Domaine Bernard Moreau et Fils, Les Chenevottes, Chassagne-Montrachet Premier Cru, 2007

Meursault – Mergel und Kalk
Domaine Buisson-Charles, Meursault Vieilles Vignes, 2007

Chablis – Kimmeridge Kalk
Domaine Raveneau, Chablis, 2011

und weil der gelegentlich mit Raveneau verglichen wird, muss auch der
Muscadet – Gabbro (so etwas von Nicht-Kalk)
Domaine Michel Brégeon, Muscadet Cru Gorgeois, 2004 – 89 Monate „sur lie“ dazu

und eben
Weinviertel – in der Riede End des Berges über 80 Prozent Kalk
Leo Uibel, Chardonnay Reserve, 2011

Nicht ausschließlich diese fünf Weine

am Donnerstag, den 9. April und am Freitag, den 10. April
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort sind
Traminer Classic 2013, Weingut Wonisch, Klöch
Gewürztraminer Premium 2013, Roland Minkowitsch, Mannersdorf an der March und
Blaufränkisch 2013, Weingut Beilschmidt, Rust

verfügbar.
Und auch das Bräustübl Märzen aus Salzburg-Mülln gibt es wieder zu trinken.

Auf den Empirismus und auf den Rationalismus noch viel mehr! Herr Rudolf

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