Irouléguy Blanc & Bio & die Weinversteigerung zugunsten des Integrationshauses

Streuungen und Kulturorte

Nach fast einem viertel Jahrhundert des Studiums biologischer Weine ergibt sich dem Rudl, was die Verteilung biologisch arbeitender Weinbaubetriebe betrifft, folgendes Bild: Bioweinbauern scheinen sehr unregelmäßig über die oenologischen Landkarten dieser Welt verteilt zu sein. Und das dürfte gar nicht primär auf klimatische Gegebenheiten, die Bioweinbau dort schwieriger und da einfacher erscheinen lassen, zurückzuführen sein. Vielmehr scheint es Orte zu geben, wo engagierte Biowinzer schon sehr früh ihre Betriebe umgestellt und immer mehr Nachahmer gefunden haben, Pamhagen zum Beispiel, oder Leutschach, Sancerre ist auch einer. Der urbane Mensch mit Transzendenzdifizit nennt solche Ort schnell einmal „Kraftorte“. Dem Rudl sind sie Orte der Courage und der Kultur.

Dann scheint es Flecken auf der Landkarte zu geben, wo diesbezüglich nichts bis gar nix weitergeht. Nicht selten scheint das bei traditionsreichen Weinbauorten der Fall zu sein. Dort muss man sich um den Absatz der Weine schon länger keine Sorgen machen. Caviste Rudolf findet das bedauerlich, interessant und irgendwie auch ausgleichend gerecht. Es erinnert ihn auch an einen wunderbaren Text vom Trainer. Der hat vor über zwanzig Jahren schon darauf hingewiesen, dass die einen bei wichtigen Besprechungen mit „Gold und Silber“ an ihr Ziel zu kommen versuchen und die anderen mit einem „guadn Schmäh“. Letzteres erscheint dem Rudl nicht nur lustiger, sondern auch zielführender, zumal man auf diese Tour ja ziemlich schnell bemerkt, ob das Ziel den Weg wert ist. Damit sind wir bei der Appellation Irouléguy.

Ein Haus hat vier Himmelsrichtungen

Das von Thérèse und Michel Riouspeyrous, dem begnadeten Weinbauernehepaar aus Irouléguy, hat auch in alle vier Himmelsrichtungen zumindest ein Fenster. Und Monsieur Michel hat dem Rudl einmal nicht ohne Stolz erzählt, dass er auf jeder Seite seines Hause aus einem Fenster und dabei auf zumindest einen biologisch bewirtschafteten Weingarten schauen kann. Auf zwei Seiten sieht er seine eigenen Rebstöcke, auf einer die von Nachbarn Peio Espil (Domaine Ilarria) und auf der vierten Seite stehen Reben von einem Kollegen, der seine biologischen Trauben an die Genossenschaft liefert.

Auf den Umstand, dass es sich bei der Appellation Irouléguy nicht gerade um eine megagigateramäßige Angelegenheit handelt, hat der Rudl das eine und andere Mal hingewiesen, darauf dass die geologische Vielfalt der zweihundert Hektar ein veritabler Fleckerlteppich ist, hat wiederum der Geologe Yves Hérody hingewiesen und dass das in ganz besonderem Maß für die anteilsmäßig immer noch spärlichen Weißweingärten zutrifft, darf jetzt wieder der Rudl anmerken.

Tradition

Tradition war dem Rudl die längste Zeit seines Lebens etwas eher Suspektes. Dass sie momentan dermaßen hoch im Kurs zu stehen scheint, ist ihm noch viel suspekter. Und wer sich für Fußball, Religion oder Volksmusik interessiert, der weiß, dass sich gar nicht so selten Folklore, Überheblichkeit und Primitivität hinter Tradition verstecken.

Irouléguy war die längste Zeit eine traditionelle Rotweinappellation. Von seinerzeit neun Winzern hat jeder zumindest einen Rotwein gekeltert, die meisten mehrere, acht darüber hinaus einen Rosé. Fünf Weinbauern und die Genossenschaft schenkten den weißen Rebsorten Gros Manseng, Petit Manseng und Petit Courbu Aufmerksamkeit. Von der Domaine Arretxea hat es beim ersten Besuch vom Rudl in Irouléguy mengenmäßig streng limitiert den Hégoxuri gegeben, immer noch der Lieblingswein vom Rudl. Den weißen Zweitausendsiebener von Ilarria hat ein synthetischer Stoppel vergeblich versucht, am Oxydieren zu hindern. Drum hat der Rudl bei seinem ersten Besuch dort damals auch gar keinen gekauft. Und Weißweinflaschen von der Domaine Ameztia waren selbst für einen hartnäckigen Zeitgenossen wie Monsieur Rudolf bis 2012 nicht in der Mehrzahl zu derglengen.

Heute

gibt es fast jedes Jahr ein neues Weingut in der Appellation. Geologische Cuvées von Michel Riouspeyrous gehören in Frankreich zu den Weißweinen, die man am schwierigsten bekommt. Biologischer Weinbau in einer der niederschlagsreichsten Weinbauregionen des Landes. Wirklich gefragte Weißweine in einer traditionellen Rotweingegend. „Kulturwein at its best“, nennt der Rudl so etwas.

Hégoxuri 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

Nicht alles, aber schon ziemlich viel hat Monsieur Rudolf darüber geschrieben.

Hégoxuri 2010, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

Gleicher Wein, anderer Jahrgang. Ziemlich sicher einer der besten in den letzten Jahren. Beginnt jetzt zu verraten, warum er so besonders ist.

Eisenhaltiger Sandstein, vulkanischer Ophite und Schiefer.

48 % Gros Manseng, 50 % Petit Manseng und 2 % Petit Courbu.

Selektive Handlese, in den steilen, teilweise terrassierten Weingärten gar nicht anders möglich. Knapp zwei Drittel werden direkt gepresst, ein gutes Drittel mazeriert 18 Stunden. 40 % dürfen dann in großem Holz aus Österreich und in Sechshundertliterfässern gären und reposieren, der Rest im Stahltank, zehn Monate lang, mitsamt der Feinhefe. Leichte Filtrierung, keine wie auch immer geartete Behandlung, chemisch nicht und temperaturmäßig auch nicht.

Strohgelbe Farbe; in der Nase Quitten, Akazien, Ananas und Zitrusfrüchte; am Gaumen lang und lebendig.

Man sagt, die Trüffelaromen des Petit Manseng beginnen etwa nach fünf bis sechs Jahren, sich zu entfalten. Das müsste gerade anheben.

Für die empfohlene Speisenbegleitung in Gestalt von Fisch, Meerestieren, weißem Fleisch, Käse oder Foie gras – dem Rudl käme ausschließlich eine solche von nicht-gestopften Gänsen ins Haus – müsste Sie gegebenenfalls selber sorgen. Oder Sie trinken den Hégoxuri halt solitaire.

Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest

Obwohl Nachbarn und obwohl beide bio unterscheiden sich die Weißen von Ilarria und Arretxea in mehrerlei Hinicht:

Der von Ilarria wächst auf Kalk und besteht vor allem aus Petit Manseng und Petit Courbu.

Eztia 2011, Domaine Ameztia, Saint Etienne de Baigorry, Vin de France

Jean-Louis Costera ist 2001 aus der Genossenschaft der Appellation ausgetreten und hat in den folgenden Jahren seine Weingartenfläche von vier auf sieben Hektar ausgeweitet. Trotzdem ist er nach wie vor Schäfer. Sein Ossau-Iraty, der gereifte Schafkäse der Region, allein ist einen Abstecher zur Domaine Ameztia wert. Den kann man dort, anders als den Eztia, sogar käuflich erwerben. Letzterer ist so schnell ausverkauft, beziehungsweise in so geringen Mengen verfügbar, dass man sein Glück im gut sortierten Fachhandel versuchen muss. Auf diesem Weg dankt der Rudl der Frau R und dem Herrn C für Beschaffung und Transport.

Gros und Petit Manseng, biologisch bewirtschaftet und spontan vergoren, aber nicht zertifiziert. Wenn Jahrgang und Hefen es so wünschen, bleibt dem Wein etwas Restzucker. Dann verliert er die Appellation und wird zum Vin de France. Die an gelbe Früchte erinnernden Aromen und eine extraordinaire Lebendigkeit lässt sich der Eztia aber nicht einmal von der französischen Weinadministration nehmen.

Irouléguy Blanc 2014, Maison Bordaxuria, Ispoure, Sud Ouest

Erster Jahrgang eines neuen Weingutes in der Appellation. Fortsetzung des problematischen Witterungsverlaufs von 2013. Kalt und viel Niederschlag, Hangrutsch, wenig Ertrag. Wettermäßig kein Einstand nach Maß für ein neues Weingut. Was an gesunden Trauben übrig ist, wird von einem trockenen und warmen September und Oktober verwöhnt, vor allem aber geföhnt.

60% Gros Manseng, 40% Petit Manseng. Beim Ausbau scheint man sich am Förderer Michel Riouspeyrous zu orientieren, nur kleinere und neuere Fässer verwendet man.

Folgende Bioweißweine aus Irouléguy , nicht jedoch ausschließlich diese

  • Irouléguy Blanc 2014, Maison Bordaxuria, Ispoure, Sud Ouest (4/6)
  • Eztia 2011, Domaine Ameztia, Saint Etienne de Baigorry, Vin de France (5/8)
  • Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • Hégoxuri 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • Hégoxuri 2010, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

gibt es diese Woche glasweise

am Mittwoch, den 9. November und am Freitag, den 11. November

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22.

Neuigkeiten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort ist der Grüne Veltliner Vollmondlese 2015 von Leo Uibel aus Ziersdorf wieder verfügbar.

Als Neuzugänge im Sortiment begrüßt Caviste Rudolf

  • Bianco Breg 2008
  • Rosso Breg 2004, sowie
  • Pinot Grigio 2006 von Josko Gravner.

Hinweis in wichtiger Sache

Am Martinitag, den 11. November (Freitag) findet im Schwarzberg am Schwarzenbergplatz 10 die zwanzigste Weinauktion zugunsten des Integrationshauses statt.

http://www.integrationshaus.at/de/veranstaltungen/event.shtml?291

Das ist jedes Jahr eine der Lieblingsweinveranstaltungen vom Rudl. Blöderweise fällt sie dieses Jahr auf einen Geschäftstag. Darum wird der Rudl am Martinitag noch pünktlicher die Sperrstunde einhalten, schon vorher die Marie einkassieren und abrechnen. Um Punkt zehne wird er am Freitag, den 11. November den Schlüssel im Schloss von seinem Weinkaufgeschäft umdrehen und ein davor bestelltes Taxi wird hoffentlich pünktlich da stehen. Sollten sich knapp vor 22 Uhr noch zwei oder drei Menschen im Geschäft vom Rudl befinden, wird es dem Herrn Rudolf eine Ehre sein, diese auf eine Taxifahrt wie der Pfitschipfeil zum Schwarzberg einzuladen.

Herr Rudolf grüßt Martins und Martinas, sowie alle Teilenden und alles
Teilbare.

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