Heute, Goldener Sonntag 23. Dezember 14 bis 18 Uhr, geöffnet. Keine besinnlichen Worte

Wien X, an einem Samstag Mittag im Advent 1976

Die Szene ist zu schön, als dass sie ein Jahr an dieser Stelle unerwähnt bleiben könnte. Edmund Sackbauer vergleicht am vorweihnachtlichen Mittagstisch sein Verhältnis zu den Eltern seiner zukünftigen Schwiegertochter mit jenem zu His Excellency, President for Life, Field Marshal Al Hadji Doctor Dada, Victoria Cross, Distinguished Service Order, Military Cross, Lord of All the Beasts of the Earth and Fishes of the Seas and Conqueror of the British Empire in Africa in General and Uganda in Particular Idi Amin.

Die Stimmung ist kritisch. Als deeskalierende Maßnahme versucht Herr Sackbauer auf das Essen am Heiligen Abend auszuweichen. Sohn Karl Sackbauer hält diesen Beschwichtigungsversuch für unredlich und mit dieser Meinung auch nicht hinter dem Berg. Daraufhin erinnert Mundl mit dem Satz „Goidana Samstag iiiiiis!“ seinen Sohn an das gemeinsame Ansinnen, die Einzelhandelsumsätze am letzten Samstag vor dem Heiligen Abend steigern zu helfen.

In den Siebziger Jahren hat es die vier langen Einkaufssamstage im Advent schon gegeben. Sie hatten irgendwann in den Fünfziger Jahren zwei wirklich kuriose, aber an der Zahl halt nur zwei Sonntage mit offenen Geschäften abgelöst und einen Wesenszug des Kapitalismus zum Ausdruck gebracht: das Besondere durch Steigerung der Quantität zu banalisieren. In Zeiten materieller Not mag das eine große Stärke dieser Ideologie sein. Dass die Märkte nach erfolgreich erledigter Arbeit ihre Multiplizierei nicht einstellen, sondern dazu tendieren, destruktiv und unmenschlich zu werden, wertet der Rudl als Beweis dafür, dass Märkte weder Hirn noch Gewissen haben, sondern quasi mit demokratisch-rechtsstaatlicher Regulierung zu ihrem eigenen Glück und Überleben gezwungen werden müssen.

Werden sie es nicht streng genug, scheinen sie sich früher oder später gegen den Menschen zu wenden und in weiterer Folge gegen sich selber.

 

Wien XV, am letzten Adventsonntagnachmittag 2018

 

Als vor allem kohlensäureunterstützte, oenologische Vorbereitung auf den Heiligen Abend und als Reverenz an die Fünfziger Jahre sperrt der Rudl heute Nachmittag um zwei Uhr noch ein letzten Mal in diesem Kalenderjahr sein Geschäft auf, ohne übertriebene Besinnlichkeit, aber auch ohne volkswirtschaftliche Doziererei.

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 9. und 11. Jänner

vermutlich die Wahl zum besten Wein aus der Weinbauregion Savoyen

 

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

 

Herr Rudolf wünscht ein schönes Restwochenende!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zwölf − sieben =