Haute-Savoie – die kleinere, höhere Schwester von Savoyen. 1. und 2. September geöffnet

Haute-Savoie kann ungefähr mit einem Sechstel der Rebfläche des politischen Departements Savoie aufwarten. Nicht einmal insgesamt macht das das Kraut fett. Und die Böden auch nicht. Vielleicht ist es das, vielleicht sind es die Rebsorten. Ganz sicher zwei oder drei begnadete Weinbaumeister. Das ist nicht viel, aber genug, um an einer Gegend weinmäßig einen Narren gefressen zu haben, zumindest für den Rudl. Und die Tour de France hat es heuer auch eher mit der hohen Schwester als mit Savoyen selbst gehalten. Fast dreimal hat der Rudl den Radlern heuer zugeschaut. Das beeindruckendste Sportereignis, das er erlebt hat. Zumindest die L’Équipe vom Tag nach dem historischen Sieg von Romain Bardet am Bettex gegenüber vom Mont Blanc wird diese Woche im Geschäft aufliegen.

Deshalb gilt auch noch ein letztes Mal der Radlerbonus: Wer nachweislich mit dem Fahrrad zum Rudl kommt, der, respektive dem stockt Monsieur Rudolf das erste Sechzehntel auf ein Achtel auf.

Regionen, Fusionen und der Unterschied zwischen Kulinarik und Politik

Seit 2016 gibt es in Frankreich achtzehn Großregionen, dreizehn in Europa, fünf in Übersse. Savoyen und Hochsavoyen betrifft das insofern, als sie jetzt nicht mehr zur Region Rhône-Alpes, sondern zur Großregion Auvergne–Rhône-Alpes gehören. Das scheint die beiden Departements nicht gerade einander näher gebracht zu haben, eher im Gegenteil. Man scheint die Unterschiede jetzt deutlicher herauszustreichen. Weinbau- und küchentechnisch findet Rudolf Polifka das ganz in Ordnung. Politisch hält er die Rattenfänger, die vorgeben, Herausforderungen durch Thujenhecken, Stacheldraht oder Mauern meistern zu wollen und dabei noch nie ein Problem gelöst, aber schon einen Haufen Schaden angerichtet haben, für ausgemachte Falotten.

Crépy am Genfer See

Seit dem 29. April 1948 ist Crépy die einzige Ortsappellation der Weinbauregion Savoyen. Es gibt zwei oder drei Dinge, die leichter nachzuvollziehen sind. Die achtundachtzig Hektar Rebfläche alleine gehen ziemlich sicher nicht als ausreichendes Motiv durch, die Rebsorte Chasselas Roux auch eher nicht. Bleiben die südwestlich ausgerichteten Lagen auf Moränen aus der Würm, der letzten amtsbekannten Kaltzeit in den Alpen vor etwa zehn- bis hunderttausend Jahren. Damit das auch einmal mitgeteilt ist. Als appellationswürdig mag für den Crépy allenfalls eine historische Begebenheit ins Treffen geführt werden: Im Neunzehnhundertsiebenundfünfzigerjahr hat die Königin von England im Château de la Celle-Saint-Cloud déjeuniert. Papperlbegleiter waren Cheval Blanc 1924, Veuve Cliquot 1934 und ein Crépy 1948. Letzterer soll dabei ganz gut dagestanden sein.

Crépy gilt als leicht und appetitanregend. Er wird mit einem bissl Feinhefe abgefüllt. Diese Heferln arbeiten sodann in der Flasche weiter und es entsteht ein ganz dezentes Perln. Herr Rudolf findet, dass man das aber schon wissen muss, von selber merken würde er das eher nicht. Mandelaromen, Zitrusfrüchte und Haselnüsse sagt man dem Crépy auch nach. Lagerfähigkeit etwa bei zehn Jahren.

Es gibt Abwegigeres, als Forellen, Saiblinge und Austern dazu zu verzehren.

Dominique Lucas hat andere Sorgen als die Appellation Crépy. Sechs Hektar seiner biodynamisch bewirtschafteten Weingärten befinden sich dort. Die Weine daraus füllt er als Vin de France ab, genauso wie die aus seinen zwei Hektar in Pommard. Nur dass ihm dort der Spätfrost den gesamten Sechzehner Jahrgang weggefroren hat.

Vom Fünfzehner hat Caviste Rudolf seit kurzem ein paar Weine im Sortiment, sowohl aus Pommard, als auch vom Genfer See. Und den Chasselas

  • Un Matin face au Lac 2015, Les Vignes de Pardis, Dominique Lucas, Ballaison

diese Woche sogar glasweise. Als Referenz dazu zwei andere Chasselas

  • Terre de Léman Perlant 2012, Château La Tour de Marignan, Cru Marignan

Ein Chasselas der alten Schule, biologisch und vom Nachbarcru Marignan.

Weil die Radlfahrer heuer auch in der Schweiz gefahren sind, wird das Chasselas-Terzett ergänzt durch einen Vertreter von der anderen Seite des Sees

  • Dézaley La Gruyre „Baronnie“ 2011, Pierre Fonjallaz, Epesses, Lavaux

Wein aus einem fast kitschig schönen, aber nicht ganz billigen Eck.

Ayze

Der Cru Ayze im Tal der Arve, das zum Mont Blanc Tunnel hinführt, gilt als Grenzgänger dessen, was weinmäßig in klimatischer Hinsicht noch möglich ist. Und vielleicht würde Ayze längst als unmöglich dastehen, gäbe es nicht Dominique Belluard. Der ist nicht gerade als fideler Patron zu bezeichnen. In den letzten sieben Jahren ist es dem Rudl nicht ein einziges Mal gelungen, dort einen Wein verkosten zu dürfen. Aber dreimal hat man ihn als Endverbraucher empfangen. Heuer auch. Man sagt, das sei mehr, als man sich erwarten darf. Für den Rudl seinen Kaufmannsladen ist das egal, denn er bezieht ein kleines Kontingent an Weinen von Belluard von einem Händler. Und Belluard ist ja nicht gerade als Geheimtipp zu betrachten.

Der Cru Ayze muss sich momentan mit zwanzig Hektar Rebfläche begnügen. Umso erstaunlicher, dass sich gleich drei Gemeinden diese paar Rebstöcke geschwisterlich teilen: Ayze, Bonneville und Marignier. Und in Marignier hat der Rudl heuer die Radler der Tour de France vorbeipfeifen gehört und ein bissl auch gesehen, zumindest die Farben ihrer Leiberln. Denn langsam fahren die nicht, das können Sie dem Rudl glauben.

Die Weingärten lassen es sich auf Molasse aus dem frühen Oligozän gut gehen. Bis zu 33,9 Millionen Jahre kann diese Molasse alt sein. Sie formiert sich als Konglomerat und ziemlich rostiger, weil eisenhältiger Sandstein. So rot, dass man man die prestigeträchtigste Lage „sur le Feu“, der Trainer hätte vielleicht geschrieben „im Feia“, nennt. „Le Feu“ heißt auch der mit Abstand berühmteste Wein von dort. Bodenprobe vom Feier beim Rudl disponibel.

Gringet ist die charakteristische Rebsorte, im Jura nennt man ihn Savagnin, in Österreich Weißer Traminer. Die Lagen sind wirklich steil. Manche Winzer bearbeiten die Böden mit Pflügen, die von motorisierten Seilwinden durch die Rebzeilen hinaufgezogen werden.

Ob Dominique Belluard das auch tut, weiß Herr Rudolf nicht. Vermutlich pflügt der seine Böden nicht. Seine Weine gehören zu den gefragtesten, nicht nur in Haute-Savoie.

Drei davon kredenzt der Rudl diese Woche glasweise

  • Les Alpes 2014, Dominique Belluard, Ayze
  • Le Feu 2012, Dominique Belluard, Ayze,

sowie den Schaumwein

  • Les Perles du Mont Blanc, Méthode Traditionelle, Dominique Belluard, Ayze

Zumindest die folgenden sechs Weine

  • Un Matin face au Lac 2015, Les Vignes de Pardis, Dominique Lucas, Ballaison (4/7)
  • Terre de Léman Perlant 2012, Château La Tour de Marignan (3/5)
  • Dézaley La Gruyre „Baronnie“ 2011, Pierre Fonjallaz, Epesses, Lavaux (5/8)
  • Les Alpes 2014, Dominique Belluard, Ayze (4/7)
  • Le Feu 2012, Dominique Belluard, Ayze (6/9)
  • Les Perles du Mont Blanc, Méthode Traditionelle, Dominique Belluard, Ayze (3/5)
  • und eine alte Sportzeitung

am Donnerstag, den 1. September und am Freitag, den 2. September

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Herr Rudolf freut sich auf den Schulanfang!

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