Grüne Veltliner aus der Südoststeiermark, dem Burgenland und aus Oregon

Nationale Identitäten

Die Frage, worauf sie besonders stolz seien, beantworten viele Österreicherinnen und Österreicher mit der schönen Landschaft. Monsieur Rudl mutmaßt, dass damit meistens irgendein Alpenpanorama gemeint ist. Der Hackelsberg in Jois oder der Rochusberg in Mannersdorf auf alle Fälle nicht. Der Königsberg bei Klöch und der Schlossberg in Leutschach vermutlich auch nicht. Je weiter im Osten, desto stolzer auf die Felsen und Schifahrer im Westen. Ganz verstanden hat der Rudl das nie, scheint doch zumindest vorläufig kaum etwas von den Bewohnern eines Landes weniger leicht beeinflussbar zu sein als das Landschaftsrelief. Hoffentlich bedeutet das nicht auch etwas.

Was es mit den Begriffen „Stolz“ und „Ehre“ auf sich hat, ist seinerzeit schon dem Kind Rudolf ein Rätsel gewesen. Das ist es auch geblieben. In den Ohren vom Rudl klingen beide Begriffe heute noch nach einem Mangel an Selbstironie.

Nationale Identitäten und Rebsorten

Gibt es für die kollektive Identität bedeutsame Landschaftsformen, dann gibt es dafür vielleicht auch Rebsorten, zumal man ja davon ausgehen mag, dass mehr Österreicherinnen und Österreicher Wein trinken als auf Berge gehen. Damit sind wir beim Grünen Veltliner.

Wenn sich die Rotweinlobby noch so auf den Kopf stellt, der Grüne Veltliner ist und bleibt ziemlich sicher auch die verbreitetste Rebsorte in Österreich. Außerhalb der Landesgrenzen gilt er regelrecht als österreichische Nationalrebe. In Anbetracht des unglücklichen Namens seiner Entsprechung unter den Rotweinen sollte das auch so bleiben, findet der Rudl.

Ampelographie

Die Erträge des Grünen Veltliners sind eher hoch. Mag sein, dass dieser Umstand seiner Popularität nicht im Weg gestanden ist. Löss mag der Grüne Veltliner. Zu viel Kalk ist nicht seines.

Weltweit sind gut achtzehntausend Hektar mit Grünem Veltliner bestockt, ein Drittel davon steht im Weinviertel.

Weinstilistisch ist das Bouquet oft intensiv. Tabaknoten im Grünen Veltliner kann der Rudl sehr oft nachvollziehen, das Pfefferl nicht immer, vor allem dann nicht, wenn der Wein mit irgendeiner Aromahefe einen Sauvignon Blanc imitiert. Wirklich gelungene Veltliner sind oft lagerfähiger, als viele glauben. Der erste DAC Österreichs ist ein Grüner Veltliner gewesen. Exportmäßig mag das ein Erfolg gewesen sein. Geschmacklich zählt Monsieur Rudolf die Districtos Austriae Controllatos nicht zu den Sternstunden des österreichischen Weinbaus.

Unter vielen Grünen Veltlinern, die Caviste Rudolf außerordentlich schätzt, ist der Steinleithn vom Geyerhof in Oberfucha seit fast zwanzig Jahren sein deklarierter Favorit, vor allem in gereiftem Zustand.

Identitäten II

Dem ehemaligen Außenminister und späteren Bundeskanzler Leopold Figl, respektive dessen Vorräten an Grünem Veltliner soll der österreichische Staatsvertrag zumindest auch zu verdanken sein. Ursprünglich war ein Kriegsschuldeingeständnis und eine glaubwürdige Absage an Totalitarismus, Populismus und die Nazidumpfpackelei gefordert worden. Dazu war man damals offensichtlich nicht in der Lage. Karrieren wie jene von Friedrich Zweigelt, Heinrich Gross oder Karl Springenschmid bezeugen das traurig und eindrucksvoll.

Herkunft

Man bringt Grünen Veltliner vor allem mit Niederösterreich und Wien in Verbindung bringt. Völlig zurecht. Darum öffnet der Rudl zwei Tage nach dem Nationalfeiertag drei Grüne Veltliner:

Grüner Veltiner Purbach 2014, Uwe Schiefer, Purbach, Burgenland

Blaufränkische von Uwe Schiefer kennen viele. Seine Orangeweine manche. Die Weine von seinen Weingärten in Purbach sind auch ein bissl bekannt.

Grüner Veltliner Linea 2012, Ploder-Rosenberg, Sankt Peter am Ottersbach, Südoststeiermark

Ja, es gibt Grünen Veltliner in der Steiermark. Laut Wikipedia keinen Hektar in der Weststeiermark, einen in der Südsteiermark und zwei im Südosten. Aber außer dem von Ploder-Rosenberg hat der Rudl noch keinen in der Flasche gesehen. Jetzt will der heraus, aus seiner Flasche. Heublumenwiese wird erwartet. Wurzelfleisch mit Krensauce würden den Wein gerne mit ihren ausgebreiteten Armen oder halt Fasern auffangen. Nur müssten Sie sich das mitbringen, weil der Rudl ja im Geschäft nicht kocht.

Grüner Veltliner Revelation & Sorek Bloc 2014, Reustle Prayer Rock Vineyard, Oregon, USA

Weißer Pfeffer, Linsen, Anis, Orangenblüten, Geißblatt, Kamille, grüner Apfel, frische Kräuterwürze und Litschi bringt der Grüne Veltliner mit. Ob er auch Niveau in den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zu bringen vermag, steht nicht in der Beschreibung. Schaden könnte er dort ziemlich sicher auch keinen anrichten.

So oder so verdankt es der Rudl seinen Schwagern, dass er in der Lage ist, einen aufzumachen. Cheers!

Am Nationalfeiertag bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschlossen, gerade so wie in der Woche vom 31. Oktober bis zum 6. November.

Aber am Freitag, den 28. Oktober, gibt es glasweise die folgenden drei Grünen Veltliner, freilich nicht ausschließlich diese drei Weine:

  • Grüner Veltiner Purbach 2014, Uwe Schiefer, Purbach, Burgenland (2,50/4)
  • Grüner Veltliner Linea 2012, Ploder-Rosenberg, Sankt Peter am Ottersbach, Südoststeiermark (4,50/7)
  • Grüner Veltliner Revelation & Sorek Bloc, Reustle Prayer Rock Vineyard (6/9)

Freitag, den 28. Oktober

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Herr Rudolf wünscht einen plaisanten Nationalfeiertag und sich den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Menschen im Vernichtungslager Auschwitz, als gesamteuropäischen Feiertag. Das erschiene ihm heute aus Gründen der europäischen Identität wichtiger denn je.

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