Einfältige Dreifaltigkeit, der Sturm auf die Bastille und die magische Zahl Neun

Wenn man sich die Spitzenkandidaten der großen, mittleren, aber auch kleineren wahlwerbenden Parteien anschaut, könnte man meinen, dass Österreich ein Bundesstaat aus drei Bundesländern sei: Niederösterreich, Wien und Kärnten.

Die Zahl Drei gilt zwar als Symbol für göttliche Fülle und Vollständigkeit. Neben der Dreifaltigkeit Gottes wird Jesus drei Mal durch eine Stimme aus dem Himmel legitimiert (Mt 3,17; Mt 17,5; Joh 12,28). Er ist Prophet, Priester und König – die strengen Maßstäbe der Gewaltenteilung sind post-revolutionären Datums und hier vermutlich nicht anzulegen. Darüber hinaus ist Jesus Sohn Gottes, Sohn des Menschen und Sohn Davids. Und schon die alttestamentlichen Schriften bezeichnen den Besuch von drei Wüstenwanderern bei Sarah und Abraham, im Zuge dessen viel gegessen und noch mehr Wein (what else?) getrunken wird, als Besuch Gottes (Gen 18).

Aber ohne die demokratiepolitischen und wirtschaftlichen Meriten der Staatsmänner von Kärnten, Wien und Niederösterreich schmälern zu wollen, möchte der Rudl schon gerne darauf hinweisen, dass die Zahl Drei in der politischen Landschaft, aber auch Tradition und Verfassung Österreichs ohne Relevanz ist. Dort scheint der Zahl Neun eine bedeutendere Rolle zuzukommen. So lauten die Absätze 1 und 2 des Artikels 2 der Bundesverfassung:

(1)   Österreich ist ein Bundesstaat.

(2)   Der Bundesstaat wird gebildet aus den selbständigen Ländern: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Da drängt sich förmlich ein Vergleich mit der Biologie auf: Ein Bäberl wartet in der Regel neun Monate, bis es halbwegs reif und seine angestammte Umgebung mit der sogenannten Welt einzutauschen, bereit ist. Vielleicht braucht es ja auch Spitzenpolitiker aus neun Bundesländern, um eine reife Demokratie samt Wahlergebnis, für das man sich außerhalb des Landes nicht genieren muss, zusammenzubringen. 

Die „Weinhandlung Rudolf Polifka“  wird diese Woche nachweisen, dass selbst in oenologischer Hinsicht die Welt von Wien aus gesehen nicht in Melk und am Wechsel endet. Sie wird versuchen, aus möglichst vielen Bundesländern glasweise Wein anzubieten, aus Niederösterreich, Wien oder Kärnten wird keiner davon sein, dafür sicher einer aus Tirol (Cuvée 2008 vom Weingut Flür aus Tarrenz) und einer aus Salzburg (Salzburger Hochthron, Reiterhaindl). Insgesamt werden es neun sein, nur zur Erinnerung …

… Mittwoch und Freitag von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka

Reindorfgasse 22, Wien XV

Egalité! Fraternité! Solidarité! Monsieur Rudolf

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

neun + zwei =