Ein steirischer Junker und ein jurassischer Grandseigneur. Zum soundsovielten Mal über die Zeit

4. November 2015

Am Mittwoch vor Martini feiert fast eine ganze österreichische Weinbauregion ihren Junker, heuer ist das am 4. November.
Ein großer Freund von Jungweinen ist der Rudl ja nie gewesen. Wobei Jungwein und Jungwein zweierlei sind. Ein Staubiger ist nicht ein krampfhaft für irgendeine Präsentation hinvergorener Junger oder Primus Irgendwas.
Ein bissl einen Respekt hat Caviste Rudolf vor dem Steirischen Junker dann aber doch wieder. Aus Erzählungen weiß er, was früher auch in Wien los war, als am dritten Donnerstag im November der Beaujolais Primeur ausgeschenkt worden ist. Das scheint heute innerhalb des Rings keine Tumulte mehr auszulösen. Anstatt dessen gibt es in fast jeder Gaststätte einen Junker. Und zumindest cozwei-technisch erscheint das dem Rudl präferabel.

5. November 2015

Unabhängig vom Tag des Heiligen Martin präsentiert das Bräustübl in Salzburg-Mülln jedes Jahr am 5. November sein Weihnachtsbockbier. Wie jedes Jahr wird Herr Rudolf alle Hebel in Bewegung setzen, um eine Kiste von diesem Bier in seiner Gaststätte ausschenken zu können. Aber nicht vor dem Advent. Dem Bier seine Zeit und vice versa.

1. Februar 2014

An diesem Tag hat die Öffentlichkeit wieder einmal Bekanntschaft mit einem neuen Jahrgang Vin Jaune gemacht, mit dem Vin Jaune des Jahrgangs 2007, auch dem von der Domaine Pignier.
Vin Jaune hat mit dem Steirischen Junker etwas gemeinsam: Beide Weine dürfen nicht vor einem bestimmten Datum verkauft werden. Recht viel weiter geht die Gemeinsamkeit dann aber nicht. Der Junker wird am 4. November im Jahr der Lese in Verkauf gebracht. Vin Jaune nach dem ersten Wochenende im Febraur, im siebten Jahr nach der Lese. Da erfolgt zuerst einmal die Percée du Vin Jaune – der Durchstich der Hefeflorschicht, die sich im Lauf der knapp sieben Jahre, die der Vin Jaune in seinem Fassl ohne Ouillage gebildet hat. Nach dem Durchstich darf die Öffentlichkeit zuerst einmal kosten. Da ist in dem jeweiligen Ort der Percée ein ziemlicher Bahöö. Ob das plebiszitäre Votum schon einmal gegen die Abfüllung des „Jaune“ in die Clavelins – die Flascherl mit 62 Centiliter Inhalt – ausgegangen ist, das weiß Rudolf Polifka nicht. 62 Centiliter haben diese Flaschen deshalb, weil das der Menge entspricht, die von einem Liter Vin Jaune bei der Befüllung des Fassls nach fast sechseinhalb Jahren über geblieben ist.
Vin Jaune ist fast immer goldgelb und schmeckt noch öfter nach grünen Walnüssen. Der Vin Jaune 2007 von Pignier erinnert an getrocknete Früchte und Gewürze.
Er wächst auf schiefrigem Ton, Kalk und Mergel, ist demeter-zertifiziert, spontan vergoren, minimal geschwefelt und reift in Eichenfässern, die in einem alten Karthäuser Keller liegen. Nur eines von drei Fässern wird schlussendlich dann wirklich als Vin Jaune auserkoren. Comté, exotische Küche und alles, was in Saucen schwimmt, verträgt sich besonders gut mit ihm. Wenn Sie also derlei bei einem allfälligen Besuch in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mit sich führen, sind Sie, was den „accord vin et plat“ betrifft, sicher nicht schlecht unterwegs.

Vin Jaune 2007, Domaine Pignier
Grüner Veltliner Rosenberg Reserve 2013, Josef Salomon – Der Termin der Weinviertel DAC Präsentation steht ziemlich sicher nicht im Kalender von Josef Salomon.
Sauvignon Blanc Opok 2012, Maria und Sepp Muster – Den hat Caviste Rudolf zwischenzeitlich verloren. Jetzt hat er ihn in der Kiste mit der Gräfin erwischt.
Pinot Noir Reserve 2010, Leo Uibel – im Verkauf seit Dezember 2014
Terra Rossa 2003, Branko und Vasja Cotar
Mondeuse 2011, Domaine Dupasquier sowie
Muscadet 2004, Michel Brégeon
Monsieur Brégeon lässt den Muscadet aus seiner Parzelle in Gorges gut fünfzig Monate „sur lie“ in unterirdischen Glastanks reifen. Dann füllt er einen Teil als Muscadet Cru Gorges ab. Der Rest bleibt drunten und kommt dann oft nach rekordverdächtig langem Feinhefekontakt als Muscadet in die Flasche, als der er sich keinem gestrengen Cru-Regulativ unterwerfen muss, 89 Monate sur lie sind es im gegenständlichen Fall gewesen.

Natürlich wird auch ein Steirischer Junker dabei sein. Von wem der sein wird, das entscheidet der Wiener Fachhandel am Donnerstag, ein paar Stunden bevor Monsieur Rudolf die Pforten seines Weinkaufladens aufsperrt.

Donnerstag, den 5. November und Freitag, den 6. November
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22
11.11. Weinauktion zugunsten des Wiener Integrationshauses

Wenn es noch einen Beweis dafür gebraucht hätte, dass man Herausforderungen mit Hirn, Fleiß und Initiative viel besser löst als mit flotten Phrasen, Ängsten und genagelten Schuhen, dann hätte das Wiener Integrationshaus jetzt seit zwanzig Jahren diesen Beweis erbracht. Aber leider gibt es Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die sich von Beweisen, Vernunft und überhaupt der ganzen Aufklärung nicht beeindrucken lassen. Weiß der Krampus, warum es viele von denen gerade auf den Minoritenplatz in Wien I zieht. Würden die einmal einen kurzen Blick ins Integrationshaus in Wien II wagen, wäre das kein Schaden. Aber den wagen die bekanntlich nicht. Darum zerbrechen sie sich den Kopf über den Unterschied zwischen „dichtmachen“ und „technisch sichern“, glauben so, den Hasspredigern bei der nächsten Wahl Paroli bieten zu können und verunreinigen mit unserem Steuergeld Herzen, Hirne und öffentliche Verkehrsmittel im Verkehrsverbund Ostregion. Das Wiener Integrationshaus macht seit zwanzig Jahren das Gegenteil: Es hilft und es macht eine Gute Zeitung. Damit sich daran nichts ändert, gibt es auch eine Weinauktion zugunsten des Integrationshauses. Die findet heuer am 11. November im Schwarzberg am Schwarzenbergplatz 10 statt.
http://www.integrationshaus.at/de/veranstaltungen/event.shtml?271
Und darauf freut sich der Rudl jedes Jahr.

Herr Rudolf grüßt!

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