Drei

… Jahrzehnte Willi Resetarits als Ostbahn. Das sollte eigentlich das Motto für das gesamte Jahr, zumindest aber für die Zeit der physischen, seelischen und geistlichen Vorbereitung auf den 22. und den 24. August 2014 sein.

Spät, aber zumindest fast zeitgerecht zum 31. Geburtstag des ersten Ostbahn-Kurti-Comeback-Konzerts in der Szene Wien am 1. April 1983 kann jetzt auch der Rudl nicht mehr schweigen. Höchste Zeit, die nächste Zeit in das Zeichen der Zahl 3 zu stellen.

Wenn man heute „drei“ hört, drohen einem ja ganz andere Erstassoziationen. Das Wischgewerbe zum Beispiel. Und das zählt jetzt nicht gerade zu den drei Dingen, die der Rudl auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Damit dürfte der Rudl aber keine mehrheitstaugliche Antipathie sein Eigen nennen. Viele Aufrechtgehende scheinen ohne mobiles Endgerät gar nicht mehr leben zu können, bei einem gar nicht einmal so kleinen Teil von ihnen scheinen eine Hand und der Blickkontakt schon mit dem Endgerät verwachsen – mit gröberen Konsequenzen für den Betrieb am Gehsteig zum Beispiel.

Und auch das EU-Parlament scheint die Wischerei anders zu sehen als der Rudl. Darum hat es letzte Woche mit überwältigender Mehrheit das Aus für die Roaming-Gebühren beschlossen. Vielleicht damit man im Urlaub nicht so stark mit unbekannten Dingen konfrontiert wird und stattdessen ordentlich draufloswischen kann. Und im EU-Parlament sind überwältigende Mehrheiten gar nicht so häufig. Da sitzen nämlich ziemlich viele ziemlich unterschiedliche Abgeordnete. Auch solche, wo man sich gar nicht so leicht tut nachzuvollziehen, inwiefern die irgendetwas anderes als Sägespäne oder Stroh vertreten können. Aber bitte. Wenn es um die Einschätzung der Endgerätewischerei und-quatscherei als Segen für die Menschheit geht, scheinen sogar der Teufel und das Weihwasser einer Meinung zu sein. Der Rudl nicht. Wenn es nach dem Rudl ginge, würde es eine Steuer auf Mobilkommunikation geben, und zwar eine saftige. Und mit dem Geld könnte die Republik dann zum Beispiel endlich ihre Entwicklungshilfe auf die versprochene, immer noch lächerliche Höhe von 0,7 Prozent erhöhen. Oder sich seriös um unbegleitet minderjährige Flüchtlinge kümmern. Und dann ist da ja auch noch diese Strahlung, die von den Endgeräten und von den vielen wunderbaren Masten auf den Dächern ausgeht. Völlig unbedenklich, hört man immer wieder, vor allem von den Wischnetzbetreibern. Vielleicht könnte man eine Untersuchung finanzieren, die ermittelt, ob die so harmlos ist, eine Untersuchung, die nicht von den Wischnetzbetreibern selber in Auftrag gegeben worden ist. Aber mit diesen Forderungen scheint der Rudl, wie gesagt, nicht den Puls der Zeit zu treffen. Es is halt so praktisch, das Wischen …

Nebenbei ist drei aber auch noch eine Zahl, und gar nicht einmal eine so belanglose. Von einem ganzen Haufen Dinge gibt es drei: Ecken beim Dreieck, Dritteln beim Eishockey und Chinesen mit dem Contrabass. Dann natürlich auch Könige nach Neujahr, auch Blueskönige, worauf der Trainer einmal hingewiesen hat, Leugnungen des Felsen Petrus nach der Festnahme Jesu, Dimensionen des dreifaltigen Gottes.

Auch beim Wein spielt die Zahl drei keine unwesentliche Rolle. In eine Bouteille Wein, „Budön“, gehen fast genau drei Viertel, „Vial“, Liter Wein, gerade so wie in einen Takt von der Lieblingsmusik der Wiener, halt nicht Wein. Wobei es für einen durstigen Menschen sicher mehr von Bedeutung ist, dass aus der Budön drei Vial herauskommen, als dass sie hineinpassen. Wie auch immer: Wein ist dreidimensional strukturiert, wie der Mensch. Vielleicht entsprechen dem, was bei den meisten Menschen Herz, Hirn und Körper sind, beim Wein Boden, Wetter und Zeit. Grenzbereiche der Anthropologie und Oenologie.
Drei ist auch die Anzahl der weißweinhältigen Appellationen des erweiterten französischen Teils des Baskenlandes: Irouléguy, Jurançon und Pacherenc du Vic-Bilh. Und aus diesen drei Appellationen, aber nicht ausschließlich, werden diese Woche in der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“ Weine ausgeschenkt.

Zur Bezeichnung des Pacherenc de Vic-Bilh hat man einen gascognischen Dialekt herangezogen: Bi de Bits Pacherads sind Weinreben, die auf an Pfosten wachsen. Vic Bilh ist das alte Land. Vor sechzig Jahren deuteten dort fünfzig armselige Hektar Wein auf eine Weinvergangenheit hin, heute sind es etwa 1300. Die Böden sind vielfältig: Kieselsteine, ton- und quarzhältiger Schotter, Kalk und Schlamm. Pacherenc de Vic-Bilh ist eine Weißweinappellation. Sie ist deckungsgleich mit der bekannteren Rotweinappellation Madiran. Die interessanten Madirans sind reinsortige Tannats. Es wird empfohlen, sie zehn bis dreißig Jahre zu lagern, ehe man sie öffent. Es warad wegn de Gerbstoffe. In der Zwischenzeit wird Monsieur Polifka einmal einen Montus Blanc 2007 von Alain Brumont aufmachen.

Das Jurançon liegt süd-westlich von Pau und besteht eigentlich aus 3 Terroirs. Dem vielleicht österreichisten aller französischen Weinberge um Lasseube. Dort dominiert eine Flyschformation aus Sandstein, Schiefer und Kalk. Das ist in Frankreich lange nicht so oft anzutreffen wie in Österreich. Das Kerngebiet des Jurançon liegt um die Chapelle de Rousse mit den berühmten Poudingues de Jurançon, auf Deutsch weit weniger klingend etwa mit Kalkkonglomerat zu übersetzen. Dort liegt nicht nur die Domaine de Souch der Grande Dame des Jurançon Yvonne Hégoburu, deren Weine Herr Rudolf führt, sondern auch die Jardins des Babylone, das südwestfranzösische Weingut von Didier Dagueneau. Legendär ist das Jurançon für seine Süßweine, deren hochreife Trauben im Herbst von warmen Fallwinden aus den Pyrenäen getrocknet. Einen Clos Joliette von Madame Migné soll der Besitzer von Château d’Yquem einmal „mieux que le mien“ – besser als der meine – genannt haben. Dann gibt es noch ein drittes Terroir, in dem Sand und Schlammablagerungen vorherrschen, die Gegend um Monein. Die Herausforderung, die drei Weinberge innerhalb des Jurançon einmal einer genaueren Betrachtung zu unterziehen, hebt sich der Rudl noch ein Zeitl auf, vergessen wird er sie nicht. Diese Woche wird einmal Wein von der Chapelle de Rousse ausgeschenkt. Trockene Weine galten im Jurançon lange Zeit als Häresie. Darum wird er süß sein. Die Weine aus dem Jurançon schmecken in ihrer Jugend nach Mispeln, Annanas, Haselnüssen und getrockneten Früchten. Unvergleichlich werden sie, wenn sie im Alter dann Trüffelnoten entwickeln.

Ganz so unvergleichlich aber auch wieder nicht. Die trockenen Weine aus der Lieblingsappellation von Rudolf Polifka können das auch. Natürlich nur die wenigen, die zum Reifen geeignet sind. Irouléguy heißt sie und sie ist die südwestlichste aller französischen Appellationen – und die baskische Appellation im engeren Sinn. Über sie wurde hier schon das eine oder andere kundgetan. Auch Irouléguy und der Domaine Arretxea, deren Hégoxuri 2010 Monsieur Rudolf noch nicht einmal in den Verkauf gebracht hat, werden hier bei Zeiten detailliertere Zeilen zu widmen sein. Derweil einmal nur eines: Michel Riouspeyrous baut einen Teil seines Weißweins Hégoxuri seit 2009 in 3 Differenzierungen aus. Nicht nach den drei Rebsorten, aus denen er besteht: Gros Manseng, Petit Manseng und Petit Courbu, sondern nach 3 Terroirs: vulkanischer Ophite, Schiefer und stark eisenhältiger Sandstein. Wieder drei.
Weine aus dem Pacherenc du Vic-Bilh, dem Jurançon und Irouléguy

am Mittwoch, den 9. und am Freitag, den 11. April
jeweils von 16 bis 22 Uhr
in der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“, Reindorfgasse 22.

In der Karwoche ist dann schulfrei. Darum ist auch die „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“ geschlossen. Erster Öffnungstag nach den Osterfeiertagen ist Mittwoch, der 23. April.

Herr Rudolf verschont Sie mit einem dreifachen Hipp-Hipp-Hurra, sondern
grüßt avec ses meilleurs salutations, natürlich auch die drei Neffen Tick, Trick und Track.

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