Drei sehr unterschiedliche Jahrgänge Sauvignon Blanc von zwei Herrn Josefs, Muster und Umathum. 2006, 2007, 2013 und noch einmal Schottsuppe mit Sinn

Sauvignon Blanc

Caviste Rudolf liebt und hasst Sauvignon Blanc. Die Liebe zu dieser Rebsorte ist in den allermeisten Fällen eine platonische, der Hass ein bedauerlicherweise viel zu konkreter. Ideal ist das nicht, ausnahmslos aber auch nicht. Von den besten fünf Weinen, die der Rudl bis jetzt getrunken hat, waren mindestens zwei von der Rebsorte Sauvignon Blanc.

Vergleiche

Was der Rudl auch liebt, sind Vergleiche. Diese Liebe ist eine konkrete und fast ausnahmslose. Manchmal hat der Rudl den Verdacht, das Leben sei fast nichts anderes als ein Vergleichen. Vergleichen kann man alles. Und das ist ausnahmslos. Sogar die Pest mit der Cholera. Vielleicht ist der Rudl da ein bissl geprägt von der mimetischen Theorie René Girards, wobei er die zugegebenermaßen viel zu wenig genau kennt. Was er davon kennt, überzeugt ihn.

Vergleich I. Jahrgänge. Eine Wiederholung

2006

Ein heißer Jahrgang, schon während der Blüte. Das kann das Ankeimen der Pollen verhindern. Verrieselung. Direkt erwünscht ist die nicht. Als Kollateralnutzen kann aber erhöhte Lockerheit in der Traube die Folge sein.

Heiß ist es dann weiter gegangen. Bis weit in den Herbst hinein.

2007

Der Zweitausendsiebener gilt in Österreich als hervorragender Jahrgang, in der Steiermark als Jahrhundertjahrgang, weniger Gradation und mehr Säure als der Vorgängerjahrgang, passable Menge.

Mild und wenig Schnee im Winter, kurz ein bissl eine Reminiszenz an den Winterheit im März, von der sich die Weingärten aber mäßig beeindrucken lassen haben. Früher Austrieb, fast schon Rekordwärme im April, Mai und Juni prolongieren das fast schon kitschig wachstumsfördernde Wetter. Am Beginn der zweiten Julihälfte Rekordhitze. Dass es Anfang August 2013 noch heißer wird, hat der Sommer Zweitausendsieben nicht wissen können. Im August hat sich das Wetter dann wieder erfangen. September dann etwas kühler. Die mancherorts erhoffte verfrühte Lese, allerdings ohne die mancherorts erhoffte überhöhte Gradation. Der Grund, warum der Jahrgang gerade in der Steiermark besonders gut ausgefallen ist, könnte der Regen im September sein. Der hat in der Steiermark nämlich nicht stattgefunden.

So oder so, der Oktober war dann ziemlich ideal, untertags trocken und warm, morgendlich und nächtlich trocken und frisch. Nicht die allerungünstigsten Konditionen für eine konvenierende Aromatik, wenn es nach dem Rudl seinem Geschmack geht. Der vergleichsweise geringere Ertrag ist auf den überproportional hohen Anteil an Prädikatsweinen zurückzuführen.

2013

Dem Rudl sein Lieblingsjahr war geprägt von Kontrasten. Jänner und Februar waren niederschlagsreich und kalt. Hundertneunzentimeter Schnee fallen in Bad Radkersburg nicht jeden Februar, eher schon in fast keinem, 2013 aber schon.

In Klöch schneit es zu Ostern. Irgendwann hat aber das sturste Wetter ein Einsehen. 2013 ist das Mitte April. Nur zeigt sich sehr bald, dass die Niederschläge nur eine Pause gemacht haben.

Ein Mai, an dem sich keiner ein Beispiel nehmen muss. Dafür dann eine Affenhitze Mitte Juni, und das obwohl in diesem Jahr überhaupt keine Fußballwelt- oder -europameisterschaft stattfindet. Eine der vielen Arbeitshypothesen vom Rudl besagt ja, dass die Junis in geraden Jahren so affenartig heiß sind, damit man beim Fußballschauen mehr Bier trinkt.

Juli und Augustanfang sind extrem heiß und trocken. Das weiß der Rudl auch noch. Da hat er versucht, das Portal der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils zu streichen. Ab Mitte August legt der Regen los und kompensiert viel. Die Säure erweist sich trotz hoher Reife als passabel resistent, sofern der Lesezeitpunkt nicht verschlafen wird. Es gibt Schlimmeres für die Lagerfähigkeit eines Weines als die Kombination aus Körper und Säure bei vielen Zweitausenddreizehnern.

Vergleich II. Weinbaugebiete

Neusiedlersee

Der Seewinkel ist der Fleck, in der der Rudl zum ersten Mal in seinem Leben bewusst mit Wein Bekanntschaft gemacht hat. Der Erstkontakt erfolgte damals, und daran kann sich Monsieur Rudolf noch ganz genau erinnern, beim Vorbeifahren auf der Rückbank eines das durchschnittliche Ausmaß an Oxydation weit überschreitenden Citroën Ami 8 an normal zur Straße ausgerichteten Rebzeilen. Der Rudl hat auf Empfehlung seiner Mutter in die Rebzeilen hinein bis ans Ende derselben geschaut. Die Abfolge der Bilder am Ende zwischen den Zeilen ist ihm wie ein Film vorgekommen. Das hat ihm gut gefallen. Erst ein paar Tage später hat er Weintrauben, keine Tafeltrauben, gegessen, wieder ein paar Tage drauf Traubensaft, den sie dort zur Irritation einer westösterreichischen Familie Traubenmost genannt haben. Der Papa vom Rudl hat seinerzeit gerne süße Auslesen getrunken. Der Rudl glaubt ja heute, dass sein Papa die damals sogar mit der Gulaschsuppe kombiniert hat. Und er glaubt, dass die Leitrebsorte dieser Weine damals der Muskat Ottonel war. Von der Muskatellerei war damals im Seewinkel noch keine Rede. Auf alle Fälle hat der Rudl immer wieder seinen Finger in ein Glas mit so einem Wein dunken und abschlecken dürfen. Das war im August 1983, keine zwei Jahre vor dem Weinskandal, womit der Rudl da freilich keine kausalen Zusammenhänge andeutet.

Losgelassen hat der Seewinkel den Rudl seither nicht mehr. Keine Gegend besucht er in ähnlicher Frequenz, keine geht ihm mehr ab, wenn er längere Zeit nicht dort war. Und keine andere war der Grund, warum der Landesschulrat von Salzburg des Rudls entraten muss.

Südsteiermark

Zu Ostern ist es anders. Da zieht es den Rudl in die Südsteiermark. Die meisten Weine dort braucht der Rudl nicht zu seinem Glück, die wenigen paar, die er braucht, braucht er dafür umso dringender, ganz beosnders die von Maria und Sepp Muster.

Vergleich III. Flaschenverschlussarten

In Österreich scheint sie auf den ersten Blick kein Thema mehr zu sein. Auf den ersten Blick und über weite Strecken hat sich der Schraubverschluss durchgesetzt. In Frankreich ist das kaum ein Thema gewesen. Dort dominiert Naturkork, äußerstenfalls lässt man sich zu synthetischen Imitaten hinreißen. Caviste Rudolf hat sich relativ schnell einmal eine Meinung gebildet gehabt. Am liebsten war ihm immer und ist ihm Naturkork. Das damit verbundene Risiko ist heute im Vergleich zu den Jahrgängen um die Jahrtausendwende klein, der Einfluss des Naturkorks auf das Reifungsverhalten eines Weines überaus erfreulich. Synthetische Korkimitation ist für den Rudl ein Nichtkaufsargument, weil oft überaus unerfreulicher Einfluss auf das Reifungsverhalten. Schrauber akzeptiert der Rudl ohne große Begeisterung, Glas nach langem Zögern mehr oder weniger auch.

Aber

vieles ist nicht so eindeutig und endgültig, wie es manchmal scheint. Dem Rudl seine Erfahrungen mit synthetischen Korkimitaten haben heuer im Sommer eine Irritation erfahren. Bei Jean Masson. Der stoppelt seine Bouteillen seit Jahren mit synthetischen Verschlüssen zu. Dabei hat der Rudl bis 2013 zurück verkosten dürfen. Keine Spur von unangenehmer Oxydation.

Die beiden Serien 2006 – 2007 – 2013 lassen möglicherweise einen Vergleich zwischen Glas und Naturkork zu. Die drei Sauvignons von Sepp Muster sind mit Naturkork verschlossen, die drei von Josef Umathum mit Glas.

Vergleich IV. Weinbaumeister

Für den Rudl gehören beide seit Jahren zu denen, deren Weine er besonders gerne trinkt und deren über den Wein hinaus gehenden Horizont er besonders schätzt. Da gehören noch ein paar andere Josefs dazu. Mehr darüber erübrigt sich.

Vergleich V. Reifungspotentiale

Letztendlich geht es dem Rudl bei Wein vor allem darum. Vollkommen unzeitgemäß. In den letzten Jahren verschwinden sogar in Frankreich immer mehr reife Weine von den Weinkarten. In Österreich waren sie dort nie, abgesehen von ein paar umso lobenswerteren Ausnahmen.

Vergleich VI. Böden

Urgestein am Joiser Hackelsberg (Umathum), eher ungewöhnlich für Sauvignon Blanc, Opok am Schlossberg (Muster), nicht ungewöhnlich für Sauvignon Blanc.

  • Sauvingon Blanc 2006, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4,50/7)
  • Sauvingon Blanc 2007, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4,50/7)
  • Sauvingon vom Opok 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (3/5)
  • Sauvingon Blanc 2006, Josef Umathum, Neusiedlersee (4/6)
  • Sauvingon Blanc 2007, Josef Umathum, Neusiedlersee (4/6)
  • Sauvingon Blanc 2013, Josef Umathum, Neusiedlersee (3/5)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

Selbstverständlich nicht ausschließlich diese Sauvignons …

am Mittwoch, den 22. November und am Freitag, den 24. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab ist eine ganz kleine Menge vom 2006er und vom 2007er Sauvignon von Sepp Muster auch im Flaschensortiment verfügbar.

Abgesehen davon vom Opok 2013, 2014 und 2015, sowie vom Umathum Sauvignon 2016.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau auf die nächste Woche:

Rotweine abseits von Rotburger, Blaufränkisch, Syrah, Cabernets, Pinot und Merlot

Herr Rudolf begrüßt reife Menschen und Weine, sowie auch unreife Menschen!

 

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