Die Südsteirische wird sechzig

Accord moyen de transport – vin

 

Weinstraßen werden für Herrn Rudolf immer ein bissl ein Paradoxon bleiben. Kraftfahrzeug und Wein, das passt für ihn ungefähr so zusammen wie Hirn und Kleinformat, oder Bildung und Ministerium. Der Rudl hält es da mit seinem Lieblingsmusikanten, dem Kurtl. Er fährt lieber mit dem Radl. Aber das ist momentan hin. Der Großteil des Sortiments der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils wird sowieso mit dem Zug, der U-Bahn und der Tramway nach Reindorf transportiert. Biowein darf, wenn es nach Caviste Rudolf geht, nicht beim Kellertürl aufhören. Aber dieser Zugang gilt heute nicht gerade als angesagt. Der Winzer soll am liebsten mit Pferd und Leiterwagerl durch seinen Weingarten stapfen. Aber manch Endverbraucher fährt dann mit seinem SUV bis in den Verkostungsraum hinein, damit er sein Sechser-Kisterl ja nicht zu weit zum Kofferraum tragen muss. Es gibt eine Form von Nachhaltigkeit, die sich damit begnügt, als „hip“ zu gelten. Wie stabil die ist, sieht man bei Wahlen.

 

Nicht weit genug, nicht nah genug

 

Die Weine von den steirischen Weinstraßen stellen diesbezüglich ein bissl eine Ausnahme dar: für Railcargo zu nah, für ÖBB-Family-Vorteilscard und Kinderwagen zu weit. Da ist man mit Radl, Zug und seinem Latein bald einmal am Ende.

Trotzdem hat Caviste Rudolf der südsteirischen Weinstraße schon im März mit insgesamt sechzig Jahre alten Weinen gratuliert. Darum erweist er diese Woche nicht nur dem Geburtstagskind, sondern auch den anderen sieben steirischen Weinstraßen die Reverenz. Äquidistant, obwohl das sonst nur selten seine Art ist.

Und weil er damals alle acht Weinstraßen des Steirerlandes beschrieben hat, begnügt er sich an dieser Stelle damit, das damals Geweinmeisterte einfach noch einmal hierher zu kopieren.

 

Klapotetz Weinstraße

 

Die Klapotetz Weinstraße führt von Arnfels über Eichberg-Trautenburg nach Glanz, wo sie die südsteirische kreuzt, und dann weiter nach Langegg. Nicht weit weg von Eichberg-Trautenburg wächst einer der teuersten Sauvignon Blancs des Landes, der Kranachberg von Sattler.

 

Sausaler Weinstraße

 

Manche Weingärten an der Sausaler Weinstraße zählen zu den steilsten Europas. Die führt nämlich von Leibnitz durch das Sulmtal bis Fresing und dann hinauf nach Kitzeck, dem Alpe d’Huez unter den österreichischen Weinbauorten, wenn Sie so wollen. Ob es jetzt mehr an der Hangneigung oder mehr an den kargen Schieferböden liegt, vermag der Rudl nicht zu beurteilen. Aber dass sich viele Weine aus dem Sausal durch eine ganz eigenständige Charakteristik auszeichnen, meint er schon immer wieder herauszuschmecken.

 

Schilcher Weinstraße

 

Im Uhrzeigersinn kann man dann von Eibiswald bis Ligist über die Schilcher Weinstraße fahren. 1989 hat man mit ihrer Beschilderung begonnen. Wenn man über das Alter der meisten anderen steirischen Weinstraßen etwas in Erfahrung bringen möchte, erfährt man ganz schnell ganz viel über die Römer, aber nichts über die letzten fünfzig Jahre.

 

Oststeirische Römerweinstraße

 

Dann kommt einmal Graz mitsamt seinem Becken. Da gibt es keine Weinstraße. Erst drüben in Gleisdorf geht es dann über die Oststeirische Römerweinstraße nach Pischelsdorf, Stubenberg, Hartberg bis Bad Waltersdorf. Diese Weinstraße feiert heuer auch einen runden Geburtstag. Sie ist fünfundzwanzig Jahre alt und mit der südsteirischen sicher noch nicht per Du.

 

Thermenlandweinstraße

 

Die Thermenlandweinstraße beginnt in Fehring. Über Unterlamm und Übersbach gelangt man nach Riegersburg und kann sich dort die Weingärten, die bis vor wenigen Jahren von Andreas Tscheppe biologisch bewirtschaftet worden sind, anschauen. Jetzt machen dort andere Wein. Man kann aber auch direkt nach Markt Hartmannsdorf zu Gottfreid Lamprecht fahren. Seine Weingärten werden immer noch biologisch bewirtschaftet. Über den „Saurüssel“ kommt man nach Feldbach. Und mit der Frage, ob es zwischen dem einen oder anderen neuen Poysdorfer Saurüssel und manchen steirischen Sauvignons zu viel aromatische Ähnlichkeit gibt, wird Sie der Herr Rudolf jetzt wieder nicht sekkieren. Obwohl … reizen würde ihn das schon.

 

Klöcher Weinstraße

 

Von Fehring nach Süden geht es dann auf die Klöcher Weinstraße. Über Kapfenstein kommt man zur gesamtsteirsichen Vinothek in Sankt Anna. Die hat eine ausgesprochen schöne Terrasse. Dann geht es nach Deutsch Haseldorf, wo man sich entscheiden muss, ob man rechts am Königsberg vorbei nach Pichla oder links vorbei nach Klöch fährt. So oder so kann man nachher in Bad Radkersburg den berühmtesten Lungauer Bach bei der Ausreise aus Österreich zuschauen.

 

Südoststeirische Hügellandweinstraße

 

Hat man etwas gegen Buschenschanken, dann ist es vielleicht gscheiter, in Frutten-Gießelsdorf die Klöcher Weinstraße zu verlassen und sich westwärts zu halten. Da beginnt die Südoststeirische Hügellandweinstraße. Sie können da dann über Straden bis Sankt Peter am Ottersbach fahren, sich die Landschaft anschauen, Wein kaufen. Wenn Sie in einer, respektive einem Buschenschank eine Pause machen möchten, rät Ihnen der Rudl sich vor Antritt der Reise kundig zu machen. Denn so wahnsinnig viele Buschenschanken gibt es auf dieser Weinstraße nicht.

 

Das Geburtstagskind

 

Die älteste und auch bekannteste ist die Südsteirische Weinstraße. Sie führt seit über sechzig Jahren von Spielfeld bis Leutschach, an einigen Stellen bildet sie die Staatsgrenze zu Slowenien.

 

 

Ganzheitliche Bildung

 

ist dem Rudl ja schon ein Anliegen gewesen, als sie noch als Weltfremdheit belächelt worden ist. Darum macht er die theoretischen Ausführungen zu den acht Weinstraßen durch jeweils einen Wein glasweise schmeckbar, was dann auch Aufschlüsse über die Vielfalt steirischer Weine zulassen sollte.

 

  • Oststeirische Römerweinstraße: Karl Breitenberger, Kaibing, Sauvignon Blanc KB 2014
  • Thermenlandweinstraße: Herrenhof Lamprecht, Pöllau, Weißburgunder 2013
  • Südoststeirische Hügellandweinstraße: Weingut Ploder-Rosenberg, Sankt Peter am Ottersbach, Tero 2011
  • Klöcher Weinstraße: Josef Wonisch, Hochwarth, Traminer Classic 2013
  • Südsteirische Weinstraße: Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Gräfin 2012
  • Klapotetzweinstraße: Wilhelm Sattler, Sernau, Sauvignon Blanc Kranachberg 2010
  • Sausaler Weinstraße: Eva und Karl Schnabel, Gleinstätten, Rheinriesling 2011
  • Schilcherweinstraße: Christine und Franz Strohmeier, Lestein, Schilchersekt

     

    Nicht ausschließlich diese Weine offeriert Caviste Rudolf diese Woche glasweise

     

    am Geburtsdonnerstag der Südsteirischen, den 15. Oktober und am Freitag, den 16. Oktober

    von 16 bis 22 Uhr

    in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

     

    Zusammengehalten werden die diversen steirsichen Terroirs vom Verhackert. Das gibt es überall. Und das nimmt Caviste Rudolf wieder einmal zum Anlass, Sie daran zu erinnern, dass es sehr willkommen ist, wenn Sie sich Ihre Jausn selber in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitbringen.

Herr Rudolf grüßt, gratuliert und pickt seinen Patschen!

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