Der Geburtstag, der Oide und die Frage nach dem alten Wein. Jahrgang 2013

Wenn Sie den Rudl fragen, dann gibt es einen Lichtblick in der politischen Landschaft dieses Staates. Da kann dem Rudl seine zweitliebste Wochenzeitung noch so über Krawattenlosigkeit keifen, ein Lichtblick bleibt ein Lichtblick in einer Ödnis an neoliberalistischer Nichtssagerei und Berechnendheit. Der Lichtblick bezeichnet sich als „Kind der Kreiskyzeit“, der Rudl sich auch. Major Kottan wird eher nicht als solches durchgehen. Die Tatsache, dass er vor vierundvierzig Jahren das TV-Röhren-Licht der Welt erblickt hat, vermutlich schon. Beiden, dem Oidn und dem Doiferl, wünscht der Rudl diese Woche alles Gute zum Geburtstag!

Zeit

 

Der Rudl würde gerne Wein am Ende der Pflanze Zeit lokalisiseren. Und wenn er dort nicht ist, ist er im Geschmack vom Rudl gar kein Wein.

 

Was ist ein Altwein? Sommer 1993. Poysdorf

 

Im Sommer 1993 hat der Rudl begonnen, sich im Zusammenhang mit Wein für Zeit zu interessieren. Er hat sich sehr bald nicht nur interessiert, sondern ist diesem Interesse gleich einmal ziemlich systematisch nachgegangen, wie das halt so seine Art ist. Für ihn selber hat es damals quasi drei Zeitzonen gegeben:

Weine der Jahrgänge 1992 bis 1987 hat der Rudl seinerzeit als junge Weine betrachtet.

Weine aus 1986, 1985 und 1984 waren mittelalte Weine, von denen er meinte, absehen zu können, dass sie bald einmal Altweine sein würden.

Und Weine aus 1983 und den Jahrgängen davor sind bei Rudolf Fils als Altweine durchgegangen, wobei sich der Rudl besonders gerne an manche Weine aus ungeraden Siebziger Jahrgängen erinnert, einen Muskateller 1977 vom Schlossweingut Gamlitz etwa, einen Grünen Veltliner Rochus 1977 von Roland Minkowitsch oder einen Grünen Veltliner 1979 von Walter Buchegger.

Weine aus den Sechziger und Fünfziger Jahren, die Monsieur Rudolf damals noch bekommen hat, sind abgesehen zwei oder drei Ausnahmen, etwa einem Riesling 1958 vom Weingut Schloss Gobelsburg, das damals noch im Besitz des Stiftes Zwettl gewesen ist, oder einem Spätrot Rotgipfler Ausbruch 1963 vom Freigut Thallern, schon eher über ihrer besten Zeit gewesen.

 

2020 ist nicht 1993, aber …

 

Herr Rudolf kann sich nicht und nicht von seiner Altweinkategorisierung trennen. Obwohl ein Neunziger heute zehnmal so alt ist wie er 1993 war, vermag ihn der Rudl schwer als Altwein anzusehen. Das ist natürlich nicht besonders rational. Aber vielleicht ist Wein das sowieso nicht. Und der Rudl womöglich auch weniger, als er das gerne hätte.

 

Trotzdem …

 

hat Caviste Rudolf ganz nüchtern gerechnet und ist dabei drauf gekommen, dass ein Wein aus dem Jahr 2013 heute gerade so alt ist wie 1993 ein Sechsundachtziger gewesen ist. Und ein bissl kann sich der Rudl noch erinnern, dass es damals gar nicht so einfach gewesen ist, Weine aus dem Jahr 1986 zu bekommen.

 

Und obwohl …

der Rudl entgegen dem, was vor allem seit der Amtszeit des schönsten, besten, erfolgreichsten, beliebtesten, bestcoiffierten und von den Edelfedern auf den Societyseiten am meisten hofierten Ministers aller Zeiten mittlerweile in eh fast allen Bereichen der Gesellschaft angekommen zu sein scheint, hofft Caviste Rudolf, kein Angeber zu sein, schlicht und einfach, weil er als Kind gelernt hat, dass das ein Zeichen schlechter Manieren ist.

Trotzdem ist er manchmal ein bissl stolz auf sein Weinkaufgeschäft. Dieser Tage zum Beispiel wieder, als er im Zuge der Idee, den Jahrgang 2013 als nächstes Arbeitsthema auszurufen, bemerkt hat, dass er mehr Zweitausenddreizehner im aktuellen Sortiment hat, als er sinnvollerweise an zwei Tagen öffnen kann. Für ein so kleines Geschäft erscheint das dem Rudl nicht übel.

 

2013 in Savoyen

 

Einem kalten und niederschlagsreichen Winter folgt ein Frühling, der andere Sorgen gehabt hat, als sich deutlich von der ihm vorausgehenden Jahreszeit abzugrenzen. Der Sommer dürfte von einem kompensatorischen Anspruch ausgegangen sein, was da oder dort in einem veritablen Hagelgewitter resultiert hat. Ein quantitativ um fünfzehn Percent geminderter Ertrag mag aus der Perspektive der Jahre 2016 und 2017 als „½ so wüd“ erscheinen. 2013 war es eher wüd. Wenig, aber extraordinairement gut.

  • Monfarina 2013, Domaine Giachino (3/5) – Auf den ist Herr Rudolf besonders neugierig, weil dieser Wein sicher nicht zum Aufheben gemacht worden ist.
  • Marestel 2013, Domaine Dupasquier (4/6) – einer der Lieblingsweine vom Rudl, sehr wohl zum Aufheben gemacht

 

2013 an der Loire

 

Die gesamte Weinbauregion Loire hat im Sommer 2013 intensive Bekanntschaft mit Hagelgewittern gemacht, teilweise mit hühnereigroßen Hagelkörnern, die manchmal das Rebholz in einem Ausmaß maltraitiert haben, dass auch noch der Ertrag des Folgejahrgangs 2014 geschädigt worden ist. Dass die ersten Laubaustriebe in manchen Gegenden erst am 9. April wahrgenommen werden konnten, sollte sich noch als Glück erweisen. Zwanzig Tage später ist nämlich der Frost zurück gekommen. Für das Holz hat das trotzdem zu Excoriose geführt. Blüte am 2. Juli ist auch nicht etwas, das jedes Jahr vorkommt. Juli und August haben dann ähnlich wie in Savoyen versucht zu kompensieren. Die Menge hat sich am niedrigen Alkoholgehalt orientiert.

  • Muscadet Cru Gorges 2013, Domaine Michel Brégeon (5/8)

 

2013 im Süd Westen

 

auch weniger als im Jahr davor, aber aufgrund von viel Pyrenäen-Föhn im September weniger kompliziert

  • Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy (5/8)

 

Elsass

  • Gewurztraminer Bollenberg „La Chapelle“ 2013, Domaine Velentin Zusslin, Orschwihr, AOC Alsace (6/9)

2013 in Österreich

Auch in Österreich war der Winter 2013 niederschlagsreich und der Frühling kühler als sonst. Caviste Rudolf kann sich erinnern, dass er Anfang April bei Sepp Muster Wein gekauft und dabei mit seiner Tschäsn im Schnee ins Rutschen geraten ist. Die Hitze Anfang August hat dann Rekorde gebrochen. Viele Weinreben haben sich damals zwei Wochen hitzefrei genommen. Der Herbst war vergleichsweise unauffällig. Im Vergleich zu 2011 und 2012 fällt der Jahrgang 2013 durch mehr Frische auf.

  • Schilcher 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg (4/6)
  • Grüner Veltliner End des Berges 2013, Leo Uibel, Ziersdorf, Retzer Land (4/6)
  • Schrammelberg 2013, Herrenhof Lamprecht, Oststeiermark (6/9)
  • Pinot Noir 2013, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (4,50/7)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 21. Jänner und am Donnerstag, den 23. Jänner

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 28. und 30. Jänner

dieses Jahr keine Percée du Vin Jaune in Reindorf

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

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