Der Blaufränkische – die Rebsorte zur Bildungsreform

Vielleicht ist es mit dem Blaufränkischen so wie mit den Bildungsexperten, den Bildungspolitikern und dem Winter. Vielleicht darf man das alles nicht so wörtlich nehmen. Wo steht geschrieben, dass ein Blaufränkischer blau oder aus Franken sein muss? Und wo steht geschrieben, dass ein Bildungspolitiker rechnen können oder sich für öffentliche Angelegenheiten interessieren muss? Da haben Geistesriesen endlich die segensreiche Entdeckung gemacht, dass das Ziel jeglicher Bildung darin zu bestehen hat, sich gut zu verkaufen – früher hat man das „Angeberei“ genannt – und dann kommen ein paar Modernisierungsverweigerer daher und stellen blöde Fragen, was irgendetwas heißt, warum irgendetwas so und nicht anders ist oder ob dies oder das so, wie es ist, auch gscheit ist.

Die Frage Warum? – eine Frage von Haltung und Aufklärung

Der Blaufränkische ist auf alle Fälle nicht blau und er kommt nicht aus Franken. Aber einer Sage nach hat er auf die Frage, warum er „Blaufränkischer“ heißt, eine passable Antwort. Anders als die Bildungspolitiker und Bildungsexperten, die Fragen meistens mit einem geistlosen Grinser quittieren.

Rote Francs, blaue Francs und der Müll

Napoleon soll, als er mit seinen Truppen in Ungarn unterwegs war, diese mit roten Francs bezahlt haben, während in Frankreich der blaue Franc die offizielle Währung war. So ähnlich wie bei den Liverpooler Fußballmannschaften, waren die roten nicht viel wert. Heute wäre so etwas undenkbar. Da regieren auch nicht mehr die Napoleone, sondern Boulevardzeitungen und Marionetten. Soldaten braucht es auch kaum mehr, weil die Börsen deren Agenden in den meisten Fällen viel effizienter erledigen. Und statt Menschen mit einer wertlosen Währung abzuspeisen, gibt man ihnen reguläres Geld und schaut darauf, dass sie es verlässlich vor Regalen mit flüssigem und festem Müll oder bei Glücksspielgesellschaften wieder abliefern.

Zurück nach Ungarn

Die ungarischen Winzer waren keine Trotteln und als sie erkannten, wie gerne die französischen Besatzer sich mit ihrem Rotwein befassten, haben sie diesen nur mehr für blaue Francs abgegeben. Den Wein haben sie dann „Kékfrankos“ genannt. „Kék“ für „blau“ und „frankos“ für Francs. Das berichtet die Sage.

Trotzdem gilt der Blaufränkische als autochthone österreichische Rotweinsorte. Wenn die in Deutschland geläufige Bezeichnung „Limberger“ (auch „Lemberger“) wirklich auf das niederösterreichische Limberg zurückzuführen ist, spricht viel für die Österreichautochthonizität des Blaufränkischen, wenngleich das Weinviertler Limberg heute nicht als Zentrum dieser Rebsorte betrachtet wird.
Genealogisch ist der Blaufränkische das Kind von Heunisch und einer fränkischen Rebsorte, möglich ist der „Blaue Grobe“ oder „Grobschwarze“.
Da der Blaufränkische zwar keine gröberen Animositäten gegenüber Kalk oder Winterfrost hat, aber weder Spätfrost noch Wetterverhaltensoriginalitäten während der Blüte verputzen kann und anfällig für Mehltaue und Stielfäule ist, können Beschaffenheit und Menge des Ertrags von Jahr zu Jahr sehr variantenreich ausfallen. Der Blaufränkische neigt zu soliden Tanninen, was jetzt aber nicht heißt, dass man aus ihm nicht vermittels Umkehrsomose auch Marmelade machen kann. Haltbarer sind auf alle Fälle die tanninreichen Weine, sehr sogar. Waldbeeren- und Kirscharomen werden bei der Beschreibung von gelungenen Blaufränkischen oft zuerst genannt.

Speisebegleiter und Speisen als Begleiter

Empfohlen wird der Blaufränkische immer wieder zu allem, was viel Kräuter verträgt und reifem Käse. Das nimmt Caviste Rudolf zum Anlass, Sie wieder einmal daran zu erinnern, dass es willkommen ist, wenn Sie sich und die von Ihnen konsumierten Getränke in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils von selbst mitgebrachten Speisen begleiten lassen.

An den folgenden sieben Exemplaren, ausgewogen verteilt über Nord-, Mittel- und Südburgenland mit einem sterischen Gast, kann man oben Dargelegtes verifizieren oder auch nicht:

1979 Blaufränkisch Vinification Spéciale, Wachter-Wiesler, Eisenberg

2010 Blaufränkisch Hochegg, Eva und Karl Schnabel, Gleinstätten im Sausal

2011 Blaufränkisch Weinberg, Helga und Alfred Weber, Eisenberg

Blaufränkisch Landwein aus dem Zwei-Liter-Gebinde, Helga und Alfred Weber, Eisenberg

2012 Blaufränkisch, Rudolf Beilschmidt, Rust

2013 Blaufränkisch Altes Weingebirge, Herrenhof Lamprecht (gewachsen im Mittelburgenland)

2010 Blaufränkisch Eiswein, Eva und Berthold Haider, Apetlon

Nicht ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

am Donnerstag, den 19. Februar und am Freitag, den 20. Februar
von 16 bis 22 Uhr
in der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“, Reindorfgasse 22

Neuigkeiten aus dem Flaschensortiment

Der Rudl verträgt den Kalk offensichtlich nicht so gut wie der Blaufränkische. Drum hat er letzte Woche vergessen, dass es ab sofort eine kleine Menge einer Rarität von Gottfried Lamprecht gibt: Ein Blaufränkischer aus seinem Hause, gewachsen auf einer der ältesten Lagen im Mittelburgenland. Ab sofort kann man diesen Wein in der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“ erstehen, was freilich nicht bedeutet, dass man ihn auch gleich trinken muss.

Erratum

Es war nicht Absicht. Es wurde dem Rudl zugetragen, dass eine Begleiterin eines Opernball-Stammgastes wirklich auf den Namen „Spatzi“ hört. Das hätte Oenologierat Polifka nie für möglich gehalten, aber es stützt seine Arbeitshypothese, dass man in Österreich über nichts einen Witz machen darf. Es könnte längst Realität geworden sein. Wenn „Spatzi“ als Bezeichnung für eine Dame nicht das Ende der Satire ist, dann ist die Satire ziemlich sicher unsterblich.
Herr Rudolf wünscht Ihnen zwei närrische Tage und eine Woche ohne Ernüchterungen!

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