Das Beste aus beiden Welten. Koalitionscuvées aus Altesse und Jacquère

Man kann nicht behaupten, dass der Staat, in dem der Rudl aufgewachsen ist, besonders frankophil wäre. Und noch viel weniger kann man das vom Bundesland Salzburg, in dem der Rudl aufgewachsen ist, behaupten.

Beiden liegt Bibione nähe als La Rochelle, Marco Materazzi näher als Zinedine Zidane und Lambrusco näher als Muscadet.

Der Rudl ist dagegen seinerzeit schon als Bub von Alain Giresse mehr beeindruckt gewesen als von Marco Tardelli. Aber das ist eh wurscht, „Mortadella, wie der Italiener sagt“, um eine Wendung von Dezernatsleiter Paul Schremser zu benützen. Der Rudl mag Frankreich. Und er hält es für ignorant, wenn jemand behauptet, in Frankreich sei man arrogant und spreche kein Englisch. Soweit einmal das Grundsätzliche.

Dann die Sprache

In der österreichischen Weinsprache liegt einiges im Argen. Das beginnt bei der inflationären Verwendung des Wortes „mineralisch“, geht über Weinbeschreibungen, deren Treffsicherheit mehr über die Menge an getrunkenem Wein seitens des Beschreibenden als über den Wein selber verrät, und endet noch nicht bei der Umbenennung der Rebsorte Rotburger auf „Zweigelt“ im Jahr 1975.

Cuvée

Dann gibt es noch den Begriff „Cuvée“. Der weist im Französischen darauf hin, dass der entsprechende Wein aus einem bestimmten Fass oder Behälter in die Flaschen gefüllt worden, in der Regel also reinsortig ist. Warum man in Österreich justament dieses Wort für die Bezeichnung des regelrechten Gegenteils, nämlich eines Verschnitts mehrerer Rebsorten zu einem Wein verwendet, ist dem Rudl ein Mysterium. Wahrscheinlich klingt „Verschnitt“ in den Ohren der Marketing- und Kommunikationskapazunder zu wenig mondän und lukrativ. In der Tat deutet die Vorsilbe ver- sehr oft auf eine Fehlleistung hin. Aber ließe die korrekte französische Bezeichnung für einen Verschnitt, nämlich „Assemblage“, wirklich die Kassen um so viel weniger laut klingeln als das Wort „Cuvée“? Wahrscheinlich wäre das wieder zu lange, womit wir wieder einmal bei den Edelfedern der drei Wiener Qualitätsblätter wären.

Harmonien und Disharmonien

Es gibt Rebsorten, die als kontaktfreudiger gelten und solche, denen man eher ein bissl ein Einzelgängertum nachsagt. Rotgipfler und Zierfandler scheinen einander ganz gewogen zu sein. Cabernet Sauvignon dürfte sich mit Merlot passabel vertragen. Persan hat in seiner ersten Amtszeit ohne Douce Noire überhaupt das Licht der Öffentlichkeit gescheut, ähnlich wie es jetzt im Fall von Tannat und Cabernet Franc der Fall zu sein scheint. Auch Petit Manseng kommt meistens nicht ohne seinen großen Bruder daher. Didier Dagueneau und Guy Pautrat haben Petit Manseng auf eigene Beine gestellt. Das schmeckt dem Rudl ziemlich gut. Nachahmer hat es trotzdem nicht viele gefunden.

Laut Pierre Overnoy würden sich Ploussard, auch Poulsard genannt, und Trousseau ganz gut vertragen, werden aber trotzdem nicht oft verschnitten, wohingegen er Pinot Noir als sich selbst genügend betrachtet. In der Champagne wird man das anders beurteilen.

Veltliner und Riesling scheinen auch nicht miteinander per du zu sein.

Altesse und Jacquère

Jacque Maillets Wissens war er der erste bekannte Weinbauer, der die beiden relevanten autochthonen Weißweinrebsorten Savoyens verschnitten hat. Der Rudl hat nicht recherchiert, aber überhaupt keinen Grund, das anzuzweifeln. Und bei Jacques war es mehr eine Not als ein Rezept, das ihn zu dieser Tugend motiviert hat.

2011 hatte er zu wenig Altesse geerntet, darum das bissl, das da gewesen ist, mit einem gleich großen Teil Jacquère verschnitten. Heute bezeichnet er das als eine seiner besten Ideen als Weinbauer. Dass er den Wein dann noch Le p’tit Canon, „der kleine Schluck“, genannt hat, war auch kein Nachteil.

Und die Nachahmer werden von Jahr zu Jahr mehr.

  • Rouzan Blanc 2018, Mathieu Apffel, Saint Badolph, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Terroir de Saint Alban 2018, Mathieu Apffel, Saint Badolph, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Big Bang 2016, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges (4,50/7)
  • Le p’tit Canon 2015, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Neuberger 2016, Weingut Dorner, (6/9)

Auch dieser Wein verdankt sich einer quantitativ geringen Ernte. Justament zum 40. Geburtstag des Bioweingutes Dorner in Mureck ist der Großteil der Ernte Ende April erfroren. Den Rest war dafür ziemlich extraordinaire und wurde zum Jubiläumswein „Neuberger“, weil er in Novi vrh, in Neuberg drüben, gewachsen ist, verschnitten.

  • Schiste 2017, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (7/11)

    Auch ein Verschnitt und ein Beweis, dass ich Jacquère nicht nur mit Altesse verträgt, sondern auch mit Roussanne, Pinot Gris und Mondeuse Blanche. Vom interessantesten Terroir der Weinbauregion Savoyen, wenn es nach Dominique Belluard geht.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 14. Jänner und am Donnerstag, den 16. Jänner

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 21. und 23. Jänner

Der Geburtstag

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

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