Teuer und teuer. Weihnachtsweine und der Silberne Sonntag

Stillste Zeit

 

Zu Weihnachten lassen es viele Menschen krachen. Fragen Sie jemand anderen, warum die Weihnachtszeit auch „die stillste Zeit des Jahres“ genannt wird. Vielleicht wegen diesem Lied, dessen Text der Rudl auch alles andere als geglückt erachtet. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zugetroffen hat das mit der „stillsten Zeit“ schon vor zweitausend Jahren nicht und zeitgemäß ist dieses Fest auch nicht. Zu den Trompetenimperativen der Verkaufs- und Kommunikationsstrategen, noch viel mehr zu Weihrauch, Würde und Schmähfreiheit der artificiell intelligenten, aber umso weniger originellen Kasperl aus dem Silicon Valley und aus geistig benachbarten Regionen würde sich ein Fest von der Gottwerdung des Menschen viel eher anbieten als eines von der Menschwerdung Gottes, die zu feiern nicht gerade prestigeträchtig ist.

Jetzt scheint es aber halt einmal so zu sein, dass Einfallsreichtum und Esprit nicht zu den Reichtümern der diversen Modernisierungsgewinnler und Spaßvögel des einundzwanzigsten Jahrhunderts gehören. Ein eigenes Fest der Gottwerdung des Bitcoin bringen die nicht zusammen. So schauen sie auch aus. Darum hängen sie sich irgendwo an. An was und warum dürfte ziemlich egal sein. Hauptsache doppelt so laut, doppelt so viel und doppelt so teuer.

Wie schon vor ein paar Wochen erlaubt sich Monsieur Rudolf auch in diesem Zusammenhang den Herrn Kurt zu zitieren: „Ned meins.“

Der Vollständigkeit halber ergänzt der Rudl hier, dass auch das Weihnachtsfest nicht auf dem Baum gewachsen ist. Da hat man sich an das römische Fest des Sol invictus angehängt. Nur hat man unmissverständlich klar gemacht, dass einem der Sonnenmeister Powidl ist und man etwas ganz anderes feiert. Die Steuervermeider und Datenbettler geben sich säkular und sind doch in höchstem und unsympathischstem Maß klerikal, vor allem aber gnadenlos. Warum sie dann Weihnachten nicht einfach ignorieren können, weiß der Kuckuck.

Rudolf Polifka ist sich für eine Zeichen gegen den Zeitgeist nie zu schade. Darum heuer keine teuren Weine vor Weihnachten, no ja, fast keine, „fast“ in zweifacher Hinsicht.

 

Gewohnheiten, Traditionen, Bräuche und Diskontinuitäten

 

So verlässlich der Rudl an Gewohnheiten festhält, so verlässlich drängt ihn in unregelmäßigen Abständen etwas zum Ausbruch. Das ist, wenn Sie so wollen, einer der Unterschiede zwischen dem Rudl und der Badner Bahn. Die fährt immer nach Baden oder halt nach Wien. Und auch wenn es die Badner Bahn vielleicht hie und da reizen würde, in Meidling auf die Südbahnstrecke abzubiegen, nach Gumpoldskirchen zum Beispiel, wo kommendes Wochenende Frau und Herr Kuczera-Kritz wieder ausg’steckt haben, kann sie das nicht tun.

Der Rudl hat auch so seine Gewohnheiten. Die scheinen mit zunehmendem Alter nicht weniger zu werden. Aber der Rudl kann ab- und ausweichen, zum Beispiel (von) seiner Gewohnheit, vor Weihnachten teure Weine glasweise zu kredenzen. Fast.

 

teuer vs. teuer + Objekt im Dativ

 

Eine heute eher weniger gebräuchliche Bedeutung des Adjektivs „teuer“ weist auf einen gesteigerten emotionalen Bezug eines Menschen zu dem jeweiligen Gegenstand, dem das Wort „teuer“ umgehängt wird, hin. Man kann „teuer“ dann durch „lieb“ ersetzten, wobei dieses Wort auch wieder viel heißen kann. Nicht alles davon erachtet der Rudl als erstrebenswert.

Freilich können beide Bedeutungen von teuer auf ein und denselben Gegenstand zutreffen. Aber auch dann ist dem Rudl seines Erachtens zu differenzieren. Ist jemandem etwas nur deswegen teuer, weil es viel gekostet hat, dann handelt es sich beim betroffenen Objekt ziemlich sicher um ein Statussymbol und beim betreffenden Subjekt um einen bedauernswerten Menschen.

Ist jemandem etwas teuer, weil ihm viel daran liegt, dann kann das betreffende Objekt viel gekostet haben, es muss das aber nicht.

Marestel von der Domaine Dupasquier zum Beispiel.

 

Domaine Dupasquier, Aimavigne

 

Vor zwölf Jahren ist Monsieur Rudolf zum ersten Mal zu den Dupasquiers gefahren. Und er ist seither kein Jahr nach Frankreich gefahren, ohne einen Abstecher nach Jongieux in den Weiler Aimavigne zu machen. Von keinem anderen Weingut kann er derlei berichten.

 

Marestel

 

Die Geschichte mit dem Oberkellner und Berater Claude Mareste, dem der Cru Marestel seinen Namen verdankt, hat Ihnen der Rudl schon das eine oder andere Mal erzählt. Dass die Lage, in der der Marestel ausschließlich wachsen darf, weder an Steilheit noch an Kargheit so leicht zu überbieten ist, auch.

 

 

 

 

 

 

Zu hundert Percent aus Altesse muss er bestehen, der Marestel.

In Anbetracht dieser Tatsachen kann man diesen Wein nicht gut als hochpreisig bezeichnen. Trotzdem ist er dem Rudl teuer. Darum macht er heuer vor Weihnachten eine Vertikale Marestel von Dupasquier auf, vor allem auch weil der Marestel dem Rudl seinem Geschmack nach gut zu Weihnachten passt.

Und damit niemand dem der Ausgewogenheit verpflichteten Rudl vorwerfen kann, das Vokabel „teuer“ einseitig zu strapazieren, ergänzt Monsieur Polifka die Marestel-Vertikale durch den teuersten Weißen und den teuersten Roten aus seinem Sortiment, quasi als Zugeständnis an den Reflex, zu Weihnachten auch preislich zum Besonderen zu greifen. Caviste Rudolf kann und will es sich dabei nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass er selber im Kaufsfall den Roten von Gravner schon dieses Jahr zu Weihnachten aufmachen würde, den Quartz 2016 dafür dann eher zu Weihnachten 2026 oder so. Da wird dieser Weißwein dann nicht nur ungefähr auf seinem Höhepunkt, sondern auch deutlich teurer sein.

Gleichwohl ist er ihm teuer.

 

Marestel 2000, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

 

Einer der wenigen Jahrgänge, die auf dem „tableau des millésimes“ für Weißwein aus Savoyen als „grand millésime“ bezeichnet werden.

Langer, kalter Winter. Bis April dürfen die Rebstöcke winterschlafen. Über den Sommer keine Extreme und ein langer, trockener Herbst. Sauber und im Gleichgewicht.

 

Marestel 2002, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

 

Noch ein „grand millésime“, vor allem auch was die Lagerfähigkeit betrifft. Sehr kalter Winter. Der Frühling beginnt noch ein bissl später als er das zwei Jahre davor getan hat. Dafür wird der Juni dann umso heißer. Das war es dann mehr oder weniger. Während die permanent sinkenden Temperaturen die Betreiber der öffentlichen Strandbäder weniger freuen, sind sie der langsamen Entwicklung der Aromen in den Weintrauben ziemlich zuträglich.

 

Marestel 2007, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

 

Milder Winter. Alles beginnt mindestens einen Monat früher als sonst. Reichlich Niederschläge und viel Arbeit für die Weinbauern.

 

Marestel 2009, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

 

Den weißen Zweitausendneunern aus Savoyen sagt man nicht die allergrößten Fähigkeiten auf der Langstrecke nach. Zu heiß der Sommer, zu wenig Säure die Weinderl. Auf einen mittelkalten Winter mit ausgesprägtem Weitblick, was die hohen Niederschläge betrifft, folgen ein sehr sonniger Frühling und ein heißer Sommer. Eher südfranzösischer Stil.

 

Marestel 2011, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

 

Ungefähr das Gegenteil von 2013. Trockener Frühling, heißer Juli, viel zu niederschlagsfreudiger August, dem die zu diesem Zeitpunkt viel zu reifen Trauben jede Menge Angriffsflächen geboten haben. Für Savoyen ungewöhnlich frühe Lese ab Ende August. Der erste von vier aufeinanderfolgenden Jahrgängen, von denen nicht nur in Savoyen jeder einzig und allein darum bemüht schien, zu zeigen, dass es für den selber denkenden Weinbauern noch um ein Eck schwieriger geht als im jeweiligen Jahr davor.

 

Marestel 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

 

Auch ein kalter Winter, wie in Wien. Erst im August halbwegs standesgemäße Temperaturen für Ihre Hoheit Altesse.

 

Marestel 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

 

Der kalte und niederschlagsreiche Winter hat den savoyardischen Rebsorten keine grauen Federn wachsen lassen. Auf den sind sie eingestellt. Auf einen furchtbarer Frühling wie 2013 nicht. Ein heißer Sommer bedeutet auch in Savoyen ein erhöhtes Hagelrisiko. Die Trauben, die im September das Handtuch immer noch nicht geworfen hatten, haben bei der Lese nicht durch Pünktlichkeit geglänzt, erwiesen sich in qualitativer Hinsicht aber als äußerst kompetent, ausgeglichen und gesund.

 

Marestel 2014, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

 

Auch in Savoyen ein prekärer Jahrgang. Der Fils kann das bestätigen, weil er in diesem Sommer zum ersten Mal in Savoyen gewesen ist. Mehr Sumpf als Wiesen.

 

Und ein jüngerer Marestel von Dupasquier ist noch nicht in der Flasche.

 

  • Marestel 2014, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (4/6)
  • Marestel 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (4/6)
  • Marestel 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (4/6)
  • Marestel 2011, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (4/6)
  • Marestel 2009, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (4,50/7)
  • Marestel 2007, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (5/8)
  • Marestel 2002, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (6/9)
  • Marestel 2000, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (6/9)
  • Quartz 2016, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (11/17)
  • Rosso Breg 2004, Joško Gravner, Oslavia, IGT Venezia Giulia (12,50/19)

(in Klammern zuerst der Preis für das Sechzehntel, dann der für das Achtel)

 

Diese Weine, aber nicht ausschließlich diese gibt es diese Woche glasweise

 

sowieso am Mittwoch, den 12. Dezember und am Freitag, den 14. Dezember jeweils von 16 bis 22 Uhr

und darüber hinaus am Silbernen Sonntag, den 16. Dezember von 14 bis 18 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 19. und 21. und 23. Dezember:

Goldener Sonntag und Schaumweine

 

Im Übrigen gibt Rudolf Polifka keine Ruhe, bis man wenigstens den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

 

Herr Rudolf grüßt Gold, Silber und die anderen Musiker des Vertrauens vom Herrn Kurt!

 

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

 

Die Chemie des Krampus. A Tribute to Sulfur (ambivalent) and Didier Dagueneau (not ambivalent)

Alle Jahre wieder stellt der Rudl zur Zeit des Heiligen Nikolaus und des weniger bis gar nicht heiligen Krampus die Frage nach dem Schwefel im Wein, präziser die Frage nach dem Schwefelzusatz im Wein. Auch dieses Jahr.

Krampus

Dem Rudl seine Begeisterung für Krampusumzüge hält sich in Grenzen. Da mag eine mit Brauchtum kommen und da mag einer mit der Ambivalenz des Lebens kommen. So wenig wie Herr Rudolf der Frau Umweltstadträtin zu folgen vermag, wenn diese die allherbstliche Usurpation der Kurtlwiese vor dem Riesenrad als integrativen Treffpunkt von Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen lobt, so wenig kann der Rudl in den Krampusumzügen viel mehr als eine kommerzialisierte Sauferei, untermalt von schmerzhaften Geräuschen erkennen. Beides verzichtbar, die Wiener Wiesn und die Krampusumzüge.

Kollateralnutzen

Die Vorangst vor dem Krampus hat sich in der Kindheit zumindest produktiv auf die Phantasie von Polifka Fils ausgewirkt. Der Rudl hat seinerzeit im Alter von sieben Jahren oder so gemeinsam mit seinem Cousin das Projekt entwickelt, auf den Rücken des Krampus zu springen und dem finsteren Gesellen von hinten mit dem Fuchsschwanz die Hörner abzusägen. Ob eine derartige Phantasieanregung ausreicht, um dem ganzen Gemisch aus Angst, Industriealkohol und Mpftagedröhne eine Legitimation zu verleihen, das zu entscheiden, überlässt der Rudl Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe.

Ideologischer Überbau. Zum Teufel mit dem Krampus

In Wirklichkeit tut sich der Rudl mit den ganzen Teufeln und Dämonen schwer. Er betrachtet die alle als nicht satisfaktionsfähig, mögen sie vielleicht auch einem gewissen Gerechtigkeitsempfinden entspringen. Da hält es der Rudl ausnahmsweise mit der wörtlichen Bedeutung von Sprache. Und da handelt es sich bei „besessen“ immer noch um das Partizipium Perfekt passiv des Verbs „besitzen“. Wenn also jemand besessen ist, vor zweitausend Jahren zum Beispiel oder heute, dann ist da, wenn Sie den Rudl fragen, nicht irgendein Hokuspokusteufel, -krampus oder -dämon im Spiel, sondern irgendetwas oder irgendjemand, der die Betroffene oder den Betroffenen fernsteuert und besitzt. Das können die Römer gewesen sein, eine dominante Vater- oder Mutterfigur, das kann aber auch das Streben nach Marie, einer guten Nachrede oder auch nur die Angst aufzufallen sein. Soviel zum Krampus, zum Teufel und zum Schwefel.

S

Chemie ist das Fach, auf das sich der Rudl als Schüler am längsten gefreut hat. Das hat seinerzeit erst in der zweiten oder dritten Klasse Gymnasium begonnen und davon hat sich der Rudl Spektakuläres erwartet, zumindest Spektakuläreres als ein durchschnittlicher Unterrichtsgegenstand in den frühen Achtziger Jahren zu bieten vermocht hat. Viel ist das nicht gewesen, das können Sie dem Rudl glauben. Aber selbstverständlich ist auch diese Schülerhoffnung unerfüllt geblieben. Wenigstens im Chemiekasten vom Rudl hat sich ein Röhrl mit Schwefel befunden. Damit haben sich interessante Reaktionen erzeugen lassen. Was da im und außerhalb des Reagenzglases geschehen ist, hat der Rudl selten verstanden, aber das war ihm auch nicht wichtig. Schwefel war auf alle Fälle eines der beliebteren Elemente beim Rudl. Schade, dass er bis heute nicht viel davon versteht. Ein von Herrn Rudolf als durchaus nicht uninteressant befundenes Hochschulstudium der Oenologie ist ihm aufgrund einer Zugangsbarriere in Gestalt eines Chemieblocks verwehrt geblieben. Allerdings dürfte erst dieser Umstand die Eröffnung seines Geschäfts möglich gemacht haben.

Was bringt sich das? … und was sich das bringt!

Wenn Menschen im Bildungsbereich etwas nicht bewältigen, dann wird heute ganz gerne nicht der Akteur, respektive die Akteurin dafür verantwortlich gemacht, sondern die nicht bewältigte Materie, am allerliebsten ein zu hoher Theoriegehalt der nicht bewältigten Materie. Dazu passt ins Bild, dass heute ein unerfreuliches Ergebnis bei einem mittelaussagekräftigen Einheiztest nicht in einer Erhöhung der Lernanstrengung seitens Schülerinnen und Schüler, sondern in periodisch wiederkehrenden Revolutionen der Lehrpläne im Speziellen und des Bildungssystem im Allgemeinen zu resultieren pflegt. Nicht selten wird dabei ein Schulsystem revolutioniert, dessen man sich bereits vor dreißig Jahren – völlig zurecht – entledigt hat. In Anbetracht der Unzahl an pädagogischen Revolutionen und großen Würfen der letzten Jahre und Jahrzehnte scheint ohnehin kaum noch jemand einen Überblick zu haben über das, was ist, das, was war, und das, was sein wird oder soll. Aber das ist jetzt wirklich eine ganz andere Geschichte, zumal der pädagogische Ungeist hinter dem Krampus heute hoffentlich aus allen Schulen entfernt ist. Diesbezüglicher Vorreiter ist in den letzten dreißig Jahren übrigens, was nicht so viele wissen, die Religionsdidaktik gewesen, ein bissl gezwungenermaßen.

Jetzt aber wirklich S

Der scheint ein integrativer Bestandteil von vielen Vorstellungen im Zusammenhang mit Krampussen, Teufeln und der Hölle zu sein. Direkt zuträglich ist das der Nachrede vom Schwefel natürlich nicht. Das wiederum dürfte sich die Naturweinszene in besonderem Ausmaß zu Herzen genommen haben.

Schwefelige Ambivalenzen

Manchmal tut der Kopf weh. Schuld daran sind verhaltensoriginelle Wetterphänomene wie eine nur von wenigen Tagen unterbrochene Föhnperiode von ungefähr Ende August bis Mitte November. Auch daran ist etwas schuld, vor allem eine Religion. Eine Religion, die Bequemlichkeit zu einem Dogma macht. Ihr Papst hockt nicht im Vatikan, sondern im Silicon Valley oder wo und weist jegliche Verantwortung für die Klimakatastrophe und Schuld an ihr kategorisch von sich.

Jetzt aber wirklich wirklich S

In hohen Dosen scheint der nicht angenehm für den Kopf zu sein. Thérèse und Michel Riouspeyrous haben vor gut zwei Jahren den Rudl einmal besucht. Sie waren auf einer oenologischen Studienreise durch Österreich. Bedauerlicherweise muss dieses Unterfangen eher nur mittelgut vorbereitet gewesen sein, denn Thérèse und Michel haben über Unwohlsein im Kopf geklagt. Verantwortlich dafür haben Sie den Schwefelgehalt der verkosteten Weinen gemacht. Förderlich war das ihrem Bild vom österreichischen Wein nicht. Weine von Karl Schnabel, Josef Umathum und Franz Strohmeier haben dann die ehrenwerte Aufgabe übernommen, die Meinung des elsässisch-baskischen Paars über österreichische Weine zu korrigieren.

Der Rudl ist den Naturweinen dankbar für die Sensibilisierung in Sachen Schwefel, wobei man auch wieder dazu schreiben muss, dass es Winzer gibt, die vor dreißig Jahren, als biologischer Weinbau noch alles andere als cool gewesen ist, schon den Schwefeleinsatz minimiert haben. Josef Umathum wie erwähnt. Und sein Namensvetter im Nachbarort. Und noch ein paar andere Josefe, wie der Herr Kurt vielleicht sagen würde.

Diesen Weinbauern ist der Rudl genauso dankbar wie denen, die die Kunst beherrschen, langlebendige Weine ohne Schwefelung zu keltern.

Dogmatisierung

Weniger dankbar ist der Rudl denen, die den Verzicht auf Schwefelung zu einem Dogma erklären.

Verteufeln tut der Rudl den Schwefel nicht, schon deswegen nicht, weil der Wein bei der Gärung selber Schwefel produziert.

Wenn ein Winzer ohne den Einsatz von Schwefel präzise Weine zu kultivieren vermag, denn beeindruckt das den Rudl. Und wenn ein Winzer erkennt, dass er im Fall der Fälle mit einer möglichst geringen Schwefeldosis eingreifen muss, dann beeindruckt ihn das genauso.

 

Rosé vom Opok 2014, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (3/5)

 

Muskateller vom Opok 2015, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (3/5)

Morillon Graf 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (6/9)

Sgaminegg 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (6,50/10)

Pouilly Fumé „Pur Sang“ 1992, Didier Dagueneau, Saint Andelain, AOC Pouilly-Fumé, Loire (12/18)

Teran 2011, Branko und Vasija Čotar, Komen, Kras, Slowenien (4,50/7)

Rotwein 2012, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (3/5)

Blaufränkisch Hochegg Special Edition 2013, Karl Schnabel, Sausal Steirerland (6/9)

Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Chautagne, AOP Vin de Savoie (6/9)

(in Klammern zuerst der Preis für das Sechzehntel, dann der für das Achtel)

Diese Weine, aber nicht ausschließlich diese gibt es diese Woche glasweise

am Mittwoch, den 5. Dezember und am Freitag, den 7. Dezember

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 12. und 14. und 16. Dezember:

Silberner Sonntag und vermutlich teure Weine

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt den Niglo!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Einiges über manche Weine, die man „darwoatn“ sollte, der Ausgewogenheit halber aber auch nichts über manche Weine, die man darwoatn sollte, oder zumindest ganz wenig

Schulmeister Rudolf hat Sie jetzt ein knappes Monat mit Warten konfrontiert. Als sehr zeitgemäß wird das nicht gelten, beweihräuchern die Kardinälinnen und Kardinäle des alternativlosen Zeitgeistes doch den Allessofortganzundständigkult, und am Black Friday noch ein bisserl mehrsoforterganzerundständiger, minus fünfundzwanzig Percent. Dem Entspanntheitsfaktor einer Gesellschaft zuträglich ist das nicht, aber die Hexenmeisterinnen und Hexenmeister der neoliberalen Geschäftstüchtigkeit haben Selbsterlösungsrezepte im Portfolio, von Esoterik bis zu Entspannungs- oder Aufputschmitteln, legalen und weniger legalen. Alles selbstverständlich streng säkularisiert. Wertfrei sowieso.

Ned meins“, sagt der Herr Kurt in solchen Fällen. Und auch der Rudl wartet lieber, auf die Zeit des Wartens zum Beispiel, den Advent oder Obvent, wie man den auf gut Westmittelbairisch heißt. Überhaupt würde dem Herrn Rudolf sofort jeder Genuss zum unerträglichen Horror, wenn er immer verfügbar wäre und ewig anhielte. Diesbezüglich unterscheiden sich ein Silex und ein Hégoxuri nicht von anderen Freuden.

Metaebene

Freilich hat das Warten seine Grenzen. Andernfalls wäre das Warten ja kein Warten, sondern Askese oder Puritanismus. Der ist dem Rudl seines auch nicht. Darum gibt es jetzt noch ein letztes Wartethema, quasi als Wartevorbereitung auf das Warten auf die Ankunft und dann ist dieser Hafer wieder einmal für ein Zeitl geschnitten, wie der Herr Kurt sagt, dass die Fußballer sagen.

Auf Wein warten

Einen Großteil der Weine aus dem Sortiment von Caviste Rudolf erkennt man daran, dass man es nicht bereut, wenn man diese Weine im Keller vergessen, vergraben oder verloren zu haben meint, freilich alles unter der Voraussetzung, dass man sie dann irgendwann wieder findet. Alle diese Weine bringt der Rudl diese Woche nicht zur glasweisen Kredenzung, manche schon, über manche davon schreibt er lediglich etwas und von anderen wird auch einmal die Schreibe sein, aber nicht diese Woche.

Jean-Claude Masson, Apremont

Vergangenen Sommer hat der Rudl wieder bei Monsieur Claude im Keller Platz nehmen dürfen. Im Freien hat es an diesem Vormittag zu dieser Zeit knappe vierzig Grad gehabt. Ideale Gelegenheit, sich etwas vertranspiriert in einem Keller zu verkühlen und den Rest des Urlaubs herumzurotzen und herumzuhusten. Aber dieser Gedanke ist im Keller von Masson spätestens nach dem dritten Wein ganz unwichtig. Zu impressionant ist, was Meister Jean-Claude erzählt, vielleicht noch mehr, wie er es erzählt, und am meisten, was er einschenkt, etwa aus einer Flasche seines Einstiegsweins „Lisa“ aus dem Jahr 1995, oder einer alten Centenaire. Der Jahrgang ist dem Herrn Rudolf nicht mehr zugänglich, weil in so einer Situation sogar er zum Mitschreiben aufhört.

Dass die Centenaire in einem Weingarten mit über hundert Jahre alten Rebstöcken steht, kann man auf der Homepage von der Domaine Masson nachlesen. Dass Monsieur Jean-Claude einen 45er davon aufgemacht hat, auch.

Trotzdem gibt es diese Woche die drei neuen Weine von Jean-Claude Masson nur flaschenweise zu erwerben, glasweise maximal noch den Rest der am Freitag geöffneten Lisa 2017.

Riesling Smaragd Achleiten 2016, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau

Von dem Engländer aus Stoke-on-Trent hat Ihnen Caviste Rudolf schon einmal erzählt. Sein Name fällt dem Rudl immer noch nicht ein. Da müssten Sie direkt beim Weingut Schmidl nachfragen.

Auf alle Fälle hat dieser Engländer in die Wachau geheiratet und seine Frau einen Weingarten in der Riede Achleiten geerbt. Der Engländer ist der Sohn eines Braumeisters. Und zur Kennzeichnung von besonderen Anlässen ist er von seinem Vater mit Wein konfrontiert worden und deshalb weinbegeistert. Anfänglich hat Herr, dem sein Name dem Rudl nicht mehr einfällt, aus den Trauben seines Weingartens in der Achleiten selber Biowein gemacht. Der Rudl hat seinerzeit einmal bei einem Wachauer Weinfrühling sogar ein paar Flascherl akquiriert, in einem Bioladen in Spitz, mit dem Radl, eh kloa. Radweinforscher Rudolf hat diese Weine gut, wenn auch äußerst kräftig in Erinnerung. Irgendwann ist diesem gewissen Engländer bewusst geworden, dass seine Leidenschaft für das Trinken von Wein und jene für die Arbeit im Weingarten nicht zwingend an das Vinifizieren von Wein gekoppelt sind. Und an diesem Tag, oder einen Tag später, das weiß der Rudl auch nicht, hat er seine Trauben der Dürnsteiner Bäckertochter und Biowinzerin Theresia Harm, vormals Schmidl offeriert.

Win-win?

An und für sich glaubt der Rudl nicht an dieses heute oft strapazierte Prinzip. Mit ihm verhält es sich nur allzu oft wie mit dem aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelzitat, demzufolge irgendwann einmal die Letzten die Ersten sein werden. Des Rudls Erachtens völlig zurecht erwidert Major Kottan dieses Zitat einmal lakonisch mit: „Des sogn die Ersten immer.“ Von Win-Win-Situationen sprechen in der Regel die Großen, Starken oder Ersten, wenn sie Kleinere, Schwächere oder Zweite nicht zu plump, aber doch über den Tisch ziehen möchten.

Beim Verkauf der Achleitentrauben an das Weingut Schmidl schienen aber nicht nur Verkäufer und Käufer, sondern auch der Konsument gewonnen zu haben.

Hégoxuri 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

Wenn Sie jetzt anmerken, dass dieser Wein ja schon in der Vorwoche die Pyrenäenetappen der Tour de France 2019 weinifizieren dürfen hat, dann haben Sie recht. Und wenn der Rudl der Meinung ist, dass Sie auf einen Hégoxuri gar nicht zu lange warten können, dann hat er recht. Einen Siebenundneunziger hat Caviste Rudolf schon einmal kosten dürfen. Einen Hégoxuri aus der Zeit vor 1997 hat es nie gegeben und wird es auch nie geben. Drei Zweitausendzweier befinden sich noch im Keller vom Rudl. Über den postalischen Umweg einer Vinothek in Barcelona sind sie dorthin geraten. Öffnen wird der Rudl diese Woche aber keinen Hégoxuri, zumindest nicht in seinem Weingeschäft.

Blauer Burgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck

Elias Dorner bringt seine Weine sowieso später in Verkauf. Siebzehner findet sich da noch keiner, zumindest kein stiller.

Prieuré Saint Christophe Rouge 2016, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie

Wein aus dem Weingarten des mittlerweile sich in der Rente befindenden Michel Grisard. Der hat nicht nur mit Nicolas Joly und ein paar anderen Weinbaumeistern die Renaissance des Appellations gegründet, sondern auch mit Brice Omont den Weinberg in Cevins terrassiert und wieder bestockt. Dort wachsen heute Schiste, Améthyste und Quartz von der Domaine des Ardoisières. Nebenbei hat Michel Grisard auch noch ein Weingut geführt. Seine Weingärten hat er 2015 an die Giachinos übergeben. Viel bessere Hände und Köpfe hätte er sich dafür kaum aussuchen können. Mondeuse.

Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Motz, Serrières-en-Chautagne

Auch Jacques Maillet ist in die Rente gegangen, deutlich jünger als Michel Grisard. Alt ausschauen tut er nicht, seine Weine sowieso nicht.

Marestel 2011, Domaine Dupasquier, Aimavigne

Vor Kurzem hat der Rudl eine Flasche Zweitausender Marestel aufgemacht.

Neuburger 2015, Dankbarkeit, Neusiedler See

Wenn es um lagerfähige Weine geht, darf ein Wein von Josef Lentsch nicht fehlen. Davon kann man sich im Gasthaus zur Dankbarkeit manchmal sogar überzeugen, leider halt erst wieder im Februar.

Grüner Veltliner Steinleithn 2016, Geyerhof, Kremstal

Dass die Zeit gegen Weine von Sepp Mantler keinen Auftrag hat, ist bloody obvious, wie der Engländer sagt. Darum diese Woche kein Wein vom Mantlerhof. Aus vergleichbaren Gründen kredenzt der Rudl zu diesem Thema auch keinen Wein von Sepp Muster und keinen Muscadet von Michel Brégeon.

Neuburger 2015, Dankbarkeit, Neusiedler See (3/5)

Grüner Veltliner Steinleithn 2016, Geyerhof, Kremstal (4,50/7)

Riesling Smaragd Achleiten 2016, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (5/8)

Marestel 2011, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (4/6)

Blauer Burgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck (3/5)

Prieuré Saint Christophe Rouge 2016, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (6/9)

Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Motz, Serrières-en-Chautagne (6/9)

(in Klammern zuerst der Preis für das Sechzehntel, dann der für das Achtel)

Diese Weine, aber nicht ausschließlich diese gibt es diese Woche glasweise

am Mittwoch, den 28. November und am Freitag, den 30. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 5. und 7. Dezember:

vermutlich Weine ohne Schwefelzugabe

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt, wartet und freut sich noch immer!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Tour de France 2019. Warten drei

Mit seiner Begeisterung für die berühmteste Radlrennfahrerei der Welt hat Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Monsieur Rudolf schon das eine oder andere Mal beglückt, konfrontiert oder belästigt, je nachdem wie positiv, neutral oder negativ Sie dem Rudl seinen Worte zur Tour de France oder dem Rennen selber halt gegenüber stehen.

Dieses Mal unter dem Blickwinkel des Wartens

Am meisten wird weltweit auf das ewige Leben gewartet. Und wenn Sie meinen, das sei nicht zeitgemäß, dann werfen Sie einen kleinen Blick in das Regal mit den Anti-Ageingprodukten der Drogerie Ihres Vertrauens. Das Monopol ist, wie ein paar andere auch, halt weggefallen, noch wahrscheinlicher ist es durch ein anderes ersetzt worden. Abgesehen davon hat sich beim ewigen Leben in den letzten zwei- oder dreitausend Jahren nicht viel getan.

Am zweitmeisten wird dann wahrscheinlich eh schon auf die, beziehungsweise bei der Tour de France gewartet. Das behauptet der Rudl jetzt einmal so, beziehungsweise stellt er es in den Raum, solange ihm die Digitalisierung noch einen lässt. Darum ist es letzte Woche gegangen.

Warten auf die Tour de France I

Beginnen tut das Warten auf die Tour ungefähr bei der Etappe, ab der klar ist, wer die Gesamtwertung gewinnen wird. Da machen sich beim Rudl Spuren von Wehmut breit und er überlegt sich, wie der Streckenverlauf im kommenden Jahr sein könnte oder sollte, wenn es nach ihm ginge. Ab diesem Zeitpunkt consultiert Herr Rudolf immer wieder die Internetseite des Rennens, um nach Hinweisen zum Datum der Streckenverlautbarung zu suchen. Der Rudl wartet.

Warten auf die Tour de France II

Irgendwann schreiben Sie dann, dass der Streckenverlauf am soundsovielten Oktober in Paris verraten wird. Der Rudl wartet.

Warten auf die Tour de France III

Einer der schönsten Momente der Tour de France ist jedes Jahr dann, wenn bei der Übertragung der Streckenpräsentation auf einem namhaften europäischen Sportfernsehkanal die Kamera über die stark virtualisierte Strecke fliegt. Der Rudl erkennt dann die Vogesen, den Mont Ventoux, auf alle Fälle die Alpen und die Pyrenäen. Dort ist er mittlerweile fast so daheim wie in Illmitz, Maxglan und der Bundeshauptstadt, der Bundeshauptstadt, die beim Warten auch kein Lercherl ist. Der Rudl hat manchmal den Verdacht, dass in Wien fast alles zum Warten ist, vor allem wenn es um Behörden, Verkehrsmittel oder die Post geht. Das scheint geradezu in der DNA dieser Stadt zu liegen. Wer weiß, vielleicht ist Wien ja entstanden, indem viele Menschen darauf gewartet haben, dass sie jemand über die Donau bringt, nach Stammersdorf hinüber oder nach Mistelbach. Und da haben sie sicher ein ganz schönes Zeitl gewartet, vor der Erfindung von Rollfähre und Hoovercraft. Bei der Warterei könnten sie sesshaft geworden sein. Wie auch immer, in Wien hat man Zeit zu haben. Überall, nur nicht beim Anstellen für Speisen und Getränke. Dort versucht der gelernte Wiener, in diesem Fall bewusst ungegendert, die ganze Zeit, die er auf Ämtern, in Apotheken und in der U6 gewartet hat, wieder gutzumachen.

Warten auf die Tour de France IV

Zieht der Rudl physische Präsenz bei einer Etappe in Betracht, dann wartet er ab der Streckenpräsentation auf eine Gelegenheit, in der eine einschlägige Unterbreitung seiner Ideen am ehesten auf positive Resonanz stoßen könnte. Der Rudl wartet, manchmal ziemlich lang.

Warten auf die Tour de France V

Unter der Voraussetzung, dass Warten IV nicht für die Haare gewesen ist, recherchiert Monsieur Rudolf sodann nach Quartieren, die den Besuch am Streckenrand erleichtern. Dieses Warten fällt zeitlich nicht besonders ins Gewicht und ist genaugenommen auch kein Warten, sofern man selbiges als passiven Vorgang versteht.

Warten auf die Tour de France VI

Nach einer allfälligen erfolgreichen Buchung eines Urlaubsquartiers in, respektive in der Näher der französischen Alpen beginnt das längste Warten. Nur merkt der Rudl davon nix, weil spätestens im November eines Schulmeisterjahres ein derartiges Holodaro einsetzt und bis Ende Juni nachhält, dass es dem Rudl schwer fällt, über die Zeit nach Schulschluss einen klaren Gedanken zu fassen. Rein theoretisch wartet der Rudl, nur merkt er davon nichts.

Warten auf die Tour de France VII

Irgendwann steht Caviste Rudolf mit ausgeschaltetem Telefon am Streckenrand, genießt die Atmosphäre und würde sich die Überraschung, wer als Erster daher radelt, von keinem Streamingdienst der Welt nehmen lassen.

Brüssel

Dort fahren sie nächstes Jahr weg, als Reverenz an Eddie Merckx, der 1969 seine erste von fünf Touren gewonnen hat. Es gibt in Belgien Weinbau. Damit ist dem Rudl seine Kompetenz in Sachen belgischer Wein erschöpft. Darum kann er Ihnen auch keinen offerieren.

Champagne

Über die Champagne, wo es extraordinaire gute Weine, von diesen aber anteilsmäßig so wenige wie selten irgendwo gibt, radeln sie dann nach Lothringen. Dort machen sie den berühmten Vin gris. Auch das muss theoretisches Wissen bleiben. Weiter in die Vogesen.

5. Etappe: Gewurztraminer „La Chapelle“ 2013, Domaine Zusslin, AOP Vin d’Alsace

Eine der Entdeckungen von Caviste Rudolf in diesem Jahr. Gewusst hat der Rudl von diesem Weingut. Und dass die dort einen Gewurztraminer haben, das hat er angenommen. Ein Jahr zuvor hatte sich Monsieur Rudolf in den Kopf gesetzt, an der nördlichen Rhône oenologisch zu forschen. Er ist auf seinen Vorbehalten gegenüber dieser Region sitzen geblieben. Trotzdem hat er ein Jahr später im Elsass unter vergleichbaren Voraussetzungen dasselbe probiert, mit zumindest den Weinen von Zusslin als Unterschied zu Hermitage. Du sollst dir kein Bild machen, zumindest kein endgültiges. Weil es schade wäre.

6. Etappe: Sélection 1998, André et Mireille Tissot, AOC Arbois, Jura

Auf ihrem Weg quasi diagonal durch Frankreich kommen sie dann durch den Jura. Und vom Jura ist es nicht weit zur Côte d’Or.

7. Etappe: Chassagne-Montrachet 1er Cru „Les Grandes Ruchottes 2007, Bernard Moreau et Fils, AOC Chassagne-Montrachet, Bourgogne

Dort ist der Rudl selber mit dem Radl gefahren. Im Neuner Jahr ist es gewesen. Auf der berühmten D973 noch dazu. Möglicherweise ist es oenologisch im Hinblick auf Transportkapazitäten auf keiner Straße so egal, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, wie auf der D973. Die Weine, die man dort kaufen könnte, braucht man eher nicht zu seinem Glück. Freilich gibt es sogar an der Côte d’Or Weine, die man ganz gerne kaufen würde. Nur heben sie dort nicht einmal das Telefon ab, wenn man entsprechende Kaufinitiativen entwickelt. Von Ab-Hof-Verkauf an jemanden, der nicht schon seit den Achtziger Jahren Stammkunde ist, kann bei Coche-Dury und auch bei ein paar nicht ganz so Prominenten gar keine Rede sein. Nur Michel Lafarge in Volnay hat dem Rudl seinerzeit die Tür aufgemacht, ihn sogar ein paar Weine kosten lassen. Dass Herr Rudolf damals nicht mehr mitgenommen hat, das tut ihm jetzt noch leid.

Die Radler werden auf der 7. Etappe andere Sorgen haben, aber anders als der Rudl damals am Abend oder zumindest im Ziel ein paar Glasl Meursault von Coche-Dury trinken können.

Es gibt Radsportfreundinnen und Radsportfreunde, für die es bei der Tour de France ausschließlich um den Besten, das Gelbe Trikot, geht. Darum für das Gelbe Trikot:

13. Etappe: Hégoxuri 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

Und es gibt Radsportfreundinnen und Radsportfreunde, für die es bei der Tour de France um die Gesamtheit der Spitzenleistungen aller Art von allen beteiligten Athleten geht. Der Rudl hat vor jeder Abfahrt und sogar vor der Passage eines Kreisverkehrs von jedem einzelnen Teilnehmer mehr Respekt als vor Manchester City und Paris Saint Germain zusammen.

Für die Alpenetappen eine Streuung an Spitzenleistungen in unterschiedlichen Kategorien, samt und sonders Weine, die es zumindest in diesen Jahrgängen noch nicht offen beim Rudl gegeben hat:

  • Giac‘ Potes 2017, David und Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Altesse 2017, David und Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Big Bang 2016, Maxime Dancoine, Aiton, Vin de Pays des Allobroges (4,50/7)

Fünfzig Percent Jacquère, fünfzig Percent Altesse. Von Jacques Maillet selbst als würdig befundener Nachfolger von dessen P’tit Canon, nur dass es vom Big Bang noch weniger gibt. Maxime Dancoine bewirtschaftet weniger als einen Hektar. Aber nicht irgendeinen. Dazu ein anderes Mal viel mehr.

  • Chignin-Bergeron „Les Friponnes“ 2017, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (5/8)
  • Apremont „Lisa“ 2017, Jean-Claude Masson, Apremont, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Argile Blanc 2017, Domaine des Ardoisières, Cevin, Vin des Allobroges (4,50/7)Die folgenden hat es schon offen gegeben:
  • Chassagne-Montrachet 1er Cru „Les Grandes Ruchottes 2007, Bernard Moreau et Fils, AOC Chassagne-Montrachet, Bourgogne (12,50/19 – ohne Probieren „en avance“)
  • Hégoxuri 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • Sélection 1998, André et Mireille Tissot, AOC Arbois, Jura (6/9)
  • Gewurztraminer „La Chapelle“ 2013, Domaine Zusslin, AOP Vin d’Alsace (5/8)

(in Klammern zuerst der Preis für das Sechzehntel, dann der für das Achtel)

In Paris gäbe es auch Wein. Der hat den Rudl bis jetzt nicht gereizt.

Diese Weine, aber auch noch einen ganzen Haufen andere, zum Beispiel etliche orangene, gibt es glasweise diese Woche wieder zu den gewohnten Öffnungszeiten

am Mittwoch, den 21. November und am Freitag, den 23. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Weine von folgenden fünf Weingütern in Savoyen sind ab sofort flaschenweise verfügbar (Preis in Klammern):

Domaine Giachino

  • Giac‘ Potes 2017 (13,50)
  • Apremont 2017 (14,50 Euro)
  • Marius et Simone 2017 (19,50)
  • Mondeuse 2017 (17)
  • Persan 2017 (19,50)
  • Don Giachino (Méthode traditionelle) 2015 (18,50)
  • Altesse 2017 (18)
  • Prieuré Saint Christophe Blanc 2016 (30)
  • Prieuré Saint Christophe Rouge 2016 (30)

Domaine Partagé. Gilles Berlioz

  • Les Friponnes 2016 und 2017 (25)
  • Les Filles 2017 (32)
  • Les Fripons 2016 (32)

Jean-Claude Masson et Fils

  • Lisa 2017 (14,50)
  • La Déchirée 2017 (18,50)
  • La Centenaire 2016 (27)

Domaine de l’Aitonnement

  • Big Bang 2016 (19)
  • Solar 2016 (27)

Domaine de l’Ardoisières

  • Argile Blanc 2017 (20)
  • Schiste 2016 (37)
  • Quartz 2016 (70)

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 28. und 30. November:

Warten IV. … Weine, die noch viel vor haben

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt, wartet und freut sich!

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Sizilianische Pomeranzen, Frauenkirchner Pommes de terre und orange Weine. Warten II. Diese Woche ausnahmsweise am Dienstag und am Mittwoch geöffnet, Freitag geschlossen, Samstag Weinauktion zugunsten des Integrationshauses

Natürlich oder selbstverständlich?

Sie können heutzutage das ganze Jahr über Orangen kaufen. Natürlich ist das nicht, selbstverständlich aber schon, zumindest in einer Zeit, in der Zeit keine Kategorie mehr zu ein scheint. Vieles ist heute synchron. Die Ver-e-isierung macht das möglich. Und was die Rückdimensionierung des Lebens auf das Wischbrettl an Zeit einspart, entschleunigen WapplerInnen, die mit ihrer Wischerei den Betrieb auf Rolltreppen, Trottoirs und anderen Bereichen des öffentlichen Raums aufhalten. Alles aufkommensneutral quasi.

Alter gibt es auch keine mehr.

Individuell nicht und historisch sowieso nicht. In den Lehrplänen für Geschichte ist das chronologische Prinzip überwunden. Fast alles ist fast immer möglich. X-zig ist das neue X-minus-zwanzig. Das Obst- und Gemüseregal im Supermarkt, in der Größe eines Fußballfeldes, schaut das ganz Jahr gleich aus. Essen kann man das meiste davon nicht, zumindest nicht blind, wenn man es trotzdem erkennen will. Alles ist zeitlos. Wirklich alles? Nein, Wein bietet der Zeitlosigkeit den letzten Widerstand, zumindest seriöser Wein, der mehr als Kracherl mit Alkohol, sogenanntes Glouglou – Naturglouglou oder Industrieglouglou – sein will.

Seriöser Wein will erwartet werden. Und die Orangen von Nino Crupi auch. Auf die darf der Rudl noch warten. Darum schmecken sie ihm so gut.

Abgesehen davon kommt sich der Rudl oft vor wie in einem Film, den jemand seinerzeit beim Urknall gedreht hat und der jetzt mit der Rücklauftaste abgespielt wird. Alles zurück aus Raum und Zeit, zuerst zurück auf zwei Wischdimensionen, aber in der Bude vom Apfelmeister arbeiten sie vermutlich längst an der Eliminierung der zweiten Dimension.

Vor diesem Hintergrund kann der Rudl ja auch das Aufhebens um allfällige 3-D-Drucker nicht ganz nachvollziehen. Müsste man nicht in die entgegengesetzte Richtung entwickeln, ein Druck wo dann nicht mehr ein Blattl, sondern ein Punkt, mathematisch nicht ganz korrekt maximal ein Fliegendreck heraus kommt.

Wein ist anders. Darum wird er heute anders schmecken als morgen. Und wenn sich das halbe Silicon Valley gemeinsam mit allen plastischen Chirurgen und Gewächshausparadeiserzüchtern dieser Welt auf den Kopf stellt.

Pomeranzen

Etymologisch sind die eine Kreuzung aus italienischen Äpfeln (pomo) und bitteren Marillen (arancia). Das möchte man vielleicht gar nicht meinen, wenn man das unreif geerntete Hochglanzzeug probiert. Die Orangen von Nino Crupi werden erwartet, zuerst von den Erntemeistern, dann vom Rudl und von ein paar anderen auch. Das schmeckt man, kommt zumindest dem Rudl vor.

Pommes de terre

Das ist auch kein Lercherl gewesen, bis die von den Anden zu uns herüber gebracht worden sind. Und irgendwie dürften manche aus dieser Dislocierung trugschließen, dass Erdäpfel besser schmecken, wenn man sie lange herum kutschiert. Darum bauen sie die irgendwo in Ägypten an. Der LKW bringt’s dann nach Holland zum Waschen, ein anderer nach Griechenland zum Schälen, bevor sie dann wieder von einer anderen Drecksschleuder nach Portugal gefahren und dort zu Erdäpfelpüree vergatscht werden. Pulverisiert wird das Ganze dann vermutlich in Polen und zu Chips verarbeitet in Marokko. Die Rudl seine zweitliebst Musikkapelle singt darüber ein ganzes Lied. Exportförderung fällt die eine oder andere an. Profitieren tun fast alle dran, mit Ausnahme vielleicht vom Erdäpfelanbauer und dem, der diese Chips dann essen muss. Und halt das Klima. Aber die Klimakatastrophe scheint dem Rudl ja eher mehr etwas Platonisches zu sein, präziser ausgedrückt die Maßnahmen zur Abwehr derselben erscheinen ihm platonisch. Wer auf sich hält, warnt mit mahnender Stimme, veranstaltet eine Enquete oder ein Schulprojekt, haut sich dann einen Kaffee aus der Alukapsel hinein, in den gepanzerten Esjuwi und heim in die klimatisierte Wohnung. Freiwilliger Komfortverzicht ist nicht zeitgemäß, es sei denn in Form einer Diät.

Etymologisch betrachtet

könnte man Orangeweine als Kreuzungen, in der Linguistik heißt man so etwas Kontamination, aus guten Erdäpfeln und reifen Orangen betrachten, zumindest etwas frei etymologisch betrachtet.

Dass so viele Veranstaltungen rund um die diversen Gärprodukte mit Hautkontakt im November stattfinden, das weiß Caviste Rudolf nicht. Er nimmt das Eintreffen der ersten Orangen von Nino Crupi zum Anlass, den braunen bis rosaroten Weinen die Reverenz zu erweisen.

Um diesen Anlass hervorzuheben, bekommt jeder Gast nach Wahl eine unbehandelte Orange vom Ätna oder eine gekochte Bioerdäpfel der Sorte Laura aus Frauenkirchen.

Jetzt noch kurz wegn dem Wein

Organic Anarchy 2013, Aci Urbajs, Rifnik, Slowenien

Chardonnay, Welschriesling und Kerner. Archäologenwein von einem extraordinaire schönen Platz

Le Blanc du Casot 2010, Le Casot de Mailloles (Alain Castex), Banyuls-sur-Mer

Garagenwein im wörtlichen Sinn. Wo seit zehn Jahren Alain Castex Wein macht, sind davor Kraxen der Marke Citroën repariert worden.

Das nicht gerade als laut zu bezeichnende Hinweisschild auf den Wandel des Gewerbes in den Mauern der ehemaligen Citroën-Werkstatt hat der Rudl 2011 aus dem Fenster eines eher nicht so feinen Hotels in Banyuls erblickt. Nach ein paar Läutversuchen hat der Rudl dann gegen Ende des Urlaubs den Meister persönlich angetroffen und eine Flasche vom angeblich weißen Casot de Mailloles erworben. Jahrgang zehn, aber das steht natürlich nicht am Etikett, weil so ein Wein weder dem gewohnten Geschmacksbild eines Banyuls noch dem eines nicht mit Branntwein aufgebesserten Collioures entspricht, deswegen als Vin de France klassifiziert wird und auch nur ein lateinisches X auf den Jahrgang hinweisen darf. Etwa zwei Drittel Grenache Gris und eines Grenache Blanc. Insgesamt produziert Herr Castex fünftausend Flaschen im Jahr. Das erklärt vielleicht auch, warum diese Weine nicht in jeder zweiten Vinothek stehen.

Geschwefelt, filtriert, geschönt oder dergleichen wird nicht.

Wachsen tun diese Trauben auf ziemlich ausgesetzten, vom Tramontana gemarterten, Steinhalden aus schwarzem Schiefer, die man vielleicht als Pendant der Pyrenäen zum Alpenvorland betrachten könnte. Nur dass diese Weingärten auf das Mittelmeer und nicht auf das Salzkammergut hinunter schauen. Weniger grün sind sie auch. Darum brennt es im Sommer öfter.

Casot ist übrigens der Ausdruck für Steinhäusln, die man seinerzeit für die Arbeiter im Weinberg als Schutz vor Sonne, Wind und Unwettern errichtet hat.

Weißer Schiefer (m) 2011, Uwe Schiefer, Südburgenland

Weißburgunder und Welschriesling vom Eisenberg

La Grande Journée 2012, Jean-Yves Peron, Albertville (7/11)

Im Zeitalter des Humanismus und der Aufklärung haben die Maler begonnen, ihre Namen auf die Bilder zu schreiben. Der Rudl weiß nicht, ob es damals schon Weinetiketten gegeben hat. Jean-Yves Peron scheint der Frage nachzugehen, wie weit sich der Mensch aus dem Weinbau zurückziehen kann. Viel weiter eher nicht, wenn Sie den Rudl fragen.

  • Organic Anarchy 2013, Aci Urbajs, Rifnik, Slowenien (5/8)
  • Le Blanc du Casot 2010, Le Casot de Mailloles (Alain Castex), Banyuls-sur-Mer (7/11)
  • La Grande Journée 2012, Jean-Yves Peron, Albertville, Savoyen (7/11)
  • Gemischter Satz 2016, Erich Andert, Pamhagen (3/5)
  • Morillon 2013, Karl Schnabel, Sausal, Steirerland (6/9)
  • Weißer Schiefer (m) 2011, Uwe Schiefer, Südburgenland (6,50/10)
  • Sauvignon Blanc Gräfin 2015, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steiererland (5/8)
  • Bianco Breg 2008, Josko Gravner, Oslavije, Italien (8/12)
  • Frühroter Veltiner Una, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel West (4,50/7)

Diese Weine, aber auch weniger tanninreiche und billigere kredenzt Herr Rudolf diese Woche ausnahmsweise

am Dienstag, den 13. November und am Mittwoch, den 14. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Weinauktion zugunsten des Integrationshaus

17. November. 19 30 im Alten Rathaus in der Wipplinger Straße 8 statt (Bank Austria Salon).

Wie geschrieben, kann man bei dieser Versteigerung gediegene Flascherl für einen mehr als guten Zweck ersteigern und das eine oder andere Glasl für einen ebensolchen trinken. Im Integrationshaus selber kann man das, wovon heute oft die Rede ist, das aber in viel zu geringem Ausmaß praktiziert wird, nämlich professionelle Integration at its best begutachten.

Fernbleiben nur gegen ärztliches Attest.

https://www.integrationshaus.at/de/eventarchiv/22-weinversteigerung-zugunsten-des-integrationshauses

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Herr Rudolf freut sich, einen ganzen Haufen neuer Weine und neuer Jahrgänge aus Savoyen offerieren zu dürfen. Nur die Preise weiß er noch nicht genau.

Vorschau auf die nächste Lehrveranstaltung

Tour de France 2019

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt, passt und wartet!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Ni Steirischer Junker, ni Beaujolais nouveau. Gewartet haben I

Kairos

Vor den Herbstferien hat Ihnen der Rudl erzählt, dass ihm der richtige Zeitpunkt, genau genommen das Erkennen desselben regelmäßig etwas aufzulösen gibt. Polifka Fils würde sich zwar nicht als langsamen Zeitgenossen bezeichnen, aber er nimmt sich gerne Zeit zur Akklimatisierung, Zeit, die ihm manche Gelegenheiten verweigern und also aufhören, ebensolche zu sein, bevor der Rudl auch nur eines Fußabdrucks von ihnen gewahr worden ist.

Wein oder Jungwein, das ist die Frage

Es ist ja nicht so, dass es nicht schon längst Jungweine aus dem Jahrgang 2018 gäbe. Spätestens seit August düsen die Turbogärheferln durch heimische Weinkeller, und auch durch ein paar im Beaujolais.

Jungweinzeit

Die Auffassung von einem jungen Wein ist vermutlich eine ziemlich relative Angelegenheit. Dominique Belluard etwa erachtet seinen Le Feu 2010 als noch nicht reif, würde 2011 hingegen schon trinken und Thérèse Riouspeyrous findet, dass Hégoxuri 2014 seine beste Zeit noch vor sich hat. So ein Zugang scheint in Österreich zumindest nicht mehrheitsfähig. Daran ist möglicherweise eine der Lieblingsinstitutionen vom Rudl mit schuld, der Heurige. Dort gilt traditionell ein Wein als Heuriger, solange keiner aus dem folgenden Jahr verfügbar ist. Mit seinem Amtsantritt an der Schank macht der neue Heurige dann seinen Vorgänger zum „Altwein“. Als besonderes Kompliment wird man das nicht aufzufassen dürfen, in einem Etablissement mit dem Namen „Heuriger“.

Der junge …

In den Eckgasthäusern und nicht nur in diesen freuen sich die Salz- und Pfefferstreuer ab September, dass sie nicht so alleine herum stehen müssen und ihnen die Taferl mit dem Jungen Wiener, dem Steirischen Junker oder dem Primus Pannonikus Gesellschaft leisten.

Der Steirische Junker

Am Mittwoch vor Martini ist es früher gewesen. Da haben sie den womöglich berühmtesten österreichischen Jungwein präsentiert, den Steirischen Junker. Pfiffige hat dieser Termin aber nicht daran gehindert, noch früher das Angebot durch einen Jungwein welcher Bezeichnung auch immer zu bereichern. Selbst eine gegenderte „Junge Steirerin“ hat der Rudl schon im Regal einer Vinothek gesichtet. Heuer ist auch der Junker schon am 25. Oktober auf dem Markt gewesen. „Vü nimma Darwartn“ sagt der Herr Kurt.

Monsieur Rudolf braucht derlei nicht zu seinem oenologischen Glück, egal ob sprachlich antiegalitär verdumpft als Junker, noch politisch korrigiert. So oder so, hält es der Rudl da mit Gerhard Polt und wartet.

Drum kredenzt er diese Woche Weine, auf die er schon ein Zeitl gewartet hat.

2008 in Savoyen

Die allerlängste Zeit kein Anlass zur Sorge. Ende August wird es dann nass. Das bleibt es auch. Für die eine oder andere Jacquère ist sich das dann mit der Reife nicht mehr ausgegangen. Altesse, Chignin-Bergeron und vor allem die Roten haben sich noch erfangen, direkt als „blad“, wenn Sie dem Rudl diese umgangssprachliche Bemerkung gestatten, sind sie aber nicht zu bezeichnen.

2008 in Österreich

Ende August wird jedes Jahr der Weinjahrgang, und zwar der desselben Jahres beurteilt. Die Beurteilungsskala ist zweistufig und verbal. Sind die acht Wochen vor der Verlautbarung des Urteils heiß gewesen, wird ein Jahrhundertjahrgang verlautbart, sind sie nicht so heiß gewesen, annonciert man einen Winzerjahrgang. Zweitausendacht hat damals im August ein „Winzerjahrgang“ bekommen. In weiterer Folge sind über diesen Weinjahrgang ein paar Marketingphrasen gedroschen worden. Spätestens wenn ein Großteil der Industrieweine verschachert ist, bleibt eine Mischung aus Jammern und Geringschätzung für so einen Jahrgang über. Zwei Jahre später hat sich das Ganze bezüglich 2010 wiederholt. Der Rudl tendiert dazu, davon auszugehen, dass da in etlichen Jahrgangsbeschreibungen lediglich die Jahreszahlen ausge“besser“t worden sind.

Für Caviste Rudolf ist 2008 ein extraordinär grandioser Jahrgang. Frische, Charakter und Eleganz in perfekter Kombination. Dafür ist Monsieur Rudolf den begnadigten Weinbaumeistern, wie sie der Herr Kurt nennen würde, ziemlich dankbar. Und er stellt sich deren Hacke in diesem Jahr als ganz besonders zach vor. Wasser in allen Aggregatszuständen. Der Gesundheit der Weinbeere ist das nicht immer nur zuträglich. Dem Rudl ist der Weinjahrgang 2008 fast ein bissl so etwas wie die Weinwerdung des Arbeitsauftrages von Jesus, man möge trachten, Salz der Erde zu sein. Von Zucker war keine Rede.

Der Rudl wartet gerne, bis die Weine ein bissl reifer sind. Damit sie dann auch gut schmecken, müssen sie schon ein bissl vif sein. Den Weinen des Jahrgangs 2008, deren Beeren und Trauben gesund gelesen worden sind, kann man diese Vifheit sicher nicht absprechen. Den Umstand, dass gerade ein biologisch arbeitender Weinbauer wie Sepp Mantler in einem wasserreichen Jahr wie 2008 derart hervorragende Weine gekeltert hat, kann man vielleicht auch als Denkzettel für jene verstehen, die immer noch meinen, Bioweinbau sei etwas für vom Wetter besonders begünstigte Jahrgänge. Kulturwein.

Warten eins

Der Jahrgang 2008 und damit das stolze Alter von runden zehn Jahren ist aber nicht das Einzige, was die diese Woche zur Kredenzung gebrachten Weine verbindet. Sie finden sich auch samt und sonders im Sortiment vom Rudl, die meisten halt in Bouteillifizierung ihrer jüngeren Schwester und Brüder. Wenn Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, diese Woche ein Wein beim Rudl besonders gut schmeckt, dann können Sie den zwar nicht einszueins mit nachhause nehmen, aber Sie können eines von den erwähnten jüngeren Exemplaren erwerben, daheim in den Keller oder ganz hinten in die Speisekammer legen und das Heranreifen des Weines abwarten. Da ist der Schulmeister Rudolf quasi in seinem Element. Da kann er lehren. Und derlei lehrt der Rudl viel lieber, als dass ein Wein nach rotem Paprika oder grünem Pfeffer schmeckt. Bildungsmeister Rudolf betrachtet das Wartenkönnen, zusammen mit dem Neinsagenkönnen und dem Sichanstrengenkönnen als das Herzstück seines ganz persönlichen Bildungsideals.

Ein Achter schert aber auch diesbezüglich aus. Bianco Breg 2008 von Josko Gravner ist der aktuelle Jahrgang dieses Weins im Sortiment vom Rudl, wobei von dem der Fünfer auch noch verfügbar ist.

  • Sauvignon Blanc 2008, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedlersee (4,50/7)
  • Neuburger Hommage 2008, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltiner Hundsberg 2008, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel West (6,50/10)
  • Grüner Veltiner Steinleithn 2008, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (6/9)
  • Les Alpes 2008, Dominique Belluard, Ayze, AOC Vin de Savoie (7/11)
  • Bianco Breg 2008, Josko Gravner, Oslavia, IGT Venezia Giulia (8/12)
  • Sélection Arbois 1998, André et Mireille Tissot, AOC Arbois, Jura (6/9)

Diese Weine, aber auch billigere, nur halt keinen aus 2018 kredenzt der Rudl am

Mittwoch, den 7. November und am Freitag, den 9. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Weinauktion zugunsten des Integrationshaus

Ein Herzensanliegen ist es dem Rudl, auf die diesjährige Weinversteigerung zugunsten des Wiener Integrationshauses hinzuweisen. Sie findet am 17. November ab 19 30 im Alten Rathaus in der Wipplinger Straße 8 statt (Bank Austria Salon)

https://www.integrationshaus.at/de/eventarchiv/22-weinversteigerung-zugunsten-des-integrationshauses

Bei dieser Versteigerung kann man gediegene Flascherl für einen mehr als guten Zweck ersteigern und das eine oder andere Glasl für einen ebensolchen trinken. Im Integrationshaus selber kann man das, wovon heute oft die Rede ist, das aber in viel zu geringem Ausmaß praktiziert wird, nämlich professionelle Integration at its best begutachten.

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Herr Rudolf freut sich

  • Bela, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien
  • Blauer Burgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck
  • Ruländer 2014, Weingut Dieter Dorner, Mureck und vor allem
  • Neuberger 2016,

den Wein zum vierzigjährigen Geburtstag der Bioweine vom Weingut Dieter Dorner

in seinem Sortiment begrüßen zu dürfen.

Vorschau auf die nächste Lehrveranstaltung

Orangen und Orange

Im Übrigen wartet Rudolf Polifka immer noch darauf, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt und wartet!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bis 6. November geschlossen

Herr Rudolf freut sich über die Strecke für die Tour de France 2019 und sperrt seine Weinhandlung bis 6. November zu.

Der Rudl hat die Ehre!

Vorschau auf 7. und 9. November

Weine zur Junker-Präsentation … aus dem Jahr 2008

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Der Weiße vom Kalk. Irouléguy Blanc, Domaine Ilarria 2010 – 2012 – 2013.

Forschungsreisen nach Frankreich, weit entfernt von Oenolgogie

Die erste unfreiwillige Studienreise nach Frankreich hat der Rudl Fils 1984 unternommen. Im Zentrum seines Interesses sind damals nicht existente Merchandising Artikel von der französischen Fußballnationalmannschaft und Formel 1 Modellautos gestanden, nicht wie von seiner Mutter favorisiert die französische Sprache, die zu erlernen im September desselben Jahres angestanden ist. Die erste mehr oder weniger freiwillige Forschungsreise ebendahin hat ein Jahr später stattgefunden. Zweck der Reise sollte auch dieses Mal der Spracherwerb sein. Dass im Hintergrund bei den Eltern vom Rudl auch andere Überlegungen eine Rolle gespielt haben, kann Herr Rudolf aus heutiger Sicht nicht zur Gänze ausschließen. Seiner persönlichen Erinnerung nach hat er damals, mit sechzehn, siebzehn Jahren seiner näheren Umgebung das Leben nicht nur strapazfreier gemacht, wobei sich die Revolte fast ausschließlich im Kopf beziehungsweise in der Theorie abgespielt hat. Dort aber umso massiver. Die Dienstreise hat sich dann vor allem um Schallplatten gedreht. Kurioserweise hat der Rudl die Single „Das Blech“ von Spliff, 1985 auch in Frankreich schon im Abverkauf, in einem Plattengeschäft im aquitanischen Bergerac erworben. An derlei kann er sich noch genau erinnern, an diese Zeilen am Mittwoch wahrscheinlich bestenfalls rudimentär. Bis 1986, 1987 und auch bis 1989 hat sich am Interesse vom Rudl an mehr oder weniger gepflegter Populärmusik in englischer, französischer, deutscher und Simmeringer Sprache nicht viel geändert. Was letztere betrifft, hat sich daran auch über 1989 hinaus nicht viel geändert. Der musikalische Horizont vom Rudl ist nicht weiter geworden. Anstatt Musikanten wie Alphaville, Picnic at the Whitehouse oder zugegebenermaßen die Scorpions sind dann bald einmal Weinflaschen in den Fokus von Rudolf jun. gerückt. Er meint sich an eine Flasche Monbaziac, die er 1990 von einem Aufenthalt in Bergerac mitgebracht hat, erinnern zu können.

1996 hat sich der Rudl dann schon ziemlich professionell auf eine Weinreise nach Frankreich vorbereitet. Irgendwie ist er über Pierre Frick an ein Ausstellerheft der 14. Europäischen Biomesse in Rouffach geraten, auf ungebleichtem Papier, zu studieren diese Woche in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils. Da stehen viele Adressen von französischen Bioweinbauern drinnen. Diese hat der Rudl dann, so sie in Reichweite einer Route, die man auch mit sehr viel gutem Willen nicht als direkten Weg von Österreich nach Banyuls-sur-Mer erkennen kann, mit Auslandspostkarten adressiert und um Preislisten und Informationen über allfällig zu erwerbende Altweine gebeten. Teilweise hat der Rudl auch die Routen an den Weingütern orientiert. Und ein kleines Weinbuch von Oz Clark hat ihn damals auch geleitet.

2009

Nach 1996 ist Herr Rudolf einigen Jahre nicht nach Frankreich gefahren. Das sind die letzten aktiven Jahre von Sir Paul Gascoigne gewesen. Die wollten auch in der vierten englischen Liga auf gar keinen Fall versäumt sein.

Und dann ist da diese von wem auch immer in Umlauf gebrachte Schlauheit, dass es dort, in Frankreich, weinmäßig nichts gebe, was es nicht „bei uns“ „eh auch“, „vielleicht sogar besser und billiger“ gebe, gewesen. Der ist Monsieur Rudolf – es hätte keinen Sinn, das heute abzustreiten – ein ganz schönes Zeitl lang auf den Leim gegangen. Das Buch „Terroir“ vom Geologen James E. Wilson ist es dann gewesen, das den Rudl wissen lassen hat, dass er ganz dringend nach Frankreich fahren muss, in das Land, in das ihn fünfundzwanzig Jahre davor seine erste Studienreise geführt hatte. Diese Reise wollte noch viel akribischer geplant sein, aber in Zeiten eines Internetzugangs ist das lange nicht so aufregend gewesen wie 1996, als gelegentlich zweckdienliche Hinweise aus dem Bereich der Oenologie am Abend im Briefkastl gewartet haben.

Von der Schwierigkeit des Moments

Die alten Griechen werden sich etwas dabei gedacht haben, als sie die Zeit im Sinn des richtigen Augenblicks mit einem eigenen Vokabel gewürdigt haben. Monsieur Kohelet hat dem richtigen Augenblick ein literarisches Denkmal gesetzt, der Herr Kurt auf „A schene Leich“ 1988 ein musikalisches. Nichtsdestotrotz muss der Rudl zugeben, dass er am richtigen Augenblick mit verlässlicher Regelmäßigkeit scheitert, vor allem dann, wenn er plant.

Tour de France

zum Beispiel. Die minutiös geplante Forschungsreise durch die Weinberge Frankreichs sollte 2009 in Savoyen anheben, nach Irouléguy führen, via Bergerac und Saint Emilion Bordeaux anvisieren, dann quasi auf einer Überfuhretappe durch oenologisches Brachland in Saint Andelain und Sancerre einen ersten Höhepunkt erreichen, um dann über die wirklichen großen Kaliber von Pommard, Volnay, Meursault und Chassagne-Montrachet im Elsass auszuklingen. So hatte es der Rudl damals geplant.

Verlauf

Von Belluard hat die Reise dann über Dupasquier zu Gilles Berlioz geführt. Einer Nacht auf der A7, der A9 und der A61 sind dann die erste Flasche Hégoxuri 2007 in einer Weinbar in Biarritz und drei Tage in Saint Jean Pied de Port mitten in der Appellation Irouléguy gefolgt. Für ihn selber ungewohnt zurückhaltend hat sich das Weinkaufsverhalten des Rudls ausgenommen. Ganz besonders vorsichtig hat der Rudl bei der Domaine Ilarria eingekauft. Der Platz in so einem Kübel ist schließlich begrenzt und die ganz prestigeträchtigen Gegenden sind noch vor dem Rudl gelegen. Der Besuch und die Verkostung im Keller von Dagueneau sollten sich dann noch als ziemlich incroyabel erweisen. Abgesehen davon hatte der Rudl bei der Abfahrt aus Irouléguy die Höhepunkte seiner Studienreise aber bereits hinter sich gehabt, was er wiederum erst bei der Abfahrt aus dem Elsass realisiert hat. A blede Gschicht, wie der Herr Kurt in so einem Fall sagt.

Beim nächsten Besuch in der Appellation Irouléguy 2011 ist dann dafür keines der damals zehn Weingüter vom Rudl unbesucht geblieben.

Peio Espil – Domaine Ilarria, Irouléguy

Caviste Rudolf hat Ihnen vergangene Woche im Zusammenhang dem Roten ohne Schwefelzusatz von Ilarria ein paar Details über dieses Weingut übermittelt und erlaubt sich, diese hier herein zu kopieren.

Der Weiße ist insofern bemerkenswert, als er ohne Gros Manseng auskommt, sechzig Perzent Petit Manseng und vierzig Petit Courbu. Die Rebstöcke der Weißen von der Domaine Arretxea, gleich gegenüber stehen auf ganz anderen Böden, Ophite, Schiefer und rostigem Sandstein.

Domaine Ilarria

Peio Espil ist ein Freund der Archäologie und der Kunst. In seiner Jugend hat er für eine NGO, die sich um Flüchtlinge zwischen Äthiopien und Somalia gekümmert hat, und im Bereich der landwirtschaftlichen Entwicklung von Entwicklungsländern und Wüstengebieten gearbeitet. 1987 ist er dann ins Baskenland zurück gekommen. Um diese Zeit hat in Irouléguy das Bewusstsein, es mit einem einzigartigen Terroir zu tun zu haben, eingesetzt. Michel Bourgignon hat die von seinem Vater gegründete Genossenschaft übernommen, Etienne Brana begonnen, höhere und steilere Lagen zu terrassieren, junge Weinbauern neu ausgepflanzt. Monsieur Espil hat 0,75 Hektar Weingarten von seinem Vater übernommen und dann jedes Jahr einen Hektar gesetzt. Jetzt sind es acht, der Großteil davon auf Kalk, ausschließlich die zu Rosé vinifizierten Tannat und Cabernets auf Schiefer.

Heute liest Peio Espil gerne Masanobu Fukuoka, auf Englisch.

In seinen Weingärten resultiert daraus die Rückkehr der natürlichen Begrünung. Keine Bodenbearbeitung, abgesehen von jener der Schafe. Das begrenzt den Hektarertrag auf fünfundzwanzig Hektoliter, wird ab dem siebten Jahr aber ziemlich interessant. Schwefel nur bei der Füllung, und da minimal. Der Irouléguy Rouge sans sulfites ajoutés muss den Abfüllvorgang ganz ohne fremde Schwefelassistenz derpacken.

Seltene Koalition von Sauberkeit und Fülle als Resultat.

  • Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • Irouléguy Blanc 2012, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9)
  • Irouléguy Blanc 2010, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9) – unter der Voraussetzung, dass der Rudl bis Mittwoch den Zehner noch findet, was ihm bis jetzt nicht gelungen ist. Andernfalls wird ihn der Zehner Hégoxuri würdig vertreten. Vom Jurançon sec 2010 von der Domaine de Souch ist auch noch etwas da.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

selbstverständlich auch billigere Weine gibt es glasweise

am Mittwoch, den 24. Oktober

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Am 26. Oktober ist Nationalfeiertag und die Weinhandlung Rudolf Polkifka et Fils geschlossen. In der Woche vom 29. Oktober bis zum 3. November ist zwar nicht Nationalfeiertag, aber trotzdem zu.

Neues aus dem Flaschensortiment

Ab sofort sind Rotburger Classic und Rosa Pearl vom Weinhof Uibel wieder verfügbar.

Riedenkarten

Ein ambitioniertes Forscherteam hat sich die Erarbeitung neuer Riedenkarten der österreichischen Weinbaugebiete zur Aufgabe gemacht.

Unter dem folgenden Link können Sie nicht nur Ihre Meinungen zum Thema Riedenkarten kundtun, sondern auch etwas gewinnen.

https://bit.ly/2CGk3za

Vorschau auf 7. und 9. November

Weine zur Junker-Präsentation … aus dem Jahr 2008

Wieder einmal nützt der Rudl die Gelegenheit, Sie dazu einzuladen, sich Begleitung für den Wein in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitzubringen. Der Ossau-Iraty passerte zu den weißen Basken noch viel besser als zu den roten.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Monsieur Rudolf grüßt den Moment und alle, die ihn erkennen! Die anderen auch.

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Irouléguy gegen Jurançon, das ist Brutalität.

Zuerst einmal im Sinne der Ausgewogenheit und in diesem Fall sogar ernst gemeint

Der Rudl denkt gerne nach. Auch wenn er etwa diese Zeilen schreibt. Zuerst schreibt der Rudl. Das geht manchmal irgendwie wie von selber. Da muss das heraus, fast ein bissl kathartisch. Dann denkt der Rudl nach. Manchmal sind diese Zeilen schon abgeschickt und dem Rudl fällt noch etwas ein, eine Präzisierung, ein anderes Vokabel, eine Steigerung, eine Abschwächung oder halt irgendetwas. Gscheit ist diese Reihenfolge nicht. Das hat der Rudl nie behauptet.

Vergangene Woche hat der Rudl zum Ausdruck gebracht, dass es ihm schwer falle, Vulgäratheismus ernst zu nehmen und letzteren auch der Schmähfreiheit bezichtigt. Der Vollständigkeit halber möchte der Rudl ergänzen, dass es sich für ihn etwa mit Vulgärkatholizismus gerade genauso verhält. Herr Rudolf meint, die Vertreterinnen und Vertreter desselbigen daran zu erkennen, dass sie da und dort ein Kreuz im öffentlichen Raum fordern und die Frage, was ein Kreuz für sie bedeute, mit einem „Weil das bei uns so der Brauch ist“ quittieren. Der Rudl fragt sich dann, warum sie nicht eine Lederhose aufhängen.

Und noch etwas

Angeblich kritische Medien haben einander letzte Woche rund um den zehnten Todestag von Jörg Haider in der Kategorie Affentheater überboten. Der 10. Oktober ist auch der Todestag von Günter Brödl. Um den wird kein Trara gemacht. Wahrscheinlich passt das zum Trainer.

Am 10.10.2010 ist die Würdigung des zehnten Todestages von Günter Brödl deutlich dezenter ausgefallen. Aber er, der Trainer, hat, wie es Franz Deckenbach auf seiner Homepage www.espressorosi.com unüberbietbar auf den Punkt bringt, „das Leben vieler Menschen zum Positiven verändert“.

So viel Zeit und Raum muss schon sein!

Wein

Dass die Appellation Irouléguy am Fuß der französischen Pyrenäen eine der Lieblingsappellationen vom Rudl werden würde, hat der gewusst, noch bevor er hingefahren ist. Das mit der abfälligen Bemerkung von James E. Wilson hat Ihnen Caviste Rudolf schon erzählt.

Jurançon hat Herr Rudolf erst zwei Jahre später für sich entdeckt. Vielleicht ist das der exponierteren Lage von Irouléguy geschuldet. Vielleicht auch dem höheren Prestige, das den Weinen des Jurançon zugeschrieben wird. Die Geologie von Irouléguy ist vielfältiger als die „poudingues“ des Jurançon. Letztere sind Steinbrocken, die sich auf dem Wasserweg im Gave aus den Pyrenäen heraus nach Norden deplaciert haben.

Ein Vergleich

Diese Woche lässt Caviste Rudolf jeweils drei Winzer der beiden Appellationsnachbarinnen gegeneinander antreten. Weißweinrebsorten haben sie dieselben, Irouléguy erlaubt auch Rotweine, Jurançon genau genommen nur Süßweine, aber es gibt eine eigene Appellation Jurançon sec für trockene.

Das Jurançon

ist die zweitsüdwestlichste Weinbauappellation Frankreichs. Sie befindet sich im Süden und Westen von Pau.

Irouléguy

ist kleiner, geologisch aber vielfältiger als Jurançon.

Domaine Ilarria

Peio Espil ist ein Freund der Archäologie und der Kunst. In seiner Jugend hat er für eine NGO, die sich um Flüchtlinge zwischen Äthiopien und Somalia gekümmert hat, und im Bereich der landwirtschaftlichen Entwicklung von Entwicklungsländern und Wüstengebieten gearbeitet. 1987 ist er dann ins Baskenland zurück gekommen. Um diese Zeit hat in Irouléguy das Bewusstsein, es mit einem einzigartigen Terroir zu tun zu haben, eingesetzt. Michel Bourgignon hat die von seinem Vater gegründete Genossenschaft übernommen, Etienne Brana begonnen, höhere und steilere Lagen zu terrassieren, junge Weinbauern neu ausgepflanzt. Monsieur Espil hat 0,75 Hektar Weingarten von seinem Vater übernommen und dann jedes Jahr einen Hektar gesetzt. Jetzt sind es acht, der Großteil davon auf Kalk, ausschließlich die zu Rosé vinifizierten Tannat und Cabernets auf Schiefer.

Heute liest Peio Espil gerne Masanobu Fukuoka, auf Englisch.

In seinen Weingärten resultiert daraus die Rückkehr der natürlichen Begrünung. Keine Bodenbearbeitung, abgesehen von jener der Schafe. Das begrenzt den Hektarertrag auf fünfundzwanzig Hektoliter, wird ab dem siebten Jahr aber ziemlich interessant. Schwefel nur bei der Füllung, und da minimal. Der Irouléguy Rouge sans sulfites ajoutés muss den Abfüllvorgang ganz ohne fremde Schwefelassistenz derpacken.

Seltene Koalition von Sauberkeit und Fülle als Resultat.

Domaine Arretxea

Der erste nicht-litterarische Kontakt des Rudl mit diesem Wein hat 2009 in einer Weinbar in Biarritz stattgefunden. Nicht dass der Rudl diesen Kommentar zu seiner Weinentscheidung gebraucht hätte, hat der Wirt den Hégoxuri als den besten Weißwein des Südwestens bezeichnet.

Auf der Diretissima ist Michel Riouspeyrous nicht zum Wein gelangt, obwohl sein Opa auch Weinbauer gewesen ist. Die europäische Landwirtschaftspolitik ist schon in den Achtziger Jahren nicht das, was der Rudl als „zukunftsträchtig“ bezeichnen würde, gewesen. Sie hatte den Betreibern gemischter Landwirtschaften wie den Eltern von Michel Riouspeyrous nahegelegt, auf Viehzucht zu setzen. So oder so, hat der junge Riouspeyrous landwirtschaftliche Studien aufgenommen, ist dann ein Zeitl zwischen Argentinien und dem Senegal herumgestudienreist, um zuerst einmal Lehrer für landwirtschaftliche Fächer zu werden, immer noch geprägt von der produktivistischen Dogmatik. Eines Abends ist er dann von der Schule nach Hause gekommen, hat seine Schultasche einer anderweitigen Wiederverwertung zugeführt und die Konsequenz gezogen: Wein bei Null beginnen, materiell und erfahrungstechnisch. Letzteres sollte sich langfristig als Vorteil erweisen. 1993 der erste Rote, vier Jahre später der erste Hégoxuri. Gleichzeitig kommt seine Frau Thérèse aus dem Elsass auf das Weingut. Kontakte zum Geologen Yves Herody, Didier Dagueneau, 1998 Biodynamie in einer unideologischen, undogmatischen und regionalisierten Variante. Immer noch auf der Suche, das Potential seiner Weingärten ganz auszuschöpfen.

Domaine Améztia

Die Costeras sind Schafbauer und als solche Hersteller eines großartigen Ossau-Iraty. Wein machen sie auch. Den Roten und den Rosé kann man manchmal ab Hof sogar kaufen. Für den Weißen braucht man den sehr gut sortierten Fachhandel vor Ort und gute Freunde, die diesen aufsuchen.

Domaine de Souch

Yvonne Hegoburu ist es gewesen, die Didier Dagueneau davon überzeugt hat, dass man da unten gute Weine machen kann.

Gros Manseng

Auf Baskisch heißt er „Izhiriota“. Er ist für die Quantität zuständig. Der falsche Mehltau ist nicht sein bester Freund.

Petit Manseng

Izkiriota Itipia, ist ertragsschwach, kleinbeerig und dickschalig, kann deshalb lange am Stock hängen und viel Zucker bilden. Anklänge an Zimt, exotische Früchte, Honig und reifen Pfirsich gehen auf seine Rechnung.

Petit Courbu,

Xuri Zerratia, ist fast immer in der Minderheit, noch ertragsschwächer als der Petit Manseng, aromatisch dafür noch feiner.

Tannat

Bezeichnenderweise versteht man unter Tannat nicht nur die Rebsorte, sondern auch die Salze im Tannin. Seinerzeit hat man viel mehr Tannat reinsortig ausgebaut. Vielleicht haben die Menschen früher mehr Geduld gehabt. Denn trinken hat man das meistens erst nach zwanzig Jahren können. Heute ist fast immer ein mehr oder weniger kleiner Anteil an Cabernet Franc oder oder und Cabernet Sauvignon dabei. Direkt jungweintauglich macht ihn das aber auch nicht.

Gesundheit!

 

Vielleicht gilt Tannat deshalb als gesündester Rotwein der Welt, weil er mehr zum Aufheben als zum Trinken da war.

Die Forscher sehen andere Gründe: Kein anderer Wein entwickelt so einen Haufen an Procyanidin wie Tannat, viermal so viel wie jeder andere Rotwein, zumindest wenn er traditionell gekeltert wird und also drei bis vier Wochen auf der Maische steht – manchmal auch ungerebelt – und dann im alten Holz ausgebaut. Die Tannats aus Uruguay tun das in der Regel nicht, die aus den Pyrenäen, vor allem die aus Madiran und Irouléguy schon. Procyanidin beugt Herz- und Kreislauferkrankungen vor und fängt Radikale.

Heute versucht man die Typicität der Rebsorte zu erhalten, aber seine Trinkreife zu beschleunigen. Dort wo das gelingt, hat man reife und runde Tannine und Aromen nach schwarzen Beeren, Mirabellen und Brombeeren.

  • Jurançon sec „La Part Davant“ 2013, Camin Larredya, AOC Jurançon sec, Sud Ouest (4,50/7)
  • Jurançon sec 2011, Domaine de Souch, AOC Jurançon sec, Sud Ouest (5/8)
  • La Magendia 2005, Clos Lapeyre, AOC Jurançon, Sud Ouest (6/9)
  • Eztia 2013, Domaine Ameztia, Saint Etienne de Baigorry, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4,50/7)
  • Irouléguy rouge sans sulfites ajoutés 2012, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • Haitza 2012, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

selbstverständlich auch billigere Weine gibt es glasweise

am Mittwoch, den 17. und am Freitag, den 19. Oktober

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf 24. Oktober

vermutlich der Weiße von Ilarria 2010, 2012 und 2013

Wieder einmal nützt der Rudl die Gelegenheit, Sie dazu einzuladen, sich Begleitung für den Wein in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitzubringen. Einen Ossau-Iraty zum Beispiel, oder etwas anderes.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Gizon Rudolf zuen Ohore! … oder so ähnlich

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Bitzgscheite Weine von Rebsorten mid ana schlechten Reklam

Wenn der Rudl den Trainer richtig versteht, denn geht es dem auch um die kindliche Kompetenz, sich selber, aber auch der Welt nicht immer todernst gegenüber zu stehen, sich aber auch nicht auf ein rationell verwertbares Produktionsmittel reduzieren zu lassen und den persönlichen Träumen und Phantasien mehr Raum zu geben als angecoachtem Selbstdarstellungsgehabe und lächerlichen Souveränitätsallüren, auf die Gefahr hin, den Verstand abgesprochen zu bekommen und sich eine schlechte Nachred‘ einzutreten. Der Herr Kurt hat dafür einmal das Bild vom Profil eines Goiserers verwendet.

Das heißt ja nicht, dass man das, was man macht, nicht ernst meint. Ganz im Gegenteil! Aber dieser Hang, sich selber mit dem Kern seiner Existenz an ein Anliegen oder seine Handlungen zu ketten, der beunruhigt den Rudl zunehmend. Spitznamen sind abgeschafft und bei jedem Käse geht es gleich um die Wurst, um die Ehre sowieso.

Da wird dann jedes Anheben der Mundwinkel zu einem vermeintlichen Zeichen von Schwäche, Understatement oder Selbstironie zu einer Kapitulation. Heiliger Ernst, hundert Percent schmähfrei und unbarmherzig. Nicht selten Hand in Hand mit einem fundamentalistischen Vulgäratheismus, dem naturgemäß jede Möglichkeit einer Existenz über dem aufgeblähten Ego ein Dorn im Auge sein muss, vorgebracht mit einer positivistischen Überheblichkeit, die an Missionare während der Hochblüte des Kolonialismus erinnert. Das ist alles nicht dem Rudl sein Terroir. Das macht ihm Angst, ganz besonders Angst macht ihm diese Schmähfreiheit und Selbstironieresistenz im Bildungsbereich.

Vor ein paar Tagen ist es gewesen.

Da hat sich Schulmeister Rudolf von Schülerinnen und Schülern ein Lied vorspielen lassen. Das hat ihn mit drei oder vier Fragezeichen zurückgelassen, die Musik und der Text noch mehr. Hintergrund der Vorspielerei war, dass diese Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Altersgenossinnen und Altersgenossen angeklagt hatten, sich an falschen Vorbildern zu orientieren und überhaupt ziemlich für die Haare zu sein. Jetzt ist es nicht so, dass der Herr Rudolf das seinerzeit nicht auch über etliche seiner eigenen Alterskolleginnen und -kollegen behauptet hätte.

Einerseits ist es natürlich schon so, dass der Rudl keine Generation kennt, der man nicht Ähnliches prophezeit hätte. Andererseits erfüllt die Besessenheit mancher Jugendlicher, aber natürlich noch mehr mancher Erwachsener von ihrem äußeren Erscheinungsbild Herrn Rudolf nicht nur mit Sorglosigkeit.

Bei Jugendlichen gehört der hohe Stellenwert von Panier und Matte ja irgendwo schon zur „job description“, wobei dem Rudl das zackig adrette Piccobello ein bisschen unheimlich ist. Und er fragt sich, ob eine Hose wirklich nur dann cool sein kann, wenn die Löcher deutlich erkennbar schon von der Fabrik hineingemacht worden sind.

Haben dagegen Vierzig- und Fünfzigjährige immer noch keine größeren Sorgen als zeitgemäßer Stil und richtig sitzender Kragen von einer Pfoad, alles angeblich unverzichtbare Hinweise auf Kompetenz und Souveränität, dann machen sich beim Rudl erste Anzeichen von Verzweiflung bemerkbar.

Und bevor …

Schulmeister Rudolf dann versucht, in der Kurve zur Oenologie nicht hinauszufliegen, gestattet er sich noch einen Hinweis auf die Tagespolitik: Der Rudl meint, sich an Zeiten erinnern zu können, wo in allen oder vielleicht fast allen politischen Lagern Persönlichkeiten mit Format und der Gabe der Selbstironie zu finden gewesen sind. Rudolf Polifka fragt sich, wo die alle sind. Mit Ausnahme des Felsens in der Brandung Hofburg, ohne den sich der Rudl dieses Land lieber nicht vorstellen möchte, vermag er niemanden zu erblicken.

Und wer rennt den schmähfreien Ehrverteidigern nach und nimmt die ernst? Damit ist Polifka Fils wieder beim Bildungssystem.

Rebsorten

Wenn Rebsorten und Weine mit ihrer Nachrede zu kämpfen haben, dann hat das ziemlich sicher nichts mit Selbstironie zu tun. Aber vielleicht ist schlechter Nachrede mit Ironie zu begegnen, und mit Hartnäckigkeit.

Welschriesling

Dem Welschriesling möchte der Rudl schon seit längerer Zeit ein Wochenthema widmen. Den gibt es nicht überall, mehr oder weniger eh nur in und um Österreich. Aber dort kann er mit Rheinriesling, Traminer, Veltliner und den internationalen Rebsorten imagemäßig nicht mithalten, zumindest nicht im Trockenen. Eine der zahlreichen oenologischen Arbeitshypothesen des Rudls ist, dass mit Welschriesling viel mehr möglich wäre. Es ist noch gar nicht so lange her, da hat Caviste ein altes Buch über den Weinbau in Österreich in der Hand gehabt. Da ist der Welschriesling als die Rebsorte mit der drittspätesten Reife aufgezählt gewesen. Nur Rheinriesling und Zierfandler reifen demnach später als Welschriesling. Den Rudl erinnert Welschriesling ein bissl an Jacquère. Die reift auch spät, was in Anbetracht der Klimakatastrophe ja nicht die allerblödeste Eigenschaft für eine Rebsorte ist.

Gamay

In einer Umfrage nach den drei Erstassoziationen von „Gamay“ wird Beaujolais Primeur ziemlich sicher nicht oft außerhalb der ersten drei Nennungen landen. Und in einem guten Monat hebt die Primeurerei wieder an. Direkt dafürkönnen tut Gamay da nichts. Verdient hat er es aber auch nicht.

Im kleinen Weingarten, den sich Jacques Maillet nach seinem Rentenantritt behalten hat, stehen vor allem ganz alte Gamaystöcke, ziemlich sicher nicht zufällig.

Sämling 88

Es gibt ja die eine oder andere verunglückte Rebsortenbezeichnung. Über das Synonym des Rotburgers hat Ihnen der Rudl im März, zum Geburtstag des resistenten Josef Bauer, ein paar Überlegungen zukommen lassen.

Georg Scheu hat 1916 eine Rebsorte gezüchtet. Bis dahin ist alles mehr oder weniger gut gegangen. Schwarze Ribisel und Grapefruit, missglücktenfalls nach Schweiß, gut geeignet für hohe Prädikate, was sich mittlerweile bis in den englischen Weinbau durchgesprochen hat.

Herr Scheu hat seinerzeit verkündet, es handle sich bei seiner Züchtung um eine Kreuzung aus Riesling und Sylvaner. DNA-Analysen haben mittlerweile gezeigt, dass Riesling und Bukettraube die Eltern des Sämling 88 sind. Diese Bezeichnung ist aus heutiger Sicht zumindest unglücklich, obwohl die Zahl 88 zur Zeit der Züchtung des Sämlings unverdächtig gewesen ist. Aber auch aus heutiger Sicht ist Sämling 88 nur die zweitschlechteste Bezeichnung für diese Rebsorte.

In den Dreißiger Jahren haben die Kommunikationsexperten die Scheurebe nach dem NS-Landesbauernführer Richard Wagner „Wagnerrrebe“ benannt. Anders, genau genommen diametral entgegengesetzt zum Rotburger, hat man den Sämling dann in den Fünfziger Jahren in Scheurebe umbenannt.

Chasselas

Der Ursprung des Chasselas ist nicht mit letzter Sicherheit zu klären. Als wahrscheinlich gilt, dass Vorfahren des heutigen Chasselas aus Ägypten oder dem Jordantal in die Westalpen gelangt sind, wie so vieles, worauf heute kaum jemand verzichten möchte.

In seiner heutigen Form dürfte Chasselas von Winzern aus den Westalpen selektioniert worden sein. Seine Spielarten reichen vom frühen weißen Gutedel über den Chasselas doré zum Chasselas noir.

Wirklich anspruchsvolle Weine setzen sehr alten Rebbestand und viel Kultur seitens des Weinbauern voraus. Pierre Fonjallaz, Marie-Thérèse Chappaz und Dominique Lucas sagt man die nach.

Bouvier

Um 1900 soll ein steirischer Bankier mit dem sprechenden Namen Clotar Bouvier bei Bad Radkersburg aus Gelbem Muskateller und Weißburgunder gezüchtet haben. In der Steiermark hat sich Bouvier nicht nennenswert halten können. Im Burgenland führt er ein Rückzugsgefecht.

Jacquère

Achtzig Prozent der Weine aus der Leitrebsorte Savoyens werden im Jahr der Lese verkauft. Die von Giachino nicht. Die von Jacques Maillet auch nicht. Und die von Dupasquier sowieso nicht.

Muscadet

Seit in den Neunziger Jahren Geiz geil geworden ist, ist es an und für sich eh gar nicht mehr so leicht, sich eine schlechte Nachrede einzuhandeln, nur weil man versucht, aus Abfall Geld zu machen, wie das der Prophet Amos auf den Punkt gebracht hat. In manchen Bereichen der Nahrungsmittelindustrie scheint das als Geschäftsmodell längst anerkannt zu sein.

Im Muscadet dürften sie das schon deutlich vor den Neunziger Jahren gemacht haben. Und jetzt pickt der Dreck im Profil und geht nicht mehr heraus.

Chenin Blanc

Der hat eine gute Nachred‘, was den Rudl nicht daran hindert, mit ihm nicht und nicht per Du werden zu können. Ein neuer Anlauf dazu. Schiefer und Quartz.

  • Monfarina 2015, David & Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (2,50/4)
  • Welschriesling Opok 2016, Alice und Roland Tauss, Leutschach (2,50/4)
  • Calamin Grand Cru Epesses 2012, Pierre Fonjallaz, Epesses, Lavaux (4,50/7)
  • Himmel auf Erden II maischevergoren 2015, Christian Tschida, Illmitz (5/8)
  • Gamay Les Vignes du Seigneur 2015, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Muscadet Cru Gorges 2013, Domaine Michel Brégeon, Les Guisseaux, Loire (5/8)
  • Coulée de Serrant 2008, Coulée de Serrant (Nicolas Joly), AOC Coulée de Serrant, Loire (12/18, ohne Probieren en avance)
  • Bouvier Ausbruch 1976, Weingut Frank, Zurndorf, Neusiedler See (6/-, sofern er noch geht)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

am Mittwoch, den 10. und am Freitag, den 12. Oktober

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf 17. und 19. Oktober

Ein Wein aus vier Gläsern, viermal. Wie wichtig ist das Glas?

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Ostbahn lebt!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57