Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils heute, am Freitag, den 8.12., geschlossen

Die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils hat heute, am Freitag, den 8.12., geschlossen.

Vorschau auf die kommende Woche:

Zwei Vertikalen

  • Zierfandler, Friedrich Kuczera, 2013 – 2014(?) – 2015 – 2016
  • Blanc Fumé de Pouilly, Domaine Didier Dagueneau 2007 – 2008 – 2009 – 2012 – 2013

 

Herr Rudolf wünscht ein agreables Wochenende!

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils sagt Nein! Zum Krampus und zu Dogmatisierung!

Wie Ihnen, geneigter Oenologin, gewogenem Oenologen, möglicherweise bekannt ist, hat sich die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils dem Prinzip der Ausgewogenheit verschrieben, der Äquidistanz, wie man früher gesagt hat.

Einfach ist das nicht immer, das können Sie dem Rudl glauben. Auftrag bleibt es aber, zumal die unsichtbare Hand wieder einmal viel zu viele Menschen vor sich hertreibt, dem Rudl seiner Meinung nach wieder einmal komplett in der Flasche Richtung. Da fühlt sich Rudolf Polifka berufen, einen Kontrapunkt zu setzen, gegen den Schwefel des Konformismus. Und gegen den Pofel der Schwarzweißmalerei.

 

Krampus

 

Wenn es einen Krampus gibt, dann ist das in den Augen vom Rudl der, der sich von der Masse treiben lässt, der immer den Weg des geringsten Widerstandes geht, und bei aller Anbiederung an die Zielgruppe doch nur sein eigenes Geschäftsmodell im Auge hat, egal ob es sich dabei um Zeitgeist, Wein, Folklore, Fußball, Politik oder Mode handelt.

Jetzt können Sie freilich einwenden, dass der Rudl damit nicht zeitgemäß und also nicht im Neoliberalismus angekommen ist. Darauf können Sie wetten, daran wird sich auch nichts ändern.

 

 

Vom Krampus zum Schwefel …

 

… wäre es sowieso kein breiter Weg. Darum nicht ganz die Diretissima:

Der eine wie der andere haben heute in manchen Kreisen ein Imageproblem.

 

Zuerst zu Krampus und unsocial media

 

Den hat der Rudl seinerzeit nur in homöopathischen Dosen erlebt. Durch das Autofenster eines rostigen Citroën Ami 8 beim Gnigler Krampuslauf, vom Balkon im zweiten Stock auf der Straße darunter und zweimal sogar im Vorraum der elterlichen Wohnung, wobei die Eltern da im Vorhinein penibelst auf Distance bedacht gewesen sein dürften. Trotzdem hat der Rudl, wie hier schon das eine oder andere Mal erwähnt, vor allem mit seinem Cousin phantasievolle und kreative Maßnahmen gegen den finsteren Gesellen ersonnen. Die Beratungen darüber pflegten in der Regel bereits im September anzuheben. Entsprechend aufwendig und anspruchsvoll waren die Pläne. Ein hartes Leben, vor allem für den Krampus, theoretisch.

Heute erachtet der Mainstream moderner Pädagogik den Krampus als nicht kindgerecht. Der Rudl sieht das genauso. Er kann nur nicht ganz nachvollziehen, warum manche Pädagoginnen und Pädagogen das Problem im Krampus sehen, aber nur äußerst zaghaft bis gar nicht intervenieren, wenn Volksschulkinder einem Mediengeschäftsmodell geopfert werden, das doch in seinem Kern von einer gnadenlosen Trennung der Welt in gelikte Gute und den geringgeschätzten Rest lebt.

 

… und dann zum Schwefel 

 

Vor Jahrzehnten sind engagierte Biowinzer hergegangen und haben gesagt: „Was zu viel ist, ist zu viel, zu viel Schwefel im Wein nämlich und das ist nicht gesund. Die Schwefelzugaben sind im Bioweinbau und bei etlichen konventionell arbeitenden Winzern zurückgegangen, der Schmerzmittelkonsum bei Weinkonsumentinnen und Weinkonsumenten detto. Dem Rudl hat das gut gefallen und noch besser geschmeckt.

Dann kommt die Naturweinwelle daher. Sie nimmt die Vorarbeiten der Biopioniere auf, nicht immer unter ausreichender Würdigung letzterer. Und weil auf dieser Welt auch die besten Dinge nicht vor Ideologisierung und Dogmatisierung geschützt sind, haben ein paar ganz Wichtige nichts Gescheiteres zu tun, als aus dem Verzicht auf Schwefelzugabe ein Dogma zu machen.

 

Zu viel bleibt zu viel.

 

An und für sich wäre das für den Rudl noch erträglich, wenn auch nicht ganz nachvollziehbar gewesen, bis ihm eines Tages ein junger französischer Winzer – manch junger französischer Naturweinwinzer nennt sich heute „Artisan“, aber vielleicht ist das auch schon wieder passé – erklärt hat, dass Jacques Puffeney die Weine zu viel schwefle. Jacques Puffeney ist nicht irgendjemand. Man nennt ihn „Pâpe d’Arbois“, und das nicht deshalb, weil er sorglos mit Schwefel umgeht oder Allerweltsweine macht.

 

Schwefel und Krampus

 

Dass zu viel Schwefel im Wein ein Werk des Krampus‘ ist, das steht für den Rudl außer Streit. Aber Dogmatisierungen jedweder Art verträgt der Rudl nicht viel besser. Darum lobt er sich Winzer, die gewissenhaft arbeiten, ausprobieren, wie weit sie beim Reduzieren der Schwefelbeigabe gehen können, dabei von ihm aus einmal auch zu weit gehen, aber dann auch den Mut haben, nicht so tolle Resultate gegebenenfalls einzugestehen und die Konsequenzen zu ziehen.

 

Didier Dagueneau

 

Didier Dagueneau hat in der ersten Hälfte der Neunziger Jahre seine Weine nicht geschwefelt, bedauerlicherweise, wie der Rudl gegenüber einem Vierundneunziger und einem Fünfundneunziger Silex, sowie einem Zweiundneunziger Pur Sang schmerzvoll feststellen müssen hat.

In der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre hat Dagueneau dann probiert, die Weine so wenig wie möglich zu schwefeln. Silex 1999 war einer der besten drei Weine, die der Rudl jemals getrunken hat.

 

Trotzdem ganz ohne Schwefelzugaben

 

Bei ein paar Weinbaumeistern scheint es ganz ohne Schwefelzugabe zu gehen. Warum das so ist, dürfen Sie den Rudl nicht fragen. Er nimmt es respektvollst zur Kenntnis. Ein schlechtes Licht wirft das, nach der Meinung von Caviste Rudolf, aber nur auf jene Winzer, die sorglos mit Schwefeldosen umgehen.

 

  • Trauben, Liebe und Zeit N°6, Franz Strohmeier, Lestein, Weststeiermark (5/8)Weißburgunder und Morillon auf der Maische vergoren und auf Gneis gewachsen

     

  • Blaufränkisch Hochegg special edition 2013, Karl Schnabel, Sausal (6,50/10)Coproduktion von Monsieur le Vin Rouge, seinen Hinterwälder Rindern und den Schieferböden in Kitzeck
  • Irouléguy Rouge sans sulfites ajoutés, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (5/8)Tannat und ein bissl Cabernets, Kalkböden und kein bissl Schwefelzugabe
  • Irouléguy Rouge, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4/6)Tannat und ein bissl Cabernets, Kalkböden und ein bissl Schwefelzugabe

    (in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

     

    Selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt Monsieur Rudolf …

     

    am Mittwoch, den 6. Dezember

    von 16 bis 22 Uhr

    Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

    Freitag, 8. Dezember geschlossen!

 

Suppe mit Sinn

 

In Anbetracht der Temperaturen wird auch die dieswöchige Suppe mit Sinn wieder in Form eines Glühisabellaweins interpretiert und gegen eine Spende von einem Euro an die Wiener Tafel getrunken werden können.

 

Vorschau auf den 13., 15. und 17. Dezember

teuer und billig – ein Gebot der Ausgewogenheit

 

8. Dezember

Geschlossen – da sitzt der Rudl im Bräustübl und trinkt Weihnachtsbock aus dem großen Trinkgefäß, wenn noch einer da ist.

Der 8. Dezember wäre übrigens so ein Feiertag (der Stefanitag noch viel mehr), den der Rudl gerne gegen einen gesamteuropäischen Feiertag, am 27. Jänner, dem Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, an dem dann nicht eingekauft, sondern nachgedacht wird, eintauschen würde.

Dabei hat der Rudl nichts gegen Maria Empfängnis, er hält den Feiertag aber nicht für einen von ganz so zentraler Bedeutung. Und vor allem scheint ihm der 8. Dezember heute sowieso vorwiegend unter dem realkapitalistischen Motto „Shopping Mall statt Schule“ zu stehen. Das scheint ihm kein ausreichendes Motiv für einen österreichweiten Feiertag.

 

Auf den Niglo und den Nonkonformismus!

Rot! Einmal fast nichts über Farbadjektive im Wein, sondern übers Pyjamaanziehen und Farbhintergründe in der Politik

Rot. Politisch

 

Kampf gegen Armut, Widerstand gegen Autokratie, kompromissloses Eintreten für Parlamentarismus, Rechtsstaat und Gewaltenteilung …

… das war früher einmal rot.

Heute scheinen andere Prioritäten zu gelten. Ganz oben scheint ein Amalgam aus Zeitgeist, seichtestem Konsumismus und Vulgäratheismus zu stehen.

Und das tut dem Rudl weh. Das macht ihn traurig, das macht ihn wütend und das macht ihn zornig. Das macht ihm sogar ein bissl ein schlechtes Gewissen. Er hat sich seinerzeit, vor einem tiefschwarzen familiären Hintergrund, in der Pubertät aus Überzeugung und mit vollem Herzen dem tiefschwarzen Hintergrund ab– und allem Vorwärtigem und also Rotem zugewandt.

 

Aber

 

… verglichen mit vielem, was heute da an Rotem und Grünem politisch pseudokorrekt, zeitgeistfirm und vor allem wertneutral herumwebt, kommt dem Rudl sein tiefschwarzer familiärer Hintergrund heute plötzlich wie eine trotzkistische Community mit einer Schwäche für Punk vor. Über die anderen Farben will der Rudl gar nicht schreiben.

 

Dann schon lieber Rotwein.

 

Mit dem geht es Herrn Rudolf wie dem Fils mit dem Pyjamaanziehen. Dabei ist es gar nicht so, dass der Rudl überhaupt nichts von Rotwein halten würde, wie ja auch der Fils keine grundsätzliche Aversion gegen den Pyjama hat.

Aber es gibt halt verdammt viele Dinge, die interessanter sind. Altesse, zum Beispiel, oder Raffinerien aus Lego zu bauen. Da kann es schon passieren, dass sich das Anlegen der Nachtkleidung um die eine oder andere halbe Stunde retardiert, oder ein Rotweinthema von einer Woche auf die andere verschoben wird.

Umso mehr freut sich Caviste Rudolf jetzt auf ein paar Rote „hors categorie“. Was Gefälligkeit betrifft, werden diese Weine anderen den Vortritt lassen müssen. In vielen anderen Kategorien kann dafür das Gegenteil der Fall sein.

Im Hinblick auf Weihnachten hält es Caviste Rudolf nicht für die allerblödeste Idee, sich einen der Roten dieser Woche nach Hause mitzunehmen, falls wer vielleicht irgendetwas Geschmortes in Erwägung zieht …

Erlauben Sie dem Rudl, mit dem vermutlich Unbekanntesten zu beginnen.

 

Persan

 

Zugelassen ist Persan in den Departements Savoie und Isère, appellationsmäßig exclusiv in Savoyen, weil in Isère zwar Wein, aber bis jetzt keine Appellation gedeiht. Um ein Haar wäre das alles hinfällig gewesen, weil Persan sowieso ausgestorben wäre, Ende der Achtziger waren weltweit keine zehn Hektar mehr übrig. Nicht zuletzt den Giachino-Brüdern und den Grisard-Brüdern ist es zu danken, dass es nicht so weit gekommen ist.

Niedrige Erträge vorausgesetzt, soll Persan erst nach zehn Jahren Trinkreife erlangen. Das hat Herr Rudolf gelesen. Empirisch nachvollzogen hat er es noch nicht, mangels Occasion. Selbst in savoyardischen Gasthäusern gibt es mehr Industriewein aus der Gascogne als Persan aus Savoyen. Dem Rudl seine bisherigen Eindrücke vom Persan in jungen Jahren waren aber die von deutlich zugänglicheren Weine als etwa junge Mondeusen.

Die Persantrauben sind walzenförmig, nicht sehr groß und eher dicht. Die Beeren sind klein, wenig saftig und violett bis schwarz. Wenn er etwa zwanzig Tage nach dem Chasselas reif wird, ist der Persan immer noch vergleichsweise früh reif.

Persan 2015, David et Fréd Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie

 

Mondeuse

 

Auch autochthon savoyardisch. Darin erschöpfen sich jedoch die Gemeinsamkeiten mit Persan.

Plinius der Ältere beschreibt eine „Allobrogicae“ und es gibt Ampelographen, die damit Mondeuse gemeint sehen.

Dass Mondeuse im Fall von Ertragsbegrenzung pfeffrige, lagerfähig und alkoholstarke Rotweine hervorbringt, behauptet das, was viele heute als Lexikon betrachten. Jetzt wird das meiste dort schon Hand und Fuß haben und über ein paar andere Dinge lässt sich wahrscheinlich streiten. Aber das Hauptmerkmal von Mondeuse ist dem Rudl seines Erachtens der niedrige Alkohol in Kombination mit Würze, sowie einer gelungenenfalls formidablen bis atemberaubenden Struktur.

Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie

 

Tannat

 

Über Tannat hat der Rudl schon das eine oder andere Mal geschrieben. Zum Beispiel im voriges Jahr im März. Daraus ein kurzer Auszug:

Bezeichnenderweise versteht man unter Tannat nicht nur die Rebsorte, sondern auch die Salze im Tannin. Seinerzeit hat man viel mehr Tannat reinsortig ausgebaut. Vielleicht haben die Menschen früher mehr Geduld gehabt. Denn trinken hat man das meistens erst nach zwanzig Jahren können. Heute ist fast immer ein mehr oder weniger kleiner Anteil an Cabernet Franc oder oder und Cabernet Sauvignon dabei. Direkt jungweintauglich macht ihn das aber auch nicht.

 

Gesundheit!

 

Vielleicht gilt Tannat deshalb als gesündester Rotwein der Welt, weil er mehr zum Aufheben als zum Trinken da war.

Die Forscher sehen andere Gründe: Kein anderer Wein entwickelt so einen Haufen an Procyanidin wie Tannat, viermal so viel wie jeder andere Rotwein, zumindest wenn er traditionell gekeltert wird und also drei bis vier Wochen auf der Maische steht – manchmal auch ungerebelt – und dann im alten Holz ausgebaut. Die Tannats aus Uruguay tun das in der Regel nicht, die aus den Pyrenäen, vor allem die aus Madiran und Irouléguy schon. Procyanidin beugt Herz- und Kreislauferkrankungen vor und fängt Radikale.

Heute versucht man die Typicität der Rebsorte zu erhalten, aber seine Trinkreife zu beschleunigen. Dort wo das gelingt, hat man reife und runde Tannine und Aromen nach schwarzen Beeren, Mirabellen und Brombeeren.

Wie man zu Alain Brumont und seinem Madiran Château Montus steht: Wenn es heute um Tannat geht, darf sein Name nicht fehlen.

Und in der Tat ist Tannat natürlich in erster Linie Madiran. Aber den gibt es eh da und dort. Eine Flasche mit Tannat aus Irouléguy rennt einem in Wien aber nicht alle Tage über den Weg, außer man liest Michel Houellebecq.

Die immer wieder strapazierte Koexistenz von Rotwein und Käse kann der Rudl ja nicht ganz nachvollziehen. Im Fall von Tannat und Ossau-Iraty vielleicht schon, zumindest weiden die Schafe, aus deren Milch der Iraty gmacht wird, nach der Lese in den Weingärten, in denen vorher der rote Irouléguy von Arretxea gewachsen ist. Deshalb wiederholt der Rudl wieder einmal, dass es ausdrücklich erwünscht ist, sich die Jausn zum Wein selber in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitzubringen.

Irouléguy Rouge 2013, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest

 

Teran

 

Teran, respektive Terrano, wie die Rebsorte auf Italienisch heißt, ist eine Spielart des Refosco. Es gibt ihn nicht nur im Karst. Aber wirklich charakteristisch ist er schon für die stark eisenhältige terra rossa im Karst um und hinter Triest.

Die Weine fallen ganz besonders durch ihre Frische auf, sollten deshalb nicht zu warm und im Idealfall zur Jause getrunken werden. Zumindest halten das viele Menschen, die beim Teran wohnen, so.

Und deshalb wiederholt der Rudl in diesem Zusammenhang noch viel mehr, dass es ausdrücklich erwünscht ist, sich die Jausn zum Wein selber in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitzubringen.

Teran 2011, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien

 

Blauer Wildbacher

 

Der wird gerne als Rosé, der dann wiederum „Schilcher“ genannt wird, ausgebaut. Noch lieber scheint er als Schilchersturm oder Schilcherfrizzante unter das Volk gebracht zu werden, wobei sich der Rudl da immer wieder fragt, wo denn der ganze Schilchersturm, respektive -frizzante wächst. Aber bitte.

So oder so, Sepp Muster macht einen Schilcher, der aus Blauem Wildbacher gekeltert wird. Das ist aber kein Rotwein, obwohl er mit der Farbe Rot mehr gemeinsam hat als der Rotwein, in dem neben Blauem Wildbacher auch Rotburger und Blaufränkisch drinnen sind.

Wachsen tut er auf den Kalkmergelböden, die sie am Schlossberg Opok nennen.

Schmecken tut er eher würzig als fruchtig. Er ist elegant und reif.

Rotwein 2008, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland

 

Bockbier

 

… ist heute ziemlich out. Vor zwanzig Jahren hat es zu Weihnachten von mehr oder weniger jeder bekannten und nicht so bekannten Brauerei einen Bock gegeben. Über die Ursachen kann der Rudl nur spekulieren. Bräustübl Bockbier aus Salzburg Mülln gibt es zum Glück noch. Dem wird offensichtlich in einem derartigen Ausmaß zugesprochen, dass es in der Brauerei und auch im Bräustübl nie bis Weihnachten verfügbar ist. Beim Rudl ist es das ab Freitag, den 1. Dezember, aber halt nur ausschankweise.

 

  • Teran 2011, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (4,50/7)
  • Persan 2015, David und Fréd Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Irouléguy Rouge 2013, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (4/6)
  • Rotwein 2008, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4/6)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

Selbstverständlich nicht ausschließlich Rotweine kredenzt Monsieur Rudolf …

 

am Mittwoch, den 29. November und am Freitag, den 1. Dezember

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Suppe mit Sinn

 

Die dieswöchige Suppe mit Sinn wird der Rudl ein bissl freier interpretieren. Gegen eine Spende von einem Euro an die Wiener Tafel bekommen Sie diese Woche ein Häferl Glühisabellawein, eines, in dem das Löfferl nicht vor lauter Zuckersättigung stecken bleibt.

 

Vorschau auf den 6. Dezember, den Tag des Heiligen Nikolaus

Weine gegen den Krampus! … und ohne Schwefelzugabe

 

Vorschau auf den 8. Dezember

Geschlossen – da sitzt der Rudl im Bräustübl und trinkt Weihnachtsbock aus dem großen Trinkgefäß, wenn noch einer da ist.

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte! Dazu nächste Woche vielleicht mehr.

 

Auf den Winterpelz im Glas und am Gaumen!

Drei sehr unterschiedliche Jahrgänge Sauvignon Blanc von zwei Herrn Josefs, Muster und Umathum. 2006, 2007, 2013 und noch einmal Schottsuppe mit Sinn

Sauvignon Blanc

Caviste Rudolf liebt und hasst Sauvignon Blanc. Die Liebe zu dieser Rebsorte ist in den allermeisten Fällen eine platonische, der Hass ein bedauerlicherweise viel zu konkreter. Ideal ist das nicht, ausnahmslos aber auch nicht. Von den besten fünf Weinen, die der Rudl bis jetzt getrunken hat, waren mindestens zwei von der Rebsorte Sauvignon Blanc.

Vergleiche

Was der Rudl auch liebt, sind Vergleiche. Diese Liebe ist eine konkrete und fast ausnahmslose. Manchmal hat der Rudl den Verdacht, das Leben sei fast nichts anderes als ein Vergleichen. Vergleichen kann man alles. Und das ist ausnahmslos. Sogar die Pest mit der Cholera. Vielleicht ist der Rudl da ein bissl geprägt von der mimetischen Theorie René Girards, wobei er die zugegebenermaßen viel zu wenig genau kennt. Was er davon kennt, überzeugt ihn.

Vergleich I. Jahrgänge. Eine Wiederholung

2006

Ein heißer Jahrgang, schon während der Blüte. Das kann das Ankeimen der Pollen verhindern. Verrieselung. Direkt erwünscht ist die nicht. Als Kollateralnutzen kann aber erhöhte Lockerheit in der Traube die Folge sein.

Heiß ist es dann weiter gegangen. Bis weit in den Herbst hinein.

2007

Der Zweitausendsiebener gilt in Österreich als hervorragender Jahrgang, in der Steiermark als Jahrhundertjahrgang, weniger Gradation und mehr Säure als der Vorgängerjahrgang, passable Menge.

Mild und wenig Schnee im Winter, kurz ein bissl eine Reminiszenz an den Winterheit im März, von der sich die Weingärten aber mäßig beeindrucken lassen haben. Früher Austrieb, fast schon Rekordwärme im April, Mai und Juni prolongieren das fast schon kitschig wachstumsfördernde Wetter. Am Beginn der zweiten Julihälfte Rekordhitze. Dass es Anfang August 2013 noch heißer wird, hat der Sommer Zweitausendsieben nicht wissen können. Im August hat sich das Wetter dann wieder erfangen. September dann etwas kühler. Die mancherorts erhoffte verfrühte Lese, allerdings ohne die mancherorts erhoffte überhöhte Gradation. Der Grund, warum der Jahrgang gerade in der Steiermark besonders gut ausgefallen ist, könnte der Regen im September sein. Der hat in der Steiermark nämlich nicht stattgefunden.

So oder so, der Oktober war dann ziemlich ideal, untertags trocken und warm, morgendlich und nächtlich trocken und frisch. Nicht die allerungünstigsten Konditionen für eine konvenierende Aromatik, wenn es nach dem Rudl seinem Geschmack geht. Der vergleichsweise geringere Ertrag ist auf den überproportional hohen Anteil an Prädikatsweinen zurückzuführen.

2013

Dem Rudl sein Lieblingsjahr war geprägt von Kontrasten. Jänner und Februar waren niederschlagsreich und kalt. Hundertneunzentimeter Schnee fallen in Bad Radkersburg nicht jeden Februar, eher schon in fast keinem, 2013 aber schon.

In Klöch schneit es zu Ostern. Irgendwann hat aber das sturste Wetter ein Einsehen. 2013 ist das Mitte April. Nur zeigt sich sehr bald, dass die Niederschläge nur eine Pause gemacht haben.

Ein Mai, an dem sich keiner ein Beispiel nehmen muss. Dafür dann eine Affenhitze Mitte Juni, und das obwohl in diesem Jahr überhaupt keine Fußballwelt- oder -europameisterschaft stattfindet. Eine der vielen Arbeitshypothesen vom Rudl besagt ja, dass die Junis in geraden Jahren so affenartig heiß sind, damit man beim Fußballschauen mehr Bier trinkt.

Juli und Augustanfang sind extrem heiß und trocken. Das weiß der Rudl auch noch. Da hat er versucht, das Portal der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils zu streichen. Ab Mitte August legt der Regen los und kompensiert viel. Die Säure erweist sich trotz hoher Reife als passabel resistent, sofern der Lesezeitpunkt nicht verschlafen wird. Es gibt Schlimmeres für die Lagerfähigkeit eines Weines als die Kombination aus Körper und Säure bei vielen Zweitausenddreizehnern.

Vergleich II. Weinbaugebiete

Neusiedlersee

Der Seewinkel ist der Fleck, in der der Rudl zum ersten Mal in seinem Leben bewusst mit Wein Bekanntschaft gemacht hat. Der Erstkontakt erfolgte damals, und daran kann sich Monsieur Rudolf noch ganz genau erinnern, beim Vorbeifahren auf der Rückbank eines das durchschnittliche Ausmaß an Oxydation weit überschreitenden Citroën Ami 8 an normal zur Straße ausgerichteten Rebzeilen. Der Rudl hat auf Empfehlung seiner Mutter in die Rebzeilen hinein bis ans Ende derselben geschaut. Die Abfolge der Bilder am Ende zwischen den Zeilen ist ihm wie ein Film vorgekommen. Das hat ihm gut gefallen. Erst ein paar Tage später hat er Weintrauben, keine Tafeltrauben, gegessen, wieder ein paar Tage drauf Traubensaft, den sie dort zur Irritation einer westösterreichischen Familie Traubenmost genannt haben. Der Papa vom Rudl hat seinerzeit gerne süße Auslesen getrunken. Der Rudl glaubt ja heute, dass sein Papa die damals sogar mit der Gulaschsuppe kombiniert hat. Und er glaubt, dass die Leitrebsorte dieser Weine damals der Muskat Ottonel war. Von der Muskatellerei war damals im Seewinkel noch keine Rede. Auf alle Fälle hat der Rudl immer wieder seinen Finger in ein Glas mit so einem Wein dunken und abschlecken dürfen. Das war im August 1983, keine zwei Jahre vor dem Weinskandal, womit der Rudl da freilich keine kausalen Zusammenhänge andeutet.

Losgelassen hat der Seewinkel den Rudl seither nicht mehr. Keine Gegend besucht er in ähnlicher Frequenz, keine geht ihm mehr ab, wenn er längere Zeit nicht dort war. Und keine andere war der Grund, warum der Landesschulrat von Salzburg des Rudls entraten muss.

Südsteiermark

Zu Ostern ist es anders. Da zieht es den Rudl in die Südsteiermark. Die meisten Weine dort braucht der Rudl nicht zu seinem Glück, die wenigen paar, die er braucht, braucht er dafür umso dringender, ganz beosnders die von Maria und Sepp Muster.

Vergleich III. Flaschenverschlussarten

In Österreich scheint sie auf den ersten Blick kein Thema mehr zu sein. Auf den ersten Blick und über weite Strecken hat sich der Schraubverschluss durchgesetzt. In Frankreich ist das kaum ein Thema gewesen. Dort dominiert Naturkork, äußerstenfalls lässt man sich zu synthetischen Imitaten hinreißen. Caviste Rudolf hat sich relativ schnell einmal eine Meinung gebildet gehabt. Am liebsten war ihm immer und ist ihm Naturkork. Das damit verbundene Risiko ist heute im Vergleich zu den Jahrgängen um die Jahrtausendwende klein, der Einfluss des Naturkorks auf das Reifungsverhalten eines Weines überaus erfreulich. Synthetische Korkimitation ist für den Rudl ein Nichtkaufsargument, weil oft überaus unerfreulicher Einfluss auf das Reifungsverhalten. Schrauber akzeptiert der Rudl ohne große Begeisterung, Glas nach langem Zögern mehr oder weniger auch.

Aber

vieles ist nicht so eindeutig und endgültig, wie es manchmal scheint. Dem Rudl seine Erfahrungen mit synthetischen Korkimitaten haben heuer im Sommer eine Irritation erfahren. Bei Jean Masson. Der stoppelt seine Bouteillen seit Jahren mit synthetischen Verschlüssen zu. Dabei hat der Rudl bis 2013 zurück verkosten dürfen. Keine Spur von unangenehmer Oxydation.

Die beiden Serien 2006 – 2007 – 2013 lassen möglicherweise einen Vergleich zwischen Glas und Naturkork zu. Die drei Sauvignons von Sepp Muster sind mit Naturkork verschlossen, die drei von Josef Umathum mit Glas.

Vergleich IV. Weinbaumeister

Für den Rudl gehören beide seit Jahren zu denen, deren Weine er besonders gerne trinkt und deren über den Wein hinaus gehenden Horizont er besonders schätzt. Da gehören noch ein paar andere Josefs dazu. Mehr darüber erübrigt sich.

Vergleich V. Reifungspotentiale

Letztendlich geht es dem Rudl bei Wein vor allem darum. Vollkommen unzeitgemäß. In den letzten Jahren verschwinden sogar in Frankreich immer mehr reife Weine von den Weinkarten. In Österreich waren sie dort nie, abgesehen von ein paar umso lobenswerteren Ausnahmen.

Vergleich VI. Böden

Urgestein am Joiser Hackelsberg (Umathum), eher ungewöhnlich für Sauvignon Blanc, Opok am Schlossberg (Muster), nicht ungewöhnlich für Sauvignon Blanc.

  • Sauvingon Blanc 2006, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4,50/7)
  • Sauvingon Blanc 2007, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4,50/7)
  • Sauvingon vom Opok 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (3/5)
  • Sauvingon Blanc 2006, Josef Umathum, Neusiedlersee (4/6)
  • Sauvingon Blanc 2007, Josef Umathum, Neusiedlersee (4/6)
  • Sauvingon Blanc 2013, Josef Umathum, Neusiedlersee (3/5)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

Selbstverständlich nicht ausschließlich diese Sauvignons …

am Mittwoch, den 22. November und am Freitag, den 24. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab ist eine ganz kleine Menge vom 2006er und vom 2007er Sauvignon von Sepp Muster auch im Flaschensortiment verfügbar.

Abgesehen davon vom Opok 2013, 2014 und 2015, sowie vom Umathum Sauvignon 2016.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau auf die nächste Woche:

Rotweine abseits von Rotburger, Blaufränkisch, Syrah, Cabernets, Pinot und Merlot

Herr Rudolf begrüßt reife Menschen und Weine, sowie auch unreife Menschen!

 

Nearly nothing else but Chardonnay. Mittwoch, 15.11. trotzdem geöffnet

Vorweg I. 15. November

 

Am Mittwoch bleiben in Wien und Niederösterreich die Schulen zu. Da ist Landesfeiertag. Jetzt hat aber der Rudl einen Salzburghintergrund. Drum hat er damals am Freitag, den 21. September sein Geschäft irregulärerweise zugesperrt gelassen und ist zum Rupertikirtag nach Salzburg gefahren. Und er hat damals schon darauf hingewiesen, dass er seine Bildungseinrichtung dafür am 15. November aufsperren wird.

 

Vorweg II. 16. November

 

Diesen Donnerstag, den 16. November findet im Schwarzberg, (Schwarzenbergplatz 10), die Weinauktion zugunsten des Integrationshauses statt.

http://www.integrationshaus.at/de/veranstaltungen/event.shtml?303

Dort kann man Wein ersteigern, eh kloa, aber auch gediegen essen und Wein trinken, alles zugunsten des Wiener Integrationshauses. Wer im Unterschied zum Kreidemeister Integration für etwas Erstrebenswertes hält, sollte da hingehen und das eine oder andere Achtel trinken. Für den Rudl ist die Integrationshausweinversteigerung der Fixstern unter den Weinterminen des Jahres.

 

Eine schon ein bissl zornige Anklageschrift gegen Zeitgemäßes und Zeitgemäße über 30

 

Was Caviste Rudolf von Modewellen hält, setzt er als Ihnen bekannt voraus. Das Schielen auf das, was die anderen tun oder reden, sei es auch innerhalb seiner eigenen Community oder seines Freundeskreises steht Halbwüchsigen zu, für Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die das dreißigste Lebensjahr überschritten haben, ist es …

 

ridicul.

 

Wobei es nicht nur der Rudl, sondern auch das geltende Schulorganisationsgesetz als zentrale Aufgabe der Schule sehen, bereits Jugendlichen die Kompetenzen des Neinsagens, des Nonkonformismus und des aufrechten Ganges zu vermitteln.

Was in diesem Zusammenhang viele als gebildet geltende Zeitgenossinnen davon halten, dokumentieren sie gerade in ihren Äußerungen über die Schauspielerin Nina Proll: Abstraktes Neinsagen zum Bösen an sich JA, konkretes Neinsagen gegen den internen Mainstream AUF GAR KEINEN FALL!

 

Chardonnay und Trends

 

Auf den ersten Blick ist Chardonnay ziemlich sicher der Inbegriff einer konformistischen Rebsorte. Sogar in Salzburg gibt es ihn. Und es wird daraus Wein gemacht, gar nicht einmal der schlechteste aus dieser Rebsorte, findet der Rudl. Schreiberten wir die erste Hälfte der Neunziger Jahre, dann genügerte es jetzt hier „Diese Woche Chardonnay!“ in die Betreffzeile dieser elektronischen Post zu schreiben. Viel mehr wäre nicht notwendig, um die Massen in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils zu bewegen. Heute genießt Chardonnay nicht mehr ganz das Gegenteil des Rufs, der ihm in den frühen Neunzigern zuteil geworden ist, aber direkt als Star unter den Rebsorten kann man ihn immer noch nicht wieder bezeichnen. Der Rudl will Sie nicht mit einer Aufzählung der Rebsorten- und Weinmoden in den letzten dreißig Jahren ennuyieren. Man verliert den Überblick über die Säue, die durch das oenophile Dorf getrieben werden. Der Chardonnay war eine davon, dann war er ein Zeitl ganz besonders unten durch. Jetzt begegnen ihm viele eher indifferent. Der Rudl auch. Bei Durchsicht seiner Kellerlisten, hat er bemerkt, dass der kaum reinsortige Chardonnays besitzt, nicht viel mehr als Scheurebe, deutlich weniger als Pinot Gris.

 

Morillon

 

… heißen sie den Chardonnay in der Steiermark. Direkt steirisch daran ist lediglich die Aussprache. In Frankreich gibt es einen Ort namens Morillon, aber dort nennt niemand den Chardonnay „Morillon“. In der Pariser Gegend haben sie früher zum Pinot Noir „Morillon“ gesagt. Pinot Noir und Heunisch sind die Eltern des Chardonnay, respektive Morillon, wobei der Chardonnay da viele Geschwister hat.

 

Geographie

 

Wenn es einen Fleck gibt, der für Chardonnay in besonderem Ausmaß bekannt ist, dann ist es vermutlich die Welt. Keine andere Rebsorte verfügt über einen vergleichbaren Hang zum Cosmopolitischen. Chardonnay ist die zweitverbreitetste Weißweinrebsorte der Welt. Und trotzdem assoziiert sich ein Fleck besonders mit Chardonnay. Das ist Burgund. Verglichen mit Pinot Noir ist er aber auch dort ein Parvenue Man nimmt von ihm in Burgund erst seit der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts Notiz.

Der Norden, Kalk und Osthänge convenieren ihm.

 

 

Ausreichende Existenzmotive, äußerst subjektiv, ja ohne irgendeinen Anspruch auf Intersubjektivität

 

Caviste Rudolf braucht die Weinbauregion Burgund nicht zu seinem oenologischen Glück. Egal ob unteres, mittleres oder ganz, ganz oberes Preissegment …, dem Rudl ist in Burgund fast immer zu viel Holz im Spiel – je  näher es auf Puligny hingeht, desto mehr scheint ihm das zuzutreffen.

 

Burgund

 

… ist nicht Burgund. Ein burgundisches Weinbaugebiet gibt es schon, an dem der Rudl einen Narren gefressen hat. Das hat geologisch viel mehr mit Sancerre an der Loire und dem Marestel von Dupasquier aus Savoyen zu tun als mit Chassagne.

 

Chablis

 

Gäbe es auf dieser Welt nur am Grand Cru Hügel zu Chablis Chardonnay Reben, wäre das am Gaumen und in dem Fall wirklich auch in den Augen vom Rudl Daseinsberchtigung genug für diese Rebsorte. Mit mehr Ehrfurcht hat der Rudl selten einen Weingarten betreten als seinerzeit am Weg durch die Grand Cru Lagen „Les Clos“ und „Les Grenouilles“.

Irgendwann möchte Monsieur Rudolf einmal die sieben Grand Cru Lagen Chablis nebeneinander stellen, flaschenweise. Aber die wirklich sauteuren Wochenthemen sind halt schon sehr speziell. Darüber hinaus erforderte eine würdevolle Umsetzung so eines Unterfangens sieben Flascherl in der idealen Trinkreife, was die Chose auch nicht realistischer macht.

Darum derweil einmal

 

Chablis Grand Cru Valmur 2011, La Chablisienne

 

Jongieux

 

Wenn jetzt schon vom Kimmeridge die Rede war, dann darf Jongieux in Savoyen nicht fehlen. Oben wie Les Clos, nur viel felsiger und viel, viel steiler. Dort wächst aber eh nur der Marestel, für den ausschließlich Altesse zugelassen ist. Der Chardonnay von Dupasquier steht deutlich weiter unten.

 

Chardonnay 2013, Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie

 

Fährt man von Jongieux aus die Rhône hinauf, gelangt man früher oder später in die Südwestschweiz. Dort steht ein demeterzertifiziertes Weingut, direkt am Murtensee.

 

Chardonnay de Champerbou 2014, Cru de l’Hôpital, AOC Vully, Schweiz

 

Noch einmal hinüber ins französische Jura

 

Das ist grundsätzlich der Gegenhang zur C‘ôte d’Or und damit ein Westhang. Nur ist Arbois ein Kessel. Da relativiert sich das.

Die Domaine de la Tournelle ist der französische Lieblingsheurige vom Rudl und vor allem vom Fils. Evelyn und Pascal Clairet sind sozusagen Schülerin und Schüler von Pierre Overnoy. Und sie dürften gut aufgepasst haben.

 

Chardonnay Terre de Gryphées 2011, Domaine de la Tournelle, Arbois, Jura

 

Da fährt der Rudl in Richtung Südosten, in den Karst an die obere Adria, zu Edi Kante.

 

Chardonnay 2015, Kante, Carso, Italien

Geopolitik

 

An dieser Stelle erlaubt sich der Rudl einen Hinweis. Herr Rudolf ist ein Pubertierender der Achtziger Jahre. Die waren geprägt von einer ziemlich eindeutigen Einteilung der Welt in einen guten, weil fleißigen, freien und lustigen Westen mit Bananen und einen bösen, weil protektionistischen, dopingmittelkonsumierenden und verbitterten Osten ohne Bananen. Klar, dass ein Pubertierender, und wenn er noch so katholisch und kleinbürgerlich sozialisiert war, mit denen da drüben sympathisiert hat. Dann sind das Neunundachtziger Jahr und Václav Havel als Staatspräsident der Tschechoslowakei gekommen. Der Rudl hat das als Bestätigung für seine Hoffnung, dass die Zukunft von Demokratie und Rechtsstaat eher in Prag und Warschau als in Bonn und Berlin zu suchen sein würde, verstanden. Viel mehr hat sich der Rudl selten getäuscht. Leider! Nicht dass Herrn Rudolf im Westen alles gefallerte, bei weitem nicht. An jedem zweiten Kreisverkehr an jeder zweiten Orts- oder Stadteinfahrt stehen die Monumente all dessen, was der Rudl für Irrwege der Evolution hält. Aber verglichen mit dem, was politisch, mentalitätsmäßig und ökologisch heute in Ost- und Südosteuropa los ist, geniert sich der Rudl fast ein bissl für seine pubertären, östlichen Sympathien. Und er wird das zumindest so lange tun, bis man dort wenigstens gleich viele Flüchtlinge aufnimmt, wie SUVs über die Straßen stinken.

 

Deutschland

 

Wahrscheinlich gibt es auch in Deutschland Chardonnay. Der Rudl hat aber ein durch und durch gestörtes Verhältnis zur BRD. Das hat überhaupt nichts mit Wein zu tun, mit Politik noch viel weniger, nicht einmal etwas mit Geschichte, sondern ausschließlich mit Fußball. Die Gründe heißen Toni Schumacher, Thomas Berthold und Andreas Möller. Sie stammen aus den Jahren 1982, 1990 und 1996. Drei Gründe genug, keinen deutschen Chardonnay aufzumachen.

 

Burgenland

 

Chardonnay Muschelkal 2008, Thomas Schwarz. Kloster am Spitz, Leithagebirge

 

Steirerland

 

Graf Morillon 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg

 

Morillon 2013, Karl Schnabel, Sausal – maischevergorener Chardonnay vom Rotweinmeister

 

Klippen des Urmeeres

 

Chardonnay Reserve 2014, Leo Uibel, Retzer Land

 

… sowie ein Chardonnay aus Kärnten

 

  • Chablis Grand Cru Valmur 2011, La Chablisienne (8/12)
  • Chardonnay 2013, Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Chardonnay de Champerbou 2014, Cru de l’Hôpital, AOC Vully, Schweiz (7/11)
  • Chardonnay Terre de Gryphées 2011, Domaine de la Tournelle, Arbois, Jura (5/8)
  • Chardonnay 2015, Kante, Carso, Italien (3/5)
  • Chardonnay Muschelkal 2008, Thomas Schwarz. Kloster am Spitz, Leithagebirge (4,50/7)
  • Graf Morillon 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg (5/8)
  • Morillon 2013, Karl Schnabel, Sausal (6/9)
  • Chardonnay Reserve 2014, Leo Uibel, Retzer Land (4,50/7)
  • ein Chardonnay 2010 aus Kärnten (3/5)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

Selbstverständlich nicht ausschließlich diese Chardonnays …

 

am Mittwoch, den 15. November und am Freitag, den 17. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

 

 

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

 

Ab sofort ist ein ganzer Haufen Weine erstmals, wieder oder auch nur aus anderen Jahrgängen beim Rudl erhältlich.

 

  • Sgaminegg 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland
  • Malvazija 2015, Cotar, Komen, Kras, Slowenien

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

Vorschau zwei auf die nächste Woche:

voraussichtlich reife und weniger reife Sauvignon Blancs von Josef Umathum und Sepp Muster

 

Herr Rudolf grüßt nach Osten und nach Westen!

Pomarandschnwine und Mandarinen am achten und zehnten November beim Rudl, Integrationshausweinversteigerung am 16.11. im Schwarzberg

Alles hat bekanntlich seine Zeit. Das hat seinerzeit Monsieur Kohelet herausgearbeitet.

Aus is‘ und goa is‘ und guad is‘, dass woa is.

Bei manchem davon freut sich der Rudl, wenn dessen Zeit vorbei ist, etwa bei der Wiener Wiesn oder beim Holensiesichwasihnenzustehtesistzeitwahlkampf. Und ganz besonders bei der Amtszeit des Bobbybrowns im Weißen Haus.

Guad is‘ …

Bei anderem freut sich der Rudl, wenn es anfängt, das Gasthauszurdankbarkeitsjahr Anfang Februar, die Tour de France Anfang Juli oder die Orangenzeit bei Nino Crupi ab 13. November. Viel ist es nicht mehr, was einen Anfang und ein Ende hat. Drum hat vieles auch keine Zukunft, wenn Sie den Rudl fragen.

Pomarandschn

Mit den Pomarandschn ist es dem Rudl wie mit dem Kaffee gegangen. Die hat er schon aus seinem Ernährungsrepertoir eliminiert gehabt. Dann ist eines Tages der Herr Toni in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils gekommen und hat dem Rudl von Signore Crupi in der Kleinen Margarethenstraße und dessen Orangen erzählt. Seither isst der Rudl wieder Pomerandschen mit Geschmackserlebnissen wie seinerzeit als kleines Kind.

Kein Motiv für Wehleidigkeit

Jetzt ist es natürlich kein Katzensprung von den sizilianischen Orangen zu maischevergorenen Weinen aus mehr oder weniger hellen Weintrauben. Aber wenn sich diese Weine schon nach den Pomarandschn nennen, dann müssen sie es sich schon auch gefallen lassen, damit assoziiert zu werden. Da darf man nicht zimperlich sein, auch als Weinfarbe nicht, findet der Rudl.

Naturwein

Überlegungen zur Treffsicherheit von Farbadjektiven und Weinen hat Herr Rudolf hier schon das eine oder andere Mal angestellt. Darum erlaubt er sich hier eine Anmerkung zu einem anderen Aspekt des überaus ergiebigen Themas „Unzulänglichkeiten und Treffunsicherheiten von Sprache am Beispiel besonders missglückter Äußerungen über Wein“:

Unlängst hat jemand dem Grünen Veltliner Steinleithn vom Geyerhof das Prädikat „Naturwein“ abgesprochen. Der Geyerhof wird seit 1988 biologisch bewirtschaftet. Ist der Steinleithn kein Naturwein, nur weil er nicht nach Alleskleber riecht und weil er transparent ist?

Vom Ende der Sprache

Wenn Sprache einmal so weit ist, dass es genügt, irgendetwas mit möglichst großer Überzeugung hinzuschmeißen, und keiner mehr fragt, ob das Hingeschmissene in irgendeiner sinnvoll nachzuvollziehenden Relation zu einem Inhalt steht, dann ist des Rudl Erachtens das Ende von Sprache gekommen, Kulturpessimismus hin oder her.

Vom Ende der Natur, zumindest der Natur im altmodischen Sinn. Flaschen und Flieger

Kaum eine Woche vergeht, in der den Rudl nicht zumindest eine Einladung zu irgendeinem Naturweintrara zwischen Lissabon und Omsk ereilt. Da fragt sich der naturweininteressierte und noch viel naturinteressiertere Rudl, ob all die Naturburschinnen und Naturburschen mit der Eisenbahn zu diesen Vernstaltungen reisen. Auch fragt er sich, warum so auffällig viele Naturweine in besonders dicke Glasflaschen abgefüllt werden. Das macht ihren Transport nicht unbedingt naturfreundlicher und ist für die Lagerfähigkeit des jeweiligen Weines ohne irgendeine Relevanz.

Kompetition

Wie immer man zu Orangeweinen steht, der Rudl hat sich länger schon in den Kopf gesetzt, ein paar miteinander und gegeneinander antreten zu lassen. Die Ankündigung der ersten Orangen bei Nino Crupi ab 13. November betrachtet er als passablen Anlass dazu. Weil die Mandarinen vom Ätna anders als ihre großen Schwestern schon in der Margarethenstraße eingetroffen sind, bekommt diese Woche auch jeder Gast beim Rudl so eine Mandarine als Vorgeschmack.

Sechs Länder – sieben Maischevergorene

Weisser Schiefer „m“ 2011, Uwe Schiefer, Eisenberg

Auf den rostigen Eisenberg passt Oranges, beziehungsweise Rotbraunes eh wie die Faust aufs Aug‘. Nur, warum „weisser“?

Grüner Veltliner Steinzeug 2012, Stagård, Stein an der Donau

Oranges aus Steingut und Wachauer Rieden

Graue Freyheit 2015, Gernot und Heike Heinrich, Gols, Neusiedlersee

Vor allem Pinot Gris und ein bissl Pinot Blanc

Erde 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland

Die Erde erinnert den Rudl immer ein bissl an Lukas Resetartis und den Kottan.

Marius & Simone 2015, David und Fred Giachino, Chapareillan, Vin de France

Die französische Weinadministration gesteht den savoyardischen Weinmeistern eh viel mehr Freiheiten zu als Winzern in anderen Regionen. In Pouilly-sur-Loire etwa regt ein verspäteter Lesetermin schon das Misstrauen er Wächter über die Appellation.

Sture Bergbewohner ?

Dass die Bewohnerinnen und Bewohner von Bergregionen grundsätzlich stur seien, hält der Rudl zwar in dieser Allgemeinheit für einen Schmäh, beziehungsweise für eine limitierte Sturheit, die allzu oft spätestens beim Winken einer Agrarsubvention oder einer Prämie zur Förderung sogenannter strukturschwacher Regionen endet. Anders kann er sich manch architektonisches Kleinod südlich und westlich des Tennen- und Hagengebirges und auch in den windischen Büheln der Südsteiermark nicht erklären.

Bei den Savoyarden, zumindest bei auffallend vielen Weinbauern Savoyens dürfte der Grad an Sturheit aber wirklich signifikant über dem Durchschnitt des denkenden Aufrechtgehers (© Otto Grünmandl) liegen. Davon muss selbst die französische Weinadministration zu beeindrucken gewesen sein. So viel wie in Savoyen geht sonst maximal im Eslass durch, nur dass sich diese Abweichungen im Elsass auf knapp 15000 Hektar verteilen. Im Weinbaugebiet Savoyen sind sie numerisch etwa gleich viele wie im Elsass, aber die drängen sich auf 2000 Hektar zusammen.

Bei Marius et Simone von den Giachino Brüdern scheinen die Weinadministratoren aber selbst beim Anlegen savoyardischer Maßstäbe mit ihrem Latein am Ende gewesen sein. Jacquère auf der Maische vergoren. Vin de France.

Vitovska 2011, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien

Von der Mazeration verstehen sie da drunten schon einiges. Herr Branko noch eine Spur mehr, findet der Rudl.

Breg Bianco 2008, Josko Gravner, Oslavia, Italien

Hors norme“ wie der Franzose sagt. Seine Verdienste um diese Art von Wein sind unbestritten. Da geht es um weit mehr als um irgendwelche Tonhäferln, die in die Erde eingegraben werden.

  • Breg Bianco 2008, Josko Gravner, Oslavija, Italien (10/16)
  • Vitovska 2011, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (5/8)
  • Marius & Simone 2015, David und Fred Giachino, Chapareillan, Vin de France (4/6)
  • Grüner Veltliner Steinzeug 2012, Stagård, Stein an der Donau (6,50/10)
  • Graue Freyheit 2015, Gernot und Heike Heinrich, Gols, Neusiedlersee (6/9)
  • Erde 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (6/9)
  • Weisser Schiefer „m“ 2011, Uwe Schiefer, Eisenberg (8/12)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

Selbstverständlich nicht ausschließlich diese sieben Orangen, sondern auch Rotweine und Weißweine glas- und flaschenweise

am Mittwoch, den 8. November und am Freitag, den 10. November

von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau I auf die nächste Woche und Herzenshinweis

Am Donnerstag, den 16. November findet die Weinauktion, das ist die zugunsten des Integrationshauses, statt. Die ist Rudolf Polifka aus vielen Gründen ein Herzensanliegen. Im Integrationshaus können Menschen, die guten Willens sind, sehen, wie Integration funktioniert, dass sie eine „Hackn“ für alle Beteiligten und das Gegenteil von Dahinwurschteln, Wegschauen und Jederwieerwill, aber die Mühe wert ist.

Sie können dort nicht nur Weine ersteigern, sondern auch kompetent und mit einem beachtlichen Kollateralnutzen Wein trinken. Dazu kocht Meister Petz diverses von der Anser.

www.integrationshaus.at/de/veranstaltungen/event.shtml?303

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort ist ein ganzer Haufen Weine erstmals, wieder oder auch nur aus anderen Jahrgängen beim Rudl erhältlich.

  • Graf Morillon 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland
  • Črna – der fast schwarze Schaumwein, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau zwei auf die nächste Woche:

voraussichtlich fast zehn Jahrgänge Sauvignon Blanc von Josef Umathum 2006, 2007, 2008, 2009, 2011, 2012, 2014, 2015 und 2016

Herr Rudolf grüßt Maische und Hefen, aber nur die unaufdringlichen!

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

30.10. bis 7.11. geschlossen

Die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bleibt bis 7. November geschlossen.

 

Vorschau auf den 8. und den 10. November

Orangen aus Sizilien und orange Weine nicht aus Sizilien

 

Auch im Urlaub ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte! Und er wäre sofort bereit, dafür einen missverständlichen Feiertag herzugeben.

 

Herr Rudolf grüßt aus dem Karst!

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Rebsorten, Occasionen, Grant und Granit. – FENSTERFREITAG, 27. Oktober GEÖFFNET

Fünf Jahre lang hat sich der Rudl jetzt ein Verdienst erworben: Woche für Woche bietet er zahllosen Weinfreundinnen und Weinfreunden eine Gelegenheit, die Möglichkeit, in Wien formidable Weine aus ebensolchen Rebsorten zu konsumieren, nicht zu nützen. Immer wieder packen die Massen diese Gelegenheit beim Schopf, am Mittwoch und am Freitag nicht in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils zu kommen.

 

Und …

 

… wenn Sie jetzt glauben, Caviste Rudolf Polifka würde sein Geschäftsmodell deswegen ändern und fürderhin Kompromisse machen, dann muss Sie der Rudl enttäuschen. Wenn Sie in Zukunft am Mittwoch und am Freitag nicht zum Rudl kommen, werden Sie weiterhin herausragende Weine dort nicht trinken. Industriewein kommt dem Rudl keiner ins Zweiundzwanzigerhaus, Steirischer Junker und Beaujolais primeur werden datterig, stumm und derrisch, bevor sie der Rudl ausschenkt, und die coolen Weine, deren Naturaffigkeit sich in einem halblustigen Etikett, einem Wachshauberl über dem Kork oder gar nur in flüchtiger Säure erschöpft, können sich weiterhin über die Häuser hauen. Nein, nagakeine!

 

Lieblingsrebsorten

 

Altesse, Petit Manseng, Tannat, Jacquère, Pinot Gris, Zierfandler und Sankt Laurent zählen zu den allerliebsten Rebsorten vom Rudl.

 

Ohne Wenn, mit Aber

 

Weinschulrat Rudolf hat aber nicht erst einmal beteuert, sich der Ausgewogenheit verpflichtet zu fühlen. Darum trachtet er diese Woche, an Rebsorten, die nicht zu seinen allerbesten Freundinnen und Freunden zählen, ein gutes Haar zu lassen, indem er Weine kredenzt, die sich an seinem Gaumen ganz extraordinaire machen, obwohl es die Rebsorte in den Augen vom Rudl nicht unbedingt gut mit ihnen gemeint hat.

 

Riesling

 

Der Rudl weiß es auch nicht. Riesling ist seine allererste Lieblingsrebsorte gewesen. Das ist ein viertel Jahrhundert her. Irgendwann ist ihm das Gemarille und Gepfirsiche dann derart auf die Nerven gegangen, dass er keinen Riesling mehr trinken wollte. Dann ist auch noch der Sauvignon Blanc Hype von einem Hype um den Riesling abgelöst worden. Massenphänomene haben im Rudl immer schon ein gewisses Unbehagen ausgelöst, fast alle.

Der Riesling kann da freilich nicht gar so viel dafür. Er kann auch nichts dafür, dass der Rudl früher vermutlich die falschen oder zumindest zu viele von den falschen getrtunken hat. Er kann nicht einmal etwas für die übertriebenen Steinobstnoten in vielen Exemplaren von ihm. Die kommen oft genug von lustigen Hefen.

Dann gibt es des Rudls Erachtens aber auch noch etwas, das für den Riesling spricht: Viele Rieslinge entwickeln im Alter, und damit meint der Rudl nicht nach fünf Jahren oder so, formidable Töne.

Ein Riesling, dessen Brillanz am Gaumen vom Rudl keine Tochter der Zeit ist, der vielmehr schon in ganz jungen Jahren eine durch und durch gelungene Kombination aus Eleganz, Raffinesse und Dezenz in der Frucht darstellt, ist der …

 

… Riesling Johannisberg 2016, Geyerhof, Kremstal

 

Chenin Blanc

 

Da geht es dem Rudl ähnlich wie beim Riesling. Er weiß, dass das eine äußerst noble Rebsorte ist. Aber direkt seines ist Chenin Blanc bis jetzt nicht. Den folgenden Vouvray kennt Caviste Rudolf zwar nicht. Was er darüber gelesen hat, hat aber seine Neugierde geweckt.

 

Baudoin 2015, François Chidaine, AOC Vouvray, Loire

 

Syrah

 

Der Rudl isst nicht viel Schokolade. Wenn, dann will er sie essen und nicht trinken. Der Rudl isst auch nicht viel Marmelade. Und wenn, dann will er sie zum Frühstück am Butterbrot und nicht am Abend im Weinglas. So viel zum Rudl seiner Meinung über Syrah.

Vor etwa fünf Wochen hat Ihnen Herr Rudolf über seinen Besuch beim Granit und bei Bernard Faurie erzählt. Monsieur Faurie macht Weine, die man kaum bekommt, schon gar nicht den Weißen. Ein müdes Lächeln in Kombination mit einem „C’est très rare“ hat der Rudl in jeder außer einer Vinothek geerntet, wenn er nach Fauries Hermitage Blanc gefragt hat.

Da ist es dem Rudl heuer im Sommer entgegen gekommen, dass Monsieur Faurie gleich um ein paar Ecken vom Rudl seinem Chambre d’Hôte in Tournon-sur-Rhône am Fuße von Saint Joseph wohnt. Dort ist der Rudl heuer, wie schon einmal erwähnt, in Begleitung seines erziehungsberechtigten Fils aufgekreuzt, als Herr Faurie gerade den wilden Wein auf seiner Hausmauer gestutzt hat. Monsieur Faurie hat zwar seinen Rebschnitt in einer von einem Hubstapler gehobenen Flaschenbox fortgesetzt, aber einer Dame signalisiert, dem Begehr vom Rudl entgegenzukommen. Den gewünschten weißen Hermitage hat es nicht mehr gegeben, aber einen roten. Und einen Vin de France. Auf dem steht Héritiers Faurie Marc, vinifizieren tut ihn der Meister selber, hundert Percent Syrah, hundert Percent Granit, eher für die Kundschaft vor Ort, sollten später Recherchen vom Rudl ergeben. Auf wine-searcher.com findet sich der rote Cuvée du Papy nicht. Der Wein stammt von Syrah Rebstöcken aus den Fünfziger Jahren in Mauves. Granit, Ganztraubenpressung, gebrauchte Zweihundertachtundzwanzigliterfässer, Schönung – nein. Filtrierung – ja. Schwarze Kirsche, Lakritze, dunkel – auch das ist Syrah.

 

Cuvée du Papy (2015), Héritiers Faurie Marc, Vin de France

 

Traminer

 

Der Rudl mag Traminer, genauer ausgedrückt möchte er gerne Traminer. Nur verdichten sich die Indizien, dass es für Traminer mittlerweile zu warm ist, zumindest südlich von Spitzbergen. A propos zu warm. Das ist ja eine ziemlich relative Sache. Da gibt es zum Beispiel den Dings. Der macht seit Jahrzehnten sein früheres Idol, den Goiserer, nach. Er redet auch noch so, wie der Goiserer geredet hat. Und jetzt ärgert er sich, weil ein anderer ihn nachzumachen scheint. Dieser Dings sieht das mit der Erderwärmung anders als der Rudl. Der sagt, dass es schon wärmer geworden ist, aber dass das eh mehr oder weniger immer schon so war. Wenn diese angeblichen Heimatfreunde so weiter machen, wird der Grüne Veltiner die nächste Rebsorte sein, die ausgehackt werden kann.

Zurück zum Traminer: Der erscheint heute eher zur Sirup- als zur Weinerzeugung geeigent. Wirklich verneigen werden sich Traminer und Rudl vor den Weinmeistern, die es trotz Klimaerwärmung immer noch schaffen, lebendige Weine, bei denen das Trinken eine Freude macht, zu keltern. Und so einer ist Markus Lentsch von der Dankbarkeit. Der vergärt einen Traminer auf der Maische ohne flüchtige Säure. Und er vergärt ihn auf vierzehneinhalb Prozent, die nicht gezähmt, aber virtuos domptiert sind. Kulturwein.

 

Traminer „Maischevergoren“ 2015, Markus Lentsch, Dankbarkeit

 

Sauvignon Blanc

 

Rebsortifizierung von Ambivalenz. Auf die überwiegende Mehrzahl der Sauvignons verzichtet der Rudl gerne. Die besten Weine, die der Rudl bis jetzt getrunken hat, waren aber auch fast alle Sauvignons. Irgendwann wird sie der Rudl einmal gegeneinander antreten lassen, Vatan, Miani, Dagueneau, Sepp Muster. Derweil diese Woche einmal …

 

Sauvignon vom Opok 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg Steirerland

 

Zweigelt

 

Über die Züchtung als solche maßt sich der Rudl kein Urteil an, ein bissl à la „es allen recht machen“. Mit dieser Haltung ist der Zweigelt heute aber nicht allein. Der Rudl maßt sich ein vorsichtig kritisch Urteil über den Züchter an. Das hat er schon einmal des Langen und Breiten ausgeführt. Und der Rudl hat ein vernichtendes Urteil über die Namensgebung und vor allem über die, die noch 1975 den Rotburger auf „Zweigelt“ umgetauft haben.

Der Wein kann auf alle Fälle nichts dafür.

 

Zweigelt 2015, Josef Lentsch, Dankbarkeit

 

  • Zweigelt 2015, Josef Lentsch, Dankbarkeit (2,50/4)
  • Sauvignon vom Opok 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg (3/5)
  • Traminer „Maischevergoren“ 2015, Markus Lentsch, Dankbarkeit (4/6)
  • Cuvée du Papy (2015), Héritiers Faurie Marc, Vin de France (4/6)
  • Baudoin 2015, François Chidaine, AOC Vouvray, Loire (6/9)
  • Riesling Johannisberg 2016, Geyerhof, Kremstal (4/6) 

    (in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

     

    … aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt der Rudl glasweise

     

    am Mittwoch, den 25. Oktober und trotz Fenstertag auch am Freitag, den 27. Oktober

    jeweils von 16 bis 22 Uhr

    Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

     

    Neuigkeiten aus dem Flaschensortiment

     

    Ab sofort ist der Seewinkel zurück im Flaschensortiment vom Rudl. Folgende Weine sind ab Mittwoch verfügbar:

  • Sauvignon Blanc 2016, Umathum, Frauenkrichen, Neusiedlersee
  • Pinot Gris Reserve 2015, Umathum, Frauenkirchen, Neusiedlersee
  • Zweigelt 2015, Josef Lentsch, Dankbarkeit
  • Traiminer „Maischevergoren“ 2015, Markus Lentsch, Dankbarkeit… und die Jiddische Hühnerleberpastete gibt es auch wieder.

     

    Ab Freitag, den 27. werden darüber hinaus die folgenden Weine verfügbar sein:

  • Frizzante ROSÉ 2016, ohne Dosage, Christine Lentsch, Dankbarkeit
  • Pinot Noir 2012, Josef Lentsch, Dankbarkeit
  • Trockenbeerenauslese „Schrammel“, Josef Lentsch, Dankbarkeit 

    Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

     

    Vorschau

    Am 1. und 3. November bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschlossen.

    8. und 10. November: Orangen (richtige) und Orange (Kulturweine)

     

    Herr Rudolf grüßt die Möglichkeiten, präferiert jedoch den Indikativ!

A. Michel Brégeon. Viticulteur

Futur zwei

Zum Zeitpunkt, an dem der Rudl das nächste Mal sein Geschäft aufsperren wird, werden Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, das Ergebnis schon kennen, freilich nur sofern Sie sich dafür interessieren. Der Rudl hält es da mit zunehmendem Alter immer öfter mit dem Seelentherapeuten seiner Wahl, immer öfter bevorzugt er es, wenn sich Sachverhalte seiner Kenntnis entziehen.

Zwei, drei Dinge gibt es aber auch, auf die der Rudl quasi hinfiebert. Da zählt er schon Tage vorher, wie oft er noch schlafen muss, bis er das Betreffende erfährt. Die Annoncierung der Strecke für die Tour de France ist so etwas. Die wird am Dienstag, den siebzehnten Oktober in Paris verraten. Am Mittwoch, den achtzehten, wenn der Rudl wieder offen hat, wird sie schon bekanntgegeben worden sein. Aber jetzt, wo der Rudl diese Zeilen in sein mobiles Dings drückt, weiß er nur, wo die Radler starten werden, in Noirmoutier-en-l’Ile. Das ist gar nicht so weit weg von der Domaine Michel Brégeon. Deren Weine schätzt Caviste Rudolf überaus. Seit er zum ersten Mal über sie gelesen hat. Das war im Bettane Desseauve 2009, nicht ganz unbezeichnet für Weinjournalismus hat man dort von Michel Bréjeon geschrieben. Zwei Mal ist der Rudl seither bei Monsieur Michel am Weingut aufgekreuzt. Beim zweiten Mal ist der Rudl davon ausgegangen, dass der Zweitausendzehner, der letzte Jahrgang von Michel Brégeon, auch für ein Zeitl der letzte, den Herr Rudolf in seinem Geschäft anbieten kann, sein wird. Nur hat es sich dann ergeben, dass Frau R., Frau E., Herr C. und Herr B. In die Bretagne gedüst sind. Und da haben sie dem Rudl offeriert, ihm eventuell Weine mitzubringen. Der Rudl hat zuerst, ganz offen gestanden, nicht geglaubt, dass das hinhauen würde. Als er dann die Confirmation bekommen hat, dass sich achtzehn Flaschen Muscadet Cru Gorges 2013 im Kofferraum der oben erwähnten Damen- und Herrschaften befinden, hat der Rudl sein Glück kaum glauben können. Merci beaucoup!

Gabbro

Chemisch sind die Steine, auf denen Muscadet Cru Gorges wächst, nichts anderes als Basalt, vulkanisch natürlich auch, nur halt um ein ziemliches Eck härter. Irgendwann ist die Magma unter der Erde eingeschlossen worden und dort dann kristallisiert. So viel zur Geologie, die übrigen Informationen finden sich im Glas. Oder wie man auf der Domaine Brégeon sagt: „La difference, c’est les cailloux.“

Cru Gorges

Der darf ausschließlich auf Gabbro wachsen und das nicht einmal überall. Er darf ausschließlich aus Beeren der Rebsorte Melon de Bourgogne gekältert werden. Die französische Weinverwaltungsbehörde INAO darf entscheiden, ob etwas Cru Gorges ist. Eine Verkostungskommission muss dann extra noch vor der Füllung den Wein als crugorgeswürdig erachten. Jedes Flascherl Gorges bekommt eine eigene Nummer. Mindestens zwei Jahre auf der Feinhefe und eine Hektarertragsbegrenzung von fünfundvierzig Hektolitern.

Es ist ja nicht immer so, dass ein besonders strenges Regulativ zu einem besonders guten Wein führt. Manchmal scheint das Gegenteil der Fall. Beim Gorges zahlt sich die Strenge offensichtlich aus. Der Gorges ist die Symbiose aus Kraft und Eleganz. Er ist weit mehr als ein Austernwein und passt zu fast allem außer vielleicht Erdbeermilch und Energydrinks. In einer Karaffe fühlt er sich nicht unwohl.

Domaine Michel Brégeon

2011 hat Monsieur Michel seine achtkommafünf Hektar an Fred Lallier übergeben. Der ist in Gorges geboren und wollte unbedingt wieder dorthin zurück, um seinen Traum vom authentischen und lebendigen Wein zu verwirklichen. Da hat es gut gepasst, dass Michel Brégeon nach 47 Jahrgängen das Rentenalter errreicht gehabt hat. Der Umstand, dass Monsieur Michel nie ein Freund der Maschinen war, ist an seinem Körper nicht spurlos vorüber gegangen. Vor der Übergabe hat er den Jungen in alle Regeln der Kunst eingewiesen. Und das schmeckt man. Michel Brégeon hat darauf bestanden, im Keller zweihunderprozentig biologisch zu arbeiten, sich im Weingarten aber allernötigenfalls keiner Notwehrmaßnahmen zu begeben. Keine Reinzuchthefen, ein schon fast provokant langer, weil langsamer Ausbau in unterirdischen, verfliesten Tanks. Mehr als 7000 Stöcke am Hektar, aber weniger als 30 Hektoliter vom selben. Durchschnittsalter der Rebstöcke 65 Jahre, viele über hundert, fast alle Massale Selection. Michel Brégeon war schon sehr früh davon überzeugt, dass Terroir und Rebsorte im Muscadet um Häuser besser waren als die Nachred‘, die sich die Weine dort eingetreten hatten. Der Kurtl hat es ja immer wieder ausgeführt, wie es ist, wenn man mit einem Goiserer in ein Hundstrümmerl steigt. Der Muscadet ist in kein Hundstrümmerl gestiegen, aber ideen- und gewissenlose Geschäftemacher haben den Wein zu einem identitätslosen Gschloder herunter gewirtschaftet. Insofern ist der Muscadet wahrscheinlich eine ideale Betriebsausflugsdestination für manche Weinbauvereine und Verkostungskommissionen. So oder so, Michel Brégeon hat Recht behalten. Dass das so ist, verdankt er nicht zuletzt seiner eigenne kompromisslosen Arbeit. Sein Nachfolger Fred Lallier geht jetzt einen Schritt weiter. Das Weingut befindet sich in der Umstellungsphase auf einen zertifizierten Bioweinbaubetrieb. Und François Raveneau weiß noch immer nicht, warum seine Grand Crus mehr als zehnmal so viel kosten wie der Gorges von Michel Brégeon.

2013

Alles andere als einfach. Es ist das Muscadet halt schon ziemlich nahe an der Bretagne. Früher war das ein Synonym für Regen, heute zumindest für eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich selbiger einstellt.

Der Winter zuerst überdurchschnittlich kalt, viel Niederschlag. Danach kaum Anstalten einer Veränderung zum Besseren. In Vouvray hagelt es Hühnereier. Ganz so schlimm kommt es im Muscadet nicht. Die Blüte beginnt am 2. Juli. Außer dem Meltau freut sich da kaum jemand. Äußerst aufwendige Lese. Nieder sind die Alkoholwerte im Muscadet immer. 2013 sind sie noch niedriger.

2010

Bordeaux ist ja nicht so weit weg. Drum auch im Muscadet ein Jahrhundertjahrgang. Formidabler Frühling und auch nachher gerade immer nur so viel Niederschlag, wie gerade notwendig. Fast immer zur richtigen Zeit. Aufheben!

2009

Heiß. Im loireinternen Vergleich sehr präzise. Sonniger Frühling. Der Hagel fällt zum Glück wo anders herunter. Was der Regen im Juli dann Anlass zur Sorge bereitet, räumt Trockenheit im August wieder aus.

2005

Wird immer wieder mit den Jahrgängen 1947 und 1990 verglichen. Kalter Winter, warmer Frühling, heißer Sommer, warmer Herbst, wobei der auf die Lese am 2. September nicht viel Einfluss gehabt hat.

2004

Nach Hitze hat sich nach dem Jahr 2003 kaum jemand gesehnt. Der Winter war im Muscadet niederschlagsreich und vor allem windig, der Frühling eher unauffällig, der Sommer im Vergleich zum Jahr davor agreabel, ein bissl feucht. Michel Brégeon scheint den Jahrgang perfekt genützt zu haben. Sein Muscadet Cru Gorges 2004 war 64 Monate bei seinen Feinheferln. Zwei Jahre später hat er dann noch einmal gefüllt, ohne Cru am Etikett, 89 Monate sur Lie.

2002

hat nichts ausgelassen, kalte Sturmspitzen im Winter, Milde, Spätfröste, Wärme, Sauwetter im Mai und Rekordhitze im Juni, Abkühlung im August. Im September kommt die Milde zurück.

  • Muscadet Sèvre et Maine Cru Gorges 2013, Domaine Michel Brégeon, Loire, 28 Monate auf der Feinhefe (5/8)
  • Mucadet Sèvre et Maine sur Lie 2010, Michel Brégeon, Loire (2,50/4)
  • Muscadet Sèvre et Maine 2009, Michel Brégeon, Loire (3/5)
  • Muscadet Sèvre et Maine 2005, Michel Brégeon, Loire, 64 Monate auf der Feinhefe (5/8)
  • Muscadet Sèvre et Maine 2004, Michel Brégeon, Loire, 89 Monate auf der Feinhefe (5/8)
  • Muscadet Sèvre et Maine Cru Gorges 2004, Michel Brégeon, Loire, 64 Monate auf der Feinhefe (5/8)
  • Muscadet Sévre et Maine 2002, Michel Brégeon, Loire, 85 Monate auf der Feinhefe (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt der Rudl glasweise

am Mittwoch, den 18. Oktober und am Freitag, den 20. Oktober

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau auf den 25. und 27. Oktober:

Tour de France 2018. Der Rest

Herr Rudolf grüßt alle, ungeachtet ihrer Nachred!

Kremstal, Rive droite. Ein Gebot der Ausgewogenheit. Grüner Veltliner Steinleithn Geyerhof

 

Der Rudl hat schon das eine oder andere Mal darauf hingewiesen: Er hält es mit dem ORF, oder zumindest mit dem, was der ORF früher einmal vorgegeben hat: dem Gebot der Ausgewogenheit. Einen Bildungsauftrag verspürt der Rudl auch. Eigentlich spräche ja nichts dagegen, für die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils einen öffentlich-rechtlichen Status in Aspruch zu nehmen. Mehr als das ORF-Frühstücksfernsehen kommt dem Rudl sein Geschäft einem öffentlich-rechtlichen Auftrag auf alle Fälle nach. Öffentlich-Rechtliches steht momentan nicht gerade hoch im Kurs. Vor ein paar Monaten hat ein Geistesriese aus dem Nationalrat die Abschaffung der GIS-Gebühr verlangt. Nicht dass der Rudl begeistert wäre vom Niveau so mancher Produktionen vom Küniglberg. Und schon gar nicht, dass der Rudl viel von dem als öffentlich-rechtlichen Journalismus betrachten würde. Aber das Kind mit dem Bad auszuschütten, erscheint ihm nicht als die allerzielführendste Maßnahme zur Niveauhebung der österreichischen Medienlandschaft.

Zurück zur Ausgewogenheit

Wenn der Rudl vergangene Woche Weine vom linken Kremstaler Donauufer in den Mittelpunkt gestellt hat, dann gebietet es die Selbstverpflichtung zur Ausgewogenheit, diese Woche dem rechten Kremstaler Donauufer zu widmen. Und wenn vorige Woche der Rote Veltliner dran war, dann ist kommende dem Grünen die Reverenz zu erweisen. Da trifft es sich, dass dem Rudl sein Lieblingsgrünerveltliner am rechten Kremstaler Donauufer wächst, über dem rechten Donauufer, wenn man es genau nimmt.

Grüner Veltliner Steinleithn Geyerhof

Wie er zu diesem Wein gekommen ist, das der Rudl schon einmal racontiert, aber die Geschichte will hier noch einmal erzählt sein.

Es muss Ende Jänner neunundneunzig gewesen sein. Der Rudl hat es sich in den Kopf gesetzt, in Oberfucha den Geyerhof zu besuchen. Mit Zügen und zu Fuß. Der Hügel, den man dabei von Palt hinauf nach Oberfucha zu überwinden hat, ist verschneit gewesen. Es war kalt und dunkel, weil doch schon eher gegen Ende einer längeren Exkursion. Droben am Geyerhof angekommen hat Monsieur Polifka einmal an allen Türen, die er gesehen hat, geklopft. Und als er seine Mission gedanklich bereits beendet gehabt hat, ist eine der zahlreichen Türen aufgegangen. Eine ältere Dame ist heraus gekommen. Der hat Rudolf Polifka sein Ansinnen unterbreitet. Das schien die Dame nicht sonderlich beeindruckt zu haben. „Wir haben keinen Wein mehr“, war ihre knappe, aber wenigstens an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lassende Erwiderung. Der Rudl wollte sich verabschieden, da hat die Frau gemeint: „Einen Karton Grünen Veltliner Steinleithn haben wir noch. Der ist nicht abgeholt worden.“ Nicht ganz bequem, aber ausgesprochen zufrieden ist Monsieur Polifka daraufhin mit seinem Karton Grüner Veltliner Steinleithn 1997 zur Bahnstation Furth-Palt hinunter gegangen. Er hat dann im Lauf der Jahre immer wieder eine Flasche aufgemacht und ist jedes Mal begeistert gewesen. Die letzte hat er lange Zeit nicht aufgemacht, bis irgendwann einmal, 2008 oder 2009, ein paar Forscherkollegen die Idee gehabt haben, den einen oder anderen Grünen Veltliner aus dem hochgejubelten Jahr 1997 gegeneinander antreten zu lassen.

Neben dem Steinleithn vom Geyerhof haben die namhaften Grünen Veltiner alt ausgeschaut.

Lage Steinleithn

Steinleithn ist karg, nach Osten ausgerichtet und besteht aus den fast genauso kargen Resten des geologischen Schulwissens vom Rudl: Feldspat, Quarz und Glimmer – geschiefert. Fette Weine wachsen auf anderen Böden.

Keller

Der Wein wird Ende Oktober gelesen, Ganztraubenpressung, natürliche Vorklärung, langsame Vergärung im Stahltank, auf der Hefe bis Ende Juli und Füllung Ende August. Der Wein ist steinig, elegant, schmeckt nach Äpfeln, Birnen und vor allem nach den Wiesenkräutern.

Den 2015er Grünen Veltliner Steinleithn vom Geyerhof und zwei andere Weine von diesem Weingut gibt es ab sofort im Weinkaufsgeschäft vom Rudl. Sie könnten diesen Wein gegebenenfalls in zehn Jahren mit Lamm, Honivogl, Achleiten oder Loibenberg vergleichen. Keine Sorge.

 

2015

Zweitausend gilt bei vielen als großer Jahrgang. Nach ein paar ziemlich verrückten Jahrgängen hat sich das Wetter in diesem Jahr etwas weniger extravagant benommen. Die Menge war gut, was in Anbetracht der vorhergegangenen Ernten für manche Winzer existenzrettend gewesen ist. Die Qualität war gut. Viele Zweitausendfünfzehner sind heute zugänglicher als ihre um ein Jahr älteren Brüder, reife Frucht, gute Substanz, harmonisch.

Frühling optimal, Blüte detto, eher ungewöhnlicher, weil nächtlicher Hagel Anfang Mai im Kremstal, Kamptal und am Wagram. Der Sommer ist dann sehr heiß, Mitte August kommt rechtzeitig noch Wasser. Herbst wieder in der Tradition des Frühlings, im Unterschied zu 2006 oder 2011 aber wenigstens kühle Nächte.

 

2014

Sommer und Herbst 2014 werden nicht aufgrund von Hitzewellen in die Geschichtsbücher eingehen. Deswegen (!) prognostiziert nicht nur der Rudl den Vierzehnern mehr Ausdauer als den Weinen vieler anderer Jahrgänge, freilich nur sofern gesunder Beeren verarbeitet worden sind. Von denen hat es halt nicht so viele gegeben. Die sind dafür phänomenal gut gewesen.

Der Winter hat mild begonnen, aber Mai ist die Sonne dann nicht gerade extrovertiert, ganz anders als der Regen. Im August betritt der Fils zum ersten Mal savoyardisches Territorium und rutscht dabei immer wieder aus, nicht etwas weil savoyardisches Parkett so glatt wäre, sondern weil fast überall ein mords ein Gatsch ist. Von den fünfzehn Augusttagen, an denen der Fils in Savoyen ist, hält es nicht ein einziger aus, vierundzwanzig Stunden im Trockenen zu verweilen. Einem Maxglaner wie dem Rudl fällt so etwas nicht einmal auf. Aber der Fils ist ein Kind der Grenze zwischen Wiener Becken und pannonischer Tiefebene. So oder so, der Rudl rekommandiert, die guten Weißweine aus 2014 noch ein Zeitl aufzuheben und gegebenenfalls die Fünfzehner vorher zu trinken. Monsieurs Riouspeyrous und Belluard sehen das übrigens auch so. Das österreichische Zentralamt für Wein hingegen bedauert, dass keine „höheren Mostgewichte“ möglich gewesen sind. Dem Rudl seiner Wahrnehmung nach sind die in den letzten Jahren immer mehr ein Problem als ein erstrebenswertes Ziel. Da zieht der Rudl doch die raffinierteren und frischeren Zweitausendvierzehner vor, auch wenn man sie vielleicht noch ein paar Jahre im Keller reposieren lassen sollte.

 

2013

Dass es vom Grünen Veltliner aus diesem Jahr nicht so viel gibt, ist auf widrige Witterung und deswegen Verrieselung während der Blüte zurückzuführen. Dann kommt im Juni eh schon die erste Hintzewelle daher, gefolgt von ein paar Überschwemmungen und einer veritablen Affenhitze im Juli und im August. Anders als Herr Rudolf, der Anfang August 2013 Portal und Schaufenster seines Weinkaufmannsladens abschleift und streicht, stellen die Reben zu dieser Zeit die Arbeit ein. Hitzefrei! Zum Glück hat sich das Wasser vom schneereichen Winter und von den Niederschlägen in der ersten Jahreshälfe noch nicht zur Gänze über die Häuser gehaut, bis dann im September wohldosiert wieder etwas kommt. Dazu schienen die Temperaturen im Hochsommer ihr Pulver verschossen zu haben, was vor allem in kühleren Nächten resultiert. Nicht die allerunvorteilhaftesten Bedinugnen für guten Wein. Ledigleich die Süßweine haben einen Grund zur Klage.

 

2012

Extrem kalter Februar, warmer Frühling, Spätfrost im Mai, achtunddreißig Grad schon Ende Juni, Niederschläge im Juli, Hitze im August und schönes, trockenes Wetter während der Lese. Im Unterschied zu 2011 wenigstens kühlere Nächte im September. Für Süßweine sehr erfreulicher Herbst, für Eiswein noch viel erfreulichere Kälte um den 8. Dezember.

 

2008

Gilt als nicht so grandioser Jahrgang. Für die Weinbaumeister war es vermutlich auch nicht einfach, weil Wasser in allen Aggregatszuständen die Gesundheit der Weinbeeren bedroht hat. Nur hat der Rudl ein bissl den Verdacht, dass in Österreich die Qualität eines Jahrgangs in erster Linie von einer möglichst hohen Zuckergradation abhängig gemacht wird. Für den Rudl seinen Geschmack geht es darum gerade nicht, weil der ja gerne wartet, bis die Weine ein bissl reifer sind. Damit sie dann auch gut schmecken, müssen sie schon ein bissl vif sein. Den Weinen des Jahrgangs 2008, deren Beeren und Trauben gesund gelesen worden sind, kann man diese Vifheit sicher nicht absprechen. Sollte es da noch eines Beweises bedurft haben, hätte den der Zeitausendachter Rote Veltiner Reisenthal vom Mantlerhof letzte Woche geliefert. Monsieur Mantler wird sich etwas dabei gedacht haben, als er einen Teil des Achters Reisenthal in Doppler abgefüllt hat. Der Rudl hat damals eine von diesen Flaschen erwerben dürfen. Dafür ist er dem Maître de Valteliner Rouge sehr dankbar. Den Umstand, dass gerade ein biologisch arbeitender Weinbauer wie Sepp Mantler in einem wasserrreichen Jahr wie 2008 dermaßen hervorragende Weine gekeltert hat, kann man vielleicht auch als Denkzettel für jene verstehen, die immer noch meinen, Bioweinbau sei etwas für Jahrgänge, in denen sich der Weine quasi von selber mache. Kluturwein, die Xte.

  • Grüner Veltliner Steinleithn 2015, Geyerhof, Kremstal (4/6)
  • Grüner Veltliner Steinleithn 2014, Geyerhof, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltliner Steinleithn 2013, Geyerhof, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltliner Steinleithn 2012, Geyerhof, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltliner Steinleithn 2008, Geyerhof, Kremstal (5/8)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt der Rudl glasweise

am Mittwoch, den 11. Oktober und am Freitag, den 13. Oktober

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort ist ein ganzer Haufen Weine wieder, bzeihungsweise zusätzlich aus anderen Jahrgängen beim Rudl erhältlich.

  • Grüner Veltiner Steinleithn 2015, Geyerhof, Kremstal – Weinmeisterin und Weinmeister R. sei Dank!
  • Grüner Veltiner Stockwerk 2016, Geyerhof, Kremstaler
  • Riesling Johannisberg 2016, Geyerhof, Kremstal,
  • Muscadet, Cru Gorges 2013, Domaine Michel Brégeon, AOP Muscadet, Loire – dazu nächste Woche mehr, den Damen E. und R., sowie den Herren B. und C. sei jetzt schon einmal auf das Sakrischste gedankt!
  • Grüner Veltiner Vollmond 2016, Leo Uibel, Weinviertel – Leo Uibel sei Dank!
  • Grüner Veltiner Katzensprung 2015, Leo Uibel, Weinviertel
  • Chardonnay 2014, Leo Uibel, Weinviertel

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau auf die nächste Woche:

Le Grand Depart – Start zur Tour de France 2018 – Muscadet Verticale Domaine Michel Brégeon 2002, 2004, noch einmal 2004, 2005, 2009, 2010 und 2013

Herr Rudolf wünscht und dankt!