Autrement! Jacquère von Jacques Maillet 2011 – 2013 – 2015 … und Neues aus der Küche der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Jacquère und Welschriesling

haben etwas gemeinsam. Caviste Rudolf hält sie für außerordentlich interessante Rebsorten, vor allem wenn die Rebstöcke alt sind. Theoretisch.

In einem Punkt unterscheiden sich Jacquère und Welschriesling ganz maßgeblich.

Jacquère wächst quasi so gut wie nirgends, gute tausend Hektar weltweit, mehr sind da nicht. Und fast jeder einzelne Stock davon steht in Savoyen.

Welschriesling gibt es mehr, nicht viel mehr, aber mehr. In Österreich stehen über dreitausend Hektar Welschriesling. Darüber hinaus wächst er in Ungarn als Olász Rizling, in Slowenien als Laski Riesling, in Kroatien als Graševina, in Tschechien, der Slowakei, vor allem aber in Norditalien, wo er her sein soll.

Ein zweiter, wesentlicherer Unterschied

Während aus der wenigen Jacquère, was ist, wenigstens etwa zwei Hände voll Weinbaumeister wirklich großartige Weine keltern, muss man guten Welschriesling fast wie die Nadel im Heuhaufen suchen. Einige hat der Rudl schon gefunden und erstanden, andere hat er gefunden, von wieder anderen hat er gehört oder gelesen. Zufrieden geben tut sich Caviste Rudolf damit nicht. Das können Sie ihm glauben. Er wird die Suche nach den außergewöhnlichen Welschrieslingen im Herbst intensivieren und Ihnen noch in diesem Jahr einen Zwischenbericht seiner Forschungsergebnisse in Flaschen- und Glasform anbieten. Einen Platz reservieren werden Sie in der Welschrieslingwoche beim Rudl ziemlich sicher nicht müssen. Mindern wird das dem Rudl seine Anstrengungen bei der Suche aber nicht.

Zurück zur Jacquère

Crumäßig ist Jacquère Apremont und Abymes. Nicht dass der Rudl alle Abymes und Apremonts so herausragend finderte, aber die herausragendsten wachsen dort, fast.

Weinbauernmäßig ist Jacquère Giachino und Masson. Die wohne in (der Nähe von) Apremont.

Und dann gibt es eine Jacquère, die ziemlich aus der Rolle fällt, geographisch, geologisch, meteorologisch und also geschmacklich:

Auf Sandstein, näher an der Rhône als an der Isère, in der Provence Savoyens, wie die Chautagne nördlich des Lac du Bourget bezeichnet wird. Mit einem „ … und so schmeckt er auch“ werden derlei Besonderheiten ganz gerne concludiert. Im gegenständlichen Fall trifft das ziemlich sicher auch zu, weil die Jacquère von Jacques Maillet wirklich ganz besonders schmeckt.

Besonders schon …

, aber nicht besonders nach Provence. So schmeckt es zumindest der Rudl. Der hat zu den Weinen der Provence bis jetzt keinen Zugang gefunden. Es ist nicht so, dass es der Rudl nicht probieren würde. Auch am Sonntag wieder, auf der Return to Terroir. Bis jetzt ist die Provence nicht dem Rudl sein Terrain, wobei man sich natürlich vergegenwärtigen muss, dass es wahnsinnig viele Weine dort gibt. Da ist es allein schon vom Gesetz der Wahrscheinlichkeit naheliegend, dass der eine oder andere auch Herrn Rudolf schmeckt. Nur gefunden hat der diese Weine noch nicht.

Chautagne

Aber die Provence de la Savoie ist nicht die Provence von Frankreich. Viel weniger Rosé, ganz andere Rebsorten, keine nennenswerten Lavendelfelder und auch kein Meer nicht, von den Wichtigtuerinnen und Wichtigtuern an der Côte d’Azur ganz zu schweigen. Die gibt’s in der Gegend wahrscheinlich auch, aber hundert Kilometer nordöstlich, am Nordufer des Genfer Sees, in Montreux oder Lausanne.

Wenn Sie einmal die Gelegenheit haben, die Chautagne zu besuchen, dann sollten Sie die beim Schopf packen. Zum Weingut von Jacques Maillet finden tendenziell nur die hinauf, die sonst im Urlaub nicht viel vorhaben und auch kein Navigationsgerät in der Kraxn einschalten. Außerdem hätte es nicht viel Sinn, weil Monsieur Jacques seit Anfang des Siebzehner Jahres in der Rente ist. Der Keller der Curtets, die das Weingut übernommen haben, befindet sich weiter unten im Tal. Das ist wahrscheinlich praktisch, aber lange nicht so schön zum Indieluft- und Hinunterschauen. Das könnte der Rudl oben bei Jacques stundenlang. Eine Vegetation, die ihresgleichen sucht und entsprechend riecht. Unten die Rhône und ein breites Tal, von dem Gewerbe und Industrie Besitz ergriffen haben, mittlerweile aber draufgekommen zu sein scheinen, dass sie dort keinen großen Auftrag haben, zumindest die Industrie nicht.

Jacquère Autrement (grünes Etikett), Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie

Herr Rudolf erachtet es hoch an der Zeit, die Jacquère von Monsieur Jacques wieder einmal in den Mittelpunkt zu stellen.

Vieles kann man über diesen Wein lesen. Nicht alles davon vollzieht der Rudl nach, den Vergleich mit Dagueneau zum Beispiel. Dabei hat es Monsieur Rudolf unlängst in gelehrter Gesellschaft einmal auf diesen Vergleich, im Speziellen mit Mont Damné ankommen lassen. Die Ähnlichkeiten wollten sich ihm dabei zaghaft bis nicht erschließen.

Selber Wein zu beschreiben ist jetzt auch nicht das, was der Rudl besonders passioniert macht. Ingwer kommt ihm oft in den Sinn, so auch vor ein paar Tagen bei Vorbereitungsarbeiten auf das Thema dieser Woche. Ganz anders als die meisten Jacquères halt, auch ziemlich anders als die besonders guten und trotzdem selber auch extraordinaire. „Autrement“ halt, aber das stehe eh am Etikett.

Jacques Maillet. Ein Rückblick

Das Weingut von Jacques kann man nicht gerade als Traditionsweingut bezeichnen. Anfang der Neunziger ist es gewesen. Da hat Jacques Maillet beschlossen, Wein zu machen. Schon damals war er begeistert von biologischer und biodynamischer Arbeitsweise. Aber er ist nicht gerade in Marie geschwommen. Die Banken haben ihm Kredite nur unter der Voraussetzungen, dass er konventionell mit dem ganzen chemischen Zauberkasten arbeitet, angeboten. Jacques hat die Krot geschluckt, sich der örtlichen Genossenschaft angeschlossen und ist dabei krank geworden. 2003 hat er davon dann genug gehabt, seinen Weingarten umgestellt und zur Genossenschaft „Auf Wiederschaun!“ gesagt, nicht ohne sich das Nutzungsrecht von genossenschaftlicher Presse und Tank herauszuverhandlen. Jacques erster eigener Wein, ein Verschnitt aus Pinot Noir, Gamay und Mondeuse war zum Glück gleich ein Erfolg. Autrement!

Dieser Erfolg hat es ihm ermöglicht, eine Parzelle mit bis zu über hundert Jahre alten Jacquère-, Altesse- und Mondeuse-Rebstöcken zu kaufen.

Herbizide und Pestizide kommen ihm seither keine in den Garten, filtriert wird nicht, gereinzuchtheferlt auch nicht, geschwefelt höchstens minimal bei der Füllung und da nicht immer.

  • Jacquère. Autrement 2011, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4,50/7)

  • Jacquère. Autrement 2013, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Jacquère. Autrement 2015, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4/6)

und als Referenz

  • Apremont «Lisa» 2016, Jean-Claude Masson, Apremont, AOP Vin de Savoie (4/6)

  • Welschriesling 2016, Weingut Roland Minkowitsch, Südliches Weinviertel, (2,50/4)
  • Sandperle 2017, Josef Lentsch. Dankbarkeit, Neusiedlersee (2/3)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

, wie fast immer nicht ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

am Mittwoch, den 13. und am Freitag, den 15. Juni

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Marktamtskonforme Küche

Dem Rudl seine Gastrolizenz will es, dass er lediglich abgepackte Speisen kredenzt. Die sind ziemlich gut, zumindest wenn es nach Thomas Bernhard geht (Mannerschnitten). Die Mangalitzatrockenwürstel von der Metzgerei Karlo in Pamhagen sind sowieso großartig. Dass der Rudl diese Würstel nur eingeschweißt offerieren darf, mindert zwar die Qualität der Würstel kaum, charmanter wird das Angebot dadurch aber nicht. Im Großen und Ganzen ist Caviste Rudolf aber nicht böse ob der Einschränkung des kulinarischen Angebots. Seinem Selbstverständnis nach ist er ein guter Weinhändler, er dilettiert als Wirt und er kocht zwar sehr gerne, ist wahrscheinlich aber vieles eher als ein Koch. Das alles sieht man ihm hoffentlich an. Zusätzlich zur Einschenkerei ein Schmalzbrot streichen zu müssen, würde die Koordinierungskapazitäten von Herrn Rudolf ziemlich sicher weit über ihre Grenzen strapazieren. Drum ist der Rudl gar nicht traurig ob der marktamtlichen Restriktionen. Dazu kommt, dass der Rudl ja selber gerne irgendwo ein Gast ist. Und wenn die Behörden in der Gastronomie ganz generell ambitionierter auf die Einhaltung von Regeln achten, als sie das im Bildungswesen tun, dann ist das sicher auch kein Schaden für den Gast.

Schlippertipix, ein Ei!

Jetzt ist dem Rudl ein von der Natur abgepacktes Lebensmittel eingefallen. Es ist nämlich so, dass Herr Rudolf im März dieses Jahres einen Bericht über industrielle Hendlzüchter gesehen hat. Auch über industrielle Biohendlzüchter. Die Hendln werden dort rationell auf die Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten sowie auf das, was letztere nach Selbsteinschätzung für Geschmack halten, hingezüchtet. Auf alte Hendlrassen zu setzen, wäre laut Aussage von so einem Hendlbaron genauso abwegig, wie ein Golfmodell aus den Siebziger Jahren serienmäßig zu produzieren.

Der Rudl kann auf gezüchtete Turbohendlbrüste mit Haxerln gerade so verzichten, wie er auf die neueste SUV-Schüssel verzichten kann. Darum fährt er zum Hendleierkaufen lieber mit der Badner Bahn nach Sankt Gabriel bei Mödling, wo es beim Klosterbauer Eier von alten Hühnerrassen gibt. Keines schaut aus wie das andere, Hendl nicht und Ei auch nicht. Die Dotter schmecken anders als die aus dem Supermarkt. Abgepackt sind die Dotter auch. Nichts spricht also dagegen, einmal im kleinen Stil diese Woche weiche Eier anzubieten. Über die Kochdauer entscheiden Sie je nach Geschmack und Größe des Eis. Salzen und Pfeffern delegiert der Rudl an Gästin und Gast. Um einen Euro können Sie so ein abgepacktes Ei erwerben und auch gleich verputzen. So bekommt die umgangsprachliche Bezeichnung „Ei“ für die europäische Währungseinheit auch einen Sinn.

Vorschau auf das Studienangebot vom 19., 20. und 22. Juni:

vermutlich Graf Sauvignon von Maria und Sepp Muster 2005 – 2011 – 2015

Bon Appétit, autrement!

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

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