Der Geburtstag, der Oide und die Frage nach dem alten Wein. Jahrgang 2013

Wenn Sie den Rudl fragen, dann gibt es einen Lichtblick in der politischen Landschaft dieses Staates. Da kann dem Rudl seine zweitliebste Wochenzeitung noch so über Krawattenlosigkeit keifen, ein Lichtblick bleibt ein Lichtblick in einer Ödnis an neoliberalistischer Nichtssagerei und Berechnendheit. Der Lichtblick bezeichnet sich als „Kind der Kreiskyzeit“, der Rudl sich auch. Major Kottan wird eher nicht als solches durchgehen. Die Tatsache, dass er vor vierundvierzig Jahren das TV-Röhren-Licht der Welt erblickt hat, vermutlich schon. Beiden, dem Oidn und dem Doiferl, wünscht der Rudl diese Woche alles Gute zum Geburtstag!

Zeit

 

Der Rudl würde gerne Wein am Ende der Pflanze Zeit lokalisiseren. Und wenn er dort nicht ist, ist er im Geschmack vom Rudl gar kein Wein.

 

Was ist ein Altwein? Sommer 1993. Poysdorf

 

Im Sommer 1993 hat der Rudl begonnen, sich im Zusammenhang mit Wein für Zeit zu interessieren. Er hat sich sehr bald nicht nur interessiert, sondern ist diesem Interesse gleich einmal ziemlich systematisch nachgegangen, wie das halt so seine Art ist. Für ihn selber hat es damals quasi drei Zeitzonen gegeben:

Weine der Jahrgänge 1992 bis 1987 hat der Rudl seinerzeit als junge Weine betrachtet.

Weine aus 1986, 1985 und 1984 waren mittelalte Weine, von denen er meinte, absehen zu können, dass sie bald einmal Altweine sein würden.

Und Weine aus 1983 und den Jahrgängen davor sind bei Rudolf Fils als Altweine durchgegangen, wobei sich der Rudl besonders gerne an manche Weine aus ungeraden Siebziger Jahrgängen erinnert, einen Muskateller 1977 vom Schlossweingut Gamlitz etwa, einen Grünen Veltliner Rochus 1977 von Roland Minkowitsch oder einen Grünen Veltliner 1979 von Walter Buchegger.

Weine aus den Sechziger und Fünfziger Jahren, die Monsieur Rudolf damals noch bekommen hat, sind abgesehen zwei oder drei Ausnahmen, etwa einem Riesling 1958 vom Weingut Schloss Gobelsburg, das damals noch im Besitz des Stiftes Zwettl gewesen ist, oder einem Spätrot Rotgipfler Ausbruch 1963 vom Freigut Thallern, schon eher über ihrer besten Zeit gewesen.

 

2020 ist nicht 1993, aber …

 

Herr Rudolf kann sich nicht und nicht von seiner Altweinkategorisierung trennen. Obwohl ein Neunziger heute zehnmal so alt ist wie er 1993 war, vermag ihn der Rudl schwer als Altwein anzusehen. Das ist natürlich nicht besonders rational. Aber vielleicht ist Wein das sowieso nicht. Und der Rudl womöglich auch weniger, als er das gerne hätte.

 

Trotzdem …

 

hat Caviste Rudolf ganz nüchtern gerechnet und ist dabei drauf gekommen, dass ein Wein aus dem Jahr 2013 heute gerade so alt ist wie 1993 ein Sechsundachtziger gewesen ist. Und ein bissl kann sich der Rudl noch erinnern, dass es damals gar nicht so einfach gewesen ist, Weine aus dem Jahr 1986 zu bekommen.

 

Und obwohl …

der Rudl entgegen dem, was vor allem seit der Amtszeit des schönsten, besten, erfolgreichsten, beliebtesten, bestcoiffierten und von den Edelfedern auf den Societyseiten am meisten hofierten Ministers aller Zeiten mittlerweile in eh fast allen Bereichen der Gesellschaft angekommen zu sein scheint, hofft Caviste Rudolf, kein Angeber zu sein, schlicht und einfach, weil er als Kind gelernt hat, dass das ein Zeichen schlechter Manieren ist.

Trotzdem ist er manchmal ein bissl stolz auf sein Weinkaufgeschäft. Dieser Tage zum Beispiel wieder, als er im Zuge der Idee, den Jahrgang 2013 als nächstes Arbeitsthema auszurufen, bemerkt hat, dass er mehr Zweitausenddreizehner im aktuellen Sortiment hat, als er sinnvollerweise an zwei Tagen öffnen kann. Für ein so kleines Geschäft erscheint das dem Rudl nicht übel.

 

2013 in Savoyen

 

Einem kalten und niederschlagsreichen Winter folgt ein Frühling, der andere Sorgen gehabt hat, als sich deutlich von der ihm vorausgehenden Jahreszeit abzugrenzen. Der Sommer dürfte von einem kompensatorischen Anspruch ausgegangen sein, was da oder dort in einem veritablen Hagelgewitter resultiert hat. Ein quantitativ um fünfzehn Percent geminderter Ertrag mag aus der Perspektive der Jahre 2016 und 2017 als „½ so wüd“ erscheinen. 2013 war es eher wüd. Wenig, aber extraordinairement gut.

  • Monfarina 2013, Domaine Giachino (3/5) – Auf den ist Herr Rudolf besonders neugierig, weil dieser Wein sicher nicht zum Aufheben gemacht worden ist.
  • Marestel 2013, Domaine Dupasquier (4/6) – einer der Lieblingsweine vom Rudl, sehr wohl zum Aufheben gemacht

 

2013 an der Loire

 

Die gesamte Weinbauregion Loire hat im Sommer 2013 intensive Bekanntschaft mit Hagelgewittern gemacht, teilweise mit hühnereigroßen Hagelkörnern, die manchmal das Rebholz in einem Ausmaß maltraitiert haben, dass auch noch der Ertrag des Folgejahrgangs 2014 geschädigt worden ist. Dass die ersten Laubaustriebe in manchen Gegenden erst am 9. April wahrgenommen werden konnten, sollte sich noch als Glück erweisen. Zwanzig Tage später ist nämlich der Frost zurück gekommen. Für das Holz hat das trotzdem zu Excoriose geführt. Blüte am 2. Juli ist auch nicht etwas, das jedes Jahr vorkommt. Juli und August haben dann ähnlich wie in Savoyen versucht zu kompensieren. Die Menge hat sich am niedrigen Alkoholgehalt orientiert.

  • Muscadet Cru Gorges 2013, Domaine Michel Brégeon (5/8)

 

2013 im Süd Westen

 

auch weniger als im Jahr davor, aber aufgrund von viel Pyrenäen-Föhn im September weniger kompliziert

  • Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy (5/8)

 

Elsass

  • Gewurztraminer Bollenberg „La Chapelle“ 2013, Domaine Velentin Zusslin, Orschwihr, AOC Alsace (6/9)

2013 in Österreich

Auch in Österreich war der Winter 2013 niederschlagsreich und der Frühling kühler als sonst. Caviste Rudolf kann sich erinnern, dass er Anfang April bei Sepp Muster Wein gekauft und dabei mit seiner Tschäsn im Schnee ins Rutschen geraten ist. Die Hitze Anfang August hat dann Rekorde gebrochen. Viele Weinreben haben sich damals zwei Wochen hitzefrei genommen. Der Herbst war vergleichsweise unauffällig. Im Vergleich zu 2011 und 2012 fällt der Jahrgang 2013 durch mehr Frische auf.

  • Schilcher 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg (4/6)
  • Grüner Veltliner End des Berges 2013, Leo Uibel, Ziersdorf, Retzer Land (4/6)
  • Schrammelberg 2013, Herrenhof Lamprecht, Oststeiermark (6/9)
  • Pinot Noir 2013, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (4,50/7)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 21. Jänner und am Donnerstag, den 23. Jänner

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 28. und 30. Jänner

dieses Jahr keine Percée du Vin Jaune in Reindorf

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Das Beste aus beiden Welten. Koalitionscuvées aus Altesse und Jacquère

Man kann nicht behaupten, dass der Staat, in dem der Rudl aufgewachsen ist, besonders frankophil wäre. Und noch viel weniger kann man das vom Bundesland Salzburg, in dem der Rudl aufgewachsen ist, behaupten.

Beiden liegt Bibione nähe als La Rochelle, Marco Materazzi näher als Zinedine Zidane und Lambrusco näher als Muscadet.

Der Rudl ist dagegen seinerzeit schon als Bub von Alain Giresse mehr beeindruckt gewesen als von Marco Tardelli. Aber das ist eh wurscht, „Mortadella, wie der Italiener sagt“, um eine Wendung von Dezernatsleiter Paul Schremser zu benützen. Der Rudl mag Frankreich. Und er hält es für ignorant, wenn jemand behauptet, in Frankreich sei man arrogant und spreche kein Englisch. Soweit einmal das Grundsätzliche.

Dann die Sprache

In der österreichischen Weinsprache liegt einiges im Argen. Das beginnt bei der inflationären Verwendung des Wortes „mineralisch“, geht über Weinbeschreibungen, deren Treffsicherheit mehr über die Menge an getrunkenem Wein seitens des Beschreibenden als über den Wein selber verrät, und endet noch nicht bei der Umbenennung der Rebsorte Rotburger auf „Zweigelt“ im Jahr 1975.

Cuvée

Dann gibt es noch den Begriff „Cuvée“. Der weist im Französischen darauf hin, dass der entsprechende Wein aus einem bestimmten Fass oder Behälter in die Flaschen gefüllt worden, in der Regel also reinsortig ist. Warum man in Österreich justament dieses Wort für die Bezeichnung des regelrechten Gegenteils, nämlich eines Verschnitts mehrerer Rebsorten zu einem Wein verwendet, ist dem Rudl ein Mysterium. Wahrscheinlich klingt „Verschnitt“ in den Ohren der Marketing- und Kommunikationskapazunder zu wenig mondän und lukrativ. In der Tat deutet die Vorsilbe ver- sehr oft auf eine Fehlleistung hin. Aber ließe die korrekte französische Bezeichnung für einen Verschnitt, nämlich „Assemblage“, wirklich die Kassen um so viel weniger laut klingeln als das Wort „Cuvée“? Wahrscheinlich wäre das wieder zu lange, womit wir wieder einmal bei den Edelfedern der drei Wiener Qualitätsblätter wären.

Harmonien und Disharmonien

Es gibt Rebsorten, die als kontaktfreudiger gelten und solche, denen man eher ein bissl ein Einzelgängertum nachsagt. Rotgipfler und Zierfandler scheinen einander ganz gewogen zu sein. Cabernet Sauvignon dürfte sich mit Merlot passabel vertragen. Persan hat in seiner ersten Amtszeit ohne Douce Noire überhaupt das Licht der Öffentlichkeit gescheut, ähnlich wie es jetzt im Fall von Tannat und Cabernet Franc der Fall zu sein scheint. Auch Petit Manseng kommt meistens nicht ohne seinen großen Bruder daher. Didier Dagueneau und Guy Pautrat haben Petit Manseng auf eigene Beine gestellt. Das schmeckt dem Rudl ziemlich gut. Nachahmer hat es trotzdem nicht viele gefunden.

Laut Pierre Overnoy würden sich Ploussard, auch Poulsard genannt, und Trousseau ganz gut vertragen, werden aber trotzdem nicht oft verschnitten, wohingegen er Pinot Noir als sich selbst genügend betrachtet. In der Champagne wird man das anders beurteilen.

Veltliner und Riesling scheinen auch nicht miteinander per du zu sein.

Altesse und Jacquère

Jacque Maillets Wissens war er der erste bekannte Weinbauer, der die beiden relevanten autochthonen Weißweinrebsorten Savoyens verschnitten hat. Der Rudl hat nicht recherchiert, aber überhaupt keinen Grund, das anzuzweifeln. Und bei Jacques war es mehr eine Not als ein Rezept, das ihn zu dieser Tugend motiviert hat.

2011 hatte er zu wenig Altesse geerntet, darum das bissl, das da gewesen ist, mit einem gleich großen Teil Jacquère verschnitten. Heute bezeichnet er das als eine seiner besten Ideen als Weinbauer. Dass er den Wein dann noch Le p’tit Canon, „der kleine Schluck“, genannt hat, war auch kein Nachteil.

Und die Nachahmer werden von Jahr zu Jahr mehr.

  • Rouzan Blanc 2018, Mathieu Apffel, Saint Badolph, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Terroir de Saint Alban 2018, Mathieu Apffel, Saint Badolph, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Big Bang 2016, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges (4,50/7)
  • Le p’tit Canon 2015, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Neuberger 2016, Weingut Dorner, (6/9)

Auch dieser Wein verdankt sich einer quantitativ geringen Ernte. Justament zum 40. Geburtstag des Bioweingutes Dorner in Mureck ist der Großteil der Ernte Ende April erfroren. Den Rest war dafür ziemlich extraordinaire und wurde zum Jubiläumswein „Neuberger“, weil er in Novi vrh, in Neuberg drüben, gewachsen ist, verschnitten.

  • Schiste 2017, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (7/11)

    Auch ein Verschnitt und ein Beweis, dass ich Jacquère nicht nur mit Altesse verträgt, sondern auch mit Roussanne, Pinot Gris und Mondeuse Blanche. Vom interessantesten Terroir der Weinbauregion Savoyen, wenn es nach Dominique Belluard geht.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 14. Jänner und am Donnerstag, den 16. Jänner

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 21. und 23. Jänner

Der Geburtstag

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

α wie Altesse und ω wie geänderte Öffnungszeiten

Altersbegrenzungen

Der Rudl wird nicht jünger. Darum wird er in Zukunft sein Weinkaufgeschäft um 21 Uhr zusperren. Die Schultage Dienstag und Donnerstag bleiben wie gehabt.

Nicht ganz unbescheiden

Direkt weltbekannt in ganz Wien, wie der Herr Kurt vielleicht sagen würde, sind Weine aus den Rebsorten Altesse, Jacquère, Mondeuse oder Petit Manseng ebendort nicht gewesen, bevor Caviste Rudolf seine Weinhandlung in der Frau Gerti ihrem Stricksalon aufgesperrt hat. Der geschätzte Herr M. am Bacherplatz hat vor über zehn Jahren bereits den einen oder anderen extraordinairen Wein aus Savoyen offeriert, so richtig systematisch hat vor dem Rudl aber kein österreichischer Caviste diese Weinbauregion studiert und nach Österreich gebracht. Eine veritable Herausforderung für die Beliebtheitswerte von Riesling, Syrah oder Chenin Blanc sind die autochthonen Rebsorten der französischen Hochgebirge aber eh nicht. Das werden sie auch nie sein, weil das ihre äußerst eingeschränkte Anbaufläche zu verhindern wissen wird. Altesse und Petit Manseng zeichnen sich darüber hinaus nicht gerade durch Übereifer aus, wenn es um Produktivität geht, vielleicht ein Grund für ihre eingeschränkte Ausbreitung.

Caviste Rudolf Polifka ist der Meinung, dass diese Rebsorten nicht nur zum Erbringen hervorragender, sondern veritabel großer Weine in der Lage sind. Der Terminus „großer Wein“ kommt dem Rudl eh nicht so schnell und schon gar nicht zu oft über die Tastatur.

Der Rudl hat sich darüber letzten Sommer mit Bruno Bozzer unterhalten. Der ist nicht nur Chefsommelier bei Marc Veyrat gewesen. Dabei schien es für Bruno Bozzer nicht ganz unwesentlich gewesen zu sein, dass sich der Rudl bereits seit 1996 für manche Weine Savoyens begeistert.

Müsste Herr Rudolf sich für eine einzige dieser Lieblingsrebsorten entscheiden, täterte er sich halbwegs schwer. Und auch die Geologie betreffend geht es ihm wie beim Antworten auf die Frage, welches Lied vom Herrn Kurt ihm am besten gefällt: „Ka Idee“!

Vielleicht doch Altesse. Vielleicht.

Und vielleicht doch Urgestein. Da gibt es aber eh ausschließlich den Quartz von Brice Omont. Der ist momentan aus. Die anderen hervorragenden Hoheiten lässt der Rudl die erste Woche des neuen Kalenderjahres eintanzen.

Über die Rebsorte als solche …

hat der Rudl vielleicht nicht alles, aber ziemlich viel schon erzählt. Zum Beispiel dass es zwei Erklärungen für den Weg der Altesse nach Savoyen gibt. Herr Rudolf kennt jetzt eine dritte.

Zur Wiederholung

Ludwig von Savoyen hat im fünfzehnten Jahrhundert eine gewisse Charlotte de Lusignan, ihres Zeichens Chefin der Insel Zypern, abgeschleppt. Über die daraus resultierende Begeisterung der Betroffenen gibt es unterschiedliche Angaben. So oder so, soll sie der Deplacierung nur unter der Bedingung, sich ein paar Rebstöcke aus ihrer Heimat mitzunehmen, zugestimmt haben.

Pierre Galet sieht Altesse bei Furmint, dem Wein des österreichisch-ungarischen Hofes. Louis Levadoux wiederum in der Familie der Sérines, zu der auch Marsanne, Roussanne, Viognier und Syrah, damit auch Mondeuse gehören.

Vermutlich können nicht alle dieser drei Erklärungsversuche denselben Grad an wissenschaftlicher Seriosität aufweisen. Dem Rudl gefällt ein gut erzählter Schmäh im Zweifelsfall tendenziell besser als eine wissenschaftlich kaschierte Ideologie.

 

Titel

 

Als Hoheitstitel wird Altesse in jedem Fall das Possesivpronomen „Son“ voran-, manchmal auch eines der Attribute „Sérénissime“, „Illustrissime“ „Grand-ducale“ sowie „Royale“, „Imperiale“ oder die beiden letzten gleich zusammen nachgestellt.

Wein

Lieber ist dem Rudl da Altesse als Wein, mit etwas höherer Säure, den Aromen von Bergkräutern, Bergamotten, Honig, Haselnüssen und einer ziemlich beeindruckenden Lagerfähigkeit.

  • Roussette de Savoie 2015, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (3/5)
  • Roussette de Savoie 2014, Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (3/5)
  • Roussette de Savoie 2013, Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (4/6)
  • Roussette de Savoie 2011, Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (4/6)
  • Altesse „Autrement“ 2015, Jacques Maillet, Motz, AOC Vin de Savoie (6/9)

Jetzt ist die gute Altesse wie erwähnt sowieso schon kein Exempel für Übereifer. Wenn dann ein Weinbaumeister wie Jacques Maillet extra noch akribisch die locker- und kleinbeerige Stöcke weitervermehrt, können Sie sich, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, vorstellen, wie das bei der Lese ausschaut.

  • Altesse „Solar“ 2016, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges (6/9)

    bald einmal wieder mehr

  • Roussette de Savoie 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Roussette de Savoie (4/6)
  • Son Altesse 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison (Haute-Savoie), IGP Vin des Allobroges, (6/9)

    (in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 7. Jänner und am Donnerstag, den 9. Jänner

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Auf die Aristokratie im Glas statt in der Regierung!

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Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

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Ein gutes neues Jahr! 2. Jänner geschlossen

Die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils ist dem Wahren, Guten und Schönen verpflichtet und damit eine Bildungseinrichtung im klassischen, und nicht eine im neoliberalistischen Sinn. Als solche produziert sie nicht nur chronisch am Markt vorbei, sondern hat auch während der Schulferien geschlossen, so auch heute, am 2. Jänner.

Nächster Öffnungstag: Dienstag, 7. Jänner 2020: Altesse-Vertikale Dupasquier und andere

Der Rudl wünscht ein gutes neues Jahr!

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Goldener Sonntag is‘! Sonntag, 22. Dezember von 14 bis 18 Uhr geöffnet

Der Rudl weiß nicht, wie es Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, geht. Aber ihm gefallen die ganzen Lichter und der Glanz vor Weihnachten. Er ist sich der gesundheitlichen und ökologischen Problematik des viel zu vielen Lichts in der Stadt bewusst, aber vor Weihnachten drückt er da eine Auge zu. Vielleicht ist er vom vorweihnachtlichen Glanz ein bissl geblendet. Ohne eine schwache Seite für gnostischen Dualismus zu haben, vermag der Rudl dem Licht vor Weihnachten etwas Positives abzugewinnen. Er ist ein passionierter Städter, zumindest solange es ihm die Stadt samt öffentlicher Infrastruktur ermöglicht, am Wochenende mit dem Zug hinaus aufs Land zu gelangen. Zwar würde er sich außer einer Laterne mit einer wirklich brennenden Kerze nichts auf den Balkon hängen, aber zum Anschauen findet er die ganzen Rentiere, Weihnachtsmänner, Rehe, Schneemänner, Elvise in Cadillacs und was da sonst noch alles von Balkonen und aus Fenstern leuchtet, amüsant. Freilich hat das Ganze eine Grenze: Beginnt die illustre Szenerie am Balkon zu blinken, dann resultiert das beim Rudl in Anzeichen von Unruhe, um früher oder später in Symptome, die einem veritablen Tourette-Syndrom zugeschrieben werden, überzugehen.

Mit Gold- und Silberglanz geht es dem Rudl gerade gleich. Solange das Edelmetall nicht echt ist und für die Entscheidungsschlacht zwischen dem Dichterfürsten und dem Kreidemeister gehortet wird, soll es dem Rudl recht sein. Und wenn dann vielleicht gar noch der Herr Kurt darüber singt, ist sowieso alles ok. Schließlich und endlich wäre es ursprünglich ja auch die Intention seiner Geschäftsgründung gewesen, wenn schon nicht sich eine goldene Nase so doch ein bissl Marie zu verdienen. Und auch zu Silvester darf es, wenn es nach dem Rudl geht, glänzen. Da und auch den Rest des Jahres ist ihm die akustische Umweltverschmutzung ein größerer Dorn im Ohr als die optische eine im Auge.

Auf alle Fälle würdigt Caviste Rudolf auch dieses Jahr nach dem Silbernen auch den Goldenen Sonntag und sperrt heute ein letztes Mal in diesem Jahr sein Geschäft von 14 bis 18 Uhr auf.

am Goldenen Sonntag, den 22. Dezember von 14 bis 18 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

In den Weihnachtsferien bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschlossen.

Nächster Öffnungstag: Dienstag, 7. Jänner 2020: Altesse-Vertikale Dupasquier, featuring ein paar andere Weinbauern

Frohe Weihnachten!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Schaumweinsteuer und Augenauswischerei

Dass die Schaumweinsteuer ursprünglich am 26. April 1902 im Deutschen Reichstag zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte eingeführt worden ist, hat Ihnen Herr Rudolf schon einmal erzählt. Die Begründung, dass „bei einer so starken Steigerung der Ausgaben für die Wehrkraft des Landes auch der Schaumwein herangezogen werden muß“, wird 2014 eher nicht die Ursache für die Reaktivierung der österreichischen Schaumweinsteuer durch die Regierung Faymann – Spindelegger gewesen sein. Trotzdem erlaubt sich der Rudl, nach den Motiven zu fragen.

 

Steuern

 

Jetzt ist es dem Rudl ein Anliegen, keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Rudolf Polifka gehört nicht zu der vor allem im Verbreitungsbereich der drei kleinformatigen Wiener Qualitätsblätter existierenden Bevölkerungsgruppe, die am liebsten alle Steuern abgeschafft, alle öffentlichen Leistungen ausgebaut und unentgeltlich zur Verfügung gestellt bekommen möchte.

Wer vernünftige Schulen, gut ausgestattete Krankenhäuser, intakte Polizei und Justiz sowie wenig Dreck auf dem Trottoir haben möchte, muss Steuern zahlen. Ohne Wenn und Aber. Und auch ohne Die-andern-sind-die-noch-viel-größeren-Schlaucherl.

Herrn Rudolf empören weniger die Steuern als der Umstand, dass für manches keine oder viel zu niedrige Steuern und Abgaben bezahlt werden müssen. Für das Wetten auf Börsenkurse oder dergleichen, völlig falsch als „Handel mit Finanzprodukten“ bezeichnet. Für den Handel mit Produkten bekommen Sie leichter Kreuzweh als einen Haufen Marie. Beim Wetten brauchen Sie bestenfalls Risikobereitschaft oder einen Rettungsschirm aus Steuergeld.

Auch das Vielfahren mit der Tschäsn, die Deplacierung mittels Aeroplans und die Giftspritzerei in der Landwirtschaft werden viel zu niedrig besteuert, um die dadurch entstehenden Schäden wieder reparieren zu können.

 

Steuern und Bürokratie

 

Was den Rudl akkurat an der Reaktivierung der Schaumweinsteuer ein bissl die Contenance verlieren lässt, sind die Umstände. Was war das 2014 für eine Zeit? Was wäre damals dringend notwendig gewesen zu tun? Was hat man getan und was ist der Effekt dieser Maßnahmen? Was hat man damals nicht getan und was ist der Effekt dieser Unterlassungen?

 

Eine Unterstellung als Arbeitshypothese

 

Nachdem Unternehmerverbände und Neoliberalisten mindestens zwei Jahrzehnte gebetsmühlenartig gepredigt hatten, dass der Staat ein schlechter Unternehmer sei, musste ebendieser Staat im Gefolge von 2008 gar nicht so wenige Banken der Neoliberalisten mit Steuergeld retten. Viel Gerschtl ist auch nach Griechenland und ein paar andere Staaten geflossen. Wieviel davon in griechischen Schulen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen angekommen ist, wird heute unterschiedlich beurteilt. Altruistische Entwicklungshilfe ist es nicht gewesen.

Diese Themen haben auf alle Fälle die öffentliche Diskussion beherrscht und gelegentlich auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit des Neoliberalismus aufgeworfen. Dann sind noch neoliberalistischere Parteien und ebensolche Thinktanks gegründet worden.

Die Flüchtlingskrise hat die Themenlage 2015 sowieso dramatisch zum Negativen verändert, ungefähr so dramatisch, wie das eine Rede von Greta Thunberg wenige Jahre später zum Positiven getan hat. Mit der Reaktivierung der Schaumweinsteuer im Vierzehner Jahr wollten neoliberalistische Politiker auf alle Fälle den Eindruck erwecken, dass irgendwelche „Reichen“ zur Kasse gebeten würden. Nur ist Schaumwein, vielleicht abgesehen von zwei oder drei Champagnermarken, längst kein Getränk der Reichen mehr. Symbolpolitik für den Boulevard, der mit der Schaumweinsteuer plastisch und hysterisch das Durchgreifen der Politik zulasten irgendwelcher diffuser „Reichen“ besingen konnte.

 

Für den Rudl

 

… hat die reaktivierte Schaumweinsteuer zuerst einmal eine Entfesselung der Bürokratie zur Folge gehabt. Nach detaillierter Aufklärung seitens seiner zuständigen Sachbearbeiterin vom Zollamt Wien hat er deshalb den Hut auf die Einfuhr von Schaumwein aus der Europäischen Union geschmissen.

 

Ein paar Monate später

 

… hat er dann auf Dienstreise wieder einmal einen Mont Blanc Brut zéro von Dominique Belluard getrunken und gewusst, dass der im Sortiment fehlt. Seither ärgert der Rudl sich und den Nachfolger von seiner ehemaligen zuständigen Sachbearbeiterin am Zollamt mit Fragen zum Beantragen, elektronischen Empfangsbestätigen und Bezahlen der Steuer von beziehungsweise für innergemeinschaftlichen Erwerb von Schaumwein im Einzelfall oder mit dauerhafter Genehmigung.

Der Einfachheit halber ist für die Einhebung der Schaumweinsteuer nicht das Finanzamt, sondern das Zollamt zuständig, weil diese als Verbrauchssteuer gilt. Prosecco ist übrigens von der Schaumweinsteuer ausgenommen, weil er weniger als drei Bar Druck bei plus zwanzig Grad Celsius im Flascherl vorweisen kann, im Fall von Schaumweinverschluss und Agraffe genügen auch weniger als drei Bar.

Das ist Politik vom Format eines Tramwayfahrscheins. Schlanker und kleinkarierter kann ein Nachtwächterstaat nicht sein. Mit Steuern im Sinne von der richtigen Richtung hat das dem Rudl seiner Meinung nach gar nichts zu tun.

 

  • Rosa Pearls, Leo Uibel, Ziersdorf, Westliches Weinviertel (2,50/4)

Als der Rudl sein Geschäft eröffnet hat, hätte er sein Sortiment mit ungefähr drei Weinen bestreiten können. Rosa Pearls ist einer davon. Überhaupt nichts gegen diese drei Weine, ganz im Gegenteil. Aber das war nicht der Anspruch vom Rudl und das ist er auch heute nicht. Viel lieber riskiert es Caviste Rudolf, Ihnen einen Wein vorzusetzen, der Ihnen nicht konveniert, als permanent auf Bewährtes zu setzen. Sie können den Rudl diesbezüglich ruhig der Oberlehrerhaftigkeit zeihen. Das ist er ja.

 

  • Riesling Sekt, Weingut Roland Minkowitsch, Mannersdorf an der March, Südliches Weinviertel (4,50/7)

Der Herr Onkel von Martin Minkowitsch hat den Sekt immer mit dem Welschriesling gemacht. Der Neffe probiert es jetzt mit Riesling.

 

  • Perls d’Aimavigne, Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie (4/6)

Jacquère, Altesse und Chardonnay. Kimmeridge. Und ein Weingut, in dem Innovation mit Augenmaß und vor allem nicht in Form von Ausweitung der Rebfläche praktiziert wird.

 

  • Don Giachino 2015, Gebrüder Giachino und Sohn. Chapareillan. AOP Vin de Savoie (4,50/7)

Möglicherweise einer der unterschätzteren Weine im Sortiment von Rudl, Jacquère nach der Méthode traditionelle.

 

  • Crémant d’Alsace Brut zéro, Zusslin, Orschwhir, AOP Crémant d’Alsace (5/8)
  • Crémant d’Alsace “Liebenberg“ Brut zéro, Zusslin, Orschwhir, AOP Crémant d’Alsace (6,50/10)

Caviste Rudolf ist eher kein Anlasseinkäufer. In diesem Fall hat er sechs Flascherl vom einfacheren Brut zéro von Zusslin und sechs Flascherl vom Brut zéro aus der Lage Liebenberg mit Schluck des geistigen Gaumens auf Silvester gekauft, beide ohne Schwefelzusatz.

  • Crémant de Jura „L’Autre“, Domaine Pignier, Montaigue, AOP Crémant de Jura (5/8)

    auch ohne Dosage und auch ohne Schwefelzusatz

  • Bela 2016, Branko und Vasja Cotar, Komen, Kras, Slowenien (5/8)
  • Crna 2010, Branko und Vasja Cotar, Komen, Kras, Slowenien (5/8)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

…nicht nur diese Weine gibt es glasweise

 

am Dienstag, den 17. Dezember, am Donnerstag, den 19. Dezember

jeweils von 16 bis 22 Uhr

und ausnahmsweise am Goldenen Sonntag, den 22. Dezember von 14 bis 18 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Caviste Polifka ist kein Freund von Jungweinen. Trotzdem hat er jetzt den ersten 2019er im Sortiment, eine Cuvée aus Zierfandler und Rotem Veltliner von Friedrich Kuczera. Wenn alle Jungweine so schmecken würden!

Außerdem gibt es ab sofort den Grünen Veltliner Steinleithn 2017 vom Geyerhof, kein direkter Jungwein mehr und zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mit Naturkork.

 

In den Weihnachtsferien bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschlossen.

Nächster Öffnungstag: Dienstag, 7. Jänner 2020: Altesse-Vertikale Dupasquier

 

Gaudete!

 

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Vacheron in Sancerre. Die Römer, Feuerstein und der Felsen von Dover bis zu den Dupasquiers. Silberner Sonntag, 15. Dezember von 14 bis 18 Uhr extra geöffnet

Sancerre ist gleich bei der Einführung des Systems der Appellationen 1936 in den Status einer solchen erhoben worden. Bis ziemlich genau 1986 war man die berühmte Appellation des Departements Centre Loire gegenüber dem eher verschlafenen Pouilly. Dann hat Didier Dagueneau begonnen, Wein zu machen. Verschlafen ist Pouilly sur Loire immer noch, als Ort.

In Sancerre gibt es auch Pinot Noir, aber wirklich berühmt ist die Appellation für Sauvignon Blanc. Geologisch befindet man sich auf dem Kimmeridge, der sich nach Norden über Chablis, die Champagne und die Kreidefelsen von Dover und in Richtung Südosten nach Jongieux zu dem wirklich steilen Marestelfelsen der Dupasquiers erstreckt.

Vieles von dem, was abgesehen davon über Pouilly und Sancerre geschrieben wird, hält der Rudl für fragwürdig bis falsch, vor allem die Zuschreibungen Sancerre – fruchtig, Pouilly – mineralisch ist ein «Vollholler». Nicht einmal die Verbindungen Sancerre – Kreide und Pouilly – Feuerstein sind richtig. So wachsen «Les Romains» von den Vacherons auf Silex-Böden in Sancerre.

 

Außertourliche Weine, weniger Text und ein Wein, der eine Woche lang im Sortiment des Rudls sein wird

 

Zwei Wochen vor Weihnachten drängt es den Rudl zum Außertourlichen. Womit das zu tun hat, weiß Herr Rudolf selber nicht. Vielleicht mit dem Sonntag Gaudete und der rosaroten Kerze am Adventkranz, vielleicht ist es auch nur Zufall.

Vor Weihnachten hat sowieso niemand viel Zeit zum Lesen, und der Rudl auch nicht viel Zeit zum Schreiben. Vor zwei Jahren hat Caviste Rudolf zu diesem Termin auf alle Fälle ein paar Flascherl „Blanc Fumé de Pouilly“ von der Domaine Didier Dagueneau in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen und Untersuchungen gestellt. In der kommenden Woche bleibt er sowohl der Rebsorte von damals, dem Sauvignon Blanc, als auch dem Gestein Silex treu, wechselt aber auf die andere Seite des Baches nach Sancerre hinüber, zu den beiden Cousins Jean Dominique und Jean Laurent Vacheron, einem mit den Dagueneaus befreundeten Weingut.

Seit 2004 ist die Domaine Vacheron auf Biodynamie umgestellt, damit ist sie in Sancerre das erste Weingut mit Biodynamiezertifizierung.

Heute gibt es sechs parzellenspezifische Sauvignons. In der Lage Les Romains dominiert Silex. Der Boden ist äußerst karg und nach Norden ausgerichtet.

Vier Jahrgänge von diesem wird es kommende Woche glasweise beim Rudl geben, vom Zweitausenddreizehner kann man in der Woche vor dem 3. Adventsonntag das eine oder andere Flascherl kaufen (um 38 Euro).

 

  • LES ROMAINS 2013, DOMAINE VACHERON, AOC SANCERRE, CENTRE LOIRE (6,50/10)
  • Les Romains 2010, Domaine Vacheron, AOC Sancerre, Centre Loire (7/11)
  • Les Romains 2008, Domaine Vacheron, AOC Sancerre, Centre Loire (8/12)
  • Les Romains 2007, Domaine Vacheron, AOC Sancerre, Centre Loire (8/12) (aus der Magnum)

Und dazu die neuen Jahrgänge der Dupasquiers

  • Rosé, Domaine Dupasquier, IGP Vin des Allobroges (2,50/4)
  • Jacquère 2016, Domaine Dupasquier, AOP Vin de Savoie (2,50/4)
  • Roussette de Savoie 2014 (=Altesse), Domaine Dupasquier, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Pinot Noir 2016, Domaine Dupasquier, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Mondeuse 2016, Domaine Dupasquier, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Perles d’Aimavigne (méthode traditionelle), Domaine Dupasquier, AOP Vin de Savoie (4/6)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 10. Dezember, am Donnerstag, den 12. Dezember

jeweils von 16 bis 22 Uhr

und ausnahmsweise am Silbernen Sonntag, den 15. Dezember von 14 bis 18 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 17., 19. und 22. Dezember

Schaumwein

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Salve!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Heute, Donnerstag, ausnahmsweise geschlossen, morgen Freitag ebenso ausnahmsweise geöffnet

 

Herr Rudolf ersucht um Verständnis, dass er diese Woche nicht am Donnerstag, sondern am Freitag offen hat.

Das Thema sind Weine von Mathieu Apffel, sowie Weine, die nach Nüsse oder Mandeln schmecken oder schmecken sollen.

Darüber hinaus kann Herr Rudolf ab sofort den Weihnachtsbock vom Bräustübl in Salzburg Mülln anbieten: um 4,50 für die Konsumation vor Ort und 2,50 zum Mitnehmen

Ein neuer Weinbauer im Sortiment und Äpffel, Nüsse, Mandelkern. Diese Woche außerordentliche Öffnungszeiten am Dienstag und am Freitag von 16 bis 22 Uhr.

Wein und Sprache

Mit dem Verhältnis dieser beiden zueinander ist es so eine Sache. Herr Rudolf hat darüber das eine oder andere Mal in die Tastatur seines mobilen Datenkübels hinein sinniert. Äußerungen wie „Wein X schmeckt nach Frucht Y“ sind meistens zumindest noch intersubjektiv nachprüfbar. „Wein X hat Tiefe“ ist dann schon eher Esoterik als Sensorik. Wenn dann auch noch Adjektive ins Spiel kommen, wird es dem Rudl meistens zu blöd.

Darum beschränkt sich Caviste Rudolf diese Woche auf die drei Früchte im Sack des Nikolauses: Äpfel, Nüsse und Mendelkerne, wobei sich nur Zweiteres und Dritteres auf den möglichen Geschmack der jeweiligen Weine beziehen. Wahrscheinlich. Die Äpfel sind eine Referenz auf den neuen Winzer im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils. Aber was weiß man?

Mathieu Apffel. Wahrscheinlichkeitsoenologie

Wenn man sich lange und vor allem intensiv mit etwas auseinandersetzt, senkt das quasi zwangsläufig die Chancen, im Hinblick auf dieses Objekt der Auseinandersetzung Überraschungen zu erleben.

Ist dieses Objekt der Auseinandersetzung dann sowieso quantitativ eher klein, nähert sich die Wahrscheinlichkeit, auf Unentdecktes zu stoßen dem Wert Null. Aber eben nur „nähert“.

Jacques Maillet

Wenn in Savoyen oder Irouléguy ein neues Weingut aufsperrt oder ein altes übernommen wird, lässt es sich schwer vermeiden, dass Caviste Rudolf davon Wind bekommt. Vielleicht halten Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Rudl da jetzt für überheblich. Nur ist es halt so, dass Caviste Rudolf diesbezüglich von einem Vollständigkeitstick befallen ist. Darüber hinaus ist die Vorfreude auf den fast jährlichen Besuch in Savoyen beim Rudl immer ziemlich groß. Und in den Fensterstunden als Schulmeister wie in den freien Minuten als Hausmeister schreibt der Rudl schon im November das eine und andere E-Mail an Weinbauern, schaut sich das Sortiment der lokalen Cavisten an und vergisst auch auf die ortsansässige Gastronomie nicht. Dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass man Veränderungen mitbekommt.

Einmal vor Ort gibt es für den Rudl sowieso kein bis nur mehr schwer ein Halten, wenn es um den Erwerb der ersten Flaschen Wein geht, fast immer an einem Samstagnachmittag. Da muss angekommen werden. Das erfordern die Statuten des Ferienwohnungsvermieterverbandes „Gîtes de France“. Und da muss Wein für die ersten drei Tage gekauft werden. Das erfordern die Ladenöffnungszeiten der Cavisten. Drum brennt gewissermaßen den ganzen Anreisesamstag lang der Hut, weil danach erst wieder am Dienstag offen ist.

Heuer hat Monsieur Rudolf gleich mit Raritäten begonnen, Marestel 1994 von Dupasquier und Altesse 2013 noch von Michel Grisard. Die markanten Etiketten eines Winzers namens Mathieu Apffel sind ihm aufgefallen, Wein hat er keinen gekauft. Herr Rudolf wollte im vergangenen Urlaub seinen oenologischen Horizont erweitern, vor allem in Richtung Südwestalpen. Wenn es in Hochsavoyen hervorragende Weine gibt und wenn es in Savoyen noch mehr und noch hervorragendere Weine gibt, dann könnte es ja auch in den Alpen weiter südlich gute Weine geben, theoretisch sogar bis ins Hinterland von Nizza hinunter. Und ungefähr dreizehn Kilometer von den Giachinos aus in Richtung Süden sollten sich dieser Arbeitshypothese sogar ein paar passable Weine abgewinnen lassen. Bis nach Le Touvet hinunter, zur Domaine des Rutissons. Was Herr Rudolf darüber hinaus, rund um Grenoble und auch weiter südlich davon getrunken hat, ist dann wieder weniger der Rede wert gewesen. Umso noch mehr hat der Rudl geschätzt, was er an den guten Weinen Savoyens hat, an den guten.

Zwei Tage vor der Abreise ist es sich dann noch ausgegangen, kurz bei Christiane und Jacques Maillet vorbei zu schauen. Das ist pfadfinderisch immer herausfordernd und menschlich umso erfreulicher. Im vergangenen Jahr ist es darüber hinaus auch noch oenologisch ergiebig gewesen.

Mathieu Apffel

Ob er eh schon bei dem gewesen sei, hat Jacques den Rudl gefragt. Dass sich bei dem der Hagel heuer im Juni von seiner gründlicheren Seite gezeigt habe, der Wein grundsätzlich aber eine „bombe atomique“ sei, hat Monsieur Jacques ergänzt.

Jetzt hält sich bei einem wie dem Rudl, der in den Achtziger Jahren politisch sozialisiert worden ist, die Begeisterung für nukleare Waffen in Grenzen, aber der Hinweis von Jacques Maillet hat dem Rudl seinen Jagdinstinkt gereizt. Darum hat er noch am selben Abend versucht, Herrn Apffel telefonisch zu erreichen. Da seine Nachricht auf der Sprachbox am nächsten Tag immer noch ihrer Erwiderung harrte, fuhrt Caviste Rudolf noch einmal systematisch von einem zum anderen Cavistenkollegen in Chambéry und Aix-les-Bains, um dort nach Weinen von seiner Neuempfehlung Jacques Maillets zu fragen. In einer Vinothek ist der Rudl fündig geworden. Die Frage des Cavisten, ob er diese Weine kenne, hat der Rudl wahrheitsgemäß verneint, mit ergänzendem Hinweis auf die Empfehlung von Jacques Maillet. Das wiederum hat den Weinverkäufer zu einer Entgegnung, die ambivalenter nicht sein hätte können, veranlasst: „Si Jacques Maillet dit quelque chose …“ (Wenn Jacques Maillet etwas sagt, …).

In diesem Moment waren sich beide Cavisten einig, dass man sich in Sachen Wein zwar

a) nicht auf Empfehlungen verlässt,

b) im Fall einer Empfehlung von Jacques Maillet das aber nicht gilt.

Irgendwann hat Monsieur Apffel dann zurückgerufen. Aber da ist der Rudl nicht mehr vor Ort gewesen. Er hat dann in Arbois noch einen Wein von Mathieu Apffel gefunden und später zu Hause per E-Mail mit dem Weinbauern Kontakt aufgenommen. Und letzten Freitag sind hundertzwanzig Flaschen von Mathieu Apffel in der Reindorfgasse von einem Lastwagen abgeladen worden.

Nüsse, Mandelkern

Es gibt ein paar Sprüche, an denen kommt kein Kindermensch vorbei und die wird er auch nicht mehr los, egal ob sie ihr oder ihm gefallen oder nicht.

Dass Schürfwunden vor dem Eintritt in den Stand der Ehe rückstandslos abheilen, dem Tüchtigen die Welt gehöre – dürfte seit Veröffentlichung des „Wos wor mei Leischtung?“-Telefonprotokolls als widerlegt gelten – und einem irgendein x-beliebiges, unerwünschtes Verhalten in der Schule und wenn nicht dort, dann spätestens beim Bundesheer abgewöhnt würde, hat zumindest in den Siebziger Jahren zum Basislehrstoff eines Vorschülers gehört.

Weniger problematischen Inhalts, wenn auch nicht immer der Wahrheit entsprechend sind da zweifellos Reime zu den großen Festen gewesen. Etwa dass Äpfel, Nüsse und Mandelkern alle Kinder gerne hätten. Der Rudl hat diesen Satz eigenartigerweise besonders deutlich als Zitat aus dem ORF-Stehgreifspiel „Die liebe Familie“ im geistigen Ohr. Der von Franz Suhrada gespielte Hausmeister und in dieser Folge vom von Franz Suhrada gespielten Hausmeister gespielte Nikolaus rezitierte diesen Satz mit von alkoholischen Getränken beeinträchtigtem Sprechzentrum mehrmals zu mehr oder weniger passenden Gelegenheiten. Das hat sich der Rudl gemerkt, bis heute. Darum stellt er das Unterrichtsthema dieser Woche unter das Motto der erwähnten drei Früchte und öffnet Weine von seiner Neuempfehlung Mathieu Apffel, sowie einen Wein, der nach grünen Nüssen schmeckt, und drei Weine, denen Mandelaromen zugeschrieben werden.

Nüsse

Schauen Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, mit den Nüssen ist es auch so eine Sache. Da könnte der Rudl glatt grundsätzlich werden. Wird er aber nicht. Statt des nächsten Plädoyers gegen den realen Neoliberalismus begnügt er sich an dieser Stelle mit der Verwunderung, warum man in diesen Landen auf Schritt und Tritt unter Nussbäumen durchspaziert, aber im Fall des Kochbedarfs zumindest im Super- und Biomarkt fast ausschließlich Nüsse von Ganzwoandersher kaufen kann.

Im Wein

gilt Walnussaroma quasi als Signatur oxidativer Weine, vor allem des Vin Jaunes.

Beim Vin Jaune kommt zur Nuss auch die gebrannte Mandel und die getrocknete Marille. Ein Nikolauswein par excellence.

Mandelkern

Mandelaroma kommt in Weinbeschreibungen gerne handerlhaltend mit der Haselnuss daher. Sehr oft bei Chardonnays, die als besonders groß gelten. Bei einem Meursault hat der Rudl das schon einmal nachvollziehen können, bei Chardonnay von Leo Uibel auch.

Daheim ist es, so schreibt man, in Burgund, Savoyen und an der nördlichen Rhone.

Neben Altesse gilt Chardonnay als besonders affin zur gerösteten Mandel.

Aber weil der Rudl jetzt dann sowieso bald einmal wieder eine Altesse-Unterrichtseinheit vorgesehen hat, überlässt er es drei Chasselas vom französischen Ufer des Genfer Sees, den Mandelnachweis, eher den der frischen Mandel, zu erbringen.

Äpffel:

  • Rouzan Blanc 2018, Altesse und Jacquère, Mathieu Apffel, Saint Badolphe, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Terroir de Saint Alban 2018, Altesse und Jacquère, unfiltriert ohne Schwefelzusatz, Mathieu Apffel, Saint Badolphe, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Apremont „Avant la Tempête“ 2018, Mathieu Apffel, Saint Badolph, AOP Vin de Savoie (4/6)

Nüsse:

  • Vin Jaune 2009, Domaine Pignier, Montaigu, AOP Côtes du Jura (9/14)

Mandelkern:

  • Quintessence de Chasselas 2016, Vins de Leman, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Un Matin face au Lac 2018, Les Vignes de Paradis, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Marignan 1515 2016, Les Vignes de Paradis, IGP Vins des Allobroges (5/8)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 3. Dezember und ausnahmsweise am Freitag, den 6. Dezember

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 10. und 12. Dezember

vermutlich Sancerre „Les Romains“ von Vacheron 2007 – 2008 – 2010 – 2013

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt mit der Würde des Heiligen Nikolaus!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

„Naturwein“? Ah wos!

November ist.

Caviste Rudolf Polifka erkennt das am Posteingang seines E-Mail-Accounts. Zuerst alle drei, dann alle zwei Tage und seit dem vierten November bekommt er jeden Tag gegen fünf am Nachmittag eine Erinnerung, dass er sich für irgendeine Naturweinmesse anmelden soll.

In ziemlich hoher Frequenz ist der Rudl zur RAW in Montréal, Miami, New York, Los Angeles und Berlin eingeladen worden. Hauptsache die Rebsorten sind autochthon, der Winzer schurlt mit einem Pferd durch seinen Weingarten und das Endprodukt ist trüb.

Jetzt können Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, einwenden, dass gelegentlich auch vor dem Weinkaufhaus vom Rudl ein Lastauto vorfährt und eine Palette ablädt, dass dieses Lastauto nicht von der Sonne angetrieben wird und die Fenster vom Rudl seinem Geschäftslokal hundsmiserable abgedichtet sind. Das stimmt alles und das sind alles Kompromisse, die der Rudl einmal mehr und einmal weniger zähneknirschend eingeht.

Naturweinbranche

In manchen Teilen der Naturweinbranche vermisst Rudolf Polifka das Bewusstsein, dass Verantwortung für die Natur nicht an der Grenze des Weingartens beziehungsweise an der Kellertür aufhört. Elitäres Lifestylepathos, wie es der Rudl gelegentlich wahrzunehmen meint, widert ihn an. Das findet er lächerlich. Da wählt er den Hundertachtziggradtanzschritt und ist eine Wolke. Diese Erscheinungen kommen dem Rudl mittlerweile in oenologischer Hinsicht ungefähr so authentisch vor wie die Wiener Wiesn in musikalischer.

Der Herr Kurt hat seinerzeit gemeinsam mit Sexualberater Karl Horak psychologische Untersuchungen über Besitzer von Autos mit hohem Treibstoffverbrauch durchgeführt (Ostbahn-Kurti und die Chefpartie, Saft & Kraft, Wos wü de wüde Hilde, 1994). Sind Ergebnisse dieser Studien modifiziert auf die Wochenendkurzurlaubsjetter in den überbilligten Fliegern anzuwenden?

Weinschulrat Rudolf Polifka meint es auf alle Fälle ernst mit der Schulautonomie. Darum pfeift er diese Woche noch viel lauter auf Konventionen, Konformitäten und den Zeitgeist:

Neun Weine von acht Weinbauern, die – jeder auf seine Art – für den Rudl Natürlichkeit, Authentizität und Kunstfertigkeit repräsentieren.

Sepp Muster

Der Rudl hat seit kurzem etliche 2017er von Maria und Sepp Muster in seinem Geschäft. Keinen davon wird er diese Woche glasweise ausschenken, „weus schod war“, wie der Herr Kurt vielleicht sagen würde. Oder weil man nicht ungeduldig sein soll, wie der Rudl sagt.

Aber Dreizehn passt jetzt gut. Und am Schilcher ist vielleicht noch besser schmeckbar, was Sepp Muster von Konventionen hält.

  • Schilcher 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg (4/6)

Josef Umathum

Der Rudl erachtet Verantwortungsbewusstsein für Region, Land und Planet als einen Aspekt von Natur. Und guten Wein auch.

  • Königlicher Wein MMXVI, Josef Umathum, Frauenkirchen (4,5/7)

Friedrich Kuczera

Über den hat Ihnen Herr Rudolf vor gar nicht so langer Zeit ein bissl was geschrieben. Und dann sind die Frau und der Herr K beim Rudl mit einer Flasche Zierfandler 1987 aufgekreuzt. Dass der Zierfandler von Friedrich Kuczera etwas Besonders ist, hat der Rudl gewusst. Aber die Eleganz, Frische und Vielschichtigkeit dieses 32 Jahre reifen Weins war schon mehr als beeindruckend. Wie viele Weine, denen man heute zurecht oder zuunrecht das Taferl „Naturwein“ umhängt, werden in 32 Jahren so lebendig dastehen?

  • Zierfandler 2018, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Südbahn (2/3)

Jacques Maillet

Der Rudl liest gerade das Buch „La parole de Pierre“, ein hundertachtzig Seiten langes Interview mit Pierre Overnoy, der gerne in einem Atemzug mit dem Chemienobelpreiskandidaten Jules Chauvet als Mitinspirator des Naturweins bezeichnet wird. Und wenn Monsieur Overnoy Überlegungen über Bodenbearbeitung, Rebselektion und ph-Wert im Boden anstellt, fühlt sich der Rudl in den Weingarten von Jacques Maillet versetzt.

  • Jacquère 2015, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Gamay 2015, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4/6)

Josko Gravner

Heute gibt es Weinkonzerne, die Orangewine produzieren. Also Josko Gravner die ersten Anforen vergraben hat, haben diese Konzerne noch etwas ganz anderes gemacht. Und dann ein Zeitl lang auch noch.

Josko Gravner hat damals auf alle Fälle existenziell erlebt und gespürt, dass er etwas anders machen muss und will. Er hat seine Arbeitsweise nicht an Umsatzzahlen oder Weinberatern orientiert. Das ist dabei heraus gekommen.

  • Breg Bianco 2008, Josko Gravner, Oslavia, Gorizia, Italien (10/16)

Michel Grisard und die Giachinos

Michel Grisard ist für Savoyen ungefähr, das, was Pierre Overnoy für den Jura ist. Er hat quasi zwei Nachfolger und keiner ist mit ihm verwandt. Brice Omont betreibt die Domaine des Ardoisières. Die Trauben aus Grisards Weingärten in Frétérive, Arbin und Cruet vinifiziert Clement Giachino. Bei der Altesse 2015 haben es die Hefen mit dem Restzucker gut gemeint. Caviste Rudolf weiß von einem seiner Lieblingsweine, dem Marestel von Dupasquier, dass es Einfacheres gibt, als halbtrockene Weißweine zu verkaufen. Aber darauf kann der Rudl bei diesem Wein keine Rücksicht nehmen. Erstens vermutet Monsieur Rudolf einen Batzen Lagerfähigkeit hinter diesem Wein und zweitens passt Prieuré Saint Christophe Blanc 2015 heute schon gut zu Nachspeisen. Und zu Weihnachtskeksen.

  • Prieuré Saint Christophe Blanc 2015, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Roussette de Savoie (6/9)

Josef Lentsch, Dankbarkeit

Der würdigt neben dem Trainer ganz besonders Franz von Assisi. Den Rudl überzeugt so etwas mehr von einem verantwortungsbewussten Verhältnis zur Natur als Frauenpopos auf Weinetiketten.

  • Welschriesling Auslese „Schrammel“ 2017, Josef Lentsch, Dankbarkeit (4/6)

Domaine de la Tournelle

Emmanuel Houillon ist der Weinbauer, der Weingut und Wirken von Pierre Overnoy übernommen hat. Nur bekommt man von dem so gut wie nirgends einen Wein. Pascal Clairet aus der Nachbarstadt Arbois hat auch ziemlich viel von Monsieur Overnoy gelernt. Und am Bistrot de la Tournelle, das er mit seiner Frau bei Schönwetter direkt am Bach führt, sollte man nicht vorbei fahren, auch wenn der Rudl sonst zurückhaltend mit Empfehlungen ist.

  • Macvin du Jura, Domaine de la Tournelle, Arbois, AOP Macvin du Jura (5/8)

 

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

Nicht ausschließlich diese Weine, sondern auch noch den einen oder anderen Giachino können Sie kommende Woche glasweise erstehen

am Dienstag, den 19. November und am Donnerstag, den 21. November

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 26. und 28. November

möglicherweise Orangen

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf pfeift mit den Spatzen auf Billigflieger und Weinzeitgeist!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57