auch bald 60

Sechzig Jahre Südsteirische Weinstraße

Am 15. Oktober 1955 hat Josef Krainer Vater die erste steirische Weinstraße eröffnet, die südsteirische. Sie verläuft von Spielfeld, beziehungsweise Ehrenhausen über Berghausen, Ratsch und Gamlitz bis Leutschach, streckenweise auf slowenischem Staatsgebiet. Das macht sie mondän und verschafft ihr gelegentlich zusätzliches Medieninteresse.

Der Rudl mag diese Gegend wie eine zweite in Österreich, den Seewinkel. Im Herbst ist es auf der Südsteirischen Weinstraße schön, darum herrscht dort ein Betrieb wie freitagnachmittags am Wiener Gürtel. Ende März mag Herr Rudolf sie am allerliebsten. Da hebt es an zu blühen, nicht zu viel und nicht zu wenig. Ein halbwegs ein Winter, der diesen Namen auch verdient hat, vorausgehend und vorausgesetzt, ist das die reinste Freude. Schlüsselblumen, Ostereier, Sauvignons, Schneeflecken auf Sveti Duh, Schafkäse, jede Menge Kren und eine ziemliche Ruhe. Viel mehr geht eh nicht.

Früchte oder Zuckerl?

Seinerzeit, in den Lernjahren von Rudolf Polifka, waren für ihn trockene steirische Weißweine das High End in Sachen Wein. Irgendwann dann, wann genau kann der Rudl gar nicht mehr sagen, haben zumindest in seiner Wahrnehmung immer mehr von diesen Weinen begonnen, ziemlich rabiat fruchtig zu schmecken. Nichts gegen fruchtig und auch nichts gegen rabiat als solches, aber was zu viel ist, ist zu viel. Vor allem manche Sauvignon Blancs haben geschmeckt, als wären sie von einem unter vielen Schulkindern beliebten gelatinehaltigen Bären befallen. Warum die Fachpresse da mitgespielt hat, weiß der Rudl nicht. Und so wichtig ist es vielleicht auch gar nicht. Das Weinviertel hat sich daraufhin nicht lumpen lassen. Es hat einen DAC kreiert. Einige von seinen Veltlinern waren von den steirischen Zuckerln kaum zu unterscheiden. Gebietsspezifisch war daran ziemlich sicher höchstens die Reinzuchthefe. So oder so ähnlich hat der Rudl diese Weine damals wahrgenommen. Für ihn sind sie ungefähr so notwendig wie Laubbläser. Und ganz ehrlich gesagt, glaubt er, dass sie auch für Zeitgenossen, die einen Laubbläser verwenden, gemacht werden.

Aber unerfreuliche Entwicklungen fördern gar nicht so selten erfreuliche Gegenbewegungen. Wie auch immer, biodynamische Weine aus der Steiermark sind heute weltweit ein Begriff und gefragt.

Von Liefering bis Bad Radkersburg

Das Erste, was Herr Polifka an steirischen Weinen zu sich genommen hat, war ziemlich sicher von der Erzherzog-Johann-Winzergenossenschaft in Ehrenhausen. Von der gab es und gibt es noch immer ein ganz kleines Auslieferungslager in Salzburg-Liefering. Biographisch beginnt die Südsteirische Weinstraße für Rudolf Polifka deshalb Liefering, gleich hinter der Bahnunterführung.

Jetzt ist der Rudl bei Gott nicht einer, für den etwas erst Realität ist, wenn er davor ein Selfie angefertigt hat. Aber wie es vor, nach, links und rechts von der Südsteirischen Weinstraße ausschaut, das hat er dann schon wissen wollen. Und dabei ist er auf sieben andere Weinstraßen in der Steiermark gestoßen.

Da gibt es zum Beispiel ganz in der Nähe die Klapotetz Weinstraße. Sie führt von Arnfels über Eichberg-Trautenburg nach Glanz, wo sie die Südsteirische kreuzt, und dann weiter nach Langegg.

Manche Weingärten an der Sausaler Weinstraße zählen zu den steilsten Europas. Die führt nämlich von Leibnitz durch das Sulmtal bis Fresing und dann hinauf nach Kitzeck, dem Alpe d’Huez unter den österreichischen Weinbauorten, wenn Sie so wollen. Ob es jetzt mehr an der Hangneigung oder mehr an den kargen Schieferböden liegt, vermag der Rudl nicht zu beurteilen. Aber dass sich viele Weine aus dem Sausal durch eine ganz eigenständige Charakteristik auszeichnen, meint er schon immer wieder herauszuschmecken.

Im Uhrzeigersinn kann man dann von Eibiswald bis Ligist über die Schilcher Weinstraße fahren. 1989 hat man mit ihrer Beschilderung begonnen. Wenn man über das Alter der meisten anderen steirischen Weinstraßen etwas in Erfahrung bringen möchte, erfährt man ganz schnell ganz viel über die Römer, aber nichts über die letzten fünfzig Jahre.

Dann kommt einmal Graz mitsamt seinem Becken. Da gibt es keine Weinstraße. Erst drüben in Gleisdorf geht es dann über die Oststeirische Römerweinstraße nach Pischelsdorf, Stubenberg, Hartberg bis Bad Waltersdorf. Diese Weinstraße feiert heuer auch einen runden Geburtstag. Sie ist fünfundzwanzig Jahre alt und mit der südsteirischen sicher noch nicht per Du.

Die Thermenland Weinstraße beginnt in Fehring. Über Unterlamm und Übersbach gelangt man nach Riegersburg und kann sich dort die Weingärten, die bis vor wenigen Jahren von Andreas Tscheppe biologisch bewirtschaftet worden sind, anschauen. Jetzt machen dort andere Wein. Man kann aber auch direkt nach Markt Hartmannsdorf zu Gottfreid Lamprecht fahren. Seine Weingärten werden immer noch biologisch bewirtschaftet. Über den „Saurüssel“ kommt man nach Feldbach. Und mit der Frage, ob es zwischen dem einen oder anderen neuen Poysdorfer Saurüssel und manchen steirischen Sauvignons zu viel aromatische Ähnlichkeit gibt, wird Sie der Herr Rudolf jetzt nicht sekkieren. Obwohl … reizen würde ihn das schon.

Von Fehring nach Süden geht es dann auf die Klöcher Weinstraße. Über Kapfenstein kommt man zur gesamtsteirsichen Vinothek in Sankt Anna. Die hat eine ausgesprochen schöne Terrasse. Dann geht es nach Deutsch Haseldorf, wo man sich entscheiden muss, ob man rechts am Königsberg vorbei nach Pichla oder links vorbei nach Klöch fährt. So oder so kann man nachher in Bad Radkersburg den berühmtesten Lungauer Bach bei der Ausreise aus Österreich zuschauen.

Hat man etwas gegen Buschenschanken, dann ist es vielleicht gscheiter, in Frutten-Gießelsdorf die Klöcher Weinstraße zu verlassen und sich westwärts zu halten. Da beginnt die Südoststeirische Hügellandweinstraße. Sie können da dann über Straden bis Sankt Peter am Ottersbach fahren, sich die Landschaft anschauen, Wein kaufen. Wenn Sie in einer, respektive einem Buschenschank eine Pause machen möchten, rät Ihnen der Rudl sich vor Antritt der Reise kundig zu machen. Denn so wahnsinnig viele Buschenschanken gibt es auf dieser Weinstraße nicht.

Warum Rudolf Polifka sich bemüßigt gefühlt hat, Ihnen diese Ausführungen über die acht steirischen Weinstraßen zukommen zu lassen, weiß er mittlerweile nicht mehr genau. Sie werden als Wochenthema der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“ in diesem Jahr ziemlich sicher einmal vorkommen. Gar nicht ausgeschlossen, dass das in der Woche vor dem 15. Oktober sein wird. Diese Woche auf alle Fälle nicht! Denn diese Woche widmet Gratulant Rudolf Polifka jedem einzelnen Jahr der sechzigjährigen Geschichte der Südsteirischen Weinstraße. Darum kredenzt er jetzt, ein paar Monate vor ihrem Geburtstag, wo dort noch nicht der Teufel los ist – wie fast immer nicht ausschließlich – fünf Südsteirer, die es insgesamt auf sechzig Jahre bringen.

Halb so alt wie heute war die Weinstraße, als der Everton FC Europacöpsieger geworden ist und Otto Riegelnegg eine Weißburgunder Spätlese geerntet hat.

1985, Weißburgunder Spätlese, Otto Riegelnegg, Olwitschhof, Sernau

Zwölf Jahre später wird ein Verein österreichischer Fußballmeister, der sich heute nach einem Getränk benennt, das dem Rudl nicht schmeckt und dessen berühmteste Verpackung der Rudl von heute auf morgen mit einem saftigen Pfand belegen, noch lieber aber gleich verbieten würde. Seinerzeit war dieser Verein nach einer Versicherung benannt. Sympathischer war er dem Rudl deshalb auch nicht. Bei Josef Puschnig hat 1997 weder der Morillon noch der Sauvignon ganz durch gegoren. Für manche Winzer und Endverbraucher ist so etwas eine Katastrophe. Für Josef Puschnig war es das nicht. Sein Vater hate schon ab 1948 als Verwalter im Schloss Gamlitz Sauvignon Edelreiser selektioniert. Ab 1959 dann für seinen eigenen Betrieb und für viele Kollegen.

1997, Morillon Spätlese, Josef Puschnig, Glanz an der Weinstraße

Über den Sauvignon Opok von Maria und Sepp Muster hat der Rudl hier etliche Male geschrieben. Der ist vor allem in kühlen Jahren sein Lieblingswein aus diesem Hause und einer seiner Lieblingsweine überhaupt.

2009 Sauvignon vom Opok, Maria und Sepp Muster, Schlossberg

Würde der Polifka-Rudl nicht so salopp mit seiner eigenen Biographie vor der Gründung seiner Weinhandlung umgehen, dann dürfte er möglicherweise nur Weine vom Rebenhof in Ratsch anbieten. Hartmut Aubells Spontanvergorene sind nicht nur ungewöhnliche Verschnitte, sondern nach Klassikern der nicht mehr ganz jungen Filmgeschichte benannt und etikettiert. Lawrence 300/50 besteht aus Sauvignon Blanc, Morillon und Riesling.

2012 Rebenhof Hartmut Aubell, Lawrence 300/50, Ratsch an der Weinstraße

Das ganz große Griss um Orangeweine scheint jetzt auch in Österreich abzuebben. Zeit, sich wieder intensiver den wirklich großen dieses Weinstils zu widmen:

2012 Erde, Maria und Sepp Muster, Schlossberg

Das, aber nicht ausschließlich das

am Donnerstag, den 26. März und am Freitag, den 27. März

von 16 bis 22 Uhr

in der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“, Reindorfgasse 22

 

Ad multos annos und weniger Fungizide und Herbizide! Weinstraßenmeister Rudolf Polifka

 

Sollten Sie am letzten Freitag, den 20. März versucht haben, in Weinagenden oder anderen Angelegenheiten mit dem Rudl in Kontakt zu treten, ersuche Sie dieser um einen neuerlichen Versuch. Das mobile Endgerät von Rudolf Polifka wurde Opfer eines sogenannten Softwareschadens. Und so einen Softwaresschaden überleben scheinbar nur die aller sinnlosesten Daten und Funktionen auf so einem Ding.

 

In der Karwoche ist die „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“ geschlossen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

9 − drei =