A. Michel Brégeon. Viticulteur

Futur zwei

Zum Zeitpunkt, an dem der Rudl das nächste Mal sein Geschäft aufsperren wird, werden Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, das Ergebnis schon kennen, freilich nur sofern Sie sich dafür interessieren. Der Rudl hält es da mit zunehmendem Alter immer öfter mit dem Seelentherapeuten seiner Wahl, immer öfter bevorzugt er es, wenn sich Sachverhalte seiner Kenntnis entziehen.

Zwei, drei Dinge gibt es aber auch, auf die der Rudl quasi hinfiebert. Da zählt er schon Tage vorher, wie oft er noch schlafen muss, bis er das Betreffende erfährt. Die Annoncierung der Strecke für die Tour de France ist so etwas. Die wird am Dienstag, den siebzehnten Oktober in Paris verraten. Am Mittwoch, den achtzehten, wenn der Rudl wieder offen hat, wird sie schon bekanntgegeben worden sein. Aber jetzt, wo der Rudl diese Zeilen in sein mobiles Dings drückt, weiß er nur, wo die Radler starten werden, in Noirmoutier-en-l’Ile. Das ist gar nicht so weit weg von der Domaine Michel Brégeon. Deren Weine schätzt Caviste Rudolf überaus. Seit er zum ersten Mal über sie gelesen hat. Das war im Bettane Desseauve 2009, nicht ganz unbezeichnet für Weinjournalismus hat man dort von Michel Bréjeon geschrieben. Zwei Mal ist der Rudl seither bei Monsieur Michel am Weingut aufgekreuzt. Beim zweiten Mal ist der Rudl davon ausgegangen, dass der Zweitausendzehner, der letzte Jahrgang von Michel Brégeon, auch für ein Zeitl der letzte, den Herr Rudolf in seinem Geschäft anbieten kann, sein wird. Nur hat es sich dann ergeben, dass Frau R., Frau E., Herr C. und Herr B. In die Bretagne gedüst sind. Und da haben sie dem Rudl offeriert, ihm eventuell Weine mitzubringen. Der Rudl hat zuerst, ganz offen gestanden, nicht geglaubt, dass das hinhauen würde. Als er dann die Confirmation bekommen hat, dass sich achtzehn Flaschen Muscadet Cru Gorges 2013 im Kofferraum der oben erwähnten Damen- und Herrschaften befinden, hat der Rudl sein Glück kaum glauben können. Merci beaucoup!

Gabbro

Chemisch sind die Steine, auf denen Muscadet Cru Gorges wächst, nichts anderes als Basalt, vulkanisch natürlich auch, nur halt um ein ziemliches Eck härter. Irgendwann ist die Magma unter der Erde eingeschlossen worden und dort dann kristallisiert. So viel zur Geologie, die übrigen Informationen finden sich im Glas. Oder wie man auf der Domaine Brégeon sagt: „La difference, c’est les cailloux.“

Cru Gorges

Der darf ausschließlich auf Gabbro wachsen und das nicht einmal überall. Er darf ausschließlich aus Beeren der Rebsorte Melon de Bourgogne gekältert werden. Die französische Weinverwaltungsbehörde INAO darf entscheiden, ob etwas Cru Gorges ist. Eine Verkostungskommission muss dann extra noch vor der Füllung den Wein als crugorgeswürdig erachten. Jedes Flascherl Gorges bekommt eine eigene Nummer. Mindestens zwei Jahre auf der Feinhefe und eine Hektarertragsbegrenzung von fünfundvierzig Hektolitern.

Es ist ja nicht immer so, dass ein besonders strenges Regulativ zu einem besonders guten Wein führt. Manchmal scheint das Gegenteil der Fall. Beim Gorges zahlt sich die Strenge offensichtlich aus. Der Gorges ist die Symbiose aus Kraft und Eleganz. Er ist weit mehr als ein Austernwein und passt zu fast allem außer vielleicht Erdbeermilch und Energydrinks. In einer Karaffe fühlt er sich nicht unwohl.

Domaine Michel Brégeon

2011 hat Monsieur Michel seine achtkommafünf Hektar an Fred Lallier übergeben. Der ist in Gorges geboren und wollte unbedingt wieder dorthin zurück, um seinen Traum vom authentischen und lebendigen Wein zu verwirklichen. Da hat es gut gepasst, dass Michel Brégeon nach 47 Jahrgängen das Rentenalter errreicht gehabt hat. Der Umstand, dass Monsieur Michel nie ein Freund der Maschinen war, ist an seinem Körper nicht spurlos vorüber gegangen. Vor der Übergabe hat er den Jungen in alle Regeln der Kunst eingewiesen. Und das schmeckt man. Michel Brégeon hat darauf bestanden, im Keller zweihunderprozentig biologisch zu arbeiten, sich im Weingarten aber allernötigenfalls keiner Notwehrmaßnahmen zu begeben. Keine Reinzuchthefen, ein schon fast provokant langer, weil langsamer Ausbau in unterirdischen, verfliesten Tanks. Mehr als 7000 Stöcke am Hektar, aber weniger als 30 Hektoliter vom selben. Durchschnittsalter der Rebstöcke 65 Jahre, viele über hundert, fast alle Massale Selection. Michel Brégeon war schon sehr früh davon überzeugt, dass Terroir und Rebsorte im Muscadet um Häuser besser waren als die Nachred‘, die sich die Weine dort eingetreten hatten. Der Kurtl hat es ja immer wieder ausgeführt, wie es ist, wenn man mit einem Goiserer in ein Hundstrümmerl steigt. Der Muscadet ist in kein Hundstrümmerl gestiegen, aber ideen- und gewissenlose Geschäftemacher haben den Wein zu einem identitätslosen Gschloder herunter gewirtschaftet. Insofern ist der Muscadet wahrscheinlich eine ideale Betriebsausflugsdestination für manche Weinbauvereine und Verkostungskommissionen. So oder so, Michel Brégeon hat Recht behalten. Dass das so ist, verdankt er nicht zuletzt seiner eigenne kompromisslosen Arbeit. Sein Nachfolger Fred Lallier geht jetzt einen Schritt weiter. Das Weingut befindet sich in der Umstellungsphase auf einen zertifizierten Bioweinbaubetrieb. Und François Raveneau weiß noch immer nicht, warum seine Grand Crus mehr als zehnmal so viel kosten wie der Gorges von Michel Brégeon.

2013

Alles andere als einfach. Es ist das Muscadet halt schon ziemlich nahe an der Bretagne. Früher war das ein Synonym für Regen, heute zumindest für eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich selbiger einstellt.

Der Winter zuerst überdurchschnittlich kalt, viel Niederschlag. Danach kaum Anstalten einer Veränderung zum Besseren. In Vouvray hagelt es Hühnereier. Ganz so schlimm kommt es im Muscadet nicht. Die Blüte beginnt am 2. Juli. Außer dem Meltau freut sich da kaum jemand. Äußerst aufwendige Lese. Nieder sind die Alkoholwerte im Muscadet immer. 2013 sind sie noch niedriger.

2010

Bordeaux ist ja nicht so weit weg. Drum auch im Muscadet ein Jahrhundertjahrgang. Formidabler Frühling und auch nachher gerade immer nur so viel Niederschlag, wie gerade notwendig. Fast immer zur richtigen Zeit. Aufheben!

2009

Heiß. Im loireinternen Vergleich sehr präzise. Sonniger Frühling. Der Hagel fällt zum Glück wo anders herunter. Was der Regen im Juli dann Anlass zur Sorge bereitet, räumt Trockenheit im August wieder aus.

2005

Wird immer wieder mit den Jahrgängen 1947 und 1990 verglichen. Kalter Winter, warmer Frühling, heißer Sommer, warmer Herbst, wobei der auf die Lese am 2. September nicht viel Einfluss gehabt hat.

2004

Nach Hitze hat sich nach dem Jahr 2003 kaum jemand gesehnt. Der Winter war im Muscadet niederschlagsreich und vor allem windig, der Frühling eher unauffällig, der Sommer im Vergleich zum Jahr davor agreabel, ein bissl feucht. Michel Brégeon scheint den Jahrgang perfekt genützt zu haben. Sein Muscadet Cru Gorges 2004 war 64 Monate bei seinen Feinheferln. Zwei Jahre später hat er dann noch einmal gefüllt, ohne Cru am Etikett, 89 Monate sur Lie.

2002

hat nichts ausgelassen, kalte Sturmspitzen im Winter, Milde, Spätfröste, Wärme, Sauwetter im Mai und Rekordhitze im Juni, Abkühlung im August. Im September kommt die Milde zurück.

  • Muscadet Sèvre et Maine Cru Gorges 2013, Domaine Michel Brégeon, Loire, 28 Monate auf der Feinhefe (5/8)
  • Mucadet Sèvre et Maine sur Lie 2010, Michel Brégeon, Loire (2,50/4)
  • Muscadet Sèvre et Maine 2009, Michel Brégeon, Loire (3/5)
  • Muscadet Sèvre et Maine 2005, Michel Brégeon, Loire, 64 Monate auf der Feinhefe (5/8)
  • Muscadet Sèvre et Maine 2004, Michel Brégeon, Loire, 89 Monate auf der Feinhefe (5/8)
  • Muscadet Sèvre et Maine Cru Gorges 2004, Michel Brégeon, Loire, 64 Monate auf der Feinhefe (5/8)
  • Muscadet Sévre et Maine 2002, Michel Brégeon, Loire, 85 Monate auf der Feinhefe (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt der Rudl glasweise

am Mittwoch, den 18. Oktober und am Freitag, den 20. Oktober

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau auf den 25. und 27. Oktober:

Tour de France 2018. Der Rest

Herr Rudolf grüßt alle, ungeachtet ihrer Nachred!

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