Tour de France 2019. Warten drei

Mit seiner Begeisterung für die berühmteste Radlrennfahrerei der Welt hat Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Monsieur Rudolf schon das eine oder andere Mal beglückt, konfrontiert oder belästigt, je nachdem wie positiv, neutral oder negativ Sie dem Rudl seinen Worte zur Tour de France oder dem Rennen selber halt gegenüber stehen.

Dieses Mal unter dem Blickwinkel des Wartens

Am meisten wird weltweit auf das ewige Leben gewartet. Und wenn Sie meinen, das sei nicht zeitgemäß, dann werfen Sie einen kleinen Blick in das Regal mit den Anti-Ageingprodukten der Drogerie Ihres Vertrauens. Das Monopol ist, wie ein paar andere auch, halt weggefallen, noch wahrscheinlicher ist es durch ein anderes ersetzt worden. Abgesehen davon hat sich beim ewigen Leben in den letzten zwei- oder dreitausend Jahren nicht viel getan.

Am zweitmeisten wird dann wahrscheinlich eh schon auf die, beziehungsweise bei der Tour de France gewartet. Das behauptet der Rudl jetzt einmal so, beziehungsweise stellt er es in den Raum, solange ihm die Digitalisierung noch einen lässt. Darum ist es letzte Woche gegangen.

Warten auf die Tour de France I

Beginnen tut das Warten auf die Tour ungefähr bei der Etappe, ab der klar ist, wer die Gesamtwertung gewinnen wird. Da machen sich beim Rudl Spuren von Wehmut breit und er überlegt sich, wie der Streckenverlauf im kommenden Jahr sein könnte oder sollte, wenn es nach ihm ginge. Ab diesem Zeitpunkt consultiert Herr Rudolf immer wieder die Internetseite des Rennens, um nach Hinweisen zum Datum der Streckenverlautbarung zu suchen. Der Rudl wartet.

Warten auf die Tour de France II

Irgendwann schreiben Sie dann, dass der Streckenverlauf am soundsovielten Oktober in Paris verraten wird. Der Rudl wartet.

Warten auf die Tour de France III

Einer der schönsten Momente der Tour de France ist jedes Jahr dann, wenn bei der Übertragung der Streckenpräsentation auf einem namhaften europäischen Sportfernsehkanal die Kamera über die stark virtualisierte Strecke fliegt. Der Rudl erkennt dann die Vogesen, den Mont Ventoux, auf alle Fälle die Alpen und die Pyrenäen. Dort ist er mittlerweile fast so daheim wie in Illmitz, Maxglan und der Bundeshauptstadt, der Bundeshauptstadt, die beim Warten auch kein Lercherl ist. Der Rudl hat manchmal den Verdacht, dass in Wien fast alles zum Warten ist, vor allem wenn es um Behörden, Verkehrsmittel oder die Post geht. Das scheint geradezu in der DNA dieser Stadt zu liegen. Wer weiß, vielleicht ist Wien ja entstanden, indem viele Menschen darauf gewartet haben, dass sie jemand über die Donau bringt, nach Stammersdorf hinüber oder nach Mistelbach. Und da haben sie sicher ein ganz schönes Zeitl gewartet, vor der Erfindung von Rollfähre und Hoovercraft. Bei der Warterei könnten sie sesshaft geworden sein. Wie auch immer, in Wien hat man Zeit zu haben. Überall, nur nicht beim Anstellen für Speisen und Getränke. Dort versucht der gelernte Wiener, in diesem Fall bewusst ungegendert, die ganze Zeit, die er auf Ämtern, in Apotheken und in der U6 gewartet hat, wieder gutzumachen.

Warten auf die Tour de France IV

Zieht der Rudl physische Präsenz bei einer Etappe in Betracht, dann wartet er ab der Streckenpräsentation auf eine Gelegenheit, in der eine einschlägige Unterbreitung seiner Ideen am ehesten auf positive Resonanz stoßen könnte. Der Rudl wartet, manchmal ziemlich lang.

Warten auf die Tour de France V

Unter der Voraussetzung, dass Warten IV nicht für die Haare gewesen ist, recherchiert Monsieur Rudolf sodann nach Quartieren, die den Besuch am Streckenrand erleichtern. Dieses Warten fällt zeitlich nicht besonders ins Gewicht und ist genaugenommen auch kein Warten, sofern man selbiges als passiven Vorgang versteht.

Warten auf die Tour de France VI

Nach einer allfälligen erfolgreichen Buchung eines Urlaubsquartiers in, respektive in der Näher der französischen Alpen beginnt das längste Warten. Nur merkt der Rudl davon nix, weil spätestens im November eines Schulmeisterjahres ein derartiges Holodaro einsetzt und bis Ende Juni nachhält, dass es dem Rudl schwer fällt, über die Zeit nach Schulschluss einen klaren Gedanken zu fassen. Rein theoretisch wartet der Rudl, nur merkt er davon nichts.

Warten auf die Tour de France VII

Irgendwann steht Caviste Rudolf mit ausgeschaltetem Telefon am Streckenrand, genießt die Atmosphäre und würde sich die Überraschung, wer als Erster daher radelt, von keinem Streamingdienst der Welt nehmen lassen.

Brüssel

Dort fahren sie nächstes Jahr weg, als Reverenz an Eddie Merckx, der 1969 seine erste von fünf Touren gewonnen hat. Es gibt in Belgien Weinbau. Damit ist dem Rudl seine Kompetenz in Sachen belgischer Wein erschöpft. Darum kann er Ihnen auch keinen offerieren.

Champagne

Über die Champagne, wo es extraordinaire gute Weine, von diesen aber anteilsmäßig so wenige wie selten irgendwo gibt, radeln sie dann nach Lothringen. Dort machen sie den berühmten Vin gris. Auch das muss theoretisches Wissen bleiben. Weiter in die Vogesen.

5. Etappe: Gewurztraminer „La Chapelle“ 2013, Domaine Zusslin, AOP Vin d’Alsace

Eine der Entdeckungen von Caviste Rudolf in diesem Jahr. Gewusst hat der Rudl von diesem Weingut. Und dass die dort einen Gewurztraminer haben, das hat er angenommen. Ein Jahr zuvor hatte sich Monsieur Rudolf in den Kopf gesetzt, an der nördlichen Rhône oenologisch zu forschen. Er ist auf seinen Vorbehalten gegenüber dieser Region sitzen geblieben. Trotzdem hat er ein Jahr später im Elsass unter vergleichbaren Voraussetzungen dasselbe probiert, mit zumindest den Weinen von Zusslin als Unterschied zu Hermitage. Du sollst dir kein Bild machen, zumindest kein endgültiges. Weil es schade wäre.

6. Etappe: Sélection 1998, André et Mireille Tissot, AOC Arbois, Jura

Auf ihrem Weg quasi diagonal durch Frankreich kommen sie dann durch den Jura. Und vom Jura ist es nicht weit zur Côte d’Or.

7. Etappe: Chassagne-Montrachet 1er Cru „Les Grandes Ruchottes 2007, Bernard Moreau et Fils, AOC Chassagne-Montrachet, Bourgogne

Dort ist der Rudl selber mit dem Radl gefahren. Im Neuner Jahr ist es gewesen. Auf der berühmten D973 noch dazu. Möglicherweise ist es oenologisch im Hinblick auf Transportkapazitäten auf keiner Straße so egal, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, wie auf der D973. Die Weine, die man dort kaufen könnte, braucht man eher nicht zu seinem Glück. Freilich gibt es sogar an der Côte d’Or Weine, die man ganz gerne kaufen würde. Nur heben sie dort nicht einmal das Telefon ab, wenn man entsprechende Kaufinitiativen entwickelt. Von Ab-Hof-Verkauf an jemanden, der nicht schon seit den Achtziger Jahren Stammkunde ist, kann bei Coche-Dury und auch bei ein paar nicht ganz so Prominenten gar keine Rede sein. Nur Michel Lafarge in Volnay hat dem Rudl seinerzeit die Tür aufgemacht, ihn sogar ein paar Weine kosten lassen. Dass Herr Rudolf damals nicht mehr mitgenommen hat, das tut ihm jetzt noch leid.

Die Radler werden auf der 7. Etappe andere Sorgen haben, aber anders als der Rudl damals am Abend oder zumindest im Ziel ein paar Glasl Meursault von Coche-Dury trinken können.

Es gibt Radsportfreundinnen und Radsportfreunde, für die es bei der Tour de France ausschließlich um den Besten, das Gelbe Trikot, geht. Darum für das Gelbe Trikot:

13. Etappe: Hégoxuri 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

Und es gibt Radsportfreundinnen und Radsportfreunde, für die es bei der Tour de France um die Gesamtheit der Spitzenleistungen aller Art von allen beteiligten Athleten geht. Der Rudl hat vor jeder Abfahrt und sogar vor der Passage eines Kreisverkehrs von jedem einzelnen Teilnehmer mehr Respekt als vor Manchester City und Paris Saint Germain zusammen.

Für die Alpenetappen eine Streuung an Spitzenleistungen in unterschiedlichen Kategorien, samt und sonders Weine, die es zumindest in diesen Jahrgängen noch nicht offen beim Rudl gegeben hat:

  • Giac‘ Potes 2017, David und Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Altesse 2017, David und Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Big Bang 2016, Maxime Dancoine, Aiton, Vin de Pays des Allobroges (4,50/7)

Fünfzig Percent Jacquère, fünfzig Percent Altesse. Von Jacques Maillet selbst als würdig befundener Nachfolger von dessen P’tit Canon, nur dass es vom Big Bang noch weniger gibt. Maxime Dancoine bewirtschaftet weniger als einen Hektar. Aber nicht irgendeinen. Dazu ein anderes Mal viel mehr.

  • Chignin-Bergeron „Les Friponnes“ 2017, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (5/8)
  • Apremont „Lisa“ 2017, Jean-Claude Masson, Apremont, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Argile Blanc 2017, Domaine des Ardoisières, Cevin, Vin des Allobroges (4,50/7)Die folgenden hat es schon offen gegeben:
  • Chassagne-Montrachet 1er Cru „Les Grandes Ruchottes 2007, Bernard Moreau et Fils, AOC Chassagne-Montrachet, Bourgogne (12,50/19 – ohne Probieren „en avance“)
  • Hégoxuri 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • Sélection 1998, André et Mireille Tissot, AOC Arbois, Jura (6/9)
  • Gewurztraminer „La Chapelle“ 2013, Domaine Zusslin, AOP Vin d’Alsace (5/8)

(in Klammern zuerst der Preis für das Sechzehntel, dann der für das Achtel)

In Paris gäbe es auch Wein. Der hat den Rudl bis jetzt nicht gereizt.

Diese Weine, aber auch noch einen ganzen Haufen andere, zum Beispiel etliche orangene, gibt es glasweise diese Woche wieder zu den gewohnten Öffnungszeiten

am Mittwoch, den 21. November und am Freitag, den 23. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Weine von folgenden fünf Weingütern in Savoyen sind ab sofort flaschenweise verfügbar (Preis in Klammern):

Domaine Giachino

  • Giac‘ Potes 2017 (13,50)
  • Apremont 2017 (14,50 Euro)
  • Marius et Simone 2017 (19,50)
  • Mondeuse 2017 (17)
  • Persan 2017 (19,50)
  • Don Giachino (Méthode traditionelle) 2015 (18,50)
  • Altesse 2017 (18)
  • Prieuré Saint Christophe Blanc 2016 (30)
  • Prieuré Saint Christophe Rouge 2016 (30)

Domaine Partagé. Gilles Berlioz

  • Les Friponnes 2016 und 2017 (25)
  • Les Filles 2017 (32)
  • Les Fripons 2016 (32)

Jean-Claude Masson et Fils

  • Lisa 2017 (14,50)
  • La Déchirée 2017 (18,50)
  • La Centenaire 2016 (27)

Domaine de l’Aitonnement

  • Big Bang 2016 (19)
  • Solar 2016 (27)

Domaine de l’Ardoisières

  • Argile Blanc 2017 (20)
  • Schiste 2016 (37)
  • Quartz 2016 (70)

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 28. und 30. November:

Warten IV. … Weine, die noch viel vor haben

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt, wartet und freut sich!

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Sizilianische Pomeranzen, Frauenkirchner Pommes de terre und orange Weine. Warten II. Diese Woche ausnahmsweise am Dienstag und am Mittwoch geöffnet, Freitag geschlossen, Samstag Weinauktion zugunsten des Integrationshauses

Natürlich oder selbstverständlich?

Sie können heutzutage das ganze Jahr über Orangen kaufen. Natürlich ist das nicht, selbstverständlich aber schon, zumindest in einer Zeit, in der Zeit keine Kategorie mehr zu ein scheint. Vieles ist heute synchron. Die Ver-e-isierung macht das möglich. Und was die Rückdimensionierung des Lebens auf das Wischbrettl an Zeit einspart, entschleunigen WapplerInnen, die mit ihrer Wischerei den Betrieb auf Rolltreppen, Trottoirs und anderen Bereichen des öffentlichen Raums aufhalten. Alles aufkommensneutral quasi.

Alter gibt es auch keine mehr.

Individuell nicht und historisch sowieso nicht. In den Lehrplänen für Geschichte ist das chronologische Prinzip überwunden. Fast alles ist fast immer möglich. X-zig ist das neue X-minus-zwanzig. Das Obst- und Gemüseregal im Supermarkt, in der Größe eines Fußballfeldes, schaut das ganz Jahr gleich aus. Essen kann man das meiste davon nicht, zumindest nicht blind, wenn man es trotzdem erkennen will. Alles ist zeitlos. Wirklich alles? Nein, Wein bietet der Zeitlosigkeit den letzten Widerstand, zumindest seriöser Wein, der mehr als Kracherl mit Alkohol, sogenanntes Glouglou – Naturglouglou oder Industrieglouglou – sein will.

Seriöser Wein will erwartet werden. Und die Orangen von Nino Crupi auch. Auf die darf der Rudl noch warten. Darum schmecken sie ihm so gut.

Abgesehen davon kommt sich der Rudl oft vor wie in einem Film, den jemand seinerzeit beim Urknall gedreht hat und der jetzt mit der Rücklauftaste abgespielt wird. Alles zurück aus Raum und Zeit, zuerst zurück auf zwei Wischdimensionen, aber in der Bude vom Apfelmeister arbeiten sie vermutlich längst an der Eliminierung der zweiten Dimension.

Vor diesem Hintergrund kann der Rudl ja auch das Aufhebens um allfällige 3-D-Drucker nicht ganz nachvollziehen. Müsste man nicht in die entgegengesetzte Richtung entwickeln, ein Druck wo dann nicht mehr ein Blattl, sondern ein Punkt, mathematisch nicht ganz korrekt maximal ein Fliegendreck heraus kommt.

Wein ist anders. Darum wird er heute anders schmecken als morgen. Und wenn sich das halbe Silicon Valley gemeinsam mit allen plastischen Chirurgen und Gewächshausparadeiserzüchtern dieser Welt auf den Kopf stellt.

Pomeranzen

Etymologisch sind die eine Kreuzung aus italienischen Äpfeln (pomo) und bitteren Marillen (arancia). Das möchte man vielleicht gar nicht meinen, wenn man das unreif geerntete Hochglanzzeug probiert. Die Orangen von Nino Crupi werden erwartet, zuerst von den Erntemeistern, dann vom Rudl und von ein paar anderen auch. Das schmeckt man, kommt zumindest dem Rudl vor.

Pommes de terre

Das ist auch kein Lercherl gewesen, bis die von den Anden zu uns herüber gebracht worden sind. Und irgendwie dürften manche aus dieser Dislocierung trugschließen, dass Erdäpfel besser schmecken, wenn man sie lange herum kutschiert. Darum bauen sie die irgendwo in Ägypten an. Der LKW bringt’s dann nach Holland zum Waschen, ein anderer nach Griechenland zum Schälen, bevor sie dann wieder von einer anderen Drecksschleuder nach Portugal gefahren und dort zu Erdäpfelpüree vergatscht werden. Pulverisiert wird das Ganze dann vermutlich in Polen und zu Chips verarbeitet in Marokko. Die Rudl seine zweitliebst Musikkapelle singt darüber ein ganzes Lied. Exportförderung fällt die eine oder andere an. Profitieren tun fast alle dran, mit Ausnahme vielleicht vom Erdäpfelanbauer und dem, der diese Chips dann essen muss. Und halt das Klima. Aber die Klimakatastrophe scheint dem Rudl ja eher mehr etwas Platonisches zu sein, präziser ausgedrückt die Maßnahmen zur Abwehr derselben erscheinen ihm platonisch. Wer auf sich hält, warnt mit mahnender Stimme, veranstaltet eine Enquete oder ein Schulprojekt, haut sich dann einen Kaffee aus der Alukapsel hinein, in den gepanzerten Esjuwi und heim in die klimatisierte Wohnung. Freiwilliger Komfortverzicht ist nicht zeitgemäß, es sei denn in Form einer Diät.

Etymologisch betrachtet

könnte man Orangeweine als Kreuzungen, in der Linguistik heißt man so etwas Kontamination, aus guten Erdäpfeln und reifen Orangen betrachten, zumindest etwas frei etymologisch betrachtet.

Dass so viele Veranstaltungen rund um die diversen Gärprodukte mit Hautkontakt im November stattfinden, das weiß Caviste Rudolf nicht. Er nimmt das Eintreffen der ersten Orangen von Nino Crupi zum Anlass, den braunen bis rosaroten Weinen die Reverenz zu erweisen.

Um diesen Anlass hervorzuheben, bekommt jeder Gast nach Wahl eine unbehandelte Orange vom Ätna oder eine gekochte Bioerdäpfel der Sorte Laura aus Frauenkirchen.

Jetzt noch kurz wegn dem Wein

Organic Anarchy 2013, Aci Urbajs, Rifnik, Slowenien

Chardonnay, Welschriesling und Kerner. Archäologenwein von einem extraordinaire schönen Platz

Le Blanc du Casot 2010, Le Casot de Mailloles (Alain Castex), Banyuls-sur-Mer

Garagenwein im wörtlichen Sinn. Wo seit zehn Jahren Alain Castex Wein macht, sind davor Kraxen der Marke Citroën repariert worden.

Das nicht gerade als laut zu bezeichnende Hinweisschild auf den Wandel des Gewerbes in den Mauern der ehemaligen Citroën-Werkstatt hat der Rudl 2011 aus dem Fenster eines eher nicht so feinen Hotels in Banyuls erblickt. Nach ein paar Läutversuchen hat der Rudl dann gegen Ende des Urlaubs den Meister persönlich angetroffen und eine Flasche vom angeblich weißen Casot de Mailloles erworben. Jahrgang zehn, aber das steht natürlich nicht am Etikett, weil so ein Wein weder dem gewohnten Geschmacksbild eines Banyuls noch dem eines nicht mit Branntwein aufgebesserten Collioures entspricht, deswegen als Vin de France klassifiziert wird und auch nur ein lateinisches X auf den Jahrgang hinweisen darf. Etwa zwei Drittel Grenache Gris und eines Grenache Blanc. Insgesamt produziert Herr Castex fünftausend Flaschen im Jahr. Das erklärt vielleicht auch, warum diese Weine nicht in jeder zweiten Vinothek stehen.

Geschwefelt, filtriert, geschönt oder dergleichen wird nicht.

Wachsen tun diese Trauben auf ziemlich ausgesetzten, vom Tramontana gemarterten, Steinhalden aus schwarzem Schiefer, die man vielleicht als Pendant der Pyrenäen zum Alpenvorland betrachten könnte. Nur dass diese Weingärten auf das Mittelmeer und nicht auf das Salzkammergut hinunter schauen. Weniger grün sind sie auch. Darum brennt es im Sommer öfter.

Casot ist übrigens der Ausdruck für Steinhäusln, die man seinerzeit für die Arbeiter im Weinberg als Schutz vor Sonne, Wind und Unwettern errichtet hat.

Weißer Schiefer (m) 2011, Uwe Schiefer, Südburgenland

Weißburgunder und Welschriesling vom Eisenberg

La Grande Journée 2012, Jean-Yves Peron, Albertville (7/11)

Im Zeitalter des Humanismus und der Aufklärung haben die Maler begonnen, ihre Namen auf die Bilder zu schreiben. Der Rudl weiß nicht, ob es damals schon Weinetiketten gegeben hat. Jean-Yves Peron scheint der Frage nachzugehen, wie weit sich der Mensch aus dem Weinbau zurückziehen kann. Viel weiter eher nicht, wenn Sie den Rudl fragen.

  • Organic Anarchy 2013, Aci Urbajs, Rifnik, Slowenien (5/8)
  • Le Blanc du Casot 2010, Le Casot de Mailloles (Alain Castex), Banyuls-sur-Mer (7/11)
  • La Grande Journée 2012, Jean-Yves Peron, Albertville, Savoyen (7/11)
  • Gemischter Satz 2016, Erich Andert, Pamhagen (3/5)
  • Morillon 2013, Karl Schnabel, Sausal, Steirerland (6/9)
  • Weißer Schiefer (m) 2011, Uwe Schiefer, Südburgenland (6,50/10)
  • Sauvignon Blanc Gräfin 2015, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steiererland (5/8)
  • Bianco Breg 2008, Josko Gravner, Oslavije, Italien (8/12)
  • Frühroter Veltiner Una, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel West (4,50/7)

Diese Weine, aber auch weniger tanninreiche und billigere kredenzt Herr Rudolf diese Woche ausnahmsweise

am Dienstag, den 13. November und am Mittwoch, den 14. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Weinauktion zugunsten des Integrationshaus

17. November. 19 30 im Alten Rathaus in der Wipplinger Straße 8 statt (Bank Austria Salon).

Wie geschrieben, kann man bei dieser Versteigerung gediegene Flascherl für einen mehr als guten Zweck ersteigern und das eine oder andere Glasl für einen ebensolchen trinken. Im Integrationshaus selber kann man das, wovon heute oft die Rede ist, das aber in viel zu geringem Ausmaß praktiziert wird, nämlich professionelle Integration at its best begutachten.

Fernbleiben nur gegen ärztliches Attest.

https://www.integrationshaus.at/de/eventarchiv/22-weinversteigerung-zugunsten-des-integrationshauses

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Herr Rudolf freut sich, einen ganzen Haufen neuer Weine und neuer Jahrgänge aus Savoyen offerieren zu dürfen. Nur die Preise weiß er noch nicht genau.

Vorschau auf die nächste Lehrveranstaltung

Tour de France 2019

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt, passt und wartet!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Ni Steirischer Junker, ni Beaujolais nouveau. Gewartet haben I

Kairos

Vor den Herbstferien hat Ihnen der Rudl erzählt, dass ihm der richtige Zeitpunkt, genau genommen das Erkennen desselben regelmäßig etwas aufzulösen gibt. Polifka Fils würde sich zwar nicht als langsamen Zeitgenossen bezeichnen, aber er nimmt sich gerne Zeit zur Akklimatisierung, Zeit, die ihm manche Gelegenheiten verweigern und also aufhören, ebensolche zu sein, bevor der Rudl auch nur eines Fußabdrucks von ihnen gewahr worden ist.

Wein oder Jungwein, das ist die Frage

Es ist ja nicht so, dass es nicht schon längst Jungweine aus dem Jahrgang 2018 gäbe. Spätestens seit August düsen die Turbogärheferln durch heimische Weinkeller, und auch durch ein paar im Beaujolais.

Jungweinzeit

Die Auffassung von einem jungen Wein ist vermutlich eine ziemlich relative Angelegenheit. Dominique Belluard etwa erachtet seinen Le Feu 2010 als noch nicht reif, würde 2011 hingegen schon trinken und Thérèse Riouspeyrous findet, dass Hégoxuri 2014 seine beste Zeit noch vor sich hat. So ein Zugang scheint in Österreich zumindest nicht mehrheitsfähig. Daran ist möglicherweise eine der Lieblingsinstitutionen vom Rudl mit schuld, der Heurige. Dort gilt traditionell ein Wein als Heuriger, solange keiner aus dem folgenden Jahr verfügbar ist. Mit seinem Amtsantritt an der Schank macht der neue Heurige dann seinen Vorgänger zum „Altwein“. Als besonderes Kompliment wird man das nicht aufzufassen dürfen, in einem Etablissement mit dem Namen „Heuriger“.

Der junge …

In den Eckgasthäusern und nicht nur in diesen freuen sich die Salz- und Pfefferstreuer ab September, dass sie nicht so alleine herum stehen müssen und ihnen die Taferl mit dem Jungen Wiener, dem Steirischen Junker oder dem Primus Pannonikus Gesellschaft leisten.

Der Steirische Junker

Am Mittwoch vor Martini ist es früher gewesen. Da haben sie den womöglich berühmtesten österreichischen Jungwein präsentiert, den Steirischen Junker. Pfiffige hat dieser Termin aber nicht daran gehindert, noch früher das Angebot durch einen Jungwein welcher Bezeichnung auch immer zu bereichern. Selbst eine gegenderte „Junge Steirerin“ hat der Rudl schon im Regal einer Vinothek gesichtet. Heuer ist auch der Junker schon am 25. Oktober auf dem Markt gewesen. „Vü nimma Darwartn“ sagt der Herr Kurt.

Monsieur Rudolf braucht derlei nicht zu seinem oenologischen Glück, egal ob sprachlich antiegalitär verdumpft als Junker, noch politisch korrigiert. So oder so, hält es der Rudl da mit Gerhard Polt und wartet.

Drum kredenzt er diese Woche Weine, auf die er schon ein Zeitl gewartet hat.

2008 in Savoyen

Die allerlängste Zeit kein Anlass zur Sorge. Ende August wird es dann nass. Das bleibt es auch. Für die eine oder andere Jacquère ist sich das dann mit der Reife nicht mehr ausgegangen. Altesse, Chignin-Bergeron und vor allem die Roten haben sich noch erfangen, direkt als „blad“, wenn Sie dem Rudl diese umgangssprachliche Bemerkung gestatten, sind sie aber nicht zu bezeichnen.

2008 in Österreich

Ende August wird jedes Jahr der Weinjahrgang, und zwar der desselben Jahres beurteilt. Die Beurteilungsskala ist zweistufig und verbal. Sind die acht Wochen vor der Verlautbarung des Urteils heiß gewesen, wird ein Jahrhundertjahrgang verlautbart, sind sie nicht so heiß gewesen, annonciert man einen Winzerjahrgang. Zweitausendacht hat damals im August ein „Winzerjahrgang“ bekommen. In weiterer Folge sind über diesen Weinjahrgang ein paar Marketingphrasen gedroschen worden. Spätestens wenn ein Großteil der Industrieweine verschachert ist, bleibt eine Mischung aus Jammern und Geringschätzung für so einen Jahrgang über. Zwei Jahre später hat sich das Ganze bezüglich 2010 wiederholt. Der Rudl tendiert dazu, davon auszugehen, dass da in etlichen Jahrgangsbeschreibungen lediglich die Jahreszahlen ausge“besser“t worden sind.

Für Caviste Rudolf ist 2008 ein extraordinär grandioser Jahrgang. Frische, Charakter und Eleganz in perfekter Kombination. Dafür ist Monsieur Rudolf den begnadigten Weinbaumeistern, wie sie der Herr Kurt nennen würde, ziemlich dankbar. Und er stellt sich deren Hacke in diesem Jahr als ganz besonders zach vor. Wasser in allen Aggregatszuständen. Der Gesundheit der Weinbeere ist das nicht immer nur zuträglich. Dem Rudl ist der Weinjahrgang 2008 fast ein bissl so etwas wie die Weinwerdung des Arbeitsauftrages von Jesus, man möge trachten, Salz der Erde zu sein. Von Zucker war keine Rede.

Der Rudl wartet gerne, bis die Weine ein bissl reifer sind. Damit sie dann auch gut schmecken, müssen sie schon ein bissl vif sein. Den Weinen des Jahrgangs 2008, deren Beeren und Trauben gesund gelesen worden sind, kann man diese Vifheit sicher nicht absprechen. Den Umstand, dass gerade ein biologisch arbeitender Weinbauer wie Sepp Mantler in einem wasserreichen Jahr wie 2008 derart hervorragende Weine gekeltert hat, kann man vielleicht auch als Denkzettel für jene verstehen, die immer noch meinen, Bioweinbau sei etwas für vom Wetter besonders begünstigte Jahrgänge. Kulturwein.

Warten eins

Der Jahrgang 2008 und damit das stolze Alter von runden zehn Jahren ist aber nicht das Einzige, was die diese Woche zur Kredenzung gebrachten Weine verbindet. Sie finden sich auch samt und sonders im Sortiment vom Rudl, die meisten halt in Bouteillifizierung ihrer jüngeren Schwester und Brüder. Wenn Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, diese Woche ein Wein beim Rudl besonders gut schmeckt, dann können Sie den zwar nicht einszueins mit nachhause nehmen, aber Sie können eines von den erwähnten jüngeren Exemplaren erwerben, daheim in den Keller oder ganz hinten in die Speisekammer legen und das Heranreifen des Weines abwarten. Da ist der Schulmeister Rudolf quasi in seinem Element. Da kann er lehren. Und derlei lehrt der Rudl viel lieber, als dass ein Wein nach rotem Paprika oder grünem Pfeffer schmeckt. Bildungsmeister Rudolf betrachtet das Wartenkönnen, zusammen mit dem Neinsagenkönnen und dem Sichanstrengenkönnen als das Herzstück seines ganz persönlichen Bildungsideals.

Ein Achter schert aber auch diesbezüglich aus. Bianco Breg 2008 von Josko Gravner ist der aktuelle Jahrgang dieses Weins im Sortiment vom Rudl, wobei von dem der Fünfer auch noch verfügbar ist.

  • Sauvignon Blanc 2008, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedlersee (4,50/7)
  • Neuburger Hommage 2008, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltiner Hundsberg 2008, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel West (6,50/10)
  • Grüner Veltiner Steinleithn 2008, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (6/9)
  • Les Alpes 2008, Dominique Belluard, Ayze, AOC Vin de Savoie (7/11)
  • Bianco Breg 2008, Josko Gravner, Oslavia, IGT Venezia Giulia (8/12)
  • Sélection Arbois 1998, André et Mireille Tissot, AOC Arbois, Jura (6/9)

Diese Weine, aber auch billigere, nur halt keinen aus 2018 kredenzt der Rudl am

Mittwoch, den 7. November und am Freitag, den 9. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Weinauktion zugunsten des Integrationshaus

Ein Herzensanliegen ist es dem Rudl, auf die diesjährige Weinversteigerung zugunsten des Wiener Integrationshauses hinzuweisen. Sie findet am 17. November ab 19 30 im Alten Rathaus in der Wipplinger Straße 8 statt (Bank Austria Salon)

https://www.integrationshaus.at/de/eventarchiv/22-weinversteigerung-zugunsten-des-integrationshauses

Bei dieser Versteigerung kann man gediegene Flascherl für einen mehr als guten Zweck ersteigern und das eine oder andere Glasl für einen ebensolchen trinken. Im Integrationshaus selber kann man das, wovon heute oft die Rede ist, das aber in viel zu geringem Ausmaß praktiziert wird, nämlich professionelle Integration at its best begutachten.

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Herr Rudolf freut sich

  • Bela, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien
  • Blauer Burgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck
  • Ruländer 2014, Weingut Dieter Dorner, Mureck und vor allem
  • Neuberger 2016,

den Wein zum vierzigjährigen Geburtstag der Bioweine vom Weingut Dieter Dorner

in seinem Sortiment begrüßen zu dürfen.

Vorschau auf die nächste Lehrveranstaltung

Orangen und Orange

Im Übrigen wartet Rudolf Polifka immer noch darauf, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt und wartet!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro