Ni Steirischer Junker, ni Beaujolais nouveau. Gewartet haben I

Kairos

Vor den Herbstferien hat Ihnen der Rudl erzählt, dass ihm der richtige Zeitpunkt, genau genommen das Erkennen desselben regelmäßig etwas aufzulösen gibt. Polifka Fils würde sich zwar nicht als langsamen Zeitgenossen bezeichnen, aber er nimmt sich gerne Zeit zur Akklimatisierung, Zeit, die ihm manche Gelegenheiten verweigern und also aufhören, ebensolche zu sein, bevor der Rudl auch nur eines Fußabdrucks von ihnen gewahr worden ist.

Wein oder Jungwein, das ist die Frage

Es ist ja nicht so, dass es nicht schon längst Jungweine aus dem Jahrgang 2018 gäbe. Spätestens seit August düsen die Turbogärheferln durch heimische Weinkeller, und auch durch ein paar im Beaujolais.

Jungweinzeit

Die Auffassung von einem jungen Wein ist vermutlich eine ziemlich relative Angelegenheit. Dominique Belluard etwa erachtet seinen Le Feu 2010 als noch nicht reif, würde 2011 hingegen schon trinken und Thérèse Riouspeyrous findet, dass Hégoxuri 2014 seine beste Zeit noch vor sich hat. So ein Zugang scheint in Österreich zumindest nicht mehrheitsfähig. Daran ist möglicherweise eine der Lieblingsinstitutionen vom Rudl mit schuld, der Heurige. Dort gilt traditionell ein Wein als Heuriger, solange keiner aus dem folgenden Jahr verfügbar ist. Mit seinem Amtsantritt an der Schank macht der neue Heurige dann seinen Vorgänger zum „Altwein“. Als besonderes Kompliment wird man das nicht aufzufassen dürfen, in einem Etablissement mit dem Namen „Heuriger“.

Der junge …

In den Eckgasthäusern und nicht nur in diesen freuen sich die Salz- und Pfefferstreuer ab September, dass sie nicht so alleine herum stehen müssen und ihnen die Taferl mit dem Jungen Wiener, dem Steirischen Junker oder dem Primus Pannonikus Gesellschaft leisten.

Der Steirische Junker

Am Mittwoch vor Martini ist es früher gewesen. Da haben sie den womöglich berühmtesten österreichischen Jungwein präsentiert, den Steirischen Junker. Pfiffige hat dieser Termin aber nicht daran gehindert, noch früher das Angebot durch einen Jungwein welcher Bezeichnung auch immer zu bereichern. Selbst eine gegenderte „Junge Steirerin“ hat der Rudl schon im Regal einer Vinothek gesichtet. Heuer ist auch der Junker schon am 25. Oktober auf dem Markt gewesen. „Vü nimma Darwartn“ sagt der Herr Kurt.

Monsieur Rudolf braucht derlei nicht zu seinem oenologischen Glück, egal ob sprachlich antiegalitär verdumpft als Junker, noch politisch korrigiert. So oder so, hält es der Rudl da mit Gerhard Polt und wartet.

Drum kredenzt er diese Woche Weine, auf die er schon ein Zeitl gewartet hat.

2008 in Savoyen

Die allerlängste Zeit kein Anlass zur Sorge. Ende August wird es dann nass. Das bleibt es auch. Für die eine oder andere Jacquère ist sich das dann mit der Reife nicht mehr ausgegangen. Altesse, Chignin-Bergeron und vor allem die Roten haben sich noch erfangen, direkt als „blad“, wenn Sie dem Rudl diese umgangssprachliche Bemerkung gestatten, sind sie aber nicht zu bezeichnen.

2008 in Österreich

Ende August wird jedes Jahr der Weinjahrgang, und zwar der desselben Jahres beurteilt. Die Beurteilungsskala ist zweistufig und verbal. Sind die acht Wochen vor der Verlautbarung des Urteils heiß gewesen, wird ein Jahrhundertjahrgang verlautbart, sind sie nicht so heiß gewesen, annonciert man einen Winzerjahrgang. Zweitausendacht hat damals im August ein „Winzerjahrgang“ bekommen. In weiterer Folge sind über diesen Weinjahrgang ein paar Marketingphrasen gedroschen worden. Spätestens wenn ein Großteil der Industrieweine verschachert ist, bleibt eine Mischung aus Jammern und Geringschätzung für so einen Jahrgang über. Zwei Jahre später hat sich das Ganze bezüglich 2010 wiederholt. Der Rudl tendiert dazu, davon auszugehen, dass da in etlichen Jahrgangsbeschreibungen lediglich die Jahreszahlen ausge“besser“t worden sind.

Für Caviste Rudolf ist 2008 ein extraordinär grandioser Jahrgang. Frische, Charakter und Eleganz in perfekter Kombination. Dafür ist Monsieur Rudolf den begnadigten Weinbaumeistern, wie sie der Herr Kurt nennen würde, ziemlich dankbar. Und er stellt sich deren Hacke in diesem Jahr als ganz besonders zach vor. Wasser in allen Aggregatszuständen. Der Gesundheit der Weinbeere ist das nicht immer nur zuträglich. Dem Rudl ist der Weinjahrgang 2008 fast ein bissl so etwas wie die Weinwerdung des Arbeitsauftrages von Jesus, man möge trachten, Salz der Erde zu sein. Von Zucker war keine Rede.

Der Rudl wartet gerne, bis die Weine ein bissl reifer sind. Damit sie dann auch gut schmecken, müssen sie schon ein bissl vif sein. Den Weinen des Jahrgangs 2008, deren Beeren und Trauben gesund gelesen worden sind, kann man diese Vifheit sicher nicht absprechen. Den Umstand, dass gerade ein biologisch arbeitender Weinbauer wie Sepp Mantler in einem wasserreichen Jahr wie 2008 derart hervorragende Weine gekeltert hat, kann man vielleicht auch als Denkzettel für jene verstehen, die immer noch meinen, Bioweinbau sei etwas für vom Wetter besonders begünstigte Jahrgänge. Kulturwein.

Warten eins

Der Jahrgang 2008 und damit das stolze Alter von runden zehn Jahren ist aber nicht das Einzige, was die diese Woche zur Kredenzung gebrachten Weine verbindet. Sie finden sich auch samt und sonders im Sortiment vom Rudl, die meisten halt in Bouteillifizierung ihrer jüngeren Schwester und Brüder. Wenn Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, diese Woche ein Wein beim Rudl besonders gut schmeckt, dann können Sie den zwar nicht einszueins mit nachhause nehmen, aber Sie können eines von den erwähnten jüngeren Exemplaren erwerben, daheim in den Keller oder ganz hinten in die Speisekammer legen und das Heranreifen des Weines abwarten. Da ist der Schulmeister Rudolf quasi in seinem Element. Da kann er lehren. Und derlei lehrt der Rudl viel lieber, als dass ein Wein nach rotem Paprika oder grünem Pfeffer schmeckt. Bildungsmeister Rudolf betrachtet das Wartenkönnen, zusammen mit dem Neinsagenkönnen und dem Sichanstrengenkönnen als das Herzstück seines ganz persönlichen Bildungsideals.

Ein Achter schert aber auch diesbezüglich aus. Bianco Breg 2008 von Josko Gravner ist der aktuelle Jahrgang dieses Weins im Sortiment vom Rudl, wobei von dem der Fünfer auch noch verfügbar ist.

  • Sauvignon Blanc 2008, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedlersee (4,50/7)
  • Neuburger Hommage 2008, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltiner Hundsberg 2008, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel West (6,50/10)
  • Grüner Veltiner Steinleithn 2008, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (6/9)
  • Les Alpes 2008, Dominique Belluard, Ayze, AOC Vin de Savoie (7/11)
  • Bianco Breg 2008, Josko Gravner, Oslavia, IGT Venezia Giulia (8/12)
  • Sélection Arbois 1998, André et Mireille Tissot, AOC Arbois, Jura (6/9)

Diese Weine, aber auch billigere, nur halt keinen aus 2018 kredenzt der Rudl am

Mittwoch, den 7. November und am Freitag, den 9. November

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Weinauktion zugunsten des Integrationshaus

Ein Herzensanliegen ist es dem Rudl, auf die diesjährige Weinversteigerung zugunsten des Wiener Integrationshauses hinzuweisen. Sie findet am 17. November ab 19 30 im Alten Rathaus in der Wipplinger Straße 8 statt (Bank Austria Salon)

https://www.integrationshaus.at/de/eventarchiv/22-weinversteigerung-zugunsten-des-integrationshauses

Bei dieser Versteigerung kann man gediegene Flascherl für einen mehr als guten Zweck ersteigern und das eine oder andere Glasl für einen ebensolchen trinken. Im Integrationshaus selber kann man das, wovon heute oft die Rede ist, das aber in viel zu geringem Ausmaß praktiziert wird, nämlich professionelle Integration at its best begutachten.

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Herr Rudolf freut sich

  • Bela, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien
  • Blauer Burgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck
  • Ruländer 2014, Weingut Dieter Dorner, Mureck und vor allem
  • Neuberger 2016,

den Wein zum vierzigjährigen Geburtstag der Bioweine vom Weingut Dieter Dorner

in seinem Sortiment begrüßen zu dürfen.

Vorschau auf die nächste Lehrveranstaltung

Orangen und Orange

Im Übrigen wartet Rudolf Polifka immer noch darauf, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt und wartet!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

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